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Bitte beachten Sie, unsere nächste Veranstaltung. 
Friedhof 06 09 2020 klein

Aktuelles

 

AK Stolpersteine Kuppenheim vielfältig engagiert

 

Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim legt nicht nur Gedenksteine, er organisiert auch Veranstaltungen, die sich mit der Geschichte der Juden und NS-Diktatur befassen:

  • Stolpersteinreinigungen mit:
  • Naturparkschule Realschule Gaggenau, Werner-von-Siemens-Reslschule Kuppenheim, Favorite Werkrealschule Kuppenheim, Türkischer Schul-Elternverein, AK Stolpersteine
  • Gedenkveranstaltungen zu:
  • Gurs 75 Jahre, 80 Jahre, Reichspogromnacht 75 Jahre/80 Jahrte, Auschwitz-Befreiung (Gedenktag am 27. Januar)75 Jahre
  • Konzerte mit:
  • Alexandra Mikulska, Microphone Mafia im klag und in der Reithalle Rastatt, Sinteza-Musik im klag, 3x Klezmer mit Jontef
  • Vorträge zu:
  • Auschwitz, 2x jüd. Soldaten im 1. Weltkrieg, 5x Kurt Maier im Lager Gurs, strarke jüdische Frauen aus Baden-Baden, Paul Sache zu "Drei von 6 Millionen - Für Salomon Lehmann, wider den Vogelschiss aus der AfD"
  • Lesungen mit:
  • 4x Esther Bejarano vom Auschwitz-Mädchenorchester (Jahnhalle + klag Gaggenau, Reithalle Rastatt + Ludwig-Wilhelm-Gymnasium Rastatt), 2x Sinti + Roma unter NS Regime (Jahnhalle + klag Gaggenau), Hosenfeld und der Pianist im Warschauer Ghetto, starke jüdische Frauen zum Weltfrauentag, Dorfchronik einer verlorenen Gemeration, Achim Rietz: Verführt, gekämpft, verstorben - Lesiung aus einer Dorfchronik "Aufbruch in eine neue Zeit. Dachten wir"
  • Führungen
  • auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim und zur jüdischen Innestadt
  • Eckursionen - Besichtigungsfahrten
  • zum KZ Struthof-Nazweiler im Elsaß, nach Worms (ältester jüdischer Friedhof in Deutsch-land), Speyer (Mikwe, Synagoge)
  • Mitarbeiter Erkundungen:
  • Synagoge in Subotica und Novi Sad (Serbien), Synagogen und Ghettos in Vilnius + Kaunas (Litauen) Tallin (Rerval, Estland) und Riga (Lettland), Synagoge und Gedenkstätten  in Budapest,  Grabmal von Paul Abraham in Apatin, diverse jüd. Friedhöfe und Synagogen in der Eifel und im Elsass, Synagoge in Rhodos Stadt, alter jüdischer Freidhof in Prag, Synagioge Kitzungen (Franken), jüd. Gemeinde Mainbernheim, jüdischer Friedhof in Baden-Baden, Hamburg (jüdischer Friedhof Altona), jüdischer Friedhof in Weißensee-Berlin, KZ Buchenwald, KZ Sachsenhausen, jüdisches Museum Berllin, Denkmal für die ermordeten Juden Deutschalnds (Stelen)

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Stolpersteine gereinigt
Kuppenheimer Arbeitskreis erinnert an 35 während der Nazi-Diktatur getötete Juden

 

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Kuppenheim (BT) - Am 27. Januar gedachten die Menschen weltweit der Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Das Datum war auch für den Arbeitskreis Stolpersteine jetzt Anlass, einmal mehr aktiv zu werden.

 

Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstands, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter: Millionen Menschen wurden unter der nationalsozialistischen Gewalt-herrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet, erinnert der AK Stolpersteine. Darunter waren auch 25 Juden aus Kuppenheim, die im KZ umkamen. Weitere zehn starben an den Strapazen im Deportationslager Gurs beziehungsweise in den Nebenlagern.

 

Aus diesem Anlass reinigte der Arbeitskreis Stolpersteine vor dem Haus Friedrichstraße 91 die Stolpersteine der FamilieEemil Kaufmann. Während Emil während der NS-Zeit starb - entrechtet und gedemütigt -, konnten seine Ehefrau Julie und die Kinder Max und Friedrich in die USA fliehen und dem Nazi-Terror entkommen, schreibt der AK in einer Presse-mitteilung. Putzete1

 

Emils Schwestern Fanny, Rosa und Emilie wurden jedoch nach Gurs deportiert und von dort nach Auschwitz zur „Vergasung" im Viehwagen transportiert. Zwei weitere Stolpersteine sollen noch verlegt werden für die Schwestern Julie Kaufmann, verheiratete Hochstetten und für Bertha Kaufmann, verheiratete Klein. Auch ihnen war es möglich, rechtzeitig in die USA fliehen.

 

Fanny Kaufmann, verheiratete Kreuzer, kam am 19. Januar 1942 von Gurs ins Lager Noe, am 1. April 1944 ins Lager Vernet und mit Transport Nr. 75 am 30. Mai 1944 nach Auschwitz, wo sie am 1. Juli 1944 mit 62 Jahren ermordet wurde. Der Transport Nr. 75 umfasste 1.000 Juden, 530 Männer und 470 Frauen, darunter 104 Kinder. Bei der Ankunft in Auschwitz wurden 239 Männer und 134 Frauen zur Arbeit selektiert. Der übrigen Menschen des Transports wurden sofort vergast. Im Jahr 1944 gab es noch 99 Überlebende, darunter 64 Frauen.

 

Rosa Kaufmann, verheiratete Kramer, wurde mit ihrem Ehemann am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 28. August 1942 mit Transport Nr. 25 von Gurs über Drancy nach Auschwitz transportiert und als 57-Jährige umgebracht. Im Transport Nr. 25 befanden sich 1.000 Juden (darunter 280 Kinder unter 17 Jahren), dreiviertel waren Männer.

Emilie Kaufmann, verheiratete Brumlik, erlebte ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwestern. Vom Lager Gurs, dann nach Drancy bei Paris und von dort ging der Transport Nr. 74 am 20. Mai 1944 nach Auschwitz. Kurz darauf wurde Emilie ermordet, sie war 55 Jahre alt. Mit dem Transport Nr. 74 wurden 1.200 Personen deportiert, davon 565 Männer und 635 Frauen. Unter ihnen befanden sich 191 Kinder und Jugendliche. 240 Juden waren zuvor aus den Lagern Le Yernet und Noe überstellt worden. Beim Eintreffen in Auschwitz wurden 409 Männer und 247 Frauen zur Arbeit selektiert. Der Rest des Transports wurde vergast. Im Jahr 1945 waren noch 117 Frauen und 49 Männer am Leben. Putzete2

 

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu linden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken", so die Proklamation der Bundesrepublik Deutsch-land vom 3. Januar 1996. „Niemals wieder 1933 bis 1945", schreibt der Arbeitskreis.

 

Foto: Mahmut Parvaneli ist Muslim und putzt zum wiederholten Mal Stolpersteine vor seinem Wohnhaus. Foto KE

 

Badisches Tagblatt  BT 01. Februar 2021- Bericht des AK Stolperstein

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SA-Sturm zerstörte jüdische Geschäfte
Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim erinnert an Reichspogromnacht / Friedhof wurde geschändet


Kuppenheim (red) - Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim will das Gedenken an die jüdischen Mitbürger der Stadt wachhalten. AK- Sprecher Heinz Wolf hat einen Beitrag über die Reichspogromnacht verfasst, bei der am 9. November 1938 im ganzen Deutschen Reich Synagogen und jüdische Geschäfte zerstört wurden. In der Knöpflestadt brannte die Synagoge einen Tag später, am 10. November.


Es geschah vor aller Augen, mitten am Nachmittag: 60 bis 70 SA-Männer aus Gaggenau kamen im Lastwagen nach Kuppenheim und wurden vor dem Gasthaus „Sonne" abgeladen. Zum Gaggenauer SA- Sturm 3/111 zählten auch 20 bis 30 Kuppenheimer, die aber nur vereinzelt in ihrer Heimatstadt beim Pogrom mitgewirkt haben. Das Einsatzkommando durchsuchte jüdische Wohn- und Geschäftshäuser nach Waffen und Munition, wie Oskar Stiefvater im Heimatbuch des Landkreises von 1965 beschrieb. Es wurden Fußbodendielen herausgerissen (vermutlich auf der Suche nach Geld und Wertgegenständen), Spiegel zerschlagen und Wäsche aus den Fenstern geworfen. „Dabei wandten sie nach Aussagen mehrerer Zeugen auch körperliche Gewalt an, so wurde die alte Jüdin Dreyfuß gestoßen und getreten. Schräge wurden über die Tische gestürzt, Stuhlbeine zersplitterten an den Türen, die Scherben der Glasvitrinen und des Geschirrs bedeckten den Boden. Kleinmöbel flog mit den Fensterscheiben auf die Straße."

 

Dann brannte die Kuppenheimer Synagoge lichterloh. Nach den Aktionen in den jüdischen Wohnhäusern marschierten die SA-Leute zum jüdischen Friedhof und zündeten den Einsegnungsraum an, rissen Dutzende Grabplatten aus ihren Verankerungen und schlugen sie auf den Boden, bis sie zersprangen. Auch die Namenstafel auf dem Gedenkstein für die jüdischen Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg wurde zerstört. Wenn man bedenkt, dass die Juden ein Grab als Stätte der ewigen Ruhe betrachten, das nicht aufgelöst werden darf, war dieses Vorgehen besonders verletzend.

 

Einen Tag nach der Pogromnacht wurden in Kuppenheim sechs Juden verhaftet. Sie kamen mit einigen Hundert anderen mit dem Zug ins KZ Dachau. Etwa 50 Juden wurden dabei in Viehwaggons hineingetrieben und saßen zusammengepfercht auf dem Boden, ohne genügend Luft zu kriegen und ohne trinken zu können. Aus Kuppenheim wurden deportiert: Hermann Heinrich Dreyfuß, Berthold Herz, Semi Schlorch, Hermann Kahn, Max Dreyfuß und Heinrich Hermann Valfer.

 

Der Karlsruher Ludwig Marx berichtet in seinem 1963 erschienen Buch „Finstere Erinnerungen zur steten Mahnung an die Toleranz" über die Zustände in Dachau. Dort angekommen, „stürmten SS-Posten in den Zug, begrüßten die Ankömmlinge mit üblen Beschimpfungen, Fußtritten und Schlägen mit ihren Gewehrkolben und Fäusten.

Nach stundenlangem Anstehen zum Einkleiden wurden wir (jeweils 300 Mann) hungrig und durstig in Unterkünfte hineingetrieben, die etwa 40 Menschen beherbergen sollten. In diesen leeren Baracken mussten wir auf dem Boden sitzen, jeder den Vordermann zwischen den Beinen, sodass man sich nicht hinlegen konnte. Und wir hatten schrecklichen Durst, aber während der Nacht durften wir die Baracke nicht verlassen, sonst wären wir erschossen worden."

In Dachau wurde den Gefangenen der Kopf kahlgeschoren, sie wurden in Häftlingskleidung gesteckt und sie mussten bei Kälte stundenlang auf dem Exerzierplatz stehen und waren der Willkür der SS-Wachmannschaften ausgeliefert. Mindestens 40 der etwa 2 000 Häftlinge aus Baden und Württemberg fanden den Tod. Einige starben an Entbehrungen und Misshandlungen, andere wurden aus ungeklärten Gründen erschossen.

Nach etwa vier Wochen wurden die Kuppenheimer Häftlinge aus Dachau entlassen, weil sie den NS- Leuten versicherten, dass sie in kurzer Zeit auswandern würden. Fast einen ganzen Tag dauerte das Entlassungsverfahren. Jeder musste eine Erklärung unterschreiben, dass er das Lager bei voller Gesundheit verlasse und keine Ansprüche an das Deutsche Reich stelle.

Den Häftlingen wurden die eigenen Kleider und Habseligkeiten ausgehändigt, dann mussten sie zum letzten Mal in Reih und Glied antreten. Dabei belehrte ein SS- Offizier die Männer: „Ich würde Euch raten, Deutschland so schnell als möglich zu verlassen. Ihr wisst, wir können Euch nicht ausstehen, also hinaus mit Euch, so schnell ihr könnt! Aber eines will ich Euch sagen: Was Ihr hier gesehen habt, müsst ihr verschweigen, sonst holen wir Euch wieder, und dann kommt Ihr nie mehr aus Dachau heraus."

 

Die Bilanz: In vier Tagen wurden etwa 800 Juden ermordet, 400 davon in der Pogromnacht. Mehr als 1 400 Synagogen, Betstuben und Versammlungsräume wurden zerstört, Tausende Geschäfte und Wohnungen demoliert, jüdische Friedhöfe geschändet.

 

Jeder jüdische Bürger mit mehr als 5.000 Reichsmark Vermögen musste in fünf Quartalen 25 Prozent als „Judenvermögensabgabe" an den Staat abgeben. Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages haben berechnet, dass die sogenannte „Judenvermögensabgabe" rund 1,13 Milliarden Reichsmark betrug, die vorwiegend 1938 und 1939 zu zahlen war. Nach heutiger Kaufkraft sind das etwa fünf Milliarden Euro.

 

Nicht eingerechnet hierbei sind die Kosten für Schäden an den Geschäften und Wohnhäusern, die die Juden darüber hinaus selbst aufbringen mussten. Auch die beschlagnahmten Wertgegenstände wie Gemälde, Schmuck, Uhren und so weiter sind hierbei nicht berücksichtigt.

 

Das Novemberpogrom hatte nicht nur für die einzelnen Betroffenen eine verheerende Wirkung. Auch für viele jüdischen Gemeinden hatte der Staatsterror die Insolvenz zur Folge. Auch die jüdische Gemeinde Kuppenheim war nicht mehr zahlungsfähig.

 

www.juedisches-kuppenheim.de

Der Gedenkstein für die gefallenen jüdischen Soldaten wurde 1938 geschändet. Josef Kahn, 1933 ausgewandert nach Chile, stiftete 1956 eine neue Platte. Foto: Wolf

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„Das hätten wir sein können"

Berührende Führung mit dem AK Stolpersteine durch das „jüdische Kuppenheim"


Kuppenheim - So kann man eine Führung auch gestalten: Statt Jahres- und Opferzahlen zu verlesen und die anonymen Nazis zu verdammen, schuf Heinz Wolf eine Stimmung des Mitgefühls für die jüdischen Bürger von Kuppenheim. Da in der Stadt noch Wohnhäuser stehen, konnte an Ort und Stelle eine besondere Nähe zu den Menschen entstehen, die Nachbarn gewesen waren und binnen weniger Jahre Opfer des Holocausts wurden.

 

Führung 22.10.2020 KEDoch zunächst fand sich am Sonntag bei schönstem Herbstwetter ein gutes Dutzend Interessierte am Synagogenplatz in der Löwengasse/Ecke Hildastraße ein. Hier hatte sich schon Musiklehrer Gerold Stefan mit seiner Klarinette aufgestellt, um die Gruppe mit verschiedenen Klezmer-Stücken zu unterhalten.

 

Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine erläuterte zunächst mithilfe von Bildern die Geschichte der Juden in Kuppenheim. Nach der Ersterwähnung 1433 bildete sich eine kleine Gemeinde, die anwuchs, als das Städtchen 1580 Marktrecht beantragte. Denn Juden wurden für Handel und Geldverleih, überhaupt für Wirtschaftsbeziehungen benötigt. Dass sie auch Steuern zahlten, wie das Pflastergeld, zeugt von Vermögen; die Sandsteinplatten in der Rastatter Schilfstraße sollen vom Pflastergeld der Juden bezahlt worden sein, in Kuppenheim verhielt es sich ähnlich. Eine Synagoge wurde gebaut, daneben eine Judenschule und eine Remise für den Leichenwagen, mit dem Verstorbene zunächst zum Brunnen auf der Friedrichstraße gebracht wurden zwecks ritueller Reinigung; dann ging es weiter zum jüdischen Friedhof außerhalb der Stadt.

 

In den 1840er Jahren wanderten auch viele jüdische Kuppenheimer aus, meist nach Amerika. In der Kaiserzeit verließen die jüdischen Geschäftsleute die enge Judengasse (heute Leopoldgasse) und gründeten großräumige Geschäfte in der Rhein- und der Friedrichstraße. 1933 gab es zehn jüdische Geschäfte: Eisenwaren, Manufakturwaren, Metzgerei.

Führung 22.10.2020 KE 1

Dass Juden wie selbstverständlich auch im Ersten Weltkrieg mitkämpften, davon zeugt ein Kriegerdenkmal auf dem jüdischen Friedhof, das Josef Kahn gestiftet hatte.

 

Ab 1933 begann die angeordnete Ausschaltung der jüdischen Mitbürger, die Parole „Kauft nicht bei Juden" entzog ihnen die wirtschaftliche Grundlage. Einigen Familien gelang die rechtzeitige Auswanderung, vor allem junge Leute ließ man ziehen und zog ihr Vermögen ein. Als am 10. November 1938 SA-Leute aus dem Raum Gaggenau den jüdischen Friedhof schändeten, die Synagoge anzündeten und jüdische Geschäfte plünderten, war es schon zu spät. Die 16 verbliebenen Menschen mussten am 22. Oktober 1940, ohne vorherige Ankündigung, in Windeseile packen, 50 Kilo und 100 Reichsmark durften sie mitnehmen. Immerhin wurden sie zum Versammlungsplatz vor der Turnhalle geführt, ohne - wie in Rastatt - bespuckt zu werden. Stillschweigend schauten die Kuppenheimer hinter den Vorhängen zu.

 

Wer am Sonntag mitging, musste unwillkürlich denken: „Das hätten wir auch sein können, meine Familie, meine Eltern und Kinder." Hier wurden Menschen deportiert, mit denen man zuvor über Generationen zusammengelebt hatte.

 

6500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland wurden nach Gurs transportiert, wo sie in einem aufgelassenen Flüchtlingslager menschenunwürdig untergebracht wurden. Viele erkrankten und starben auf dem Transport oder im Lager, die Übrigen wurden später in Vernichtungslager gebracht. Einigen gelang mithilfe von Franzosen oder Spaniern die Flucht. Von den letzten Kuppenheimer Juden haben fünf überlebt: Max und Fanny Dreyfuß, Ilse und Ludwig Schlorch sowie Ludwig Kahn.

 

 Führung 22.10.2020 Gerold Stefan 4

Der seit 2010 bestehende Arbeitskreis Stolpersteine stellt sich zwei Aufgaben: das Gedenken wachzuhalten und den Anfängen zu wehren. Neben der Verlegung von Stolpersteinen sollen Vorträge und Konzerte die Erinnerung an jüdisches Leben in Kuppenheim wachhalten - und so lebendige Führungen wie die vom Sonntag.

 

Heinz Wolf führt durch das „jüdische Kuppenheim"- Foto: Irmgard Stamm


Badisches Tagblatt BT DIENSTAG, 27. OKTOBER 2020 Von Irmgard Stamm

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Häuser zerstört und Fahrzeuge gestohlen
Erinnerung an Besatzungszeit in Räon-l'Etape

 

Rastatt/Kuppenheim (BNN). Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim machte es sich in diesem Jahr unter anderem zur Aufgabe, sich vor Ort über die Besatzungszeit der Wehrmacht von 1940 bis 1944 in der französischen Partnergemeinde Râon-l'Etape ausgiebig zu informieren und drüber zu berichten. Dieses Kapitel war in Kuppenheim seit mehr als 30 Jahren tabu. „Wir sind im Nachhinein beeindruckt, dass es damals beim Partnerschaftsbeschluss in der Vogesenstadt so wenige Vorbehalte gab, da die Deutschen gegen die Bevölkerung ziemlich grausam vorgingen", sagt Heinz Wolf vom Arbeitskreis
Stolpersteine.

 

Arbeitskreis Stolpersteine informiert sich vor Ort

 

Am 10. Mai 1940 überfiel die Wehrmacht die neutralen Benelux-Staaten und marschierte in Frankreich ein. In nur vier Wochen triumphierte das Dritte Reich. Mit der Kapitulation am 22. Juni 1940 besetzten die Nationalsozialisten 60 Prozent Frankreichs, auch die Region „Vosges" mit Räon-l'Etape. Den Rest des Landes verwaltete das Vichy-Regime im deutschen Sinn.

 

Um die deutsche Kriegswirtschaft zu entlasten, wurden französischen Firmen im Zweiten Weltkrieg zunehmend Aufträge von deutscher Seite übertragen und die Wirtschaftskraft Frankreichs fast vollständig auf die Bedürfnisse des Deutschen Reiches eingestellt. Den deutschen Besatzern gelang es, mit einem Minimum an militärischem und verwaltungsmäßigem Aufwand den besetzten Teil Frankreichs zu kontrollieren, wirtschaftlich auszubeuten und ethnisch zu säubern. Die Bereitschaft der französischen Verwaltungsbehörden und nicht zuletzt ein großer Teil der Bevölkerung machten dies möglich, so dass lediglich ein deutscher Apparat von 1 200 Beamten eingesetzt werden muss- te. Bei Beginn des Polen-Feldzuges der Wehrmacht im September 1939 wurde die Bevölkerung der Grenzgebiete von den französischen Behörden evakuiert.

 

Beim deutschen Einmarsch nach Stolpersteine Frankreich im Mai sich vor Ort 1940 flohen erneut zehntausende Franzosen nach Südwestfrankreich. Vielen „Unerwünschten" verweigerten die Deutschen nach dem Waffenstillstand die Rückkehr.

 

Besonders gravierend für die Elsässer und Lothringer war im August 1942 die Einführung der Wehrpflicht für 21 Jahrgänge. Gauleiter Josef Bürckel ordnete in Lothringen die Einberufung von 15 Jahrgängen an. 230 000 „Malgre-Nous", wie sie sich nannten, wurden im Elsass/ Moselgebiet zwangsweise zum Einsatz an der Ostfront eingezogen. Viele Wehrpflichtige flohen ins Ausland oder schlössen sich dem bewaffneten Widerstand an.

 

Am 9. November 1944 dem Tag nach der Deportation der Zwangsarbeiter, sollten die verbleibenden Einwohner die Stadt Räon-l'Etape verlassen, die totale Zerstörung von Räon-l'Etape war geplant. Die alliierten Soldaten sollten in Kuppenheims Partnerstadt im Spätherbst und Winter 1944 kein Haus und keinen Keller zum Verbleiben und auch keinerlei Lebensmittel und Tiere zum Schlachten vorfinden. Das menschenverachtende Vorhaben unterblieb aber wegen des schnellen alliierten Vormarschs. Die Wehrmacht musste Hals über Kopf nach Osten in Richtung Deutsches Reich fliehen.

 

Der angesehene Bürgermeister Charles Weill kam bereits 1943 nach Auschwitz (weil er Jude war) und wurde dort vergast. 38 weitere Juden aus Räon-l'Etape und Neuveville-les-Räon wurden ebenfalls ermordet. Abbe Aime Claude von der katholischen Kirche Saint-Luc wurde am 2. Juni 1943 von der Gestapo zunächst ins KZ Struthof gesteckt, kam dann ins KZ (Arbeitslager) Rotenfels und wurde am 9. Oktober 1944 im Erlichwald Gaggenau erschossen.

 

VON DER ERMORDUNG des Bürgermeisters Robert Tisserand ließ sich die Kuppenheimer Delegation bei ihrem Besuch in der Partnerstadt Räon-l'Etape unterrichten.     Foto: AK Stolpersteine

 

Badische Neueste Nachrichten 24. Dezember 2019

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Arbeitskreis erinnert an bewegte Geschichte
Gedenken bei Führung auf jüdischem Friedhof

 

Kuppenheim (BNN). Mehr als 40 Interessierte aus Kuppenheim und Umgebung sind zur Führung auf dem jüdischen Friedhof Kuppenheim, veranstaltet vom örtlichen Arbeitskreis Stolpersteine, gekommen. Schwerpunkt der Begehung war das Gedenken an die Schändung des Ehrenmals für die gefallenen jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Im tapferen Kampf für Kaiser und deutsches Vaterland haben Julius Grünbaum, Karl Dreyfuß, Ludwig Herz, Joseph Kahn und der nach Baden-Baden verzogene Moses Dreyfuß ihr Leben gelassen.

 

NS-Regime zerstört Gräber und Ehrenmal

 

Die SA- Schergen haben darüber hinaus dutzende Grabplatten aus jüdischen Grabsteinen gerissen und zertrümmert, von Juden aus Kuppenheim und anderen Gemeinden, die über Jahrzehnte zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben ihrer Heimatgemeinden gehörten. Sie waren Deutsche mit all ihren Rechten und Pflichten.

Neben dem Niederbrennen der Kuppenheimer Synagoge in der Löwengasse und dem barbarischen Wüten in den jüdischen Wohn- und Geschäftshäusern, zerstörten die Nationalsozialisten auch die Einsegnungshalle auf dem jüdischen Friedhof. Dann wurden auch noch sechs angesehene jüdische Geschäftsleute verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. In Prittelbach ermordete die SS Heinrich Dreyfuß. Zur Abrundung der abstrusen NS-Strategie bürdete die NS-Regierung der jüdischen Gemeinde Kuppenheim noch die Kosten der Pogromnacht auf.

 

Die Reichspogromnacht war auch für die neun überlebenden jüdischen Soldaten des Ersten Weltkrieges Wendepunkt in ihrem bürgerlichen Leben. Entweder mussten sie fliehen, so Berthold, Karl und Max Dreyfuß, Alfred Maier sowie Berthold Herz oder sie kamen in Deportations- und Konzentrationslagern ums Leben. Semi Schlorch von der angesehenen Eisenwarenhandlung „Herz und Schlorch" wurde in Auschwitz ermordet, Salomon Kuppenheimer und Adolf Kahn starben in Gurs.

 

Der Arbeitskreis Stolpersteine beabsichtigt mit all seinen Aktionen - etwa Führungen auf dem jüdischen Friedhof, den mittlerweile sieben Stolpersteinlegungen und den Stolpersteinreinigungen zu den einzelnen Gedenktagen, den Konzerten und Lesungen sowie den Vorträgen - auf das Schicksal der jüdischen Minderheit hinzuweisen, an die vertriebenen und ermordeten Mitbürger zu erinnern und vor allem zu mahnen, dass so etwas nie wieder passieren würde. Der Vorfall in Hall" und all die Angriffe auf Synagogen, Juden und Mitgliedern anderer Minderheiten, sollen Mahnung sein für ein menschliches, weltoffenes und tolerantes Deutschland, für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in diesem Land, ungeachtet ihrer Weltanschauung, Religion, Kultur oder Hautfarbe, so der Arbeitskreis. Die Veranstaltungen seien insbesondere an junge Menschen gerichtet.

 

ZAHLREICHE INTERESSIERTE aus Kuppenheim und Umgebung beteiligten sich an der Führung. Foto: Wolf/pr

 

BNN; Dez.2019

 

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Kurt Maier erhält Verdienstkreuz


Kurt Maier arbeitet seit mehr als 46 Jahren in der Bibliothek des US-Kongresses in Washington. Der gebürtige Badener ist unermüdlich: Mit- 89 Jahren erscheint er noch immer jeden Morgen um 7 Uhr zum Dienst - nachdem er daheim im Fitnessraum Sport gemacht hat. Auch am Wochenende ist Maier oft in der Kongressbibliothek, um neue Bücher zu lesen. Sein Wissensdurst ist nicht zu stillen, sein Elan ungebrochen. Dahinter steht eine bewegende Lebensgeschichte, mit der er stuf besondere Weise umgeht: Dafür wurde Kurt Maier am Montag in Washington mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

 

Maier wurde am 4. Mai 1930 in Kippenheim in Baden-Württemberg geboren. Er war zehn Jahre alt, als er mit seiner jüdischen Familie in ein Internierungslager der Nazis deportiert wurde, von wo aus viele andere weiter nach Auschwitz gebracht wurden. Doch die Maiers hatten Glück. Mit der Hilfe vor» Verwandten in den USA konnten sie ausreisen und in den Vereinigten Staaten ein neues Leben anfangen.

 

Seit 1947 hat Maier die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seine Eltern wollten angesichts der düsteren Vergangenheit nie zuriefe nach Deutschland, doch Kurt Maier hat nicht mit seiner Heimat gebrochen „leb bin seit fast 80 Jahren weg aus Deutschland und. trotzdem zähle ich immer noch auf Deutsch, denke ich noch auf Deutsch, rede ich mit mär selbst auf Deutsch, sagte Maier am Donnerstag in Washington. Ein leichter badischer Einschlag ist bei ihm nicht zu überhören.

Seit Anfang der 1990er Jahre reist Maier regelmäßig nach Deutschland, um in Schulen und Kirchengemeinden von der Vergangenheit zu erzählen und gegen das Vergessen anzukämpfen Er spricht nicht auf beklemmende Art von damals, sondern wach und zugewandt. Mit Anekdoten und bisweilen sogar mit dem ihm eigenen trockenen Humor.

Die deutsche Botschafterin in den USA, Emily Haber, sagte bei der Auszeichnung, Maiers Engagement sei „tief bewegend und inspirierend". Er habe sich für Versöhnung entschieden anstelle von Hass.

 

BNN , Dez. 2019

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Das jüdische Kuppenheim

Führung erinnert an die Vergangenheit der Knöpflestadt seit dem frühen 15. Jahrhundert

 

Auf zwei gedanklichen Säulen ruht der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim: Zum einen ist es das Gedenken an alle jü­dischen Mitbürger der Stadt, die wäh­rend der Nazidiktatur aus ihrem Leben gerissen wurden, sei es durch Ermor­dung, durch Deportation oder weil sie flüchten mussten. Der zweite ist „Wehret den Anfängen". „Wir müssen die junge Generation sensibilisieren für die Anzeichen, wenn Minderheiten Unrecht ge­schieht". Deshalb hat der Arbeitskreis Stolpersteine ein ganzes Netzwerk auf­gebaut, zu dem auch die Schulen gehö­ren. 65 Führungen, Konzerte, Gedenkfei­ern und Zeitzeugengespräche haben Heinz Wolf und der AK Stolpersteine Kuppenheim in den vergangenen zehn Jahren organisiert. Am Sonntag kam eine weitere Führung dazu, ein „Rundgang durch das jüdische Kuppenheim", den er bereits zum vierten Mal anbot.

 

„Wir müssen die junge Generation sensibilisieren.“ Heinz Wolf, AK Stolpersteine.                                                                      

Es ist der Sonntag nach dem Gedenktag „80 Jahre Deportation nach Gurs", wohin am 22. Oktober 1940 auch die verbliebenen 16 Kuppenheimer Juden abtransportiert wurden. Zu den 16, damals noch in Kuppenheim wohnenden jüdischen Mitbür­gern, zählt Heinz Wolf vom AK Stolper- steine auch die, die aus beruflichen oder familiären Gründen in andere Städte ge­zogen sind. Insgesamt rechnet er, dass 32 Kuppenheimer Juden nach Gurs ge­bracht wurden. Das Lager am Fuße der Pyrenäen und die Transporte in die Vernichtungslager Auschwitz und Sobibor überlebten nur fünf. Am Synagogen­platz, wo bis zur Reichpogromnacht 1938 die Synagoge und die Judenschule stan­den, erinnern heute ein Gedenkstein und ein gelber Stern.

 

Dort nahm die Führung ihren Ausgang, die tief ins Mittelalter zu­rückführte, begleitet von Klezmer-Klängen aus der Klarinette Gerold Stefans, Musiklehrer an der Gaggenauer Musik­schule. 1403 durfte der damalige Mark­graf erstmals mit Erlaubnis des Kaisers Schutzjuden gegen Gebühr aufzuneh­men. 1433 gab es dann die ersten nament­lichen Erwähnungen.

 

Als die Stadt am Rande des Schwarzwaldes dann 1580 das Marktrecht erhielt, wuchs die jüdische Bevölkerung. Denn Juden durften Vieh­handel treiben, ein wichtiger Standort­faktor in der bäuerlichen Umgebung für den aufstrebenden Marktort. 1789 wurde die erste Synagoge gebaut, dann kam die Judenschule dazu. Es gab neben diesen beiden Einrichtungen auch ein rituelles Bad und den zentralen jüdischen Fried­hof.

 

Die ersten Grablegungen datieren auf das Jahr 1694. Die Juden in Kuppenheim waren um 1700 meist arm und lebten be­scheiden, wie es der damalige Amtmann erhoben hat. 1830 waren sieben Prozent der Knöpflestadt Juden, 1924 waren es noch 2,4 Prozent. Im 18. und 19. Jahrhun­dert, bis die jüdischen Mitbürger 1872 die bürgerliche Gleichstellung erhielten, wanderten viele nach Amerika aus.

 

57 Stolpersteine verlegte der Künstler Gun­ter Demnig bereits in Kuppenheim. Im kommenden Frühjahr sollen 15 weitere Steine dazukommen: In der Rheinstraße und der Oberen Torstraße. Auf den hand­gravierten Messingplatten stehen Name, Geburts- und Sterbedatum oder ob je­mand verschollen ist und sein Schicksal. „Damit geben wir den Menschen ihren Namen zurück, holen sie als Menschen mit ihrem persönlichen Schicksal in die Erinnerung zurück".

 

Gemeinderat Tonio Reuter möchte im Gemeinderat anregen, dass das Wege­recht der Eigentümer in Bezug auf die Verlegung von Stolpersteinen per Mehrheitsbeschluss aufgehoben wird, damit alle Kuppenheimer Juden einen Stolper- stein bekommen.

 

Gedenkstein am Synagogenplatz: Heinz Wolf (links), Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim, und die Teilnehmer der Führung lauschen den Klezmer-Melodien von Gerold Stefans Klarinette.                   Foto: Martina Holbein

 

BNN Dienstag, 27. Oktober 2020

KULTUR REGIONAL

Von unserer Mitarbeiterin Martina Holbein

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Stolpersteinreinigung zu Gedenken am Dienstag, 22. Oktober


Deportation der Kuppenheimer Juden nach Gurs 1940 muss in Erinnerung bleiben

 

Mit einer Gedenkveranstaltung treten die Initiatoren vom Arbeitskreis gegen das Vergessen der Nazi-Gräueltaten ein. Sie erheben die Stimme gegen Antisemitismus, gegen Rassismus und Ausgrenzung, engagieren sich für die Rechte anderer und rufen auf zu politischer Wachsamkeit und Zivilcourage.


Juden wurden aus ihrem Heimatland hinausgeekelt. Mit zahllosen Repressalien, antisemitischen und rassistischen Gesetzen, Verordnungen und Terroraktionen waren die Nazis von Anfang an in ganz Deutschland gegen die Bürger jüdischen Glaubens vorgegangen. Systematisch wollten sie deren wirtschaftliche Existenz ruinieren und sie zu Emigration und Flucht zwingen.

Die Kuppenheimer Juden waren wie alle Juden im Reich betroffen vom Boykott »jüdischer« Geschäfte und Betriebe bereits am 1. April 1933. Die Nationalsozialisten erließen Hunderte von Verordnungen und Verbote zu nahezu allen Fragen des alltäglichen Lebens. Dazu kamen die Aberkennung der Staatsbürgerrechte durch die »Nürnberger Gesetze« 1935; die »Rassentrennung« in den Schulen 1936; die Zwangsarisierung aller »jüdischen« Gewerbebetriebe 1938; die Reichspogromnacht mit dem Niederbrennen der Kuppenheimer Synagoge (und der Schutzhaft für 6 jüdischer Bürger ins KZ Dachau) am 10. November 1938.; das Berufsverbot für alle Selbständigen in Handel und Handwerk 1939.

Es geschah am helllichten Tag

Am 22. Oktober 1940 begann die Wagner-Bürckel-Aktion. Alle Juden, die transportfähig waren, mussten mit. Selbst Alte und Gebrechliche wurden nicht verschont. Nur Juden, die in „Mischehe“ lebten, konnten bleiben. 6.500 Juden waren von dieser Aktion betroffen, davon 5.500 aus Baden. Die Juden feierten gerade das „Laubhüttenfest“ und waren trotz der Repressalien durch die Nazis in Feierstimmung.

 

In Kuppenheim und überall in Baden klopften am frühen Morgen Gestapo-Männer an die Haustür jüdischer Familien. Innerhalb von zwei Stunden) mussten sich diese reisefertig machen. In anderen Orten waren oft weniger Zeit, manchmal nur 20 Minuten. Maximal 50 kg Gepäck (oft waren es nur 20 kg) und 100 RM durften mitgenommen werden. Die Haustür wurde versiegelt oder die Schlüssel mussten in der Tür stecken bleiben. 16 Kuppenheimer Juden schleppten sich in Begleitung der Nationalsozialisten u.a. durch die Friedrichstraße zur Turnhalle (heute Wörtelhalle). Dort wurden Sie auf Lastwagen gesteckt und zum Bahnhof Karlsruhe transportiert. In einem der neun Eisenbahnzüge mit 3-Klasse-Waggons ging dann die Fahrt 3 Tage und 4 Nächte lang in Richtung Süden. Die Juden wussten nicht, wohin man sie bringen würde.


Baden ist „judenfrei“

In Deutschland konnten sich die beiden Gauleiter am 23. Oktober rühmen, ihre Gaue „judenfrei“ gemacht zu haben, ohne Komplikationen mit den Behörden und der Bevölkerung bekommen zu haben. Als die Deportierten in Gurs am Rande der Pyrenäen ankamen, regnete es und es war bitterkalt. Vom Regen durchnässt, frierend, von der beschwerlichen Bahnfahrt erschöpft, sanken sie auf den schmutzigen Bretterboden nieder.

Die französischen Behörden wurden vorher nicht informiert und sie waren völlig überfordert. Im Lager befanden sich bereits 900 Menschen (überwiegend spanische Widerstandskämpfer). Innerhalb weniger Tage stieg die Zahl auf 13.000, später auf 19.000 Deportierte an.

 

Gurs, Vorhof zur Hölle

Das Lager befand sich in einem desolaten Zustand und die Lage für die Verschleppten war unerträglich: wochenlanger Regen; überall zentimeterdicker Schlamm und das Monate lang; zusammengepfercht in fensterlosen und ungeheizten Holzbaracken ohne elektrisches Licht; Dahinvegetieren auf dem Holzboden ohne Betten; unbeschreibliche hygienische Verhältnisse; das Wasser war im bitterkalten Winter 1941/42 ein gefroren; Infektionskrankheiten und Erkrankungen aller Art; miserables Essen; unendliche Langeweile und wenig Hoffnung; jeden Tag viele Tote (vor allem Ältere, in den ersten Monaten starben bereits tausend Menschen)

Aber trotz Entbehrung und Dreck, fehlender Intimität und Hoffnungslosigkeit gab es immer wieder Lichtblicke menschlichen Zusammenlebens. Freundschaften und Zärtlichkeit kamen rasch zustande. Der Wunsch in Würde zu leben, veranlasste die Deportierten, zu beten, Gedichte zu schreiben, Lieder zu komponieren, zu malen und zu zeichnen. Und es gab einen primitiven Unterricht für die Kinder und der Versuch, diese ein wenig von ihrer Tristesse abzulenken.

 

In die unbarmherzige Welt des Lagers drang manchmal ein Lichtblick von außen. Meist kam er von Organisationen, die sich bemühten Hilfe zu leiten, so das Schweizer Rote Kreuz, die jüdische Organisation Kinderhilfe OSE oder die amerikanischen Quäker. Darüber hinaus halfen manchen Franzosen, Deportierte zu verstecken oder sie ins sichere Ausland zu bringen. Um emigrieren zu können, war ein Visum vom Gastland notwendig, ein Durchreisevisum für Portugal, Spanien oder Marokko, die Schiffskarte und Devisen für die Reisekosten. Nur wenige hatten die Möglichkeit, diese Anforderungen zu erfüllen. 2 000 Juden insgesamt konnten gerettet werden. 2 700 starben im Lager.

Gurs-Dreancy-Auschwitz

 

Für einen großen Teil de Deportierten bedeutete Gurs lediglich eine Zwischenstation auf ihrem Leidensweg. Ab März 1942 befahl das Judenreferat Eichmann die Deportation aller im Frankreich lebender Juden nach Osten. Die aus Viehwaggons zusammengestellten Deportationszüge wurden über das Sammellager Drancy bei Paris nach Auschwitz bzw. Sobibor umgeleitet. Die allermeisten der Deportierten (es waren 1.800) wurden noch am Tag ihrer Ankunft in den KZs ermordet vergast oder der „Vernichtung durch Arbeit“ preisgegeben wurden.

Kuppenheimer Juden nach Gurs und und/oder ins KZ

Von den 16 Kuppenheimer Juden überlebten lediglich fünf das Lager:

 

Max und Fanny Dreyfuß, Ilse und Ludwig Schlorch sowie Ludwig Kahn.

Im Deportationslager Gurs bzw. im KZ-Auschwitz verstarben oder wurden ermordet:

Isidor und Karoline Meier Mina Meier, Samuel und Sara Herz, Semi, Rosa und Günter Schlorch, Marie Dreyfuß, Colestina und Blondina Kahn.

Weitere 14 ehemals in Kuppenheim geborene Juden wurden von anderen Orten nach Gurs verschleppt, niemand überlebte:

 

Anna Herz (verh. Billig), Elise Herz (verh. Loeb), Max und Adolf Kahn,
Salomon Kuppenheimer,
Ida Dreyfuß (verh. Heumann),
Jeanette Kahn (verh. Hirsch),
Regina Dreyfuß (verh. Katz),
Irma Kahn (verh. Platz),
Johanna Kahn (verh. Kuhn),
Berta Kahn (verh. Grünhut),
Emilie Kaufmann (verh. Brumlik) und schließlich
Fanny Kaufmann (verh. Kreuzer).

 

586-jährige Geschichte der Juden in Kuppenheim ausgelöscht

Mit dieser verbrecherischen Verschleppung am 22. Oktober 1940 durch die National-Sozialisten wurde jüdisches Leben in Kuppenheim, das bis ins Jahr 1433 zurückging, zerstört. Kuppenheimer Bürger sind ihrer Heimat beraubt worden, nur weil sie Juden waren.

 

Ludwig Mann, ein internierter Arzt berichtet:

„Die Baracken waren kalt, feucht, zugig und schmutzig, die Strohsäcke lagen auf den schiefen Bretterböden, schlecht gefüllt mit muffigem Stroh. Es gab Wanzen und Läuse, Ratten und Flöhe; aber kein Essgeschirr und kein Trinkgefäß. Alles Gepäck, lag im Dreck und Regen.“

Ilse Noel aus Karlsruhe berichtet:

„Strom gab es nicht. Luft und etwas Licht konnten wir nur durch Holzklappen hereinlassen, wenn es nicht gerade regnete oder zu kalt war. Schlafen mussten wir anfangs auf dem Fußboden, der mit etwas Stroh abgedeckt war. Es gab viele Ratten und Ungeziefer im Lager. Wer nachts seine Decke nicht bis über den Kopf zog, wurde gebissen.

 

Berty Friesländer-Bloch berichtet über die letzten Monate des Jahres 1940 in Gurs:

Die Hölle von Gurs. „Die Tage, Wochen und Monate schleichen dahin. Jede Minute wird uns zur Stunde, jede Stunde zu einer Ewigkeit! Die Baracken sind dunkel, da keine Fenster vorhanden sind, ohne Tageslicht. So kauern wir auf einer Schütte Stroh, welches als Streue auf dem schmutzigen Fußboden liegt. Hunger! Entsetzlicher Hunger beherrscht unser Denken und Fühlen. Elend, Trostlosigkeit, Heimweh zermürben unsere Ichheit. Wassersuppen zweimal täglich und eine kleine Ration Brot! Wie lange werden wir dieses aushalten? Haben unsere Verfolger Berechnungen anstellen lassen, wie lange ein Mensch bei Wassersuppe und Brot..?! Hunger, Hunger! Es pocht und wühlt in unseren Gedärmen, er nagt an unserem Herzen, er macht die Menschen rabiat und böse.

 

Eugen Neter aus Karlsruhe:

„Sobald man die Baracke verließ, blieb man bis zum Knöchel im Lehmboden stecken. Manchmal musste ich alte Leute aus der klebrigen Masse herausziehen, vor allem wenn sie auf dem Weg zur Latrine waren. Der Schlamm drang überall ein und verursachte völlig durchnässte Füße.“

 

„Uns im Lager Internierten gingen die gewohnten Bezugspunkte des Alltags verloren: kein Familienkleben, keine Möglichkeit alleine zu sein. Wir mussten in der Gruppe leben , 14 Stunden am Tag und waren zu einem untätigen und jämmerlichen Leben verdammt, zusammengepfercht mit anderen und zugleich mit dem Gefühl konfrontiert, nichts wert zu sein“

Aber trotz Entbehrung und Dreck, fehlender Intimität und Hoffnungslosigkeit gab es immer wieder Lichtblicke menschlichen Zusammenlebens.

 

Freundschaften und Zärtlichkeit kamen rasch zustande. Der Wunsch in Würde zu leben, veranlasste die Deportierten, zu beten, Gedichte zu schreiben, Lieder zu komponieren, zu malen und zu zeichnen. Und es gab einen primitiven Unterricht für die Kinder und der Versuch, diese ein wenig von ihrer Tristesse abzulenken.

 

 

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Jüdischer Friedhof Kuppenheim, Führungen durch ein besonderes Kulturdenkmal

Aufgrund der regen Nachfrage lädt der AK Stolpersteine zu zwei weiteren Führungen auf dem Kuppenheimer Jüdischen Friedhof (Stadtwaldstraße 120, oberhalb des Schützenhauses) ein:

Sonntag, 15. September, 11 Uhr und
Mittwoch, 18. September, 16 Uhr.

Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kopfbedeckung (Mütze, Kappe, Hut…) zu tragen. Gutes Schuhwerk ist angesagt. Veranstaltungen finden auch bei Regen, nicht bei Sturm, statt. Sie sind kostenlos. Spenden für das Legen neuer Stolpersteine in Kuppenheim oder für Aktionen des Arbeitskreises (Stolpersteinreinigungen, Lesungen, Vorträge, Konzerte…) werden gerne entgegengenommen.

 

Zur Geschichte des Friedhofes

Der Friedhof wurde 1694 erstmals urkundlich erwähnt. Der Grabstein des Dienstboten des Gernsbacher Israel Jung ist nicht mehr erhalten, jedoch Grabsteine aus den Jahren 1694 (Naftali Herz ), 1697 (Mosche und Breinle bat Eljakum, bat = Tochter) und 1699 (Beile bat Jehuda). 1857 wurde der Friedhof vom Rabbinatsbezirk Bühl zum Verbandsfriedhof für 16 jüdische Gemeinden bestimmt, vom Bereich Ettlingen bis ins Hanauerland (Kehl/ Lichtenau).

Der Friedhof wurde während des Zweiten Weltkriegs von Nationalsozialisten verwüstet, die Aussegnungshalle in der Reichspogromnacht im Jahr 1938 zerstört, entging jedoch der vollständigen Schleifung, da das Interesse der NS-Schergen auf die Kriege im Osten und anderswo gerichtet war. Erkennbar sind heute noch etwas mehr als 1 000 Gräber für Erwachsene und 45 Gräber für Kinder. Etwa 150 Grabsteine liegen am Boden und sind von Efeu überwuchert bzw. durch Baumwurzeln beschädigt.

Anmeldung erbeten unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

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Stolpersteinreinigung mit muslimischen Jugendlichen

           

Samstag, 2. März, 2019, 11 Uhr

 

61 Solpersteine wurden bisher in Kuppenheim verlegt. Diese sind vor verschiedenen Häusern im Boden versenkte Gedenktafeln, die an das Schicksal der Juden erinnern, die in der Zeit des Holocaust gedemütigt, entrechtet, verfolgt, ermordet oder vertrieben wurden. Sie lebten in Kuppenheim in der Friedrich-, Murgtal-, Schloss- oder Rheinstraße in friedlicher Nachbarschaft zu christlichen Mitbürgern über Jahrzehnt und in den Nebenstraßen über Jahrhunderte.

 

Am kommenden Samstag, 2. März, 11 Uhr, trifft sich der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim mit muslimischen Jugendlichen, um gemeinsam Stolpersteine zu reinigen. Sie wollen damit ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und den verfolgten Juden Respekt zollen.

 

Familie Kaufmann, Friedrichstraße 91

 

Die Stolpersteinreinigung beginnt in der Friedrichstraße 91, vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Kaufmann Kaufmann. Das Ehepaar hatte 12 Kinder, von denen vier im frühen Kindesalter verstarben. Emil erlebte noch drei Jahre die Schikanen und den Terror des NS-Regimes, bis er als 65-Jähriger in Kuppenheim verstarb. Seine Ehefrau Julie Julchen, geb. Lehmann, konnte nach dem Tod des Ehemannes zu ihren drei Söhnen Max und Friedrich in die USA emigrieren. Fanny und Emilie wurden im KZ Auschwitz vergast, Rosa kam ins Lager Gurs, von dort in ein KZ nach Polen, sie wurde 1945 für tot erklärt. Die Lebensstationen von Marie, Bertha, Julie und Moses Arthur sind noch nicht endgültig recherchiert.

 

Familie Hermann Kahn, Friedrichstraße 79

 

Die nächste Station ist die Friedrichstraße 79. Hier lebte der Viehhändler Hermann Kahn mit seiner Ehefrau Paula und den vier Kindern.

 

Dr. Manfred Geck, der gegenüber wohnte, hatte guten freundschaftlichen Kontakt zu den Söhnen der Familie Hermann Kahn (insbesondere zum jüngsten Familienmitglied Siegfried), spielte mit diesem, „spengelte“ mit ihm durch die Altstadtgassen. Und es gab auch mal richtigen Streit. „Aber am Abend waren wir wieder versöhnt“, erinnerte sich der 2016 verstorbene Zeitzeuge.

 

Verhaftung uns Demütigung – erzwungene Flucht

 

Nach der Zerstörung der Kuppenheimer Synagoge in der Reichspogromnacht am 10. November 1938 (in Kuppenheim einen Tag später) wurde er mit fünf anderen Kuppenheimer Juden (Max Dreyfuß, Semi Schlorch, Berthold Herz, Heinrich Dreyfuß, Heinrich Hermann Valfer) von den Nationalsozialisten in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau verschleppt. Am 6. Dezember 1938 kehrte er von dort nach Kuppenheim zurück.

 

Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete Hermann Klara Kaufmann und wanderte mit ihr am 23. Mai 1939 nach Buffalo (USA) aus. Nicht nur Hermann Kahn, sondern auch seine drei Söhne Leo, Joseph und Siegfried konnten Kuppenheim rechtzeitig verlassen, gaben ihre angestammte Heimat, ihr Wohnhaus, ihre Freunde und Bekannten auf, um sich vor den nationalsozialistischen Mördern in Sicherheit zu bringen. Der AK Stolpersteine Kuppenheim legte für die Familie im Jahr 2016 fünf Stolpersteine.

 

Weitere Stationen, wo Stolpersteine gereinigt werden, sind: Friedrichstraße 75, 86, 94 und 98.

 

Interessierte Bürger und vor allem Jugendliche sind herzlich eingeladen, an der Aktion teilzunehmen.

Putzaktion2019 1 web grossSchülerputzete 2 web gross Schülerputzete 4 web gross Gunter Demnig beim Legen der Stolpersteine

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Stolpersteine Zeichen des Erinnerns und der Mahnung

 

61 Stolpersteine wurden bisher in Kuppenheim in den Gehweg eingelassen, dort wo jüdische Mitbürger friedlich zu ihren Nachbarn lebten. Sie wurden von den Nationalsozialisten entrechtet, verfolgt, vertrieben oder ermordet. Stolpersteine sind Zeichen des Erinnerns. Sie geben den Gedemütigten ihren Namen zurück und stehen für die Ermordeten und Vergasten als „symbolische Grabsteine“. Stolpersteine sind auch Mahnung gegen Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Rassismus, aber auch Symbole für Toleranz, Frieden und Menschlichkeit.

Kooperation mit Schulen

 

„Wir sind sehr angetan von der großartigen Bereitschaft vieler Schulen in Kuppenheim und Umgebung, sich an Aktionen des Arbeitskreises und der umliegender Initiativen zu beteiligen, wie zum Beispiel bei Führungen auf dem „Jüdischen Friedhof Kuppenheim“ oder zum Thema „jüdisches Leben in Kuppenheim“.

 

Mehr als tausend Schüler nahmen an Konzerten, Lesungen und Vorträgen von...

Esther Bejarano (Mädchenorchester Auschwitz),
Dotschy Reinhardt (Sinti + Roma) oder
Kurt Salomon Maier (Gurs-Überlebender)

mit großer Anteilnahme teil“, so Heinz Wolf, Sprecher des Arbeitskreises.

 

„Lasst euch nicht von denen (den Rechten) über den Tisch ziehen. Seid wachsam, dass so etwas wie zur Zeit der Nationalsozialisten nie wieder passiert“, so die Mahnung der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano an die Schüler.

 

Rechte Hetze und Verfälschung der Geschichte

 

In diesem Sinne verweist der Arbeitskreis Stolpersteine an die Tendenz rechts-populistischer Hass-Prediger und Geschichtsverfälscher wie Wolfgang Gideon, der das Beenden der Stolpersteinlegungen einforderte.

 

Der thüringische AfD-Politiker Björn Höke bezeichnete in seiner Dresdner Brandrede das Holcaust-Mahnmal in Berlin-Mitte als "Denkmal der Schande" und forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad ".

 

Der AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland forderte vor begeistert klatschenden Zuhörern dazu auf, die frühere Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz „in Anatolien zu entsorgen“.

 

Die Parteikollegin Alice Weidel verteidigte dazu noch diese volksverhetzende Aussage. Gaulands Absicht, die deutsche Staatsbürgerin Özuguz wegen einer angeblich falschen Meinung symbolisch auszugrenzen, entspricht dem Vorgang, eine störende und überflüssige Person minderen Rechts dorthin zu bringen, wo sie hingehört, an einen rückständigen Ort außerhalb Europas, nämlich nach Anatolien. So etwas haben wir während der Diktatur des NS-Unrechtsregimes schon mal gehabt.

 

Es ist beschämend, dass die Staatsanwaltschaft Mühlhausen das Strafverfahren wegen Volksverhetzung gegen Gauland einstellte. Der Rechts-Populist Gauland konnte sich somit in seinen hetzerischen Aussagen bestätigt fühlen und unter dem Gejohle der Zuhörer in seiner „Vogelschiss“-Rede in Thüringen die NS-Zeit zu verharmlosen.                            

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