10 Jahre Arbeitskreis – 68 Stolpersteine gelegt
Für alle Kuppenheimer Juden ein Stolperstein
Familien zusammenführen
Der AK Solpersteine kämpft seit Jahren darum, vor dem Haus in der Rheinstraße 9 für die Familien Nathan Kahn und Meier Kahn 15 Stolpersteine legen zu können. Dies war jedoch nicht möglich, weil das Anwohner-Ehepaar seine Zustimmung (wie vom Gemeinderat 2009 gefordert) verweigerte.
Darüber hinaus hat der Arbeitskreis bei der Stadtverwaltung die Legung von weiteren 14 Stolpersteinen für 2021 beantragt. Dieses Ansinnen wurde zunächst abgelehnt mit dem Verweis auf einen endgültigen Beschluss des Gemeinderats zum Thema „Stolpersteinlegungen“. Darüber hinaus hat die Stadtverwaltung die Legalität der bisher verlegten 68 Stolpersteine angezweifelt, da 2012 lediglich 8 Stolpersteine vom Gemeinderat genehmigt wurden. Dazu die Fakten:
1. Alle Stolpersteinlegungen wurden rechtzeitig bei der Stadtverwaltung beantragt und genehmigt.
2. Die Stadt hat als offiziellen Vertreter jedes Mal (Ausnahme 2019, BM-Stellvertreter war beruflich verhindert) Bürgermeisterstellvertreter Rudolf Jörger (SPD) zu den Legungen geschickt.
3. Der städtische Bauhof hat alle Legungen mit Roland Hampel in hervorragender Art und Weise vorbereitet und begleitet.
Rudolf Jörger, vom Bürgermeister zum Koordinator zwischen den einzelnen Gruppierungen berufen, bat den AK-Vorsitzenden Heinz Wolf Anfang des Jahres 2021, eine Liste der noch zu legenden Stolpersteine aufzustellen. Diese wurde innerhalb weniger Tage dem Ausschuss vorgelegt und in zwei Sitzungen abgestimmt.
Bei drei Bereichen musste der AK Stolpersteine Abstriche machen:
1. Max Joseph und Berta Joseph, geb. Grünbaum, konnten nicht berücksichtigt werden, da für sie bereits in Worms Stolpersteine liegen und somit eine Familienzusammenführung im kleinen Rahmen stattgefunden hat.
2. Auch die in Kuppenheim geborenen Viktor Nöther und Wilhelmine Heimberger, geb. Eichstetter, konnten keine Steine bekommen, da die Daten zu ihren Lebensläufen noch ungesichert sind.
3. Für Heinrich Ridinger (Zeuge Jehova), der in Dachau ermordet wurde und für Arnold Ross, ermordet in der Euthanasiestätte Pirna, hat der Bürgermeister ein alternatives Gedenken vorgeschlagen, was dann auch vom Gemeinderat abgesegnet wurde.
Mit dem Ergebnis kann der Arbeitskreis zufrieden sein. 61 Stolpersteine können in den kommenden Jahren noch gelegt werden, in der Summe dann 129 Steine. Im Rahmen der Familienzusammenführungen werden 22 jüdische Familien, die ihre Wurzeln in Kuppenheim haben, ihre „Schluss-Steine“ erhalten. Ihre Namen werden nicht vergessen, und das Unrecht, das ihnen während der NZ-Zeit geschah, wird im öffentlichen Raum in Erinnerung bleiben.
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22 jüdische Familien im Gedenken zusammenführen
Der Gemeinderat Kuppenheim hat am 15. Februar entschieden: 61 Stolpersteine können in den kommenden Jahren noch gelegt werden, in der Summe dann 129 Steine. Im Rahmen der Familienzusammenführungen werden 22 jüdische Familien an 15 Standorten, die ihre Wurzeln in Kuppenheim haben, ihre „Schluss-Steine“ erhalten. Ihre Namen werden nicht vergessen, und das Unrecht, das ihnen während der NZ-Zeit geschah, wird im öffentlichen Raum in Erinnerung bleiben.
Info dazu: BT 17.02.2021 von Markus Koch - Auszüge
Verlegung von 61 Stolpersteinen zugestimmt
Kuppenheimer Gemeinderat befürwortet zudem Mahnmal für Bürger, die während NS-Zeit verfolgt wurden
Kuppenheim - Der Kuppenheimer Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Montag den Weg frei gemacht für die Verlegung von 61 weiteren Stolpersteinen. Damit wird es insgesamt 129 dieser Gedenksteine in der Knöpflestadt geben, die an die einstigen jüdischen Mitbürger erinnern. Vorausgegangen war eine Stellungnahme von Heinz Wolf, Sprecher des AK Stolpersteine, in der sich die Gruppierung von dem Kuppenheimer Künstler Paul Sachse, der mittlerweile in Hamburg wohnt, distanziert.
In der Vergangenheit hatten E-Mails von Sachse an Bürgermeister Karsten Mußler und an einige Gemeinderäte die Zusammenarbeit mit dem AK auf eine Belastungsprobe gestellt (wir berichteten). Die Stadt hatte eine weitere Zusammenarbeit von einer Distanzierung des AK von Sachse abhängig gemacht. Heinz Wolf wurde in der Sitzung Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben: „Der Arbeitskreis und insbesondere ich als Sprecher sehen uns unter einem ungeheuren Druck. Einerseits wurde uns mehrfach vermittelt, dass es ohne eine Abgrenzung des Arbeitskreises von Paul Sachses bekannten Auslassungen keine weiteren oder zumindest nur eingeschränkte Stolpersteinlegungen geben werde", führte Wolf aus.
Rudolf Jörger, vom Bürgermeister zum Koordinator zwischen den einzelnen Gruppierungen berufen, habe in seiner E-Mail vom 7. Januar an ihn deutlich gemacht, „dass Herr Mußler sein Votum davon abhängig mache, dass ich als AK-Vorsitzender mich von den Äußerungen Sachses distanziere", so Wolf. Sachse andererseits „verunglimpft mich und die anderen vom Arbeitskreis, sollten wir dem von der Stadtverwaltung vorgelegten Kompromiss zustimmen und uns somit von seinen Äußerungen distanzieren, die immer ohne unsere Kenntnis geschahen", verdeutlichte der AK-Sprecher.
„Äußerungen von Paul Sachse, die Sie, Herr Bürgermeister Mußler, Gemeinderäte und Vereinsvertreter als persönliche Angriffe oder Beleidigungen empfanden, wurden
und werden vom Arbeitskreis nicht mitgetragen", betonte Wolf. Im Hinblick auf dessen Äußerungen habe es keine Absprache mit Mitarbeitern des Arbeitskreises und Sachse gegeben. Dieser sei seit Ende vergangenen Jahres nicht mehr Mitglied im AK
Dennoch würdige der Arbeitskreis Sachses Beiträge bei Gedenkveranstaltungen, Führungen und beim Betreuen der Stolpersteine. Man schätze dessen Einsatz für eine „würdige Gedenktafel zur Schändung der Kuppenheimer Synagoge". Sachse habe viele Jahre für eine Namenstafel auf dem Synagogenplatz gekämpft, einen künstlerischen Entwurf gestaltet „und musste dann zusehen, wie seine Idee von der KJG im Auftrag der Gemeinde realisiert wurde", sagte Wolf.
Im Hinblick auf die Sitzungsvorlage, in der das Engagement der einzelnen Gruppierungen im Hinblick auf das Gedenken gewürdigt wird, fühle sich der Arbeitskreis „was die Anerkennung unseres Engagements anbelangt, eher etwas stiefmütterlich behandelt", monierte er.
Anmerkungen des AK dazu:
Es waren die Anträge und die jahrelange Vorarbeit des Arbeitskreises, die zur Debatte im Ratsgremium führten. Es ist unverhältnismäßig, wenn einerseits jetzt das Engagement Anderer besonders hervorgehoben wird, z.B. das alle zwei Jahre stattfindende Gedenken der KJG zur Pogromnacht. Anderseits findet das seit zehn Jahre bestehende Bemühen des Arbeitskreises mit 70 Aktionen und Veranstaltungen, davon 30 Führungen auf dem jüdischen Friedhof und Zeitzeugengespräche mit Kurt Maier (Gurs-Überlebender) und Esther Bejarano vom Auschwitz-Mädchenorchester, kaum Erwähnung.
BT: Bezüglich der geplanten Verlegung von 19 Stolpersteinen in der Rheinstraße 9, die vom Eigentümer abgelehnt wird, war im Vorfeld der Sitzung eine geheime Abstimmung beantragt worden. Mit elf Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und einer Enthaltung verzichtete das Gremium auf dessen Einwilligung, sodass die Steine nun gelegt werden können.
Anmerkungen des AK dazu:
In der Rheinstraße 9 waren ursprünglich 15 Stolpersteine geplant. Mit der Aktion „Familienzusammenführung“ werden es nun 19 Steine. Hätte der Gemeinderat 2012 nicht auf sein Wegerecht verzichtet und die Zustimmung der Anwohner verpflichtend gemacht, hätte viel „böses Blut“ vermieden werden können. Umso erfreulicher ist es, dass jetzt endlich die Mitglieder der Familie Nathan Kahn und Meier Kahn ihre Steine der Erinnerung erhalten.
BT: Der Rat befürwortete zudem die Errichtung des besagten Mahnmals für Bürger, die unter den Repressalien der Nationalsozialisten gelitten haben und das Schicksal der namentlich bekannten Opfer Arnold Roos und Heinrich Ridinger von einem Historiker im Auftrag der Stadt aufarbeiten zu lassen.
Anmerkung des AK dazu:
Der Arbeitskreis hatte die Absicht, für die beiden Opfer des Nationalsozialismus im Sinne des Künstlers Gunter Demnig vor ihren ehemaligen Wohnstätten Stolpersteine zu legen und die Stadtverwaltung um die Wohnadressen bzw. um Genehmigung gebeten. Der Gemeinderat schloss sich dem Vorschlag von Bürgermeister Mußler an, für weitere Opfer des NS-Regimes ein Mahnmal zu errichten, nach entsprechender Recherche durch einen Historiker.
Kommentar: Schlussstrich gezogen - von Markus Koch
Einen Schlussstrich hat Heinz Wolf unter die Zusammenarbeit des Arbeitskreises
Stolpersteine mit dem Künstler Paul Sachse gezogen. Dieser hatte mit E- Mails an Bürgermeister Karsten Mußler und an Gemeinderäte, die von diesen als beleidigend empfunden wurden, die Zusammenarbeit zwischen dem AK und der Stadt massiv belastet. Wie immer man das Engagement Sachses für das Gedenken an die jüdischen Mitbürger einstufen mag: Mit seiner Vorgehensweise hat er dem Arbeitskreis geschadet, der sich nun von ihm distanziert hat. Dank des Ratsbeschlusses werden nun insgesamt 129 Männer und Frauen jüdischen Glaubens, die einst in Kuppenheim lebten, einen Stolperstein bekommen. Damit sollte ein Schlussstrich unter die Misstöne gezogen sein, die es im Zusammenhang mit dieser Form der Erinnerungsarbeit gegeben hat. Einen Schlussstrich unter das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus darf es hingegen niemals geben.





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