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Friedhof 06 09 2020 klein

Legungen 2019

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Erinnerung verbindet auch äußerlich
7. Stolpersteinlegung am Dienstag, 29. Oktober, 14 Uhr, Murgtalstraße 2

Der Initiator des weltgrößten Denkmals dieser Art, Gunter Demnig, kommt trotz seines Alters (71 Jahre) immer wieder gerne nach Kuppenheim, um die Verlegung persönlich vorzunehmen. Bisher hat er mehr als 70.000 Steine in mehr als 1.200 Ortschaften und in 24 Ländern in den Gehweg eingelassen. Am 29. Oktober ist er zum siebten Mal in Kuppenheim, wo er bisher 61 Stolpersteine setzte. Diese geben den Menschen ihren Namen wieder und damit ein Stück Würde und Individualität.

 

Sieben Stolpersteine für Familie Max Dreifuß in der Murgtalstraße 2


Marie Dreyfuß, geb. Friedmann, hat bereits bei der ersten Legung 2013 vor ihrer letzten Wohnstätte einen Stolperstein erhalten. Am 22. Oktober 1940 wurde sie mit 13 anderen Kuppenheimer Juden im Alter von 90 Jahren ins Lager Gurs deportiert und am 11.02.1943 mit dem Transport Nr. 47 über das Lager Drancy zur Vergasung nach Auschwitz verschickt.

 

Auch die Kinder kamen nach Gurs. Drei Kindern der Eheleute Dreyfuß (Max, Ida und Regina) erhalten ebenfalls Stolpersteine.

 

Ida Dreifuß, verh. Heumann, geb. 13.04.1887, wurde mit ihrem Ehemann Hermann Isa Heumann nach GURS, dann mit Transport Nr. 17 am 10. August 1942 nach Auschwitz deportiert und vergast. Ida war bei ihrem Tod 55 Jahre alt.

 

Die Schwester Regina Dreifuß, verh. Katz, geb. 21.06.1894, wurde mit ihrem Ehemann Markus
Katz nach GURS verschleppt. Mit dem Transport Nr. 17 wurden sie am 10.08.1942 von
Drancy nach Auschwitz verfrachtet und dort mit 48 Jahren ermordet.

 

Stolpersteine für Familie Max Dreyfuß, Rettung durch Emigration und Flucht.

Max Dreifuß, geb. 10.11.1881, war Viehhändler und Kaufmann in Kuppenheim. Als Teilnehmer im Ersten Weltkrieg erhielt er wie die meisten jüdischen Soldaten aus Kuppenheim eine besondere Auszeichnung. Max wurde am 10. November 1938 im Anschluss an die Synagogen-Zerstörung in Kuppenheim in Schutzhaft genommen und befand sich danach drei Wochen im KZ Dachau. Am 22.10.1940 nach Gurs deportiert, konnte er mit seiner Ehefrau Fanny Dreyfuß, geb. Monatt, emigrieren. Die Eheleute Max und Fanny Dreyfuß betrieben seit 1911 ein Geschäft mit Manufakturen, Konfektion und Betten in der Murgtalstraße 2.


Die Tochter Mathilde Dreifuß, verh. Greilsamer, geb. 26.09.1912, wanderte (rechtzeitig vor der Reichspogromnacht 1938 und der Gurs-Aktion 1940) am 16.11.1936 in die USA aus und lebte in der Ehe mit Greilsamer nach 1945 in New York. Mathilde war 24 Jahre alt, als sie ihre Heimat Kuppenheim, ihre Familie und Freunde sowie ihren Arbeitsplatz verlassen musste. Dies war keine Emigration im herkömmlichen Sinne. Es war eine Flucht, um das Leben zu retten. Zu einem Leben im Ausland, überwiegend in Übersee, entschlossen sich 39 jüdische Mitbürger aus Kuppenheim währen der NS-Herrschaft von 1933 bis zur Zerschlagung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1940.

Ruth Anna Dreifuß, geb. 15.06.1921, die zweite Tochter von Max und Fanny Dreifuß, konnte zunächst ihre Ausreise wegen der Synagogenzerstörung (Reichspogromnacht) am 17.11.1938 nicht angetreten. Am 08.12.1938 gelang es ihr schließlich sich polizeilich von Kuppenheim abzumelden und nach New York als 17-Jährige zu emigrieren.

Stolperstein auch für Bertha Meier, verh. Baum.

 

Im Anschluss an die Stolpersteinlegung in der Murgtalstraße 2 verlegt der Arbeitskreis in der Friedrichstraße 98 noch einen Stein für Bertha Sara Meier, verh. Baum. Am 14. September 1939 zog sie mit ihren Verwandten Isidor Meier und Karolin Meier, geb. Kahn, von Nonnenweier nach Kuppenheim. 1940 nach Gurs deportiert, starb Bertha am 19. November 1944 in St. Astier. Ihr Bruder Isidor und die Schwägerin Karolina kamen am 28.08.1942 mit dem Transport Nr. 25 von Gurs über Drancy zur Ermordung nach Auschwitz.

 

Interessierte aus Kuppenheim und Umgebung sind herzlich eingeladen.

Das Legen von Stolpersteinen dient auch als Mahnung an die Jugend und an alle, gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkender wachsam zu sein. Der Arbeitskreis wirbt für Toleranz und Menschlichkeit und kooperiert mit mehreren Schulen. Esther Bejaranos vom Auschwitz-Mädchenorchester sagt (an die Jungen gerichtet): „Passt auf, dass die euch nicht verführen!“ und meint damit all diejenigen, die mit ihren Parolen und Tiraden Hass und Gewalt schüren und die Verantwortung für unsere Geschichte ignorieren.

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Arbeitskreis kämpft gegen das Vergessen
Sieben weitere Stolpersteine in Kuppenheim

 

Kuppenheim. „Am Anfang wird uns ein Name gegeben und ein guter Name ist alles, was wir am Ende Demnig web 1mitnehmen." So steht es im Talmud. Und in den Psalmen König Davids heißt es: „Er bestimmt die Zahl der Sterne und ruft sie alle beim Namen." Das jüdische Volk hat sich oft mit den Sternen verglichen, die Jahwe beim Namen ruft. Deshalb war es von den Nationalsozialisten besonders infam, den Menschen ihren persönlichen Namen zu nehmen und stattdessen Nummern zu vergeben.

 

„Wir geben den ehemaligen jüdischen Mitbürgern ihren Namen wieder und holen sie so aus dem Vergessen", sagte Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim bei der Verlegung von sieben weiteren Stolpersteinen in der Knöpflestadt. Zum siebten Mal war der Künstler Gunter Dem- nig, der die Idee zu dieser weltweiten Aktion hatte und in den vergangenen 23 Jahren 70 000 Stolpersteine in 26 Ländern verlegt hat, nach Kuppenheim gekommen. Am Dienstagnachmittag war die Murgtalstraße 2 sein erstes Ziel. Der städtische Bauhof hatte den Gehweg bereits für die Verlegung so vorbereitet, dass Gunter Demnig die sechs "Stolpersteine für die Familie Dreyfuß routiniert in das Pflaster einlassen konnte.

 

Für Marie Dreyfuß, die Mutter, die am 22. Oktober 1940 mit 13 weiteren Kuppenheimer Juden im Alter von 90 Jahren ins französische Gurs deportiert wurde, wurde bereits 2013 ein Stolperstein verlegt. Jetzt kamen ihre Kinder Anna, Ida, Regina und Max Dreifuß an die Reihe. Während Annas Schicksal, die mit dem Bäcker Moritz Scherer aus Sinzheim verheiratet war, noch recherchiert werden muss (sie erhielt einen Leerstein), ist klar, dass Ida und Regina Dreifuß mit ihren Ehemännern erst nach Gurs verschleppt und dann mit dem Transport Nummer 17 in die Gaskammern von Auschwitz deportiert wurden.

 

Sohn Max Dreifuß war ein angesehener Viehhändler und Kaufmann und im Ersten Weltkrieg hoch dekoriert. Nach der Reichspogromnacht wurde er mit fünf weiteren Kuppenheimern ins KZ Dachau geschafft und dort drei Wochen festgehalten. Was dort geschah mit Mithäftlingen, darüber sprachen die Rückkehrer nie. Mit seiner Ehefrau Fanny wurde Max ebenfalls nach Gurs deportiert, konnte aber emigrieren.

 

Hilfreich war, dass den beiden Töchtern der Familie, Mathilde und Ruth Anna Dreifuß, bereits die Flucht in die USA gelungen war. Für Fanny, Mathilde und Ruth Anna wurden ebenfalls Stolpersteine verlegt. „Wir wollen nicht nur der ermordeten jüdischen Mitbürger gedenken", so Heinz Wolf. Auch an die, die ihre Heimat verlassen mussten, weil ihnen die Lebensgrundlagen entzogen wurden, soll erinnert werden.

 

Die Familie Max Dreyfuß betrieb im Haus in der Murgtalstraße 2 ein Geschäft mit Konfektion und Betten. Nach der Machtergreifung 1933 hieß es auch bald in Kuppenheim „Kauft nicht bei Juden", die Kundschaft wurde von SA- Männern beobachtet und gehindert. Systematisch wurden die, die vorher selbstverständlich zur Stadtgesellschaft gehört hatten, an den Rand gedrängt und ausgeschlossen. Sie zurückholen in die Mitte des gesellschaftlichen Bewusstseins als Mahnung, dass so etwas nie wieder geschieht, ist die große Motivation des Arbeitskreises Stolpersteine in Kuppenheim.

 

Ein weiterer Stolperstein wurde für Bertha Sara Meier in der Friedrichstraße 86 verlegt. Insgesamt gibt es aktuell 68 Stolpersteine in Kuppenheim.

 

80 sollen es am Ende der Aktion sein. Ein Hausbesitzer stelle sich noch quer, poche auf sein Wegerecht auf dem Gehweg. Da werde der AK Stolpersteine versuchen, mit Unterstützung von Kommunalpolitikern den Hausbesitzer zum Einlenken zu bewegen, war zu erfahren. Ansonsten gebe es noch die Möglichkeit, dass auch Kuppenheim das Wegerecht auf den Gehwegen - wie die allermeisten deutschen Kommunen - aufhebt.

 

Künstler Gunter Demnig ist nach Kuppenheim gekommen, um weitere Stolpersteine zu verlegen.

Gunter Demnig ist zu Gast in der Knöpflestadt

 

Text: BNN 31.10.2019 - BNN-Mitarbeiterin Martina Holbein

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