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Lesung mit Musik 13 03 2019 klein

Aktuelles

 

AK Stolpersteine Kuppenheim vielfältig engagiert

 

Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim legt nicht nur Gedenksteine, er organisiert auch Veranstaltungen, die sich mit der Geschichte der Juden und NS-Diktatur befassen:

  • Stolpersteinreinigungen (z.B. mit der Werner-von-Siemens-Reslschule Kuppenheim, der Favorite Werkrealschule Kuppenheimund dem AK Stolpersteine
  • Gedenkveranstaltungen (Gurs, Reichspogromnacht, Auschwitz-Befreiung)
  • Konzerte (Alexandra Mikulska, Microphone Mafia im klag und in der Reithalle Rastatt, Sinteza-Musik im klag, 3x Klezmer mit Jontef)
  • Vorträge (Auschwitz, 2x jüd. Soldaten im 1. Weltkrieg, 4x Kurt Maier im Lager Gurs, strarke jüdische Frauen aus Baden-Baden)
  • Lesungen (4x Esther Bejarano vom Auschwitz-Mädchenorchester, 2x Sinti + Roma unter NS Regime, Hosenfeld und der Pianist im Warschauer Ghetto), starke jüdische Frauen zum Weltfrauentag, Dorfchronik einer verlorenen Gemeration
  • Führungen auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim und zur jüdischen Innestadt

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Die SA wütet in der Pogromnacht auch in Kuppenheim

Gedenken an Reichspogromnacht
Führung auf dem jüdischen Friedhof Kuppenheim

Zum Gedenken an die Reichspogromnacht in Kuppenheim am 10. Nov. 1938 (im restlichen

Deutschland war es der 9. Nov.) lädt der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim Interessierte zu einer

Führung auf dem jüdischen Friedhof Kuppenheim ein: Sonntag, 10. Nov. 2019, 11 Uhr, Stadtwaldstr. 120

(oberhalb Schützenhaus).

 

Gutes Schuhwerk ist ratsam. Für männliche Besucher ist Kopfbedeckung notwendig. Die Führung ist

kostenlos. Um Spenden für Stolpersteinlegungen wird gebeten.

 

Anmeldung erwünscht: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  (heinz Unterstrich wolf)

 

Das erste urkundlich gesicherte Begräbnis fand auf dem jüdischen Friedhof Kuppenheim 1694 statt. Im 19.

Und 20. Jahrhundert (bis 1939) wurden auf dem Verbandsfriedhof nicht nur Juden aus Kuppenheim, sondern

auch aus Ettlingen, Baden-Baden, Bühl, Gernsbach, Hörden, Malsch, Muggensturm, Rastatt und dem Hanauer

Land beigesetzt.

 

Wehret den Anfängen. Warum gedenkt der AK Stolpersteine an das Geschehen vor 81 Jahren? In Kuppenheim

lebten seit 1633 und bis 1940 Juden. In den zurückliegenden Jahrhunderten wurden sie ein Bestandteil

der Stadt. Ohne die jüdischen Viehhändler hätte es wohl keinen so respektablen Wochenmarkt im 18. Und

19. Jahrhundert in Kuppenheim gegeben. Juden betrieben Geschäfte und Handel. Sie waren Teil des

gesellschaftlichen Lebens, waren in Vereinen (z.B. Musikverein) oder in der Feuerwehr. Sie hatten ein

gutes Verhältnis zu ihren christlichen Nachbarn. Die jüdische Minderheit, die in Deutschland und in

Kuppenheim lebte, wurde ausgelöscht.

 

Deshalb ist es das Anliegen des Arbeitskreises, bei all seinen Aktionen (Stolpersteinlegungen und

Stolpersteinreinigungen, Führungen, Lesungen und Konzerten) nicht nur an das Schicksal der Juden zu

erinnern und ihrer zu gedenken, sondern auch auf den Schutz von Minderheiten hinzuwirken, weil diese

ein wichtiger Bestandteil unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft sind.

 

Tatort Kuppenheim

 

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde das Leben der Juden auch in Kuppenheim von

Jahr zu Jahr unerträglicher. Zunächst wurden sie gedemütigt, dann entrechtet, ihrer wirtschaftlichen

Existenz entzogen oder zur Flucht gezwungen. Dann fielen Männer aus Gaggenau an diesem Novembertag vor

81 Jahren in Kuppenheim ein, zündeten die Synagoge an, verwüsteten Wohnungen und Geschäfte der Juden.

Sechs Geschäftsleute (Heinrich und Max Dreifuß, Berthold Herz, Hermann Kahn, Semi Schlorch und Hermann

Heinrich Valfer) wurden in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau geschickt.

 

Schändung des jüdischen Friedhofes. Darüber hinaus wüteten die Sa-Schergen auch auf dem jüdischen

Friedhof. Sie zündeten dort die Einsegnungshalle an, rissen Dutzende Grabplatten aus den Grabsteinen

heraus oder warfen die Steine um. Besonders schändlich war die Zerstörung der Gedenktafel an die

jüdischen Soldaten (Julius Grünbaum, Joseph Kahn, Karl Dreifuß und Ludwig Herz), die im Ersten

Weltkrieg gefallen waren. Mit Moses Dreyfuß aus Kuppenheim, zuletzt wohnhaft in Baden-Baden, verstarb

ein weiterer Juden im tapferen Kampf für Kaiser und Vaterland.

 

Schutzhaft: unmenschliche Behandlung für Kuppenheimer und andere Juden

 

„In dieser Nacht vom 10. zum 11. November 1938, auf dem Weg ins KZ Dachau, konnten ich und die anderen

500 Juden, die sich in den Viehwaggons befanden, kein Auge schließen, unsere Gedanken weilten bei

unseren Familien, und wir hatten eine Ahnung davon, was uns im KZ erwarten würde. In Dachau angekommen,

standen in den Gleisen SS-Posten mit aufgepflanzten Bajonetten. Wir mussten in den Abteilen bleiben,

und dann kamen die SS-Leute herein zur Begrüßung mit ihren Gewehrkolben und ihren Fäusten. Das

Einkleiden dauerte den ganzen Tag, Stehen ohne Essen und Trinken. 300 Mann kamen anschließen in

Baracken, in denen eigentlich höchstens 40 Menschen Platz hatten. In dieser leeren Baracke mussten wir

auf dem Boden sitzen, jeder den Vordermann zwischen den Beinen, so dass man sich nicht hinlegen konnte.

Die Luft wurde schlecht, man konnte kaum atmen oder sich bewegen. Während der Nacht durften wir die

Baracke nicht verlassen, sonst wären wir erschossen worden", so Ludwig Marx aus Karlsruhe.

Dachau war eines der drei Konzentrationslager, nach denen die während des Novemberpogroms 1938

festgenommenen über 26.000 deutschen Juden (aus Süddeutschland, dem Rheinland und Österreich) verbracht

wurden. In Dachau mussten die Juden Wochen und zum Teil Monate unter menschenunwürdigen Bedingungen

verbringen. Es wurde ihnen der Kopf kahlgeschoren, sie wurden in Häftlingskleidung gesteckt, sie

mussten bei Kälte stundenlang auf dem Exerzierplatz stehen und waren der für Juden besonders grausamen

Willkür der SS-Wachmannschaften ausgeliefert.

 

Heinrich Dreyfuß in Prittlbach bei Dachau erschlagen

 

Mit Erschießen wurde den Schutzhäftlingen bei jeder Gelegenheit gedroht. Erschießungen fanden auf dem

nahegelegenen SS-Schießplatz Prittlbach statt. Der Kuppenheimer Heinrich Dreyfuß starb am 24. November

1938 an diesem Ort. Bei der Verhaftung in Kuppenheim fand die SA am 10. November 1938 in seiner Wohnung

einen alten Kavalleriesäbel. Möglicherweise war dieser Waffenfund für ihn das Todesurteil. Kuppenheimer

Zeitzeugen sprachen auch davon, dass Heinrich Dreyfuß in seinen Worten nicht gerade zurückhaltend war

und sich politisch links einordnete.

 

Fünf Kuppenheimer Juden zurück nach Kuppenheim

 

Noch im November 1938 wurden die ersten Häftlinge aus Dachau entlassen. Frei kamen zunächst Gefangene,

bei denen zu erwarten war, dass sie in kurzer Zeit auswandern würden. Fast einen vollen Tag dauerte das

Entlassungsverfahren. Jeder musste eine Erklärung unterschreiben, dass er das Lager bei voller

Gesundheit verlasse, keine Ansprüche an das Deutsche Reich stelle und so schnell wie möglich aus

Deutschland auswandern werde.


Den Häftlingen wurden die eigenen Kleider und Habseligkeiten ausgehändigt, dann mussten die vor ihrer

Entlassung stehenden Gefangenen zum letzten Mal in Reih und Glied antreten. Dabei belehrte ein SS-

Offizier die Männer so: „Ich würde Euch raten, Deutschland so schnell als möglich zu verlassen. Wir

wollen keine Juden in Deutschland, also hinaus mit Euch, so schnell ihr könnt! Aber eines will ich Euch

sagen: Was Ihr hier gesehen habt, müsst ihr verschweigen, sonst holen wir Euch wieder und vielleicht

auch noch eure Familien, und dann kommt Ihr nie mehr aus Dachau heraus.

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Stolpersteinreinigung zu Gedenken am Dienstag, 22. Oktober
Deportation der Kuppenheimer Juden nach Gurs 1940 muss in Erinnerung bleiben

 

Mit einer Gedenkveranstaltung treten die Initiatoren vom Arbeitskreis gegen das Vergessen der Nazi-Gräueltaten ein. Sie erheben die Stimme gegen Antisemitismus, gegen Rassismus und Ausgrenzung, engagieren sich für die Rechte anderer und rufen auf zu politischer Wachsamkeit und Zivilcourage.


Juden wurden aus ihrem Heimatland hinausgeekelt. Mit zahllosen Repressalien, antisemitischen und rassistischen Gesetzen, Verordnungen und Terroraktionen waren die Nazis von Anfang an in ganz Deutschland gegen die Bürger jüdischen Glaubens vorgegangen. Systematisch wollten sie deren wirtschaftliche Existenz ruinieren und sie zu Emigration und Flucht zwingen.

Die Kuppenheimer Juden waren wie alle Juden im Reich betroffen vom Boykott »jüdischer« Geschäfte und Betriebe bereits am 1. April 1933. Die Nationalsozialisten erließen Hunderte von Verordnungen und Verbote zu nahezu allen Fragen des alltäglichen Lebens. Dazu kamen die Aberkennung der Staatsbürgerrechte durch die »Nürnberger Gesetze« 1935; die »Rassentrennung« in den Schulen 1936; die Zwangsarisierung aller »jüdischen« Gewerbebetriebe 1938; die Reichspogromnacht mit dem Niederbrennen der Kuppenheimer Synagoge (und der Schutzhaft für 6 jüdischer Bürger ins KZ Dachau) am 10. November 1938.; das Berufsverbot für alle Selbständigen in Handel und Handwerk 1939.

 

Es geschah am helllichten Tag

 

Am 22. Oktober 1940 begann die Wagner-Bürckel-Aktion. Alle Juden, die transportfähig waren, mussten mit. Selbst Alte und Gebrechliche wurden nicht verschont. Nur Juden, die in „Mischehe“ lebten, konnten bleiben. 6.500 Juden waren von dieser Aktion betroffen, davon 5.500 aus Baden. Die Juden feierten gerade das „Laubhüttenfest“ und waren trotz der Repressalien durch die Nazis in Feierstimmung.

 

In Kuppenheim und überall in Baden klopften am frühen Morgen Gestapo-Männer an die Haustür jüdischer Familien. Innerhalb von zwei Stunden) mussten sich diese reisefertig machen. In anderen Orten waren oft weniger Zeit, manchmal nur 20 Minuten. Maximal 50 kg Gepäck (oft waren es nur 20 kg) und 100 RM durften mitgenommen werden. Die Haustür wurde versiegelt oder die Schlüssel mussten in der Tür stecken bleiben. 16 Kuppenheimer Juden schleppten sich in Begleitung der Nationalsozialisten u.a. durch die Friedrichstraße zur Turnhalle (heute Wörtelhalle). Dort wurden Sie auf Lastwagen gesteckt und zum Bahnhof Karlsruhe transportiert. In einem der neun Eisenbahnzüge mit 3-Klasse-Waggons ging dann die Fahrt 3 Tage und 4 Nächte lang in Richtung Süden. Die Juden wussten nicht, wohin man sie bringen würde.


Baden ist „judenfrei“

In Deutschland konnten sich die beiden Gauleiter am 23. Oktober rühmen, ihre Gaue „judenfrei“ gemacht zu haben, ohne Komplikationen mit den Behörden und der Bevölkerung bekommen zu haben. Als die Deportierten in Gurs am Rande der Pyrenäen ankamen, regnete es und es war bitterkalt. Vom Regen durchnässt, frierend, von der beschwerlichen Bahnfahrt erschöpft, sanken sie auf den schmutzigen Bretterboden nieder.

 

Die französischen Behörden wurden vorher nicht informiert und sie waren völlig überfordert. Im Lager befanden sich bereits 900 Menschen (überwiegend spanische Widerstandskämpfer). Innerhalb weniger Tage stieg die Zahl auf 13.000, später auf 19.000 Deportierte an.

 

Gurs, Vorhof zur Hölle

Das Lager befand sich in einem desolaten Zustand und die Lage für die Verschleppten war unerträglich: wochenlanger Regen; überall zentimeterdicker Schlamm und das Monate lang; zusammengepfercht in fensterlosen und ungeheizten Holzbaracken ohne elektrisches Licht; Dahinvegetieren auf dem Holzboden ohne Betten; unbeschreibliche hygienische Verhältnisse; das Wasser war im bitterkalten Winter 1941/42 ein gefroren; Infektionskrankheiten und Erkrankungen aller Art; miserables Essen; unendliche Langeweile und wenig Hoffnung; jeden Tag viele Tote (vor allem Ältere, in den ersten Monaten starben bereits tausend Menschen)

Aber trotz Entbehrung und Dreck, fehlender Intimität und Hoffnungslosigkeit gab es immer wieder Lichtblicke menschlichen Zusammenlebens. Freundschaften und Zärtlichkeit kamen rasch zustande. Der Wunsch in Würde zu leben, veranlasste die Deportierten, zu beten, Gedichte zu schreiben, Lieder zu komponieren, zu malen und zu zeichnen. Und es gab einen primitiven Unterricht für die Kinder und der Versuch, diese ein wenig von ihrer Tristesse abzulenken.

 

In die unbarmherzige Welt des Lagers drang manchmal ein Lichtblick von außen. Meist kam er von Organisationen, die sich bemühten Hilfe zu leiten, so das Schweizer Rote Kreuz, die jüdische Organisation Kinderhilfe OSE oder die amerikanischen Quäker. Darüber hinaus halfen manchen Franzosen, Deportierte zu verstecken oder sie ins sichere Ausland zu bringen. Um emigrieren zu können, war ein Visum vom Gastland notwendig, ein Durchreisevisum für Portugal, Spanien oder Marokko, die Schiffskarte und Devisen für die Reisekosten. Nur wenige hatten die Möglichkeit, diese Anforderungen zu erfüllen. 2 000 Juden insgesamt konnten gerettet werden. 2 700 starben im Lager.

 

Gurs-Dreancy-Auschwitz

 

Für einen großen Teil de Deportierten bedeutete Gurs lediglich eine Zwischenstation auf ihrem Leidensweg. Ab März 1942 befahl das Judenreferat Eichmann die Deportation aller im Frankreich lebender Juden nach Osten. Die aus Viehwaggons zusammengestellten Deportationszüge wurden über das Sammellager Drancy bei Paris nach Auschwitz bzw. Sobibor umgeleitet. Die allermeisten der Deportierten (es waren 1.800) wurden noch am Tag ihrer Ankunft in den KZs ermordet vergast oder der „Vernichtung durch Arbeit“ preisgegeben wurden.

 

Kuppenheimer Juden nach Gurs und und/oder ins KZ

Von den 16 Kuppenheimer Juden überlebten lediglich fünf das Lager:

Max und Fanny Dreyfuß, Ilse und Ludwig Schlorch sowie Ludwig Kahn.

Im Deportationslager Gurs bzw. im KZ-Auschwitz verstarben oder wurden ermordet:

Isidor und Karoline Meier Mina Meier, Samuel und Sara Herz, Semi, Rosa und Günter Schlorch, Marie Dreyfuß, Colestina und Blondina Kahn.

 

Weitere 14 ehemals in Kuppenheim geborene Juden wurden von anderen Orten nach Gurs verschleppt, niemand überlebte:

Anna Herz (verh. Billig), Elise Herz (verh. Loeb), Max und Adolf Kahn,
Salomon Kuppenheimer,
Ida Dreyfuß (verh. Heumann),
Jeanette Kahn (verh. Hirsch),
Regina Dreyfuß (verh. Katz),
Irma Kahn (verh. Platz),
Johanna Kahn (verh. Kuhn),
Berta Kahn (verh. Grünhut),
Emilie Kaufmann (verh. Brumlik) und schließlich
Fanny Kaufmann (verh. Kreuzer).

586-jährige Geschichte der Juden in Kuppenheim ausgelöscht

Mit dieser verbrecherischen Verschleppung am 22. Oktober 1940 durch die Nationalsozialisten wurde jüdisches Leben in Kuppenheim, das bis ins Jahr 1433 zurückging, zerstört. Kuppenheimer Bürger sind ihrer Heimat beraubt worden, nur weil sie Juden waren.

 

Ludwig Mann, ein internierter Arzt berichtet:

„Die Baracken waren kalt, feucht, zugig und schmutzig, die Strohsäcke lagen auf den schiefen Bretterböden, schlecht gefüllt mit muffigem Stroh. Es gab Wanzen und Läuse, Ratten und Flöhe; aber kein Essgeschirr und kein Trinkgefäß. Alles Gepäck, lag im Dreck und Regen.“

 

Ilse Noel aus Karlsruhe berichtet:

„Strom gab es nicht. Luft und etwas Licht konnten wir nur durch Holzklappen hereinlassen, wenn es nicht gerade regnete oder zu kalt war. Schlafen mussten wir anfangs auf dem Fußboden, der mit etwas Stroh abgedeckt war. Es gab viele Ratten und Ungeziefer im Lager. Wer nachts seine Decke nicht bis über den Kopf zog, wurde gebissen.

 

Berty Friesländer-Bloch berichtet über die letzten Monate des Jahres 1940 in Gurs:

Die Hölle von Gurs. „Die Tage, Wochen und Monate schleichen dahin. Jede Minute wird uns zur Stunde, jede Stunde zu einer Ewigkeit! Die Baracken sind dunkel, da keine Fenster vorhanden sind, ohne Tageslicht. So kauern wir auf einer Schütte Stroh, welches als Streue auf dem schmutzigen Fußboden liegt. Hunger! Entsetzlicher Hunger beherrscht unser Denken und Fühlen. Elend, Trostlosigkeit, Heimweh zermürben unsere Ichheit. Wassersuppen zweimal täglich und eine kleine Ration Brot! Wie lange werden wir dieses aushalten? Haben unsere Verfolger Berechnungen anstellen lassen, wie lange ein Mensch bei Wassersuppe und Brot..?! Hunger, Hunger! Es pocht und wühlt in unseren Gedärmen, er nagt an unserem Herzen, er macht die Menschen rabiat und böse.

 

Eugen Neter aus Karlsruhe:

 

„Sobald man die Baracke verließ, blieb man bis zum Knöchel im Lehmboden stecken. Manchmal musste ich alte Leute aus der klebrigen Masse herausziehen, vor allem wenn sie auf dem Weg zur Latrine waren. Der Schlamm drang überall ein und verursachte völlig durchnässte Füße.“

 

„Uns im Lager Internierten gingen die gewohnten Bezugspunkte des Alltags verloren: kein Familienkleben, keine Möglichkeit alleine zu sein. Wir mussten in der Gruppe leben , 14 Stunden am Tag und waren zu einem untätigen und jämmerlichen Leben verdammt, zusammengepfercht mit anderen und zugleich mit dem Gefühl konfrontiert, nichts wert zu sein“

 

Aber trotz Entbehrung und Dreck, fehlender Intimität und Hoffnungslosigkeit gab es immer wieder Lichtblicke menschlichen Zusammenlebens.

 

Freundschaften und Zärtlichkeit kamen rasch zustande. Der Wunsch in Würde zu leben, veranlasste die Deportierten, zu beten, Gedichte zu schreiben, Lieder zu komponieren, zu malen und zu zeichnen. Und es gab einen primitiven Unterricht für die Kinder und der Versuch, diese ein wenig von ihrer Tristesse abzulenken.

 

Eri
it der verbrecherischen

 

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Jüdischer Friedhof Kuppenheim,                                                     Führungen durch ein besonderes Kulturdenkmal

 

Aufgrund der regen Nachfrage lädt der AK Stolpersteine zu zwei weiteren Führungen auf dem Kuppenheimer Jüdischen Friedhof (Stadtwaldstraße 120, oberhalb des Schützenhause) ein:

 

Sonntag, 15. September, 11 Uhr und
Mittwoch, 18. September, 16 Uhr.

 

Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kopfbedeckung (Mütze, Kappe, Hut…) zu tragen. Gutes Schuhwerk ist angesagt. Veranstaltungen finden auch bei Regen, nicht bei Sturm, statt. Sie sind kostenlos. Spenden für das Legen neuer Stolpersteine in Kuppenheim oder für Aktionen des Arbeitskreises (Stolpersteinreinigungen, Lesungen, Vorträge, Konzerte…) werden gerne entgegengenommen.

 

Zur Geschichte des Friedhofes

 

Der Friedhof wurde 1694 erstmals urkundlich erwähnt. Der Grabstein des Dienstboten des Gernsbacher Israel Jung ist nicht mehr erhalten, jedoch Grabsteine aus den Jahren 1694 (Naftali Herz ), 1697
(Mosche und Breinle bat Eljakum, bat = Tochter) und 1699 (Beile bat Jehuda). 1857 wurde der Friedhof vom Rabbinatsbezirk Bühl zum Verbandsfriedhof für 16 jüdische Gemeinden bestimmt, vom Bereich Ettlingen bis ins Hanauerland (Kehl/Lichtenau).

 

Der Friedhof wurde während des Zweiten Weltkriegs von Nationalsozialisten verwüstet, die Aussegnungshalle in der Reichspogromnacht im Jahr 1938 zerstört, entging jedoch der vollständigen Schleifung, da das Interesse der NS-Schergen auf die Kriege im Osten und anderswo gerichtet war. Erkennbar sind heute noch etwas mehr als 1 000 Gräber für Erwachsene und 45 Gräber für Kinder. Etwa 150 Grabsteine liegen am Boden und sind von Efeu überwuchert bzw. durch Baumwurzeln beschädigt.

 

Anmeldung erbeten unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

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Jungen und Männer aus Râon-l´Etape nach Deutschland verschleppt – Aktion „Waldfest“

 

Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim erhält Einblicke in dunkles deutsch-französisches Kapitel

 

Kuppenheim/Râon-l’Étape - Ein Zwangsarbeiter berichtet über die Deportation und dem Fußmarsch nach Héming bei Saarburg: Am 8. November 1944 umzingelten Soldaten der Wehrmacht den Stadtteil von Râon-l‘Étape, rechts der Meurthe. 265 Jungen und Männer zwischen 16 und 46 Jahren wurden zusammengetrieben, um in Fußmärschen und per Bahn zur Zwangsarbeit nach Heidelberg gebracht zu werden.


In Heidelberg kamen die 265 Zwangsarbeiter (manche Quellen berichten von 300 Râonaisen) am 11. November 1944 an. Ihnen war vorgegaukelt worden, sie sollten an Frontbefestigungen in der Umgebung ihrer Stadt arbeiten. Ihnen war vorgegaukelt worden, sie sollten an Frontbefestigungen in der Umgebung ihrer Stadt arbeiten, wie vorher unter dem Requirierung-Programm „STO“ (Service de Travail Obligatoire, in Râon-l´Etape wurden 700 Personen zum Bau von Panzersperren und Ausheben von Schützengräben zwangsverpflichtet). An Kleidung hatten die Verschleppten nur dabei, was sie am Körper trugen, viel zu wenig für den anstehenden Winter. Sie erfroren fast wegen der bitterlichen Kälte. Und sie hatten nichts zu essen dabei. Hunger war angesagt. Dazu kamen noch die Ungeziefer in den Massenquartieren und die unzumutbaren hygienischen Verhältnisse. 40 Personen mussten sich einen Wasserhahn mit kaltem Wasser teilen.


In Heidelberg wurden sie im Marstall als Land- Forst- und Industriearbeiter an Betriebe und Handwerker aufgeteilt. Sie hatten keinerlei Proviant und Ersatzkleidung dabei, ihrer Angehörigen wussten nichts über sie bis zu ihrer Rückkehr im April 1945. Eingesetzt wurden die Zwangsarbeiter u.a. im Güterbahnhof, im Stadtwald, zum Schneeräumen und auf dem Friedhof.


Deportation und die Befreiung

 

Paul Gasser aus Râon-l’Étape beschreibt die Umstände der Deportierten: „Laurent Kruch, Besitzer der größten Druckerei in Râon-l’Étape, musste in einer Druckerei in Handschuhheim arbeiten. Ihn gelang es heimlich, beim Drucken Lebensmittelmarken abzuzweigen.


Auf dem Weg vom Internierungslager in Heidelberg zur Zwangsarbeit erinnert sich Paul Gasser

 

„Ohne uns viel Zeit zu lassen, zwingen uns die Deutschen vor ihnen herzumarschieren bis zur Kreuzung der Straße nach Celles, wo sie uns in ein Haus stopfen, um auf die Lastwagen zu warten, die uns nach Celles führen sollten. Ich versuche mit einem Feldwebel zu reden, damit ich dableiben kann, weil ich immer noch für die Verwaltung arbeite. Aber er will nichts hören. Ich fahre mit der 3. LKW-Ladung nach Celles; das Fahrzeug beschleunigt seine Fahrt am Ortsausgang von R0226on, denn das ist bereits ein guter Zielpunkt für die alliierte Artillerie. Nach der Ankunft in Celles führt man uns sofort in die Fabrik Cartier, um uns dort in einer eisigkalten Werkstatt einzuschließen. Einige Franzosen bringen uns Lebensmittel.


Gegen zwei Uhr desselben Tages verlassen wir Celles zu Fuß in Richtung Alarmont, dann lässt man uns den Chapelotte hinaufsteigen, immer gut bewacht. Am Ortseingang von Badonviller fallen Granaten, und  heftig werden wir in die Keller unter den Schulen hineingedrängt. Es ist Nacht, und wir müssen in dieses dunkle Untergeschoss hineingehen, das voller Abfälle und Exkrementen ist, ohne Licht, ohne Türe und auf den feuch-ten Boden. In diese Keller waren in der Nacht zuvor schon Hunderte von Männern der umliegenden Dörfer eingesperrt gewesen, die einen Tag für den Transport nach Heidelberg zusammengetrieben worden waren.
Der Marsch durch den feinen Regen hat uns äußerlich durchnässt und wir waren todmüde. Und während der ganzen Nacht hört man die sechzehnjährigen Jungen weinen, was uns noch einen weiteren Tiefschlag versetzt. 

 

Am nächsten Morgen sammelt man uns, um uns unsere Ausweise wegzunehmen. Zu Fuß geht es nun nach Cirey. Am Ortsausgang von Badonviller beschleunigen wir unsern Schritt, denn die amerikanische Artillerie hatte schon am Vortag mit ihren Granaten die Straße übersät. Einige hundert Meter vor der Ankunft dort will ich mich unter einem Wagen flüchten, der auf dem Trottoir abgestellt ist, aber in der Zeit, in der ich mich sicherheitshalber nach den Wachleuten umdrehe, bin ich am Fahrzeug schon vorbei, und noch einmal gehen wir in ein neues Quartier hinein, wo sich schon einige hundert Unglückliche wie wir befinden. Der Konvoi besteht jetzt aus ungefähr 700 Männern. In einem Nieselwetter begeben wir uns in auf die Straße den Hang hinauf in Richtung Hemingen. Der Konvoi ist stark bewacht durch etwa hundert Feldgendarmen, die mit Maschinenpistolen und Maschinengewehren bewaffnet sind.

 

Mühsam schleppen wir uns bis zum Bahnhof, wo 12 eiskalte Waggons ohne Lokomotive auf uns warten. Man stellt uns auf in Sechserreihen und in Gruppen zu 60. Jede Gruppe nimmt in einem Wagen Platz, ohne Licht und in einer sehr dunklen Nacht. Wir wickeln uns unter großer Mühe in unsere Decken. Ich ziehe meine Gummistiefel aus, um in meine Hausschuhe zu schlüpfen, aber nie habe ich mich aufwärmen können. Gegen 20 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung, und die Wachleute in jedem Wagen setzen sich an unsere Seite. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Saarburg, hege ich die Absicht zu fliehen; der Zug verlangsamt ziemlich, aber mir fehlt der Mut, und wir rollen in die schwarze, eisige Nacht ohne Halt Richtung Mannheim. Einige unerwartete Stopps wegen Fliegeralarm erlauben uns, unseren traurigen Ausflug zu lokalisieren. Gegen 10 Uhr kommen wir in Heidelberg an, müssen jedoch wegen eines Fliegeralarms bis kurz vor 12 Uhr im Zug bleiben.“

 

Befreiung – Ostern 1945

 

Währen ihrer Zwangsarbeit in Heidelberg hatten die Deportierten keinerlei Kontakt zu ihren Familien in Râon-l´Etape. „Wir wussten die ganze Zeit über nichts von unseren Familien. Und wir kamen ins KZ nach Rappenau. Dort gab es zum Essen nur gefrorene Kartoffeln. Nachts mussten wir bei eisiger Kälte Gleise reparieren. Die SS drohte uns nach Dachau zu bringen, obwohl die Front nur zehn Kilometer entfernt war. Am Ostermontag 1945, um neun Uhr morgens, kamen dann die Panzer der Amerikaner. Wir waren befreit“, so Jacques Nilsa, Kaufmann und Unternehmer aus Râon-l´Etape.

 

Deutsche Besatzer planten totale Zerstörung von Râon-l´Etape

 

Am 9. November 1944, dem Tag nach der Deportation der Zwangsarbeiter, sollten die verbleibenden Einwohner die Stadt Râon-l´Etape verlassen, die totale Zerstörung („verbrannte Erde“, nach der Methode der Wehrmacht beim Rückzug an der russischen Front) war wohl beabsichtigt. Die alliierten Soldaten sollten in Kuppenheims Partnerstadt im Spätherbst und Winter 1944 kein Haus und keinen Keller zum Verbleiben und auch keinerlei Lebensmittel und Tiere zum Schlachten vorfinden. Das menschenverachtende Vorhaben unterblieb aber wegen des schnellen alliierten Vormarschs. Die Wehrmacht musste Hals über Kopf nach Osten in Richtung Deutsches Reich fliehen. Râon-l’Étape wurde schließlich am 17. November von den Alliierten.

 

Râon-l´Etape – Häuser und Infrastruktur zerstört – Hinrichtungen

 

Die Wehrmacht hatte im Vogesenstädtchen ganze Arbeit verrichtet, aber auch der Beschuss durch die anrückenden Alliierten sorgte für namhafte Zerstörung. Die Deutschen plünderten nahezu alle Häuser (819 insgesamt). 163 Behausungen wurden total zerstört, gesprengt oder niedergebrannt, auch alle kommunalen Einrichtungen: Rathaus, Schulen, Kirche, Kindergarten, Bürgersaal Beauregard, Theater, Krankenhaus, zentrales Elektrizitätswerk, Abwasserleitungen, Trinkwasserversorgung, Gas- und Stromleitungen, Eisenbahnverbindungen (Schienen) und der Bahnhof. Alle öffentlichen Fahrzeuge wurden requiriert oder gestohlen.


Sieben Personen (z.B. Bürgermeister Robert Tisserand) und 27 Widerstandskämpfer wurden hingerichtet. Der angesehene Bürgermeister Charles Weill kam bereits 1943 nach Auschwitz (weil er Jude war) und wurde dort vergast.

 

55 Jahre nach Kriegsende

 

Almosen nur für wenige Überlebende: Eine Entschädigung haben die Arbeitskräfte aus Frankreich in der Regel nicht erhalten und wenn überhaupt, dann äußerst geringe Beträge (ab April 2000 für nur wenige Überlebende). Nach der Befreiung bekommen die Zwangsarbeiter nicht den Status von Deportierten, der war und ist den in Konzentrationslagern und Gefängnissen verbrachten Personen vorenthalten. Erst seit 1970 wird das spezifische Leid und die Verfolgung der zur Zwangsarbeit verschleppten Menschen aus Ostfrankreich (Lothringen u.a.) als „Patriote transféré en Allemagne – nach Deutschland verschleppter Patriot“ anerkannt. In den betroffenen Orten und auf Gedenktafeln steht meist –„Déportation“.

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Realschüler auf den Spuren jüdischer Traditionen im Murgtal

 

Der AK Stolpersteine Kuppenheim hat in den vergangenen Jahren wiederholt Schüler der Kuppenheimer Werne-von-Siemens-Realschule und der Favorite Werkrealschule über den jüdischen Friedhof geführt. Heinz Wolf vom Arbeitskreis war beeindruckt von dem disziplinierten Verhalten der Schüler. Insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und aus dem Nordirak zeigten wegen ihrer eigenen Erlebnisse tiefes Mitgefühl mit dem Schicksal der Familien, Lehmann, Herz, Schlorch und Kahn, die während der Führung exemplarisch vorgetragen wurden.

 

AK Stolpersteine außerschulischer Partner der Naturparkschule Realschule Gaggenau

 

Die Neuntklässler der Realschule Gaggenau besuchten vor den Sommerferien den jüdischen Friedhof in Kuppenheim. Die Schüler lauschten aufmerksam den interessanten Ausführungen von Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim. Er wurde als außerschulischer Partner von der angehenden Naturparkschule engagiert, um die Schülern im Rahmen des Moduls „NS-Zeit im Murgtal - eine Spurensuche" über den Friedhof zu führen. Das Kennenlernen der Geschichte vor Ort im Sinne moderner Heimatkunde ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts der Naturparkschulen.

 

Mehr als 100 Schüler beeindruckt von jüdischer Begräbniskultur

 

Die vier neunten Klassen haben den jüdischen Friedhof jeweils an unterschiedlichen Tagen besucht. Die Anreise erfolgte mit dem Fahrrad, per Straßenbahn oder zu Fuß. Vor Ort lernten die Neuntklässler zunächst die verschiedenen Ecken des Friedhofs kennen. Die ältesten Grabfelder stammen aus der Zeit um 1700. Einige der zum Teil sehr kunstvollen und von der Zeit gezeichneten Grabsteine wurden wieder instandgesetzt, aber es gibt auch Bereiche, in denen die Grabfelder der Natur überlassen werden. Die Schüler erfahren, dass es einen separaten Bereich für Kindergräber gibt.

 

Juden waren Teil von Kuppenheim

 

Am Beispiel der Grabsteine erläuterte der Experte, dass jüdisches Leben mit seinen Traditionen ein fester Bestandteil der Heimatregion im Murgtal war, bis es durch die Gräueltaten der Nazis auch hier vernichtet wurde. Viele Spuren in Kunst und Architektur weisen bis heute auf diese Traditionen hin. Die Jugendlichen beeindruckten besonders die Einzelschicksale, die bei vielen der hier Begrabenen eng mit der Ortsgeschichte von Gaggenau und Bad Rotenfels verwoben sind. Erst im Winter hatten einige der Schüler den Stolperstein von Nathan Kahn geputzt, auf Gräber seiner Familie stießen sie auch beim Besuch des Friedhofs.

 

Eine nachhaltige Besichtigung – respektvoller Umgang mit Minderheiten

 

Die Stimmung auf dem Nachhauseweg von diesem eindrücklichen Ausflug ist nachdenklich. Vielen sind die Parallelen zwischen der Unterdrückung jüdischer Mitbürger damals und dem Umgang mit Minderheiten heute klar geworden. „Ich denke, die Botschaft ist angekommen, dass Minderheiten unsere gesellschaftliche Vielfalt bereichern und dass jeder ein Stück weit für einen achtsamen und respektvollen Umgang mit Minderheiten verantwortlich ist", so das Fazit von Lehrerin Elena Wunsch nach dem Ausflug.

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Schikanen für Juden - Oktober 1940 – Auschwitz September 1942

AK Stolpersteine in Râon-l’Étape: Die Juden in der Partnerstadt

 

Das Schicksal der Juden (im besetzten Teil oder im Bereich des Vichy-Regimes) verschlechterte sich gravierend am 10. Oktober 1940: Da gab es eine Judenzählung, ein Vermerk "Jude" auf den Ausweispapieren und eine Ausgangssperre zwischen 20 Uhr und 6 Uhr. Diese Aktion haben die Franzosen unnötigerweise in vorauseilendem Gehorsam initiiert, um vielleicht noch einen Rest Eigenverwaltung gegenüber der deutschen Besatzer zu erhalten.

 

Ab Juni 1942 mussten Juden als obligatorisches Erkennungsmerkmal einen gelben Stern auf ihrer Kleidung tragen. Thérèse Mauget-Vilmain zum „gelben Judenstern“: „Paul Lévy rennt die Treppe runter, aus dem Haus, runter zum Fluss. Da wird er kontrolliert. Ein Jude darf ohne den Davidsstern auf der Kleidung sich nicht im öffentlichen Bereich bewegen.“

 

Dieser Verstoß ist schließlich Grund genug,

um im August 1942 fünf Juden aus Râon l`Étape einzusperren:

 

- Lily Samuel (26 Jahre alt, geb. in Grussenheim),

- Ida Oppenheimer (geb. Neuschler in Oberstein/Rheinland, 59),

- Cécile Muller (geb. Weill in Mulhouse, 40),

- Alphonse Meyer (49) und

- Arthur Lévy (54, geb. in Dettenheim).


Sie wurden dann übers Internierungslager d’Écrouves (bei Toul, nahe Nancy) am 21. September 1942 übers Lager Drancy (bei Paris) und schließlich mit dem Transport Nr. 36 in Viehwaggons nach Auschwitz deportiert, um dort letztendlich vergast zu werden.

 

Bereits im Juli 1942 kamen Smuel und Szezwa Grynspan mit Transport Nr. 11 nach Auschwitz. Es waren Juden, die die religiösen Gebote achteten , die Gesetze achteten, einer Arbeit nachgingen und Steuern zahlten, nie auffällig wurden und dennoch von den Nationalsozialisten gedemütigt, entrechtet, zur Flucht gezwungen und vielfach ermordet wurden, nur weil sie Juden waren.

 

Razzia vom 13. März 1944 in La-Neuveville-lès-Râon

Die Annexion Elsass-Lothringens durch das Dritte Reich war ein eklatanter Verstoß gegen internationales Recht, insbesondere die Zwangsrekrutierung der Elsässer (130 000) und Lothringer (100 000). Etwa ein Drittel dieser sog. „Freiwilligen“ (sie nannten sich „Malgré-nous“, „Wider unseren Willen“) fielen an der Ostfront oder sind vermisst. Dazu kommen noch die Opfer durch Erschießungen und Tausende in Konzentrationslagern ermordeter und umgekommener Menschen.

 

Die schwere Niederlage der Deutschen Truppen in Stalingrad (Februar 1944) hat die Wahnvorstellung der Nazis von einer jüdisch-bolschewistischen Verschwörung verstärkt. Und je näher die alliierten Truppen (nach der Landung im Ärmelkanal) der von der deutschen Armee gehaltenen Westfront näherkamen, desto mehr verstärkte sich der Druck auf die Juden.

 

So wurden bei dieser März-Razzia in Râons Stadtteil La Neuveville 23 Juden ohne Begründung gefangen genommen und ins Lager Écrouves verschleppt. Von dort kamen 18 ins Sammellager Drancy und 17 von anschließend mit dem Transport Nr. 71 (13. April 1944, 1500 Deportierte, 80 % wurden sofort vergast, 39 Männer und 91 Frauen überlebten 1945) bzw. Transport Nr. 72 (29. April 1944) ins KZ Auschwitz.


Vergast wurden die Juden…

- André Hirtz (13, geb. in Mulhouse) und die Mutter

- Suzanne Hirtz (geb. Weyl in Mulhouse, 46),
- Florine Meyer (47, geb. in Fegersheim),
- Hermance Bernheim (verh. Levy, 48 Jahre, geb. in Haguenau),

- Julia Bernheim (42, geb. in Haguenau),

- Henriettte Godechaux (verh. Kahn, 63, geb. in Brumath), die Ehepaare

- Lazare Kauffmann (78, geb. in Haguenau) und

- Berthe Kauffmann (geb. Cerf, 62, geb. in Lyon),
- Adolpe Kahn (79, geb. in Imling/Moselle) und

- Juliette Kahn (geb. Braunschweig in Basel, 78),

- Marcel Weil (62, geb. in Fegersheim) und

- Berthe Weil (geb. Ries in Gailingen/Hochrhein, 62),

- Élie Samuel (geb. in Strasbourg, 41) und

- Nelly Renée Samuel (38) sowie deren Kinder

- Bernard (6),

- Jean (7) und

- Anne (8).


Somit kam die ganze aus Strasbourg stammende Familie Samuel am 16. April 1944 ins Gas. Die Mutter Nelly war übrigens im 8. Monat schwanger. Lediglich die Großeltern Joseph und Adèle Weill (verh. Samuel) überlebten den Holocaust, weil sie wie auch Florence Kahn (interniert 1944, 82) und Leopold Hirtz (interniert 1944, 61) am 2. September 1944 von den Alliierten aus dem Lager Écrouves, befreit wurden.

 

Jüdische Kinder von der Schule ins KZ – Die Razzia am 13. März 1944

 

Die Geschichte wiederholt sich. Bei einer erneuten Razzia wurden am Montag, dem 13. März 1944, 34 Personen aus Râon und dem dazugehörigen Stadtteil La Neuveville ins KZ deportiert. Darunter waren sechs Kinder unter 14 Jahre: Sarah Grinszpan, Maxime Goldsztain, André Hirtz, Bernard, Jean und Anne Samuel.

 

Jüdischer Bürgermeister Charles Weill abgesetzt und im KZ ermordet

 

Eine der ersten Aktionen gegen Juden in Râon-l’Étape war die Absetzung des beliebten Bürgermeisters CHARLES WEILL (1929 – 1942), veranlasst vom Vichy-Regime auf Druck der deutschen Besatzer. Am 18. Juli 1943 wurde Weill ins Sammellager Drancy verschleppt, um anschließend mit dem Zug Nr. 6 von Drancy ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und sofort vergast zu werden.

 

Vor der École maternelle in La Neuveville-les-Râon, Jean Hirl, Jean-Pierre Kruch (mit Hut) rechtes Bild: Jean-Marie Lecompte (li) vom Geschichtlichen Verein Râon-l‘Étape

 

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Razzia am 13. März 1944 in Raon-l’Étape


Die Internierung der Juden setzte sich an diesem verhängnisvollen Tag auch im Hauptort Râon fort für: die Ehepaare Fernand Dreyfuß (60) und Marguerite Dreyfuß (geb. Weyl, 54) und ihre Kinder Robert (19) und Odette (21), sie stammten aus Fegersheim im Elsass, Rose Lévy (geb. Deutsch, 48) und deren Töchter Yvonne (19) und Irène (20), die alle vorher in Balbronn wohnten, Liba Goldsztain (geb. Sztajnbuk aus Bobroviniki in Polen, 34) und ihr Sohn Maxime (12) sowie Charlotte Weyl (51, Schwester von Marguerite Dreyfuß), das Mädchen Sarah Grynszpan (8), Muriel Lévy (22), Berthe Samuel (verh. Gerst, 60). Auch sie kamen mit den Transporten Nr. 71 und 72 zur Vergasung nach Auschwitz.


Von Drancy wurden insgesamt 40 000 Juden aus Frankreich ins Vernichtungslager Auschwitz „transportiert“, zuerst die ausländischen Juden, dann die mit französischer Nationalität.

 

Auch Kuppenheimer Juden ins Gas geschickt


15 Kuppenheimer Juden wurden von 1942 bis 1944 von Gurs ins Sammellager Drancy (bei Paris) und von dort nach Auschwitz und Sobibor deportiert. Es waren dies: Ida Dreyfuß verh. Heumann, Jeanette Kahn verh. Hirsch, Regina Dreyfuß verh. Katz, Irma Kahn verh. Platz, Johanna Kahn verh. Kuhn, Berta Kahn verh. Grünhut, Helena Meier verh. Samuel, Emilie Kaufmann verh. Brumlick, Fanny Kaufmann verh. Kreuzer, Marie Dreyfuß geb. Friedmann, Isidor Meier und seine Ehefrau Karolina Meier geb. Kahn, Günter Schlorch und seine Eltern Semi Schlorch und Rosa Schlorch geb. Herz. Dazu kam Klara Kahn, die von Kuppenheim kommend über Bingen in ein KZ-Lager in Polen gelangte. Niemand überlebte die Internierung.

 

Von wegenm Kollaboration - hilfsbereite Franzosen


Die Juden, ob Erwachsene oder Kinder, durften eine Tagesration in einem Koffer mitnehmen. In Autos wurden sie mit unbekanntem Ziel fortgebracht. Kurz vor dem Abtransport bricht bei der Familie Lévy Panik aus. Freunde schlagen Muriel Levy vor, diese bei ihnen zu verstecken. Muriel lehnt ab, weil sie vermutet, dass ihre Eltern teuer dafür bezahlen müssten. Am Nachmittag steht die Familie im Erdgeschoss ihres Wohnhauses. Madame Levy zu Mademoiselle Mauget-Vilmain, die dem Vorgang beiwohnte: „Sie, mein Fräulein, werden noch schöne Tage haben…für mich ist es das Ende!“


Der Bus, zu zwei Drittel bereits besetzt, hält vor dem Haus an. Deutsche Soldaten nehmen die Koffer... und das war der Abschied für Muriel, die Mutter und die Tante.


Eine Zeitzeugin erinnert sich:

 

„Jemand hat an der Tür geklopft, zwei Männer in langen Mänteln und mit Hut haben nach unserer Freundin Annie Samuel gefragt, um sie dann mitzunehmen. Die Gesichter der Klassenkameraden waren von Entsetzen gezeichnet. Wir haben sie nie mehr wiedergesehen. Einige Tage später haben wir für sie gesammelt und zu ihr ein Paket ins Lager Écrouves geschickt. Aber wir haben nie erfahren, ob Annie und ihre Familie das Paket jemals erhalten haben.“


Die Razzia ging weiter.

 

Ginette Marzan, damals 22 Jahre alt, dazu: „Ein Auto hielt an. Vor dem Coop. Ich war alleine im Geschäft, als ein Feldgendarm eintrat und nach einer Mme Goldsztain fragte. Ich verstand den Zusammenhang und erklärte, dies nicht zu wissen. Durch die Vitrinen sah ich Muriel Levy in ihrer Situation, konnte zur ihr ins Auto steigen und ihr noch Brot und Käse geben. Dann hat mich ein bewaffneter Feldgendarm vertrieben. Währenddessen haben die Deutschen die Häuser in der Rue A. Ferry durchsucht und Mme Goldsztain, ihren 11-jährigen Sohn Maxim sowie die kleine Sarah Grynszpan (7 Jahre) gefunden. Sarah lebte bei den Goldsztains, da ihre Eltern, Szmul und Szetwa , bei der Razzia im Juli1942 bereit mitgenommen wurden und mit dem Transport Nr. 11 nach Auschwitz kamen. Es waren Juden, die ursprünglich aus Polen stammten.“

 

Sarah und Maxim Grynspan


Paul-Jean Gasser (1944 bis 1945 Zwangsarbeiter in Heidelberg) war mit Sarah und Maxim Grynspan befreundet: „Sarah war ein kleines Mädchen mit schwarzen Haaren, gekleidet mit einem roten Mantel, zu klein und mit einem gelben Davidstern versehen. Maxim war ein süßer Junge, sehr freundlich. Sein Vater führte ein Schustergeschäft. Eines Tages in der Schule hing sein Davidstern von der Bluse. Die Erzieherin nähte diesen schnell wieder an. Maxim kam nie wieder zurück…“


„Das Waldfest“ in Lothringen


Die Synagoge von Râon-l’Étape befand sich bis 1849 am Quai de la Victoire. Danach wurde eine neue Synagoge erbaut, die nach der Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung 1949 zerstört wurde. Seit den Razzien 1942 und 1944 gab es keine jüdische Gemeinde in Râon-l’Étape mehr. Bild rechts: Die Gestapo in Raon.


Während im Osten sowjetische Angriffsspitzen bereits weit auf deutschen Boden vorgedrungen waren und sich der Reichshauptstadt Berlin näherten, zeichnete sich zum Jahresende 1944 auch auf den Kampfstätten des Westens die beginnende Niederlage ab. So sah sich die 19. Deutschen Armee ab Oktober 1944 in den Vogesen einer äußerst schwierigen Lage gegenüber. Im Norden hatten bereits britisch-amerikanische Truppen die Reichsgrenze erreicht. Im Süden an der Burgundischen Pforte (bei Belfort) rückte die französische Armee mit der algerischen Infanteriedivision gegen die deutsche Westvogesenstellung an. In dieser Situation blieb den Deutschen nicht anderes übrig, als sich ins Reich Richtung Osten zurückzuziehen. Dabei verfolgten sie (wie schon an der Ostfront) das Prinzip der „verbrannten Erde“, in vielen Orten in den

 

Vogesen, in Saint-Dié, Épinal und auch in Râon l’Étape.


Bürgermeister Robert Tisserand aus dem Rathaus geschleppt und vor dem Eingang ermordet
Am 4. September 1944 drang ein SD-Einsatzkommando in das Rathaus ein und verhörte den Bürgermeister (1942 – 1944) Robert Tisserand. Die Nazis beschuldigten ihn, Résistancekämpfer zu unterstützen. Daraufhin schleppten sie ihn vor das Rathaus und erschossen ihn mit mehreren Salven aus Maschinenpistolen.

Robert Tisserant, Bürgermeister (von 1942 bis 1944) nach dem Juden Charles Weill und Auguste Pavoz. Die Einschläge der MP-Salven an der Rathauswand sind noch heute zu sehen.


Jüdischer Bürgermeister Charles Weill abgesetzt und im KZ ermordet


Sein Vorgänger, Bürgermeister Charles Weill (1929 – 1942)war vom Vichy-Regime abgesetzt und (weil er Jude war) am 18. Juli 1943 mit dem Zug Nr. 6 von Drancy ins KZ Auschwitz deportiert worden, wo er nach seiner Ankunft vergast wurde.

 

Auguste Pavos und die Kartoffelkäfer

 

Auguste Pavoz wurde am 16. November 1940 zum Nachfolger des jüdischen Bürgermeisters Weill von der Regierung Vichy zum Bürgermeister bestimmt. 1942 verlor er sein Amt, weil er angeblich zu wenig Initiativen zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers unternahm. Dieser kam während des Ersten Weltkrieges mit Schiffen aus den USA an die französische Mittelmeerküste, breitete sich in den Jahren darauf bis in die Vogesen aus und bedrohte die Kartoffelernten. Pavos verbrachte drei Monate im Gefängnis in Epinal, kam jedoch nach einer Strafzahlung frei. Die Reaktion der Râonaisen war, dass sie die Deutschen mit dem Schimpfnamen „Kartoffelkäfer – DORYPHORES “ verspotteten.

 

Bürgermeister Robert Tisserand aus dem Rathaus geschleppt und vor dem Eingang ermordet

 

Auch der dritte Bürgermeister während des Nazi-Regimen in Râon-l’Étape wurde von den Deutschen kaltgestellt. Am 4. September 1944 drang ein SD-Einsatzkommando in das Rathaus ein und verhörte den Bürgermeister (seit 1942) Robert Tisserand. Die Nazis (deutsche Polizisten) beschuldigten ihn, Widerstandskämpfer zu unterstützen. Daraufhin schleppten sie ihn vor das Rathaus und erschossen ihn mit mehreren Salven aus Maschinenpistolen. Robert Tisserand wurde lediglich 45 Jahre alt.
Robert Tisserant, Bürgermeister (von 1942 bis 1944) nach dem Juden Charles Weill und Auguste Pavoz. Die Einschläge der MP-Salven an der Rathauswand sind noch heute zu sehen.

 

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Zweiter Weltkrieg – Râon-l’Étape unter deutscher Besatzung

Abbé Aimé Claude deportiert und in Gaggenau 1944 von SS-Schergen ermordet

 

Am 2. Juni 1944 wurde der katholische Geistliche Abbé Claude verhaftet und am 9. Oktober 1944 ins KZ Rotenfels deportiert. Dort wurde er am 24. November 1944 erschossen. „Claude war von kleiner Statur, sehr zurückhaltend, wenn nicht gar ängstlich.“, berichtete Clauds Neffe Pierot dem inhaftierten Deutschen Werner Helfen, der im Lager Schirmeck Aimé Claude kennenlernte.

 

Claude wurde im Außenlager Rotenfels des Konzentrationslagers Struthof zu Arbeitseinsätzen delegiert. Die Deportierten mussten im Gaggenauer Daimler-Benz-Werk unter strenger Aufsicht der SS schuften oder beim Graben des Luftschutzstollens am Amalienberg ohne Staubschutz schwere Arbeiten verrichten. Die Häftlinge wurden aber auch zur Räumung des Schutts eingesetzt, ohne Schutz vor Blindgängern. Die amerikanische Luftwaffe hatte mit 170 B-17 Bombern in zwei Angriffen am 10. September 1944 und am 3. Oktober 70 Prozent von Gaggenau (2123 Gebäude zerstört oder stark beschädigt) und das Daimler-Benz-Werk in Schutt und Asche gelegt. 200 Tote (darunter 59 Kinder) waren zu beklagen.

 

Von einem Mithäftling habe Pierot erfahren, dass Abbé Claude auf der Fahrt zum Erlichwald (sein Schicksal vorausahnend) vom Lkw gesprungen sei, um zu fliehen. Nachdem ihn die SS-Wächter mit der Maschinenpistole verfehlt hätten, sei er mit einem Gewehr erschossen worden.


Am 25. Oktober 1944 begann wegen der Invasion und dem Vordringen der Amerikaner die komplette Verlegung des Lagers Struthof/Schirmeck nach Rotenfels (mit Waisenbach), nach Haslach (Kinzigtal) und Sulz am Neckar.


In der katholischen Kirche Saint-Luc in Râon l’Étape erinnert eine Gedenktafel an die Ermordung von Pfarrer Aimé Claude im Gaggenauer Erlichwald.

 

Zum Gedenken an den Priester Aimé Claude, geboren am 24. November 1891 in Les Vallois, als Dekan von Râon-l’Étape ins Amt eingeführt am 2. Juni 1943, von der Gestapo festgenommen am 9. Okt. 1944, verschleppt, gefoltert und erschossen in Gaggenau von den Hitler-Barbaren am 24. Nov. 1944.

Die Wehrmacht beobachtete vom Kirchturm der Saint-Luc-Kirche aus die Stellungen der amerikanischen Truppe. Diese bombardierte daraufhin die Kirche.

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Jungen und Männer aus Râon-l´Etape nach Deutschland verschleppt

 

Deportation  -  Fußmarsch nach Héming bei SaarburgEin Zwangsarbeiter berichtet:

 

Am 8. November 1944 umzingelten Soldaten der Wehrmacht den Stadtteil von Râon-l‘Étape, rechts der Meurthe. 265 bis 300  Jungen und Männer zwischen 16 und 46 Jahren wurden zusammengetrieben, um in  Fußmärschen und  per Bahn zur Zwangsarbeit nach Heidelberg gebracht zu werden.  

                                         

In Heidelberg kamen die 300 Zwangsarbeiter am 11. November 1944 an. Ihnen war vorgegaukelt worden, sie sollten an Frontbefestigungen in der Umgebung ihrer Stadt arbeiten. Ihnen war vorgegaukelt worden, sie sollten an Frontbefestigungen in der Umgebung ihrer Stadt arbeiten, wie vorher unter dem Requirierung-Programm „STO“ (Service de Travail Obligatoire, in Râon-l´Etape wurden 700 Personen zum Bau von Panzersperren und Ausheben von Schützengräben zwangsverpflichtet). An Kleidung hatten die Verschleppten nur dabei, was sie am Körper trugen, viel zu wenig für den anstehenden Winter. Sie erfroren fast wegen der bitterlichen Kälte. Und sie hatten nichts zu essen dabei.  Hunger war angesagt. Dazu kamen noch die Ungeziefer in den Massenquartieren und die unzumutbaren hygienischen Verhältnisse. 40 Personen mussten sich einen Wasserhahn mit kaltem Wasser teilen.

 

In Heidelberg wurden sie im Marstall als Land- Forst- und Industriearbeiter an Betriebe und Handwerker aufgeteilt. Sie hatten keinerlei Proviant und Ersatzkleidung dabei, ihrer Angehörigen wussten nichts über sie bis zu ihrer Rückkehr im April 1945. Eingesetzt wurden die Zwangsarbeiter u.a. im Güterbahnhof, im Stadtwald, zum Schneeräumen und auf dem Friedhof.                                                                                                                    

Deportation und die Befreiung

 

Paul Gasser aus Râon-l’Étape beschreibt die Umstände der Deportierten:  Besitzer der größten Druckerei in Râon-l’Étape, musste in einer Druckerei in Handschuhheim arbeiten. Ihn gelang es heimlich, beim Drucken Lebensmittelmarken abzuzweigen.    

                                                                                                                                                          

Paul Gasser auf dem Weg zur Zwangsarbeit, ergänzt: „Ohne uns viel Zeit zu lassen, zwingen uns die Deutschen vor ihnen herzumarschieren bis zur Kreuzung der Straße nach Celles, wo sie uns in ein Haus stopfen, um auf die Lastwagen zu warten, die uns nach Celles führen sollten. Ich versuche mit einem Feldwebel zu reden, damit ich dableiben kann, weil ich immer noch für die Verwaltung arbeite. Aber er will nichts hören. Ich fahre mit der 3. LKW-Ladung nach Celles; das Fahrzeug beschleunigt seine Fahrt am Ortsausgang von R0226on, denn das ist bereits ein guter Zielpunkt für die alliierte Artillerie. Nach der Ankunft in Celles führt man uns sofort in die Fabrik Cartier, um uns dort in einer eisigkalten Werkstatt einzuschließen. Einige Franzosen bringen uns Lebensmittel.

 

Gegen zwei Uhr desselben Tages verlassen wir Celles zu Fuß in Richtung Alarmont, dann lässt man uns den Chapelotte hinaufsteigen, immer gut bewacht. Am Ortseingang von Badonviller fallen Granaten, und  heftig werden wir in die Keller unter den Schulen hineingedrängt. Es ist Nacht, und wir müssen in dieses dunkle Untergeschoss hineingehen, das voller Abfälle und Exkrementen ist, ohne Licht, ohne Türe und auf den feuch-ten Boden. In diese Keller waren in der Nacht zuvor schon Hunderte von Männern der umliegenden Dörfer eingesperrt gewesen, die einen Tag für den Transport nach Heidelberg zusammengetrieben worden waren.       

                                                                                                    

Der Marsch durch den feinen Regen hat uns äußerlich durchnässt und wir waren todmüde. Und während der ganzen Nacht hört man die sechzehnjährigen Jungen weinen, was uns noch einen weiteren Tiefschlag versetzt.

 

Am nächsten Morgen sammelt man uns, um uns unsere Ausweise wegzunehmen. Zu Fuß geht es nun nach Cirey. Am Ortsausgang von Badonviller beschleunigen wir unsern Schritt, denn die amerikanische Artillerie hatte schon am Vortag mit ihren Granaten die Straße übersät. Einige hundert Meter vor der Ankunft dort will ich mich unter einem Wagen flüchten, der auf dem Trottoir abgestellt ist, aber in der Zeit, in der ich mich sicherheitshalber nach den Wachleuten umdrehe, bin ich am Fahrzeug schon vorbei, und noch einmal gehen wir in ein neues Quartier hinein, wo sich schon einige hundert Unglückliche wie wir befinden. Der Konvoi besteht jetzt aus ungefähr 700 Männern. In einem Nieselwetter begeben wir uns in auf die Straße den Hang hinauf in Richtung Hemingen. Der Konvoi ist stark bewacht durch etwa hundert Feldgendarmen, die mit Maschinenpistolen und Maschinengewehren bewaffnet sind.

 

Mühsam schleppen wir uns bis zum Bahnhof, wo 12 eiskalte Waggons ohne Lokomotive auf uns warten. Man stellt uns auf in Sechserreihen und in Gruppen zu 60. Jede Gruppe nimmt in einem Wagen Platz, ohne Licht und in einer sehr dunklen Nacht. Wir wickeln uns unter großer Mühe in unsere Decken. Ich ziehe meine Gummistiefel aus, um in meine Hausschuhe zu schlüpfen, aber nie habe ich mich aufwärmen können. Gegen 20 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung, und die Wachleute in jedem Wagen setzen sich an unsere Seite. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Saarburg, hege ich die Absicht zu fliehen; der Zug verlangsamt ziemlich, aber mir fehlt der Mut, und wir rollen in die schwarze, eisige Nacht ohne Halt Richtung Mannheim. Einige unerwartete Stopps wegen Fliegeralarm erlauben uns, unseren traurigen Ausflug zu lokalisieren. Gegen 10 Uhr kommen wir in Heidelberg an, müssen jedoch wegen eines Fliegeralarms bis kurz vor 12 Uhr im Zug bleiben.“

 

Befreiung – Ostern 1945

 

Währen ihrer Zwangsarbeit in Heidelberg hatten die Deportierten keinerlei Kontakt zu ihren Familien in Râon-l´Etape. „Wir wussten die ganze Zeit über nichts von unseren Familien. Und wir kamen ins KZ nach Rappenau. Dort gab es zum Essen nur gefrorene Kartoffeln. Nachts mussten wir bei eisiger Kälte Gleise reparieren. Die SS drohte uns nach Dachau zu bringen, obwohl die Front nur zehn Kilometer entfernt war. Am Ostermontag 1945, um neun Uhr morgens, kamen dann die Panzer der Amerikaner. Wir waren befreit“, so Jacques Nilsa, Kaufmann und Unternehmer aus Râon-l´Etape.

 

Deutsche Besatzer planten totale Zerstörung von Râon-l´Etape

 

Am 9. November 1944, dem Tag nach der Deportation der Zwangsarbeiter, sollten die verbleibenden Einwohner die Stadt Râon-l´Etape verlassen, die totale Zerstörung („verbrannte Erde“, nach der Methode der Wehrmacht beim Rückzug an der russischen Front) war wohl beabsichtigt. Die alliierten Soldaten sollten in Kuppenheims Partnerstadt im Spätherbst und Winter 1944 kein Haus und keinen Keller zum Verbleiben und auch keinerlei Lebensmittel und Tiere zum Schlachten vorfinden. Das menschenverachtende Vorhaben  unterblieb aber wegen des schnellen alliierten Vormarschs. Die Wehrmacht musste Hals über Kopf nach Osten in Richtung Deutsches Reich fliehen. Râon-l’Étape wurde schließlich am 17. November von den Alliierten befreit.

 

Râon-l´Etape – Häuser und Infrastruktur zerstört – Hinrichtungen

 

Die Wehrmacht hatte im Vogesenstädtchen ganze Arbeit verrichtet, aber auch der Beschuss durch die anrückenden Alliierten sorgte für namhafte Zerstörung. Die Deutschen plünderten nahezu alle Häuser (819 insgesamt). 163 Behausungen wurden total zerstört, gesprengt oder niedergebrannt, auch alle kommunalen Einrichtungen: Rathaus, Schulen, Kirche, Kindergarten, Bürgersaal Beauregard, Theater, Krankenhaus, zentrales Elektrizitätswerk, Abwasserleitungen, Trinkwasserversorgung, Gas- und Stromleitungen, Eisenbahnverbindungen (Schienen) und der Bahnhof. Alle öffentlichen Fahrzeuge wurden requiriert oder gestohlen.

 

Sieben Personen (z.B. Bürgermeister Robert Tisserand) und 27 Widerstandskämpfer wurden hingerichtet. Der angesehene Bürgermeister Charles Weill kam bereits 1943 nach Auschwitz (weil er Jude war) und wurde dort vergast.

 

55 Jahre nach Kriegsende: Almosen nur für wenige Überlebende:

 

Eine Entschädigung haben die Arbeitskräfte aus Frankreich in der Regel nicht erhalten und wenn überhaupt, dann äußerst geringe Beträge (ab April 2000 für nur wenige Überlebende). Nach der Befreiung bekommen die Zwangsarbeiter nicht den Status von Deportierten, der war und ist den in Konzentrationslagern und Gefängnissen verbrachten Personen vorenthalten. Erst seit 1970 wird das spezifische Leid und die Verfolgung der zur Zwangsarbeit verschleppten Menschen aus Ostfrankreich (Lothringen u.a.) als „Patriote transféré en Allemagne – nach Deutschland verschleppter Patriot“ anerkannt. In den betroffenen Orten und auf Gedenktafeln steht meist –„Déportation“.

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Vor 80 Jahren:

Kuppenheimer Juden auf der St. Louis, auf der Reise der Verdammten

Die ewige Schande unterlassener Hilfeleistung

 

Mit dem Reinigen der Stolpersteine gedenkt der Arbeitskreis Solpersteine Kuppenheim dem angesehenen Metzgermeister Salomon Lehmann, seiner Frau Mina sowie seiner Halbschwester Amalie, die mit 18 verwandten bzw. befreundeten Juden aus Malsch am 13. Mai 1939 auf der St. Louis, dem Vergnügungsdampfer der Reederei Hapag, von Hamburg über Kuba in die USA emigrierten wollten. Am 18. Juni 1939 endete schließlich die „Reise der Verdammten“ in Antwerpen, um später in die Fänge der NS-Schergen zu gelangen.

 

Metzgerfamilie LEHMANN: Flucht aus Kuppenheim

 

Salomons Sohn Karl (Metzger in der vierten Familientradition) war bereits zwei Jahre zuvor nach Kew Gardens in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Er besorgte seiner Familie die entsprechenden Einreisevisa. Um die Zeit bis zur Gültigkeit der Einreiseformulare zu überbrücken, beabsichtigten die Kuppenheimer und Malscher Juden, einige Wochen in Kuba zu verbleiben, um dann in ihre neue Heimat zu gelangen. Für die Überfahrt (und ein von den Nazis erzwungenes Rückreiseticket), für den Zwischenaufenthalt auf der Karibikinsel und für die amerikanischen Einreisegebühren verbrauchten sie nahezu den gesamten Erlös aus dem Zwangsverkauf der Kuppenheimer Metzgerei.

Mit zehn Reichsmark aus Deutschland verjagt.

 

An Bord durfte jede Person 10 Reichsmark mit sich führen sowie Güter im Wert von maximal 1000 Reichsmark. Es war die Politik des Nazi-Regimes, Judenhass und Antisemitismus zu exportieren, indem man Juden verarmt aus Deutschland verjagt, um ihnen als „Mittellose“ in den Aufnahmeländern das Überleben möglichst schwer zu machen.

 

Drama vor Havanna.

 

In der Bucht von Havanna geschah dann Unglaubliches. Im schmuddeligen „Hinterhof“ der USA stand  Federico Laredo Bru vor einer Wahl zum Präsidenten und musste vor dem Wahlvolk Härte gegen die mittellosen jüdischen Flüchtlinge zeigen, zumal Kuba prozentual zur Bevölkerung weltweit die meisten jüdischen Flüchtlinge aufgenommen hatte. Die geheime antisemitische Nazi-Propaganda im Ausland hatte ihre Wirkung gezeigt. Niemand wollte die Juden aufnehmen, weder die Dominikanische Republik, noch die USA und Kanada, die letzteren aus innenpolitischen, wahltaktischen Gründen.

 

Die vermeintliche Rettung. Kapitän Gustav Schröder steuerte die St. Louis gezwungener Maßen wieder zurück nach Europa. Am 17. Juni 1939 legte die St. Louis in Antwerpen an. Zuvor konnten 288 Juden in Großbritannien von Bord gehen. Auch Frankreich, Belgien und die Niederlande konnten in zähen Verhandlungen dazu gewonnen werden, die restlichen Flüchtlinge aufzunehmen. Im Mai und Juni 1940 überrannte jedoch die Wehrmacht die Niederlande, Belgien und Frankreich. Die Entrechtung und Jagd nach den Juden konnte nun auch in den westeuropäischen Staaten in Gang kommen. Mina Lehmann und Amalie Herz verstarben verzweifelt und erschöpft 1941 in ihrem Versteck in Brüssel. Auch Salomon Lehmann aus Kuppenheim war eines jener sechs Millionen Opfer. In Havanna befand er sich schon eine Schiffstreppe weit von der rettenden Pier entfernt,  am 21. September 1942 wurde er schließlich nach Ausschwitz deportiert. Am 8.5.1945 wurde er von seinen deutschen Mördern für tot und am 2.6.2018 vom deutschen Vorsitzenden der rechtsradikalen AfD zum „Vogelschiss“ erklärt.

 

Erinnerung und Mahnung.

 

Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim nimmt den Jahrestag der missglückten Flucht Kuppenheimer Juden mit dem Dampfschiff St. Louis zum Anlass, an das Schicksal der ehemals jüdischen Mitbürger zu erinnern. Das, was die Lehmanns und die anderen jüdischen Familien aus Malsch erlebten, kommt heute, 80 Jahre danach, wieder verstärkt zum Vorschein: Flüchtlingsboote übers Mittelmeer, Stacheldrahtzäune in Ungarn und anderswo, Hass und Hetze gegen Flüchtlinge und Asylsuchende nicht nur in Osteuropa, sondern auch bei den Rechts-Nationalisten in nahezu allen Ländern Europas. Menschenverachtende, demokratiefeindliche Tendenzen wie zu Beginn der Naziherrschaft sind wieder salonfähig geworden.

 

Der AK Stolpersteine hat wiederholt Holocaust-Überlebende zu Vorträgen vor Schülern eingeladen. Salomon Kurt Maier, der als Kind ins Lager Gurs verschleppt wurde, und Esther Bejarano vom Auschwitz-Mädchenorchester in ihrer Mahnung an Schüler: „Lasst euch von denen (den Rechten) nicht über den Tisch ziehen. Seid wachsam, dass so etwas wie zur Zeit der Nationalsozialisten nie wieder passiert“.

 

Erinnerung unf Mahnung


Zum großen Bösen kamen die Menschen nie in einem Schritt. Nie. Sondern in vielen kleinen Schritten, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung. „Es ist die Pflicht aller Demokraten, gleich welcher Partei, dass sich unsere Geschichte nicht wiederholt. Darum wehret den Anfängen!“ (Zitat Michael Köhlmeier, österreichischer Schriftsteller gegen Rechtspopulismus).

 

In diesem Sinne verweist der Arbeitskreis Stolpersteine an die Tendenz rechts-populistischer Hass-Prediger und Geschichtsverfälscher wie Wolfgang Gideon, der das Beenden der Stolpersteinlegungen einforderte. Der thüringische AfD-Politiker Björn Höke bezeichnete in seiner Dresdner Brandrede das Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte als "Denkmal der Schande" und forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad ".

 

Der AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland forderte vor begeistert klatschenden Zuhörern dazu auf, die frühere Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz „in Anatolien zu entsorgen“. Die Parteikollegin Alice Weidel verteidigte dazu noch diese volksverhetzende Aussage. Gaulands Absicht, die deutsche Staatsbürgerin Özuguz wegen einer angeblich falschen Meinung symbolisch auszugrenzen, entspricht dem Vorgang, eine störende und überflüssige Person minderen Rechts dorthin zu bringen, wo sie hingehört, an einen rückständigen Ort außerhalb Europas, nämlich nach Anatolien. So etwas haben wir während der Diktatur des NS-Unrechtsregimes schon mal gehabt.

 

Es ist beschämend, dass die Staatsanwaltschaft Mühlhausen das Strafverfahren wegen Volksverhetzung gegen Gauland einstellte. Der Rechts-Populist Gauland konnte sich somit in seinen hetzerischen Aussagen bestätigt fühlen und unter dem Gejohle der Zuhörer in seiner „Vogelschiss“-Rede in Thüringen die NS-Zeit verharmlosen.

 

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Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim putzt zur Erinnerung und Mahnung der Vertreibung der Familie Salomon Lehmann vor 80 Jahren Stolpersteine vor ihrer ehemaligen Metzgerei.
Foto AK Stolpersteine Kuppenheim

 

 

                                                

 

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Verführt, gekämpft, verstorben – 

Achim Rietz las aus seiner Dorfchronik                                                  „Aufbruch in eine neuen Zeit. Dachten wir!“

 

Kuppenheim, 13. März 2019. Zu seiner neunten Lesung lud der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim den Ortsvorsteher Achim Rietz aus Gausbach ein. In seiner „Dorfchronik einer verlorenen Generation im Schwarzwald“ verarbeitete Rietz 300 Soldatenbriefe, viele Zeitzeugengespräche und Fotos aus der Zeit von 1930 bis 1948. Von seiner Lesung waren die zahlreich erschienenen Zuhörer beeindruckt. Hennes Wunsch (Gitarre) und Horst Stelzer (Akkordeon) sorgten für die musikalische Auflockerung. Peter Finkbeiner, für das Zustandekommen der Chronik mitverantwortlich, präsentierte die passen Bilder an der Leinwand.

 

Bemerkenswert, wie es dem Autor gelang, die Zeit des Nationalsozialismus in seinem beschaulichen Heimatdorf wiederzugeben, zu zeigen, wie eine junge Generation verführt wurde und späte Ernüchterung einsetze. „Die Gespenster kommen jede Nacht“, so ein Gausbacher Soldat an der russischen Front. Die anfängliche Kriegseuphorie und Begeisterung für Adolf Hitler endete in einer ernüchternden Erkenntnis. Von den 257 Gausbachern, die kriegsverpflichtet wurden, starben 87, viele wurden verwundet. Ein wiederholt schwer verletzter junger Soldat wurde fahnenflüchtig und in Baden-Baden standrechtlich durch Enthauptung getötet Ein geistig behindertes Mädchen und vier Gehörlose (davon drei Brüder) wurden Opfer des NS-Euthanasieprogramms.

 

Appell eines Kommunalpolitikers: "Bleibt wachsam - wehret den Anfängen!"

 

Rietz wollte vor allem zeigen, wie eine junge Generation verführt worden ist. Die Chronik „Aufbruch in eine neue Zeit. Dachten wir!“ versteht er auch als Botschaft, wachsam zu bleiben gegenüber politischen Entwicklungen, die Nationalismus weltweit wieder hoffähig machen und die unserer heutigen Demokratie Schaden zufügen. Darüber hinaus ging der Autor nie davon aus, irgendwelche Schuldigen für ihre Nazi-Gräueltaten an den Pranger zu stellen, sondern den Opfern eine späte Würdigung zu geben. Noch 1956, als die letzte Gausbacher Dorfchronik geschrieben und eine Ahnentafel für die Gefallenen aufgehängt wurde, ignorierten die Verantwortlichen die Namen der Naziopfer.

 

Achim Rietz bedankte sich für die Einladung des AK Stolpersteine und die damit verbundene Möglichkeit, in Kuppenheim über ein dunkles Kapitel eines Murgtäler Dorfes berichten zu können. „Was in Gausbach während des Zweiten Weltkrieges und in der Nazizeit geschah, hat sich in ähnlicher Weise in Tausenden kleiner Orte im Deutschen Reich, egal wo, sei es im Hunsrück oder Schwarzwald, zugetragen“, so Rietz.

 

KöB: So etwas darf nie wieder passieren

 

Hansjörg Deck von der mitveranstaltenden KöB Katholischen öffentlichen Bibliothek Kuppenheim zeigte sich nachdenklich, ja sogar erschüttert, wie der Krieg Menschen veränderte. „Manche Situation der 1930er Jahre kann auf heute übertragen werden - so etwas wie in der Nazizeit darf nie wieder passieren. Wehret den Anfängen, denn die Tendenzen sind wieder da“, so Deck. Und er appellierte daran, die Demokratie zu stärken und dabei die richtigen demokratischen Parteien zu wählen.

 

Hennes Wunsch (Gitarre) und Horst Stelzer (Akkordeon) sorgen für die musikalische Umrahmung. Ortsvorsteher Achim Rietz liest in Kuppenheim aus seiner Dorfchronik „Verführt, gekämpft, verstorben – „Aufbruch in eine neuen Zeit. Dachten wir!“

 

Foto:AK Stolpersteine

 

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Dem Arbeitskreis ist es nun gelungen, Achim Fritz aus Gausbach für eine weitere Lesung zu gewinnen. Für die musikalische Umrahmung sorgt Hennes Wunsch, Gitarre, und Horst Stelzer, Akkordeon.

 

Vor wenigen Tagen hat der AK Stolpersteine in Kuppenheim mit Muslime (Schüler und jungen Erwachsenen) Stolpersteine gereinigt. Die Resonanz in der Öffentlichkeit (insbesondere in der Presse) war groß. Das Ziel war es, das Erinnern an die ehemals jüdischen Mitbürger und Nachbarn wach zu halten und darüber hinaus ein Zeichen zu setzen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Hass.

 

Lesung mit Musik


In diesem Sinne veranstalten die Stolperstein-Initiativen Kuppenheim und Rastatt in Kooperation mit der KöB Katholische öffentliche Bibliothek Kuppenheim eine Lesung mit Musik:


verführt, gekämpft, verstorben – Lesung mit Musik 13 03 2019 klein
Dorfchronik einer verlorenen Generation
im Schwarzwald


Mittwoch, 13. März, 19 Uhr, Bürgersaal des alten Rathauses Kuppenheim


Achim Rietz – Lesung aus seinem Buch
Horst Stelze, Akkordeon
Hennes Wunsch, Gitarre
Peter Finkbeienr, Enstehung des Buches – Präsentation

Der Eintritt ist frei. Spenden für das Legen weiterer Stolpersteine werden gerne entgegen genommen.

 

„Aufbruch in eine neue Zeit. Dachten wir!“

 

Der Gausbacher Ortsvorsteher Achim Rietz recherchierte über fünf Jahre die Geschichte seines Murgtaldorfes zwischen 1930 und 1948. Entstanden ist eine erschütternde Chronik, die exemplarisch für viele Orte in der Region, z.B. auch für Oberndorf oder Kuppenheim, stehen dürfte. Rietz wertete 300 Soldatenbriefe aus, und er beschäftigte sich intensiv damit, wie die Menschen in Gausbach das Dritte Reich und die Kriegsjahre erlebten. Er wollte damit zeigen, wie eine junge Generation verführt worden ist. Die Chronik „Aufbruch in eine neue Zeit. Dachten wir!“ versteht er auch als Botschaft, wachsam zu bleiben gegenüber politischen Entwicklungen, die Nationalismus weltweit wieder hoffähig machen und die unserer heutigen Demokratie Schaden zufügen.

 

Wehret den Anfängen

 

Achim Rietz beschreibt die Geschehnisse nicht aus der Perspektive der politisch handelnden Personen, sondern wie sie von der Bevölkerung oder einzelnen Gruppen erlebt wurden. Sein Buch setzt sich mit den Erlebnissen junger Männer aus seinem Heimatdorf an der Front auseinander. Die Bilanz der NS-Zeit: 257 Gausbacher wurden kriegsverpflichtet, 88 starben. Ein geistig behindertes Kind wurde Opfer des NS-Euthanasieprogramms.
Veranstalter: Stolperstein-Initiativen Kuppenheim und Rastatt und KöB Katholische öffentliche Bücherei Kuppenheim. Info: www.juedisches-kuppenheim.de


Über eine rege Teilnahme würden wir uns freuen. 


i.A. Heinz Wolf, AK Stolpersteine Kuppenheim

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Putzen gegen das Vergessen – Zeichen setzen gegen Antisemitismus


Kuppenheim. Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim hat in den vergangenen Jahren bereits siebenmal Stolpersteine gereinigt. Mit dabei waren: Werner-von-Siemens-Realschule, Favorite Werkrealschule, Freiwillige Feuerwehr. Für die diesjährige Reinigung konnten Muslime (Schüler und Erwachsene) aus Kuppenheim gewonnen werden. Nachdem der Sprecher des Arbeitskreises, Heinz Wolf, die Schicksale der Familien Emil Kaufmann und Hermann Kahn eindrucksvoll schilderte, machten sich die jungen Muslime eifrig daran, die Messingplatten zu säubern und zu polieren.


Was hat die Muslime zur Teilnahme an der Aktion bewegt?

 

Unsere Motivation liegt zusammengefasst im Islam. Der Prophet Mohammad lehrte, dass man der Gesellschaft, in der man lebt, dienen soll. Als Muslim darf man nicht einfach für sich leben. Die Nachbarn und Mitmenschen haben auch Rechte, die man beachten muss. In diesem Sinne haben sich die Muslime engagiert - und dies sicher nicht einmalig. Im kommenden Jahr soll eine weitere Putzaktion, mit dann noch mehr Teilnehmern, folgen.

 

Mit den Stolpersteinen gibt die Gesellschaft den gedemütigten, verfolgten und ermordeten Juden ihren Namen und ihre Würde zurück. „Das Schicksal der Familie Kaufmann hat mich sehr bewegt, zumal drei Frauen im KZ vergast wurden und die anderen ihre Heimat verlassen und fliehen mussten“, so Aleyna (15 Jahre). „Wir haben großes Interesse für die Geschichte während der Nazi-Herrschaft. Stolpersteine zu reinigen ist eine gute Sache. Wir wollen uns an die Kuppenheimer Juden erinnern“, meinen respektvoll Hasan (12) und Irem (16).


Der etwas ältere Rifat (25) bringt sein Mitgefühl zum Ausdruck. Für ihn ist es wichtig zu gedenken und interessant zu erfahren, wie die Juden vor den NS-Gräuel gelebt haben. „Wir sollen ein Zeichen setzen für Mitmenschlichkeit, dass wir uns nicht hassen, sondern lieben“. Für Tunahan (25) ist es eine bemerkenswerte Aktion, die zeigt, dass wir Brüder und Schwestern sind, egal welcher Religion wir angehören. Er gibt sich solidarisch mit dem Arbeitskreis Stolpersteine, für den das Erinnern und Gedenken an die ehemals jüdischen Mitbürger, der Einsatz für Toleranz und Verständnis für Minderheiten und Andersdenkende ganz wichtig ist.


„Hass und Ausgrenzung haben in einer aufgeklärten Gesellschaft nichts verloren,“ so Mahmut Pervaneli vom Türkischen-Schul-Elternverein. Gerne hat er, ohne zu zögern, die Zustimmung zur Stolpersteinlegung 2016 vor seinem Wohnhaus in der Friedrichstraße gegeben. Er wollte damit seinen Beitrag leisten, dass die Lebensgeschichte der Kuppenheimer Juden, die ihm vorher nicht bekannt war, für die nachfolgenden Generationen erhalten bleibt.

 

Für Paul Sache vom Arbeitskreis ist „dies ist ein Beispiel für gelungene Integration und bürgerlichen Gemeinschaftssinn. Es bleibt die Hoffnung, dass auch die letzten 15 Stolpersteine in Kuppenheim gelegt werden können und der Widerstand vonseiten eines Hausbesitzers aufgegeben wird.“

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Junge Muslime sind eifrig dabei, Stolpersteine im Kuppenheim zu reinigen und damit ein Zeichen zu setzen gegen Antisemitismus, Hass und Intoleranz.
Fotos AK Stolpersteine

 

Stolpersteinreinigung mit muslimischen Jugendlichen

           

Samstag, 2. März, 2019, 11 Uhr

 

61 Solpersteine wurden bisher in Kuppenheim verlegt. Diese sind vor verschiedenen Häusern im Boden versenkte Gedenktafeln, die an das Schicksal der Juden erinnern, die in der Zeit des Holocaust gedemütigt, entrechtet, verfolgt, ermordet oder vertrieben wurden. Sie lebten in Kuppenheim in der Friedrich-, Murgtal-, Schloss- oder Rheinstraße in friedlicher Nachbarschaft zu christlichen Mitbürgern über Jahrzehnt und in den Nebenstraßen über Jahrhunderte.

 

Am kommenden Samstag, 2. März, 11 Uhr, trifft sich der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim mit muslimischen Jugendlichen, um gemeinsam Stolpersteine zu reinigen. Sie wollen damit ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und den verfolgten Juden Respekt zollen.

 

Familie Kaufmann, Friedrichstraße 91

 

Die Stolpersteinreinigung beginnt in der Friedrichstraße 91, vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Kaufmann Kaufmann. Das Ehepaar hatte 12 Kinder, von denen vier im frühen Kindesalter verstarben. Emil erlebte noch drei Jahre die Schikanen und den Terror des NS-Regimes, bis er als 65-Jähriger in Kuppenheim verstarb. Seine Ehefrau Julie Julchen, geb. Lehmann, konnte nach dem Tod des Ehemannes zu ihren drei Söhnen Max und Friedrich in die USA emigrieren. Fanny und Emilie wurden im KZ Auschwitz vergast, Rosa kam ins Lager Gurs, von dort in ein KZ nach Polen, sie wurde 1945 für tot erklärt. Die Lebensstationen von Marie, Bertha, Julie und Moses Arthur sind noch nicht endgültig recherchiert.

 

Familie Hermann Kahn, Friedrichstraße 79

 

Die nächste Station ist die Friedrichstraße 79. Hier lebte der Viehhändler Hermann Kahn mit seiner Ehefrau Paula und den vier Kindern.

 

Dr. Manfred Geck, der gegenüber wohnte, hatte guten freundschaftlichen Kontakt zu den Söhnen der Familie Hermann Kahn (insbesondere zum jüngsten Familienmitglied Siegfried), spielte mit diesem, „spengelte“ mit ihm durch die Altstadtgassen. Und es gab auch mal richtigen Streit. „Aber am Abend waren wir wieder versöhnt“, erinnerte sich der 2016 verstorbene Zeitzeuge.

 

Verhaftung uns Demütigung – erzwungene Flucht

 

Nach der Zerstörung der Kuppenheimer Synagoge in der Reichspogromnacht am 10. November 1938 (in Kuppenheim einen Tag später) wurde er mit fünf anderen Kuppenheimer Juden (Max Dreyfuß, Semi Schlorch, Berthold Herz, Heinrich Dreyfuß, Heinrich Hermann Valfer) von den Nationalsozialisten in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau verschleppt. Am 6. Dezember 1938 kehrte er von dort nach Kuppenheim zurück.

 

Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete Hermann Klara Kaufmann und wanderte mit ihr am 23. Mai 1939 nach Buffalo (USA) aus. Nicht nur Hermann Kahn, sondern auch seine drei Söhne Leo, Joseph und Siegfried konnten Kuppenheim rechtzeitig verlassen, gaben ihre angestammte Heimat, ihr Wohnhaus, ihre Freunde und Bekannten auf, um sich vor den nationalsozialistischen Mördern in Sicherheit zu bringen. Der AK Stolpersteine Kuppenheim legte für die Familie im Jahr 2016 fünf Stolpersteine.

 

Weitere Stationen, wo Stolpersteine gereinigt werden, sind: Friedrichstraße 75, 86, 94 und 98.

 

Interessierte Bürger und vor allem Jugendliche sind herzlich eingeladen, an der Aktion teilzunehmen.

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UNERWÜNSCHT Vortrag 25 10 2018 klein
Ein Zeitzeuge berichtet über die Deportation
in Lager Gurs 1940

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Dr. Kurt Salomon Maier überlebte das Lager Gurs. Er berichtet über seine Erlebnisse und Erfahrungen in Deutschland zur Zeit Hitlers, bei der Deportation, im Internierungslager und über sein Leben nach 1945.

Kurt Salomon Maier wurde 1930 in Kippenheim (bei Lahr) geboren. Bis 1938 besuchte er die Volksschule in Kippenheim und anschließend die jüdische Schule in Freiburg. Im Oktober 1940 erfolgte die Zwangsdeportierung in das Camp de Gurs in den französischen Pyrenäen. Einige Monate später gelang ihm die Auswanderung nach New York über Marseille und Casablanca. 

„Es begann am helllichten Tag“

„Am 22. Oktober 1940, zwischen 3 und 4 Uhr morgens, klopfte es an unserer Wohnungstür. Dort standen drei Funktionäre der Gestapo, die uns sagten: Nehmen Sie mit, was Sie tragen können, Sie haben das Recht hundert Mark mitzunehmen, In zwanzig Minuten ist Abfahrt!“. Paul Niedermann gehört zur Gruppe der badischen Juden; mit 12 Jahren wird er nach Gurs verschleppt, wo er schon in den ersten Monaten einen Teil seiner Familie, Cousinen und Tanten, sterben sieht. In unmenschlichem Zynismus kann der Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich dem Auswärtigen Amt nach Berlin übermitteln, die Deportation der Juden aus Baden und der Pfalz sei „reibungslos und ohne Zwischenfälle abgewickelt worden.“ Letzteres ein Skandal für sich: „reibungslos“, „ohne Zwischenfälle“, ohne nennenswerte Widersprüche, ohne Aufschrei, ohne helfende Hände für diejenigen, die man auf den Weg des Todes schickte.

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Tag der jüdischen Kultur
Auf den Spuren jüdischer Familien in Kuppenheim

 

Sonntag, 2. September 2018

 

Seit 1433 (nahezu 600 Jahre lang) lebten Juden in Kuppenheim, friedlich miteinander, häufig jedoch von der Obrigkeit schikaniert. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten nach Gurs deportiert, damit endete die Geschichte der Juden in Kuppenheim.

 

Wie haben jüdische Familien in Kuppenheim gelebt, wo stand ihre Synagoge (die in der

Reichspogromnacht 1938 niedergebrannt wurde), womit haben sie ihr Geld verdient? Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Sonntag, dem 2. September 2018, dem „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“ unter der Führung von Heinz Wolf diesen Teil der Stadtgeschichte Interessierten aus Kuppenheim und der Umgebung näherzubringen. Treffpunkt: 11 Uhr, Synagogenplatz (Ecke Hildastraße/ Löwengasse).

 

Juden waren Teil der Stadtgesellschaft

 

61 Stolpersteine wurden bisher in den Gehweg eingelassen, für die jüdischen Mitbürger, die entrechtet, verfolgt oder ermordet wurden. Die Zuhörer erfahren Alltagsgeschichten aus dem Leben einiger Familien, die angesehene Bürger waren, in Vereinen organisiert oder in der Feuerwehr.

 

Friedrichstraße 75 - "Drei von 6 Millionen - wider den Vogelschiss der AfD

 

Stolpersteine vor dem Haus der ehemaligen Metzgerfamilie Lehmann. Hier tragen

Mitarbeiter des Arbeitskreises einen Text vor, der die Odyssee von Salomon Lehmann und seiner Ehefrau Mina sowie seiner Halbschwester Amalie Herz eindrucksvoll schildert: „Drei von sechs Millionen – wider den Vogelschiss aus der AfD“.

 

Stolpersteine Zeichen des Erinnerns und der Mahnung

 

61 Stolpersteine wurden bisher in Kuppenheim in den Gehweg eingelassen, dort wo jüdische Mitbürger friedlich zu ihren Nachbarn lebten. Sie wurden von den Nationalsozialisten entrechtet, verfolgt, vertrieben oder ermordet. Stolpersteine sind Zeichen des Erinnerns. Sie geben den Gedemütigten ihren Namen zurück und stehen für die Ermordeten und Vergasten als „symbolische Grabsteine“. Stolpersteine sind auch Mahnung gegen Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Rassismus, aber auch Symbole für Toleranz, Frieden und Menschlichkeit.

Kooperation mit Schulen

 

„Wir sind sehr angetan von der großartigen Bereitschaft vieler Schulen in Kuppenheim und Umgebung, sich an Aktionen des Arbeitskreises und der umliegender Initiativen zu beteiligen, wie zum Beispiel bei Führungen auf dem „Jüdischen Friedhof Kuppenheim“ oder zum Thema „jüdisches Leben in Kuppenheim“.

 

Mehr als tausend Schüler nahmen an Konzerten, Lesungen und Vorträgen von...

Esther Bejarano (Mädchenorchester Auschwitz),
Dotschy Reinhardt (Sinti + Roma) oder
Kurt Salomon Maier (Gurs-Überlebender)

mit großer Anteilnahme teil“, so Heinz Wolf, Sprecher des Arbeitskreises.

 

„Lasst euch nicht von denen (den Rechten) über den Tisch ziehen. Seid wachsam, dass so etwas wie zur Zeit der Nationalsozialisten nie wieder passiert“, so die Mahnung der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano an die Schüler.

 

Rechte Hetze und Verfälschung der Geschichte

 

In diesem Sinne verweist der Arbeitskreis Stolpersteine an die Tendenz rechts-populistischer Hass-Prediger und Geschichtsverfälscher wie Wolfgang Gideon, der das Beenden der Stolpersteinlegungen einforderte.

 

Der thüringische AfD-Politiker Björn Höke bezeichnete in seiner Dresdner Brandrede das Holcaust-Mahnmal in Berlin-Mitte als "Denkmal der Schande" und forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad ".

 

Der AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland forderte vor begeistert klatschenden Zuhörern dazu auf, die frühere Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz „in Anatolien zu entsorgen“.

 

Die Parteikollegin Alice Weidel verteidigte dazu noch diese volksverhetzende Aussage. Gaulands Absicht, die deutsche Staatsbürgerin Özuguz wegen einer angeblich falschen Meinung symbolisch auszugrenzen, entspricht dem Vorgang, eine störende und überflüssige Person minderen Rechts dorthin zu bringen, wo sie hingehört, an einen rückständigen Ort außerhalb Europas, nämlich nach Anatolien. So etwas haben wir während der Diktatur des NS-Unrechtsregimes schon mal gehabt.

 

Es ist beschämend, dass die Staatsanwaltschaft Mühlhausen das Strafverfahren wegen Volksverhetzung gegen Gauland einstellte. Der Rechts-Populist Gauland konnte sich somit in seinen hetzerischen Aussagen bestätigt fühlen und unter dem Gejohle der Zuhörer in seiner „Vogelschiss“-Rede in Thüringen die NS-Zeit zu verharmlosen.                            

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Drei von 6 Millionen – Für Salomon Lehmann, wider den Vogelschiss aus der AfD

 

Zählen könnte ich es nicht,  wie oft ich in den vergangenen 40 Jahren meines Lebens  in dieser stilvoll, bieder, quirlig, pulsierenden Stadt, so wie heute, an den Landungsbrücken stand. Stimmengewirr, Schiffssirenen und Mövengeschrei. Das monotone Platschen und Gluckern des Elbwassers unter den Pontons wird von Zeit zu Zeit übertönt von den Lockrufen der „he lücht“ Käpitäne. Ein- und ausfahrende Schiffe. Kleine Barkassen schippern mutig zwischen den  ungelenken Kontainerkolossen. Der Himmel ist grau und es „pieselt“. Das Hamburger Schmuddelwetter erfordert höchst selten einen Schirm. Mütze, Hut oder Kaputze reichen hier in der Regel auf dem Weg zur nächsten U-oder S-Bahn Station. Wenn ich früher mit meinem Sohn zu Besuch in meinen Geburtsort im Murgtal fuhr, sagte er oft, Papa die Luft riecht hier so süß. Ich brauchte lange bis ich verstand, was er meinte. In Hamburg weht stets eine frische Brise salzige Luft von draußen, von der Nordsee her. Unter den Fischern in ihren mehr oder weniger seeuntauglichen Fischkuttern hieß es früher immer Nordsee ist Mordsee. Für die großen Pötte, war es stets der Weg in die große freie Welt.  

                                                                               

Von der großen freien Welt, von Amerika hatten sie damals wohl schon gehört, in der Friedrichstraße in Kuppenheim. Im Rastatter Tageblatt stand sicher die eine oder andere Nachricht über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und wie heute wurde, über die Wursttheke hinweg, über dies und das geschwätzt. Aber es waren bedrohliche Zeiten. Der eine oder andere hatte es schon ernsthaft in Erwägung gezogen, doch eher das Weite zu suchen, als sich auf  sein Verwundeten-Abzeichen, oder gar das „Eiserne Kreuz“  aus dem Ersten Weltkrieg, neben dem gelben Stern zu verlassen.

 

Eigentlich war es schon zu spät.

 

Die Entrechtung und Vertreibung der jüdischen Mitbürger

 

Wovon die AfD heute träumt, die NSDAP hatte es damals geschafft. Bis auf eine Handvoll Parteiloser sogenannter „ Gäste“ im Reichstag, waren alle Parteien aufgelöst. Wer die Geschichte von 1933-38 sorgfältig betrachtet, fühlt sich an vieles erinnert, das wir zur Zeit in der Türkei erleben. Die tödlichste Schwäche der Demokratie ist die Einfältigkeit und Verführbarkeit eines Großteils der Menschen. Deren Opfer sind, ehe sie selber daran glauben müssen, immer die differenziert Denkenden, die Kreativen, die Schrägen, die nicht nach der Pfeife dieser dumpfen Masse Tanzenden, aber vor allem jene, die anders lieben, anders glauben,  die nicht aus ihrer Haut können und deshalb auffallen, weil sie schwarz, rot oder gelb sind. Ihnen wird das ganze Ungemach, das ein Leben mit sich bringt schuldhaft zugeschrieben.

 

Damals waren das vor allem die Juden.    

 

Eben auch Salomon Lehmann der Metger aus der Friedrichstrasse, der in dritter Generation die Kuppenheimer  mit Wurst und Fleischwaren versorgte.  Solange, bis er 1938 aus dem Rathaus die aberwitzige Anweisung bekam, er müsse seine Metzgerei an einen arischen Geschäftsmann (zwangs)verkaufen!

 

Für kurze Zeit zogen sie zu Verwandten nach Malsch. 1939 fuhren Salomon, seine Ehefrau Mina und seine Halbschwester Amalie Herz von Karlsruhe nach Hamburg.

 

Eine lange Fahrt mit dem Zug, die ihnen Zeit aufdrängte, über die Demütigung und Entrechtung nachzudenken, die ihnen bislang widerfahren war.

 

Was die Familie über drei Generationen in mühevoller Arbeit aufgebaut hatten wurde ihnen einfach entrissen. All die uniformierten Goethe und Wagner Liebhaber haben sich, mit  stolz geschwellter deutscher Brust, wie Strauchdiebe aufgeführt.  Sie haben ihnen nicht nur die materiellen Werte geraubt. Ihnen wurde das Bürgerrecht, das Recht unbehelligt dort zu wohnen und zu leben, wo sie geboren wurden entwendet. Selbst die Würde ein Mensch unter Menschen zu sein, wurde unter dem gelben Stern begraben, den sie sich an die Kleidung heften mussten. Und nun, die Seele unter Nazistiefeln zertreten, hatte Salomon für sich selbst keine Tränen mehr, denn die letzten hatte er an der Front, im Ersten Weltkrieg, im Kampf für sein deutsches Vaterland vergossen, als er seine Kameraden in einem sinnlosen Krieg krepieren sah.

                                                                                                                                                                                                                          

Nach ca.10 Stunden Fahrt kamen sie am Hauptbahnhof an. Dann mit der S-Bahn bis Landungsbrücken. Zu Fuß über die, heute aus anderen Gründen berühmte, Hafenstrasse und da standen sie genau dort, wo ich jetzt stehe. Brücke drei. Für einen Augenblick verbindet uns dieser Standort. Kuppenheim, mich und diese drei Menschen.                                                                                                                                                                                       Die Irrfahrt der St. Louis

 

Vor mir, hier in Hamburg an der Wand von Brücke drei, hängt eine Bronzetafel, die mich an das  Schicksal von Salomon, Mina und Amalie erinnert.  

 

AM 13. MAI 1939, steht da zu lesen,                                                                                                                       

VERLIEßEN ÜBER 900 FLÜCHLINGE –FAST ALLE WAREN DEUTSCHE JUDEN- DEN HAMBURGER HAFEN MIT DEM DEUTSCHEN SCHIFF ST.LOUIS, DAS SIE NACH KUBA BRINGEN SOLLTE, UM DER NATIONALSOZIALISTISCHEN VERFOLGUNG  ZU ENTKOMMEN.

 

Was dort nicht steht: Dass jeder Flüchtling in der “Touristenklasse“ 600,- und in der 1. Klasse 800,- Reichsmark und in jedem Fall zusätzlich 230,- Reichsmark zur „Sicherheit“ für eine eventuelle Rückreise bezahlen musste.  Die „touristische“ Einreisebewilligung für Kuba kostete 150,-Reichsmark. Das klingt so, als hätte sich Herr Seehofer den Begriff „Asyltourismus“ bei den Spezialzynikern jener Tage abgeschaut. Seit 1938 durften jüdische Emigranten nur noch zehn Reichsmark mit auf Reisen nehmen. Wohin sie auch immer kommen würden, wären sie ganz und gar auf fremde Hilfe angewiesen und wären eine Belastung für ihr „Gastland“! Und wenn es wie eine andere Quelle sagt 20.- Reichsmark gewesen sein sollten, hätte das den Kohl auch nicht fett gemacht. Nicht nur eine räuberische, sondern auch eine zynische Maßnahme,  die noch zweifelhaften Erfolg zeitigen sollte.

 

Und auf der Tafel steht auch nicht, dass, während die Festmacher die Taue von den Pollern  ziehen und ins Wasser werfen, damit die St.Louis an diesem späten Nachmittag ablegen kann,  eine Kapelle am Kai vor dem Schuppen 76  „Muss i denn zum Städele hinaus“ aufspielt.

 

Und dass die weinenden Passagiere nicht freiwillig das „Städele“ verlassen über deren Dächern unübersehbar Hakenkreuze wehen, die vergessen lassen, dass dies einmal eine stolze freie und Hansestadt war. Und dass sie ein Land verlassen, indem schon sechs Konzentrationslager für ihresgleichen existieren, das steht da ebenfalls nicht.                                                                                                                

Anlegen verboten: Die Passagiere durften in Havanna nicht von Bord. Tagelang kamen nun Verwandte, denen schon vorher die Flucht nach Kuba gelungen war, mit kleinen Booten zum Schiff, um ihren Angehörigen Mut zuzusprechen. Doch die "St. Louis" musste nach knapp einer Woche abdrehen und durfte danach auch den Hafen Miami nicht anlaufen. In der Ferne höhnte und jubelte die NS-Presse: Seht her, niemand will die Juden.

 

Kapitän Gustav Schröder: 1957 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Nach seinem Tod nahm ihn die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" auf.

 

Und die Namen der 937 Passagiere sind auch nicht in Bronze festgehalten.

Auf der Tafel ist weiter zu lesen:

 

„IHRE HOFFNUNG ZERBRACH, ALS DIE KUBANISCHE REGIERUNG DIE EINREISEERLAUBNIS ZURÜCKZOG.“

 

Im schmuddeligen „Hinterhof“ der USA stand  Federico Laredo Bru vor einer Wahl zum Präsidenten und musste vor der Bevölkerung Härte gegen die mittellosen jüdischen Flüchtlinge zeigen. Und weiter steht da in Bronze gegossen:  

             

„NACH TAGELANGER UNGEWISSHEIT KONNTEN LEDIGLICH 23 JÜDISCHE PASSAGIERE IN HAVANNA EINREISEN. ( Die hatten offensichtlich Geld oder Beziehungen.)

AUF DER SUCHE NACH EINEM AUFNAHMELAND ZUR RETTUNG, DER AUF DEM SCHIFF VERBLIEBENEN FLÜCHTLINGE  UNTERNAHM DER KAPITÄN GUSTAV SCHRÖDER EINE VIELTÄGIGE  IRRFAHRT MIT DER „ST.LOUIS“.

Das kalte Herz Amerikas

 

Was natürlich vermieden wurde in Bronze gegossen zu werden war der Umstand, dass der „ehrenwerte“ Präsident der Vereinigten Staaten Franklin D. Roosevelt, der ebenfalls vor einer Wahl stand, auch vor dem Antisemitismus seiner Wählerschaft einknickte. Kapitän Gustav Schröder hatte vor, mit einer fingierten Havarie seine Passagiere an der Küste der USA von Bord zu bringen, aber die Küstenwache durchschaute seinen Plan. Der „untadelige“ Roosevelt jagte den 900 verängstigten Menschen auf der „St.Louis“ noch mehr Angst und Schrecken ein, in dem er das Schiff  durch Kanonenboote der Marine und Bomber der Luftwaffe bedrohen ließ.

 

Kapitän Schröder steuerte die St.Louis gezwungener Maßen wieder zurück nach Europa. Seine großen und kleinen Heldentaten auf dieser Schiffspassage wird man auf der Tafel ebenfalls vergeblich suchen. Seine Anweisung an die Besatzung, mit den Menschen an Bord höflich und zuvorkommend umzugehen, die Einrichtung einer provisorischen Synagoge und die Erlaubnis in diesem Zusammenhang das Hitler Porträt abhängen zu dürfen, das hätte schon gereicht  seine Karriere zu beenden. Er hat darüberhinaus nichts unversucht gelassen, die Menschen auf seinem Schiff vor den Nazis zu retten.

 

Acht  Menschen konnte er nicht mehr helfen, denn die nahmen sich während der Irrfahrt der St.Louis, aus Verzweiflung selbst das Leben.

 

,„DIE WELTÖFFENTLICHKEIT WURDE AUF DAS SCHICKSAL DER VERZWEIFELTEN PASSAGIERE AUFMERKSAM. DIE REISE DER „ST.LOUIS“ ENDETE AM 17.JUNI 1939 IM HAFEN VON ANTWERBEN, DENN DIE  NIEDERLANDE, GROSSBRITANIEN, FRANKREICH UND BELGIEN GEWÄHRTEN DEN PASSAGIEREN ZUFLUCHT. SPÄTER GERIETEN DENNOCH ZWEI DRITTEL VON IHNEN IN DIE GEWALT DER NATIONALISTEN, DIE SIE DANN ZU HUNDERTEN ERMORDERTEN.                                                                                                                                                             

Die deutsche Todesmaschine

 

Wie wir heute wissen, hielten sich die Nazis an keine Europäische Grenze und sie rissen alle Grenzen der Menschlichkeit nieder. Der Perfektionismus, der jener Infrastruktur zu Grunde lag,  ohne die dieses Massenschlachten nicht möglich gewesen wäre, der war deutsch!  Salomon Lehmann aus Kuppenheim war eines jener 6 Milionen Opfer. Schon eine Schiffstreppe weit von der rettenden Pier entfernt  wurde er nun nach Ausschwitz deportiert. Am 8.5.1945 wurde er von seinen deutschen Mördern für tot und am 2.6.2018 vom deutschen Vorsitzenden der rechtsradikalen AfD zum Vogelschiss erklärt.

 

Seine Frau Mina Lehmann und Amalie Herz verstarben verzweifelt und erschöpft 1941 in Brüssel. Auch sie gehören für die AfD zum Vogelschiss in unserer ruhmreichen deutschen Geschichte. Sechs Millionen, von unseren deutschen Vorfahren kühl kalkuliert, gedemütigt, gefoltert und ermordete Menschen.  Eine Zahl, die ein gesunder Mensch nicht wirklich im Kopf, geschweige denn im Herzen erfassen und ertragen kann. Wer dieses in der Menschheitsgeschichte einmalige, unmenschliche  Verbrechen als Vogelschiss bezeichnet, der steht selbst bis zu den Knien in dieser  mörderischen bluttriefenden Tradition und will, dass wir vergessen wie es begonnen hat. Der will dass wir vergessen, dass diese Mörder sich mit Kreide im Hals in das deutsche Parlament und in die Gesellschaft geschlichen haben. Ganz so wie sie es heute wieder versuchen.

 

Da sitzen sie wieder im Parlament und behaupten :“Ich bin kein Nazi, aber man wird doch mal sagen dürfen, dass es endlich mal Schluss sein muss mit den alten Geschichten, mit diesem Vogelschiss in unserer glorreichen Geschichte ?

 

Das Gedenken

 

Nein, Salomon, wieder aus Hamburg zurück, werde ich mich in Kuppenheim, immer wenn ich Wurst für Wurstsalat in deiner einstigen Schlachterei hole, an deinen Stolperstein stellen und dann schwöre ich dir, dass ich deine Geschichte Salomon Lehmann, die Geschichte von Deiner Frau Mina und die deiner Schwester Amalie und die Geschichten all der anderen einst in Kuppenheim lebenden Juden bis an mein Ende immer und immer wieder erzählen werde, damit es in unserem Land nie wieder jemand wagt, aus unserer Geschichte einen „Vogelschiss“ zu machen.

 

Und Salomon, wir werden davon erzählen, dass zu den Opfern der Nazis auch Sinti, Roma, Schwule, Kommunisten, Sozialdemokraten, geistig Behinderte,  und andere Minderheiten gehörten, denen sie ebenfalls die Würde und das Leben geraubt haben.

 

Dass man auch damals etwas für die Verfolgten tun konnte, dafür ist Kapitän Gustav Schröder ein beredtes Beispiel, denn er wurde nach seiner Heimkehr nicht verfolgt bzw. bestraft. In seinen Aufzeichnungen schrieb er: Es war eine Aufgabe, die mehr Spuren in mir hinterließ als der Taifun in der Südsee. Wer sich in die verzweifelte Lage meiner Fahrgäste und meine Sorge um sie hineindenkt, wird mich verstehen.“

 

Und  Salomon, es soll auch der Versuch der Versöhnung nicht verschwiegen werden. Dein Sohn Karl Lehmann unterhielt nach dem 2.Weltkrieg freundschaftliche Kontakte zum Käufer deiner Schlachterei und dessen Sohn. Und deren Nachfolger  unterstützten das Verlegen der Stolpersteine für dich und deine Familie, damit euer Schicksal nie in Vergessenheit gerät und dass dieses Verbrechen der Nazis als das in den Geschichtsbüchern stehen bleibt, was es ist : „das monströseste Verbrechen der Menschheitsgeschichte!" 
Paul Sachse, Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim 

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6. Stolpersteinlegung am Samstag, 7. Juli 2018

 

12:00 Uhr: Friedrichstraße 98 - Stolperstein für Blanka Meier

12:30 Uhr: Murgtalstraße 17, vor dem ehemaligen städtischen „Judenhaus“ - zwei Steine für Juliane Dreyfuß, geb. Löb, und deren Tochter Erna Dreyfuß

13:00 Uhr: Murgtalstraße 37 - drei Stolpersteine für Berthold und Amalie Herz, geb. Hamburger, sowie für die Tochter Ingelore Herz verh. Honigstein und ein Stein für Cora Hamburger

Die Legung wird musikalisch begleitet von Gerold Stefan von der Musikschule Gaggenau.

Der Initiator des weltgrößten Denkmals dieser Art, Gunter Demnig, kommt trotz seines Alters (70 Jahre) abermals nach Kuppenheim, um die Verlegung persönlich vorzunehmen. Bisher hat er mehr als 65.000 Steine in mehr als 1.100 Ortschaften und in 20 Ländern in den Gehweg eingelassen.


Erinnerung verbindet auch äußerlich - Sieben neue Stolpersteine

Blanka (Blanche) Meier gelang am 7. Juni 1937 die Flucht nach New York. Ihre Eltern Isidor und Karoline Meier wurden 1940 nach Gurs verschleppt und 1942 über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort vergast.

Juliane Dreyfuß und Erna Dreyfuß verloren ihren Ehemann und Vater Heinrich Dreyfuß. Dieser wurde am 10. November 1938 nach der Reichspogromnacht in Schutzhaft genommen und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt, Tage darauf von Nazi-Schergen erschlagen. Juliane Dreyfuß flüchtete am 6. März 1939 über London zu ihrer Tochter Erna in die Vereinigte Staaten von Amerika. Erna Dreyfuß konnte den Holcaust ebenfalls überleben, indem sie bereits 1933 als Zwanzigjährige in die USA emigrierte.


Berthold Herz wurde am 12.04.1897 in Kuppenheim geboren, war als selbständiger Kaufmann mit der Eisenwarenhandlung Herz & Schlorch erfolgreich, bis das florierende Geschäft (in der sechsten Generation) auf Befehl der Nationalsozialisten aufgegeben werden musste. Berthold lebte mit seiner Familie zunächst in der Friedrichstraße 86 bei den Eltern Samuel Herz und Sara Herz (geb. Maier), später in der Murgtalstraße 37, das 1939/1940 „entjudet“ wurde. Berthold emigrierte mit seiner Familie und der Schwägerin Cora Hamburger am 05./06.02.1940 in die USA.

Sie lebten in friedlicher Nachbarschaft zu ihren christlichen Mitbürgern

Den Aktiven vom Arbeitskreis ist es ein großes Anliegen, allen Kuppenheimer Juden, die vom national-sozialistischen Unrechtsregime gedemütigt, entrechtet wurden, die ihre Heimat verlassen mussten (wie die Familie Berthold Herz) oder sogar ermordet wurden (wie Heinrich Dreyfuß), einen kleinen Stein der Erinnerung zu setzen, dort, wo sie und ihre Familien zum Teil über viele Generationen in friedlicher Nachbarschaft zu ihren christlichen Mitbürgern lebten.


Es waren dies die Familien: Julius, Simon, David, Maier, Nathan, Hermann und Berthold Kahn - Salomon Lehmann - Max, Elias, David, Heinrich und Berthold Dreyfuß – Alfred und Emil Maier - Isidor Meier - sowie Emil und Kaufmann Kaufmann.

Mahnung an die junge Generation

Das Legen von Stolpersteinen dient auch als Mahnung an die Jugend und an alle, gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkender wachsam zu sein. Der Arbeitskreis wirbt für Toleranz und Menschlichkeit und kooperiert mit mehreren Schulen. Esther Bejaranos vom Auschwitz-Mädchenorchester sagt (an die Jungen gerichtet): „Passt auf, dass die euch nicht verführen!“ und meint damit all diejenigen, die mit ihren Parolen und Tiraden Hass und Gewalt schüren und die Verantwortung für unsere Geschichte ignorieren.

Der Arbeitskreis hofft, dass sich viele Interessierte aus Kuppenheim und der Umgebung an der 6. Stolpersteinlegung beteiligen.

Konto für Stolpersteinspenden und die Aktionen des Arbeitskreises:
Voba Baden-Baden Rastatt, DE06 6629 0000 0061 4477 09)

 

Bitte lesen: Interview zu "Ingelore Honigstein" mit Marlies kickert im BT vom 04.03.2017

"Bewegende Rückkehr an den Ort der Kindheit" 

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Führung auf dem Jüdischen Friedhof 

Der Kuppenheimer Arbeitskreis Stolpersteine veranstaltet in den Monaten Oktober oder November wieder eine Führung auf dem Jüdischen Friedhof. Wer Interesse hat, daran teilzunehmen, möchte dem Arbeitskreis eine Mail zukommen lassen, um dann informiert zu werden, wann genau die kommende Begehung des Friedhofes stattfindet:


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Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung mitzubringen und zu tragen. Die Führung ist kostenlos und findet auch bei Regen statt. Spenden zur Abdeckung der Kosten zur Legung weiterer Stolpersteine in Kuppenheim werden gerne entgegen genommen.


In Kuppenheim befindet sich laut Mitteilung der erstmals 1694 urkundlich erwähnte jüdische Bezirksfriedhof für Mittelbaden. Von 1814 bis 1869 wurde vom katholischen Pfarramt das Begräbnisbuch der auswärtigen jüdischen Gemeinden geführt. Der Friedhof wurde während des Zweiten Weltkriegs von Nationalsozialisten verwüstet, die Aussegnungshalle in der Reichspogromnacht im Jahr 1938 zerstört. Erkennbar sind rund 1 000 Gräber für Erwachsene und 45 Gräber für Kinder.


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