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Lesung mit Musik 13 03 2019 klein

Stolpersteinlegungen

Demnig im Ehrenbuch von Kuppenheim

Rastatt/Kuppenheim
(fuv) - Gunter Demnig war wieder in Mittelbaden. Der Kölner Künstler verlegte am Samstag zunächst in der Barockstadt gemeinsam mit dem Verein Stolpersteine Rastatt 14 weitere Steine, die an die während der | Nazi-Zeit verschleppten und oft ermordeten Juden erinnern sollen. In Kuppenheim waren es später 13 Granitsteine mit den Messingplaketten, auf de­nen die Lebensdaten und - so­weit bekannt - das Schicksal der jüdischen Mitbürger ein­graviert sind.


In der Barockstadt verlegte Demnig fünf Stolpersteine für die Familien Dreyfuß/Ettlinger (wir berichteten) vor dem Haus Kapellenstraße 17. In der Kai­serstraße 59 lebten Emma, Fritz und Margarete Edel- schild, denen 1937 die Flucht in die USA und nach Brasilien gelang. Johanna und Frieda Friedmann war dies nicht ver­gönnt: Sie hatten in der Dre­herstraße 10,gelebt und kamen nach der Deportation in Gurs und in Auschwitz um. Vier weitere Stolpersteine erinnern in der Bleichstraße 6 im Dörfel an Leopold Nachmann, Ilse, Martin und Manfred Kuch. Manfred Kuchs Spur verliert sich im KZ Gurs, die drei an­deren wurden in KZs oder In- ternierungslagern ermordet.


In der Knöpflestadt platzier­ten Demnig 13 weitere Stolper­steine in der Friedrichstraße 79, 91 und 98. Die dort leben­den Juden konnten fliehen oder kamen in KZs ums Leben (wir berichteten). In Zeiten von Kriegen und verstärktem Rechtspopulismus seien die Stolpersteine umso wichtiger, betonte Bürgermeister-Stellver­treter Rudolf Jörger im Rah­men des Eintrags von Gunter Demnig in das Ehrenbuch der Stadt Kuppenheim. Für den Arbeitskreis sei es eine Ehre, dass Demnig erneut gekom­men sei, um die Gedenksteine zu verlegen, so der Vorsitzende des Arbeitskreises Heinz Wolf. Demnig nannte die Stolperstei­ne soziale Skulpturen. Das Kunstwerk seien nicht die Stei­ne an sich, sondern Aktionen und Begegnungen rund um die Verlege-Aktionen.

Demnig thumbnailDemnig Legung kleinehrenbuch demnig kleinPlayer Stolpersteinlegung

BT 21.03.2016, Text: Frank Vetter • Foto: Frank Vetter, BT

In Kuppenheim legt ihm Bürgermeister-Stellvertreter Rudolf Jörger (rechts) das Ehrenbuch der Stadt vor.

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6. Stolpersteinlegung am Samstag, 7. Juli 2018

 

12:00 Uhr: Friedrichstraße 98 - Stolperstein für Blanka Meier

 

12:30 Uhr: Murgtalstraße 17, vor dem ehemaligen städtischen „Judenhaus“ - zwei Steine für Juliane Dreyfuß, geb. Löb, und deren Tochter Erna Dreyfuß

 

13:00 Uhr: Murgtalstraße 37 - drei Stolpersteine für Berthold und Amalie Herz, geb. Hamburger, sowie für die Tochter Ingelore Herz verh. Honigstein und ein Stein für Cora Hamburger

 

Die Legung wird musikalisch begleitet von Gerold Stefan von der Musikschule Gaggenau.

 

Der Initiator des weltgrößten Denkmals dieser Art, Gunter Demnig, kommt trotz seines Alters (70 Jahre) abermals nach Kuppenheim, um die Verlegung persönlich vorzunehmen. Bisher hat er mehr als 65.000 Steine in mehr als 1.100 Ortschaften und in 20 Ländern in den Gehweg eingelassen.


Erinnerung verbindet auch äußerlich - Sieben neue Stolpersteine

 

Blanka (Blanche) Meier gelang am 7. Juni 1937 die Flucht nach New York. Ihre Eltern Isidor und Karoline Meier wurden 1940 nach Gurs verschleppt und 1942 über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort vergast.

 

Juliane Dreyfuß und Erna Dreyfuß verloren ihren Ehemann und Vater Heinrich Dreyfuß. Dieser wurde am 10. November 1938 nach der Reichspogromnacht in Schutzhaft genommen und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt, Tage darauf von Nazi-Schergen erschlagen. Juliane Dreyfuß flüchtete am 6. März 1939 über London zu ihrer Tochter Erna in die Vereinigte Staaten von Amerika. Erna Dreyfuß konnte den Holcaust ebenfalls überleben, indem sie bereits 1933 als Zwanzigjährige in die USA emigrierte.


Berthold Herz wurde am 12.04.1897 in Kuppenheim geboren, war als selbständiger Kaufmann mit der Eisenwarenhandlung Herz & Schlorch erfolgreich, bis das florierende Geschäft (in der sechsten Generation) auf Befehl der Nationalsozialisten aufgegeben werden musste. Berthold lebte mit seiner Familie zunächst in der Friedrichstraße 86 bei den Eltern Samuel Herz und Sara Herz (geb. Maier), später in der Murgtalstraße 37, das 1939/1940 „entjudet“ wurde. Berthold emigrierte mit seiner Familie und der Schwägerin Cora Hamburger am 05./06.02.1940 in die USA.

 

Sie lebten in friedlicher Nachbarschaft zu ihren christlichen Mitbürgern

 

Den Aktiven vom Arbeitskreis ist es ein großes Anliegen, allen Kuppenheimer Juden, die vom national-sozialistischen Unrechtsregime gedemütigt, entrechtet wurden, die ihre Heimat verlassen mussten (wie die Familie Berthold Herz) oder sogar ermordet wurden (wie Heinrich Dreyfuß), einen kleinen Stein der Erinnerung zu setzen, dort, wo sie und ihre Familien zum Teil über viele Generationen in friedlicher Nachbarschaft zu ihren christlichen Mitbürgern lebten.


Es waren dies die Familien: Julius, Simon, David, Maier, Nathan, Hermann und Berthold Kahn - Salomon Lehmann - Max, Elias, David, Heinrich und Berthold Dreyfuß – Alfred und Emil Maier - Isidor Meier - sowie Emil und Kaufmann Kaufmann.

 

Mahnung an die junge Generation

 

Das Legen von Stolpersteinen dient auch als Mahnung an die Jugend und an alle, gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkender wachsam zu sein. Der Arbeitskreis wirbt für Toleranz und Menschlichkeit und kooperiert mit mehreren Schulen. Esther Bejaranos vom Auschwitz-Mädchenorchester sagt (an die Jungen gerichtet): „Passt auf, dass die euch nicht verführen!“ und meint damit all diejenigen, die mit ihren Parolen und Tiraden Hass und Gewalt schüren und die Verantwortung für unsere Geschichte ignorieren.

 

Der Arbeitskreis hofft, dass sich viele Interessierte aus Kuppenheim und der Umgebung an der 6. Stolpersteinlegung beteiligen.

Konto für Stolpersteinspenden und die Aktionen des Arbeitskreises:
Voba Baden-Baden Rastatt, DE06 6629 0000 0061 4477 09)

 

Bitte lesen: Interview zu "Ingelore Honigstein" mit Marlies kickert im BT vom 04.03.2017

"Bewegende Rückkehr an den Ort der Kindheit"

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