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AK Stolpersteine Kuppenheim vielfältig engagiert
Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim legt nicht nur Gedenksteine, er organisiert auch Veranstaltungen, die sich mit der Geschichte der Juden und NS-Diktatur befassen:
- Stolpersteinreinigungen mit:
- Naturparkschule Realschule Gaggenau, Werner-von-Siemens-Reslschule Kuppenheim, Favorite Werkrealschule Kuppenheim, Türkischer Schul-Elternverein, AK Stolpersteine
- Gedenkveranstaltungen zu:
- Gurs 75 Jahre, 80 Jahre, Reichspogromnacht 75 Jahre/80 Jahrte, Auschwitz-Befreiung (Gedenktag am 27. Januar -75 Jahre)
- Konzerte mit:
- Alexandra Mikulska, Microphone Mafia im klag und in der Reithalle Rastatt, Sinteza-Musik im klag, 3x Klezmer mit Jontef
- Vorträge zu:
- Auschwitz, 2x jüd. Soldaten im 1. Weltkrieg, 5x Kurt Maier im Lager Gurs, strarke jüdische Frauen aus Baden-Baden, Paul Sache zu "Drei von 6 Millionen - Für Salomon Lehmann, wider den Vogelschiss aus der AfD"
- Lesungen mit:
- 4x Esther Bejarano vom Auschwitz-Mädchenorchester (Jahnhalle + klag Gaggenau, Reithalle Rastatt + Ludwig-Wilhelm-Gymnasium Rastatt), 2x Sinti + Roma unter NS Regime (Jahnhalle + klag Gaggenau), Hosenfeld und der Pianist im Warschauer Ghetto, starke jüdische Frauen zum Weltfrauentag, Dorfchronik einer verlorenen Gemeration, Achim Rietz: Verführt, gekämpft, verstorben - Lesiung aus einer Dorfchronik "Aufbruch in eine neue Zeit. Dachten wir"
- Führungen
- auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim und zu "juedisches Kuppenheim"
- Exkursionen - Besichtigungsfahrten
- zum KZ Struthof-Nazweiler im Elsaß, nach Worms (ältester jüdischer Friedhof in Deutsch-land), Speyer (Mikwe, Synagoge)
- Mitarbeiter Erkundungen:
- Synagoge in Subotica und Novi Sad (Serbien), Synagogen und Ghettos in Vilnius + Kaunas (Litauen) Tallin (Rerval, Estland) und Riga (Lettland), Synagoge und Gedenkstätten in Budapest, Grabmal von Paul Abraham in Apatin, diverse jüd. Friedhöfe und Synagogen in der Eifel und im Elsass, Synagoge in Rhodos Stadt, alter jüdischer Freidhof in Prag, Synagioge Kitzungen (Franken), jüd. Gemeinde Mainbernheim, jüdischer Friedhof in Baden-Baden, Hamburg (jüdischer Friedhof Altona), jüdischer Friedhof in Weißensee-Berlin, KZ Buchenwald, KZ Sachsenhausen, jüdisches Museum Berllin, Denkmal für die ermordeten Juden Deutschalnds (Stelen)
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Erinnerung darf nicht zur Routine werden
Landtagsvizepräsident Daniel Born (SPD)
zu Gast beim Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim
Hochrangigen Besuch hatte der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim am Dienstag. Der Vizepräsident des baden-württembergischen Landtags, Daniel Born (SPD), war auf Einladung seines Abgeordnetenkollegen Jonas Weber (SPD) zu Gast beim Arbeitskreis Stolpersteine.
Bevor die offizielle Gesprächsrunde begann, trafen sich die Politiker mit dem Vorsitzenden des Kuppenheimer Arbeitskreises, Heinz Wolf, vor dem Haus Nummer 75 in der Friedrichstraße. Hier befindet sich heute die Metzgerei Schrenck. Ursprünglich jedoch lebte hier in vierter Generation die jüdische Metzgerfamilie. Lehmann. Vier Mitglieder der Familie mussten 1937 und 1939 vor den Nationalsozialisten fliehen und fanden nach Zwischenstationen in den USA eine neue Heimat. Mina und Solomon Lehmann sowie seine Halbschwester Amalie Herz wurden mit dem Auswandererschiff St. Louis von Kuba nach Europa zurückgeschickt; Mina und Amalie starben in Belgien an Entkräftung; Salomon Lehmann wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Zur Erinnerung und Mahnung an ihr Schicksal wurden 2013 und 2017 sieben sogenannte Stolpersteine in den Gehweg eingelassen.
Landespolitiker reinigen Stolpersteine des Familie Lehmann
Daniel Bom und Jonas Weber reinigten in einem symbolischen Akt zwei dieser Gedenksteine. Der weitere Weg führte die Gruppe zu einem der größten jüdischen Friedhof Mittelbadens, hinauf auf den "Mergelberg". Hier schilderte Heinz Wolf das Schicksal einzelner Familien der hier Bestatteten. Die beiden Politiker bezeichneten diese Anlage als einen "Erinnerungsort, der in der Region seinesgleichen sucht".
Gesprächsrunde im Bürgersaal mit Stolperstein-Initiativen
Im Rahmen einer darauf folgenden öffentlichen Veranstaltung fand danach eine sehr informative Gesprächsrunde im Alten Rathaus statt. Gekommen waren etwa ein Dutzend Interessierte. Sie repräsentierten teilweise ihren jeweiligen Arbeitskreis, von dessen Initiativen Einzelne berichteten - aus Rheinmünster, Lichtenau, Gernsbach, Rastatt und Muggensturm.
Unter der Fragestellung, was getan werden könne, um die Erinnerung und die Erinnerungsorte an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors zu bewahren, entwickelte sich ein informativer Erfahrungsaustausch, Jonas Weber erläuterte eingangs, dass etwa 40 Prozent der unter Dreißigjährigen heutzutage keine Vorstellung mehr vom Holocaust hätten.
Daniel Born (Landtagsvizepräsident BW): "Erinnerung wach halten und Demokratie sichern"
Daniel Born nannte in einem kurzen Impulsreferat verschiedene Orientierungshilfen für die Arbeit der engagierten Arbeitskreise und Gruppierungen. Besonders das Erinnern sowie die Aufarbeitung des gesellschaftlichen Mitwirkens der damaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger gelte es, wachzuhalten, "Erinnern heißt auch, die Demokratie in der Zukunft zu sichern", so sein Appell an die Anwesenden. Aus ihren Reihen wurde anschließend über die jeweiligen Aktivitäten berichtet, Marcel Müller und Oliver Fieg, Stadtarchivar in Rastatt, konnten ebenso Interessantes vortragen wie beispielsweise Franz König aus Muggensturm oder Herbert Schön aus Rheinmünster-Lichtenau. Auch der Kuppenheimer Bürgermeister Karsten Mußler (FW) berichtete von vielerlei Aktivitäten in seiner Stadt.
Daniel Born: "Widerstand der Opfergruppen in den Fokus stellen"
Wichtig sei auch, so der Tenor aller Beiträge, dass die Erinnerungskultur nicht zu einem Ritual werde, das allmählich erstarre. Daniel Born betonte wie wichtig es sei, dass man die konkrete Geschichte einzelner Familien weitergeben sollte. Auch müsste der Widerstand der Opfergruppen noch mehr in den Fokus gestellt werden.
Zum Abschluss der Veranstaltung übergab der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber einen von ihm gespendeten Stolperstein, der am 29. August 2023 vor dem Haus in der Friedrichstraße 75 von Gunter Demnig in den Gehweg eingelassen wird. Der Stein ist dem aus Kuppenheim stammenden jüdischen Viehhändler David Kahn gewidmet, der mit seiner Familie nach Frankreich fliehen musste.
Badisches Tagblatt, Badische Neueste Nachrichten - Text: Hermann Schmitt Mai 2023





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