81 Jahre Befreiung KZ-Auschwitz - Gedenken und Zeichen setzen
Der Internationale Gedenktag an die Opfer des Holocausts am 27. Januar ist einerseits ein Zeichen der kollektiven Verantwortung, indem wir uns erinnern und dadurch Lehren für die Zukunft ziehen, damit sich das Verbrechen, das Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, nicht wiederholt. Andererseits wollen wir Verantwortung dafür übernehmen, dass wir die Lehren aus dem Holocaust verwirklichen und für die Demokratie, den Rechtsstaat, die Würde des Menschen sowie die Grund- und Menschenrechte einstehen, damit diese auch an künftige Generationen weitergegeben werden können. Der Arbeitskreis "Stolpersteine Kuppenheim" möchte durch das Reinigen der Stolpersteine an die vertriebenen und ermordeten jüdischen Mitbürger und an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnern.
Die Erinnerung verblasst, die Zeitzeugen sterben
So berichteten auch die Holocaust-Überlebenden Kurt Maier (Lager Gurs) und Esther Bejarano (Auschwitz Mädchenorchester) bei insgesamt acht Veranstaltungen (veranstaltet vom AK Stolpersteine) vor Schülern und Erwachsenen von ihren Erlebnissen in den NS-Lagern. Dennoch wissen viele junge Menschen nicht, was in Auschwitz geschah. Der Holocaust spielte sich für viele in einem Land vor ihrer Zeit ab. Den Gräueltaten ihrer Groß- und Urgroßeltern fühlen sie sich fern. Dass die Ermordung von sechs Millionen Menschen dennoch im kollektiven Gedächtnis verankert bleibt ist eine wesentliche Aufgabe unserer Zeit, nicht allein der Vergangenheit, sondern vor allem der Gegenwart und Zukunft wegen.
Stolpersteine geben den Namen zurück und mahnen
Sechs Million ermordete Juden, eine Million in Auschwitz, getötet in Gaskammern oder erschossen oder zugrunde gerichtet durch Arbeit, Hunger, Krankheit. Sechs Millionen eines monströsen Verbrechens, das sind Zahlen, mit denen niemand etwas anfangen kann. "Deshalb haben wir in Kuppenheim bisher 116 Stolpersteine gelegt (zehn weitere folgen am 23. Mai), um an Ort und Stelle zu dokumentieren, dass einzelne Personen aus ihrem Leben gerissen wurden, aus ihrer sozialen Umgebung und finanziellen Absicherung. Sie wurden gedemütigt, entrechtet, vertrieben oder zur Flucht gezwungen, verschleppt und ermordet," so Heinz Wolf, Sprecher des Arbeitskreises Stolpersteine Kuppenheim.
Kuppenheimer Juden im Konzentrationslager ermordet
Auch 24 Kuppenheimer Jüdinnen und Juden sowie neun Ehemänner wurden im KZ ermordet. Aus der Friedrichstraße 59 musste Klara Kahn fliehen, bevor sie über mehrere Stationen in deutschen Städten schließlich 1942 in ein polnisches Lager zur Ermordung deportiert wurde. Aus der Murgtalstr. 2 wurden in Auschwitz vergast: Marie Dreyfuß (geb. Friedmann), Ida Dreyfuß (verh. Heumann), Regina Dreyfuß (verh. Katz). Heinrich Dreyfuß (Murgtalstr.17) wurde bereits 1938 nach der Pogromnacht während seiner Schutzhaft im KZ Dachau erschlagen.
Kuppenheim - Malsch - Hamburg - Havanna - Antwerpen, das waren die Stationen des beliebten Metzgermeisters Salomon Lehmann aus der Friedrichstr 75, bevor er übers KZ Mechelen nach Auschwitz zur Ermordung kam. Vom Eiswarenhandel Herz und Schlorch (Friedrichstr. 86) wurden in Auschwitz umgebracht: Gunter, Semi und Rosa Schlorch (geb. Herz). Dasselbe Schicksal widerfuhr Isidor und Karoline Meier (geb. Kahn) aus der Friedrichstr. 98 sowie aus der Friedrichstr. 91 Fanny Kaufmann (verh. Kreuzer), Rosa Kaufmann (verh. Kramer), Emilie Rosa und Emilie Kaufmann (verh. Brumlick).
Sechs Jüdinnen und Juden aus der Rheinstr. 9 verloren im KZ ihr Leben: Johanna Kahn (verh. Kuhn), Irma Kahn (verh. Platz), Jeanette Kahn (verh. Hirsch) und Viktor Nöther sowie Siegfried und Ludwig Kahn. Auch Berta Grünbaum (verh. Joseph) aus der Oberen-Torstr. 1 wurde im Konzentrationslager getötet. Hermann und Herbert Samuel, die zeitweise in Kuppenheim bei Berthold Herz wohnten, wurde in Majdanek bzw. Mauthausen von der SS umgebracht.
53 weitere Personen jüdischen Glaubens aus der erweiterten Verwandtschaft der Kuppenheimer Juden wurden in Konzentrationslagern ermordet.
Lediglich Emil Behr, Sohn von Mathilde Behr (geb. Dreyfuß) aus Kuppenheim hat das KZ Auschwitz überlebt, und Walter Sally Kahn aus der Rheinstr. 9 wurde aus dem KZ Mechelen befreit. Leopold Kahn (Friedrichstr. 74) fiel am 18. Oktober 1944 als Résistance-Kämpfer gegen die deutschen Besatzer. Alfred Epstein, Sohn von Karoline Epstein (geb. Dreyfuß) aus Kuppenheim wurde am 22. Februar 1944 von der Gestapo als Widerstandskämpfer in Frankreich hingerichtet. Januar 2025
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15 Jahre AK Stolpersteine Kuppenheim
150 Veranstaltungen/Initiativen seit der Arbeitskreis-Gründung 2010
AK Stolpersteine Kuppenheim vielfältig engagiert.
Der Arbeitskreis ist seit 2010 vielfältig engagiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kuppenheimer Initiative legen nicht nur Stolpersteine, sie organisieren auch Veranstaltungen, die sich mit der Geschichte der Juden und der NS-Diktatur befassen. zehnmal wurden Stolpersteinreinigungen durchgeführt, auch unter reger Beteiligung der Kuppenheimer Schulen (Werner-von-Siemens-Realschule und der Favorite Werkrealschule) sowie mit jungen Muslimen und Mitarbeitern des Arbeitskreises.
Das Legen von Stolpersteinen sind ein Zeichen der Mahnung an die Jugend und an alle, bei der Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkender wachsam zu sein. Der Arbeitskreis wirbt für Toleranz und Menschlichkeit und kooperiert mit mehreren Schulen und über ein intensives Netzwerk mit 30 Gruppen und Organisationen, was die Arbeit erleichtert und den Wirkungsgrad erweitert.
Mehrere Gedenkveranstaltungen wurden organisiert zur…
- Deportation der letzten Kuppenheimer Juden nach Gurs 1940 (2015, 2020, 2025)
- Reichspogromnacht 1938 (2018, 2023)
- Auschwitz-Befreiung 1945 (2020, 2022, 2025)
Acht Konzerte finanzierten Stolpersteine und informierten zum Thema:
- Alexandra Mikulska (Chopin) im Bürgersaal Kuppenheim
- Microphone Mafia mit Esther Bejarano (klag und Jahnhalle Gaggenau, Reithalle Rastatt)
- Sinteza-Musik mit Dotschy Reinhardt im klag Gaggenau
- Auch die drei Klezmer-Konzerte mit Jontef in Kuppenheim begeisterten das Publikum
Gut besuchte Vorträge mit Zeitzeugen und Geschichtsprofis:
- Konzentrationslager Auschwitz mit Sophie Uhing (soz. Jahr in Oswiecim/Auschwitz)
- jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg (mit Paul Sachse und Kurt Hochstuhl) und
- Weltfrauentag - „starke jüdische Frauen aus Baden-Baden“ mit Angelika Schindler
- Kurt Maier aus Washington berichtete sogar viermal über seine Kindheit in Kippenheim
(bei Lahr) und seine Erlebnisse im Deportationslager Gurs, der Vorhölle von Auschwitz
Lesungen über die NS-Zeit 1933 bis 1945
- Daneben informierte der Arbeitskreis mit insgesamt über die NS-Zeit und Auswirkungen auf das Leben von Minderheiten und verfolgter Menschen:
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- Esther Bejarano vom Auschwitz-Mädchenorchester referierte im klag und in der Jahnhalle - (vor 250 Schülern) und in der Aula des LWG Rastatt (vor 500 Schülern).
- Dotschy Reinhard berichtete über Sinti + Roma unter dem NS Regime (klag und in der - Jahnhalle Gaggenau).
- Die Stuttgarter Schauspielerin Bozena Zolynska las aus dem Buch von Hauptmann Wilm - Hosenfeld, der dem Pianisten Wladyslaw Szpilmann während des Aufstandes im
- Warschauer Ghetto das Leben rettete. Die bekannte Pianistin Aleksandra Mikulska besorgte
- die musikalische Begleitung (Chopin).
- Schließlich berichtete der Gausbacher Ortsvorsteher Achim Rietz aus seiner „Dorfchronik - einer verlorenen Generation“ und schilderte das Leben von Wehrmachtssoldaten,
- Fahnenflüchtigen und Euthanasieopfern, begleitet von Hennes Wunsch und Horst Stelzer
- mit auflockernder Musik.
86 Führungen zum Jüdischen Friedhof ...
rundeten das Betätigungsfeld des Arbeitskreises ab. Heinz Wolf vom AK Stolpersteine begleitete Schüler- und Erwachsenengruppen auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim. Die Gruppen kamen aus Bitola (Nord-Mazedonien), Durmersheim, Gernsbach, Gaggenau, Bad-Rotenfels, Baden-Baden, Rastatt, Muggensturm und insbesondere aus Kuppenheim sowie aus der gesamten Region. Auch einzelne Besucher wurden über den Friedhof geführt: Sie kamen aus Hamburg, Wien, Paris, Kanada, Israel und aus den USA.
Der AK Stolpersteine Kuppenheim ist seit diesem Jahr Kooperationspartner mit der "Nordschwarzwald-Naturparkschule Realschule Gaggenau". In diesem Zusammenhang wird jedes Jahr den vier neunten Klassen der jüdische Friedhof Kuppenheim nähergebracht und intensiv auf das Schicksal der jüdischen Minderheit in der Region eingegangen.
Jüdisches Kuppenheim
Führungen zu „jüdisches Kuppenheim (u.a. am Tag der Jüdischen Kultur sowie zu 80 Jahre Gurs-Deportation) wurden ebenfalls von Wolf geleitet.
KZ Natzweiler-Struthof
Eine Informationsfahrt zum KZ Natzweiler-Struthof in den Vogesen wurde in Kooperation mit dem Stolperstein-Verein Rastatt durchgeführt.
Raon L’Etape: Besatzung - Juden
Führung in Raon-L’Etape und La Neuveville-les-Raon: jüdischer Friedhof und Deportation der Juden – deutsche Besatzung 1940 bis 1944 – Aktion „Le Waldfest“ – Zwangsarbeit in Heidelberg – totale Zerstörung geplant. Der Arbeitskreis veröffentlichte dazu ausführliche Berichte: 8x im Kommunalecho, je 4x im Badischen Tagblatt und in den BNN.
Gedenkfeiern - Arbeitskreis in der Region vernetzt
Beteiligungen bei Stolpersteinlegungen und Gedenkfeiern in Malsch, Rastatt, Gaggenau sowie beim KZ-Außenlager Rotenfels.
zwölf Stolpersteinlegungen...
wurden zwischen den Jahren 2013 und 2025 an 16 Standorten gelegt. Weitere Stolpersteine werden in den kommenden Jahren in den Gehweg eingelassen. Sie werden in Kuppenheim als sog. „Schluss-Steine“ an etwa 30 jüdische Familien erinnern, und es wird an öffentlichen Orten an ihr Schicksal während des nationalsozialistischen Terror-Regimes gedacht. Stolpersteine geben den zumeist namenlosen Opfern ihren Namen zurück.
Schließlich unterstütze der Arbeitskreis Ulrich Behne aus Gaggenau bei Verfassen seines Buches „verstreute Spuren – verblasste Erinnerungen“. Umfangreiche Hilfe erhlielt auch der Verein "Stolpersteine Muggensturm" bei dessen Gründung und Recherche zu Juden aus Muggensturm. Januar 2026





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