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Lesung mit Musik 13 03 2019 klein

Führungen 

"Das jüdische Kuppenheim"

Der "Jüdische Friedhof Kuppenheim"

 

Der Arbeitskreis Stolpersteine organisiert Führungen zu "Das jüdische Kuppenheim"  im Innenstadtbereich. Daran haben bisher die Werner-von-Siemens-Realschule Kuppenheim, die Heimatfreunde Durmersheim und die Favoriteschule Muggensturm-Kuppenheim teilgenommen. Darüber hinaus führt der Arbeitskreis drei bis viermal im Jahr Interessierte auf dem "Jüdischen Friedhof Kuppenheim".

 

So nutzte die Werner-von-Siemens-Realschule Kuppenheim im Juni 2013 das Angebot, Näheres über die Begräbniskultur der Juden zu erfahren. Mit ihrer Klassenlehrerin Patrizia Junker besuchten die Schüler den Jüdischen Friedhof, begleitet vom SPD-Landtagsabgeordneten Ernst Kopp aus Bietigheim. Großes Interesse bei den Schülern erweckten die Schilderungen des Kuppenheimer Zeitzeugen Dr. Manfred Geck über seine Jugendzeit mit jüdischen Nachbarn und Mitschülern.

 

Nachfahren jüdischer Familien, haben das Angebot genutzt, die Grabstätten ihrer jüdischen Verwandten zu besuchen. Michael Valfer aus Israel besuchte am 26. April 2016 das Grab seines Urgroßvaters Elias Mayer aus Ettlingen. Der Kinderarzt Eyal Grunebaum aus Kanada kam schon wiederholt zum Grabstein seines Großvaters Emil Nachmann aus Gernsbach. Mit Unterstützung des Rastatter Stadtarchivars Oliver Fieg (mit seinen versierten Englisch-Kenntnissen) unterstützte Heinz Wolf beim Rundgang am 26. April 2016  der Familie Nachmann, ehemals aus Rastatt, über den Friedhof.

 

Eine Friedhofsführung bot sich an, als Dr. Kurt Salomon Maier aus Washington am 13. Oktober 2015 in Kuppenheim Vorträge (in der Werner-von-Siemens-Realschule und abends im Bürgersaal) über seine Jugendzeit in Kippenheim (Bei Lahr) und im Lager Gurs hielt.

 

Gut besucht war ein Vortrag mit Johann Deiters aus Baden-Baden im April 2015. Mehr als 75 Interessierte kamen zum "Mergelberg" oberhalb des Schützenhauses.

 

Am Tag der jüdischen Kultur (4. September 2016) kamen etwa 75 Besucher aus der gesamten Region, von Ettlingen bis Achern. Der Gaggenauer Musiklehrer Gerold Stefan spielte zu den einführenden Worten des AK-Vorsitzenden Heinz Wolf jiddische Lieder auf seinem Saxophon mit dem Ziel, die Anwesenden in die jüdische Kultur entsprechend einzustimmen. Erst zum Ende der Führung gab es dann wieder Klezmer-Musik. Der große Betrag in der Spendendose war Beleg für eine gelungene Führung.

 

Am 13. Februar besuchte eine Studenten- und Aktionsgruppe aus Bitola (Makedonien) die Paulus-Gemeinde Gernsbach. In diesem Zusammenhang besuchten die jungen Leute aus dem Balkan zusammen mit einigen Staufenberger den Jüdischen Friedhof Kuppenheim.  In Bitola soll der dortige Friedhof  (8.500 Grabstätten auf 42.000 Quadratmetern) wieder hergerichtet und eine Gedenkstätte errichtet werden. Die deutschen Faschisten haben am 11. März 1943 insgesamt 3.356 Juden aus Bitola nach Treblinka (KZ in Polen) zur Vernichtung deportiert. Die jüdische Gemeinde in Bitola hatte vor der Besetzung durch die Deutschen etwa 7.000  Mitglieder. Ihre Geschichte geht bis ins Jahr 1687 zurück.

 

Der tagelange Regen und der aufgeweichte Boden veranlasste den Arbeitskreis, die Friedhofsführung für die Kolpinggemeinde Baden-Baden-Oos abzusagen. Dennoch kamen einige Beucher auf den Friedhof. Heinz Wolf führte diese in einem verkürzten Rundgang über das Gelände. Die Friedhofsführung wurde auf September/Oktober 2017 verschoben.

 

Die dritte Führung durch die Kuppenheimer Altstadt zum Thema "Das jüdische Kuppenheim" fand am 8. Mai 2017 statt. Heinz Wolf brachte Siebtklässlern der Favoriteschule Muggensturm-Kuppenheim (unter der Leitung der Lehrerin Corina Chavillee) das Leben der Juden in Kuppenheim näher.

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Führungen im Überblick:

 

O Beschäftigung mit jüdischer Vergangenheit -- Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule besuchen jüdischen Friedhof (BNN 29.06.2013)
O Besichtigung des jüdischen Friedhofs in Kuppenheim (website der Werner-von-Siemens-Realschule Kuppenheim)
O Führung über den jüdischen Friedhof -- 1 000 Gräber für mittelbadische Gemeinden (BNN 17.04.2015)
O Von Leuchtern und Rosen auf Grabsteinen -- 75 Besucher auf dem jüdischen Friedhof (BT 09.05.2015)
O Kanadier forscht nach seinen Wurzeln -- Eyal Grunebaumn ist ein Spross der einst in Gernsbach lebenden jüdischen Familien (BNN 03.06.2015)
O Jüdischer Arzt auf Spurensuche -- Eyal Grunebaum besuchte das alte Anwesen der Familie im Murgtal (BNN 01.07.2015)
O Kleines Loch im Zaun sorgt für großen Wirbel -- AK Stolpersteine spricht von „Provinzposse" (BNN 29.07.2015)
O Vorwürfe lösen sich in Luft auf -- Stadtverwaltung verdreht die Tatsachen (Pressemitteilung des Arbeitskreises Stolpersteine Kuppenheim)
O Loch im Zaun des jüdischen Friedhofs sorgt für Ärger -- Folgenreicher Besuch eines Kanadiers in Kuppenheim --Israelitische

   Religionsgemeinschaft reagiert (Badisches Tagblatt 30.07.2015)
O Ein verborgenes Kulturgut im Stadtwald -- Europäischer Tag der jüdischen Kultur: Führung auf dem jüdischen Friedhof zu Kuppenheim 

   (Badisches Tagblatt 27.08.2016)
O Europäischer Tag der jüdischen Kultur -- 75 Besucher auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim
(Kommunal Echo 08.09.2016)
O Jüdischen Friedhof besichtigt -- Jugendliche aus Mazedonien auf Gegenbesuch in Mittelbaden (BT 15.02.2017)
O Einblicke in jüdisches Leben -- Führung Jüdisches Kuppenheim für Schüler der Favoriteschule (BT 09.05.2017)
O Friedliches Miteinander 600 Jahre lang möglich -- Auf den Spuren jüdischer Familien in Kuppenheim (BNN 09.05.2017)
O Einblicke in jüdisches Leben (BT 09.05.2017)
O 30 Favoriteschüler auf dem jüdischen Friedhof (Kommunal-Echo 13.07.2017)
O Auf den Spuren der Gernsbacher Juden (BT 28.07.2017)
O Stolperstein-Initiativen besichtigen KZ Struthof -- Hintergrund (BNN 22.08.2017)

 

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Beschäftigung mit der Vergangenheit

Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule besuchen  jüdischen Friedhof

 

Kuppenheim (gk). An den Brand der Kuppenheimer Synagoge in der Löwengasse erinnert sich Manfred Geck auch noch fast 75 Jahren später genau: „Es war am 12. November 1938, einen Tag später als in anderen Städten, als die SA aus Gaggenau in Uniformen kam". Der 87-jährige Kuppenheimer ist einer der letzten Zeitzeugen dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte und damit ein wichtiger Ansprechpartner für Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolperstei­ne und die Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule, die sich derzeit mit der jüdischen Vergangenheit ihrer Heimatstadt beschäftigen.

Beim Ortstermin gestern Nachmittag auf dem jüdischen Bezirksfriedhof, auf dem seit 1692 alle mittelbadischen Juden beerdigt wurden, erinnerte sich Geck. Bis zur Reichskristallnacht 1938 verlief das Zusammenleben der jüdischen und christlichen Familien in der Knöpfle-Stadt ohne Ressentiments. „Man hat ganz normal zusammengelebt", betont Manfred Geck. „Noch in der Nazizeit gehörten die jüdischen Familien zum bürgerlichen Establishment, das waren Geschäftsleute".

 

Im Gespräch mit den Schülern erzählt der promovierte Volkswirt von den damaligen Schülerstreichen („Wir waren schon Lausbuben"), mit den Nachbarskindern schlich er schon mal am Schabbes, wie der Sabbath auf jiddisch genannt wurde, in die Synagoge.

 

Auch als das jüdische Gotteshaus in Flammen aufging, standen die jungen Burschen natürlich in der ersten Reihe: „Mit einem Schulkameraden war ich noch in der brennenden Synagoge". Die SA verhinderte damals, dass die Feuerwehr eingriff, der Löschschlauch war bereits ausgerollt, die Wehrleute durften jedoch nur ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude verhindern. Am 5. September will der Arbeitskreis beginnen, die ersten Stolpersteine im Kuppenheimer Stadtgebiet zu verlegen, die an die ermordeten jüdischen Mitbürger erinnern. Mit dabei ist eine zwölfköpfige Gruppe von Schülern aus der Klasse 8b der Realschule, die sich seit einiger Zeit mit Lehrerin Patrizia Junker mit dem Thema beschäftigen. Weiterhin ist eine Fahrt ins elsässische Konzentrationslager Natzweiler-Struthof und ein Konzert mit Klezmer-Musik sind geplant, kündigte Heinz Wolf an.

 

Auch der mittelbadische SPD-Landtagsabgeordnete Ernst Kopp besuchte den jüdischen Friedhof und widersprach in diesem Zusammenhang der Darstellung von Bürgermeister Karsten Mußler, das Land Baden-Württemberg habe sich aus der Unterhaltung des Friedhofs zurückgezogen. Jährlich 9.500 Euro stellt das Land laut Aussage von Kopp für Pflegemaßnahmen zur Verfügung, dies entspricht etwa 70 Prozent der anfallenden Kosten, den Restbetrag trägt die Stadtkasse. Zudem seien seit dem Jahr 2001 insgesamt 57.000 Euro geflossen für die Restaurierung von Grabsteinen. Diese Sondermittel seien 2012 erstmals nicht mehr ausgeschüttet worden. Auch 2013 wurden sie vorerst abgelehnt, es wurden jedoch Gelder für die zweite Jahreshälfte in Aussicht gestellt, sagt Kopp.

BNN 29.06.2013 Georg Keller

 

Foto: Mit dem Zeitzeugen Manfred Geck sprachen die Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule Kuppenheim bei ihrem gestrigen Ortstermin auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim.

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Besichtigung des jüdischen Friedhofs in Kuppenheim

 

Am 28. Juni 2013 besichtigte unsere Projektgruppe den jüdischen Friedhof in Kuppenheim.

 

Seit 1692 wurden alle jüdischen Mitbürger in Mittelbaden dort beerdigt.

 

Der Leiter des "Arbeitskreises Stolpersteine“ Heinz Wolf führte uns über den Friedhof. Manfred Geck, einer der letzten Zeitzeugen in Kuppenheim, berichtete uns während des Rundgangs viel Interessantes über den Friedhof, aber auch vom Zusammenleben von Juden und Christen vor und während der NS-Zeit.

 

So sei es laut Geck "ein friedliches Zusammenleben" gewesen, bis zur Pogromnacht 1938 - als unter anderem die Synagoge in Kuppenheim zerstört wurde. „Noch in der Nazizeit gehörten die jüdischen Familien zum bürgerlichen Establishment, das waren Geschäftsläute“, erinnerte sich Manfred Geck.

 

Manfred Geck erzählte, wie er den 12. November 1938 in Kuppenheim erlebte: „Mit meinen Schulkameraden war ich noch in der brennenden Synagoge. Damals wurde ein Eingreifen der Feuerwehr von der SS verhindert, sie durften lediglich einem Umgreifen der Flammen auf die umliegenden Wohnhäuser entgegenwirken."

 

Unser Treffen mit Heinz Wolf und Manfred Geck auf dem jüdischen Friedhof war sehr aufschlussreich und informativ.

aus der website der Werner-von-Siemens-Realschule Kuppenheim

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Führung über den jüdischen Friedhof                                                                                  1 000 Gräber für mittelbadische Gemeinden

 

Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim bietet am Donnerstag, 23. April, um 16 Uhr wieder eine Führung auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim (Stadtwaldstraße) an, der auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Erstmals 1694 urkundlich erwähnt, wurde der Jüdische Bezirksfriedhof für Mittelbaden außerhalb der Stadt auf dem unfruchtbaren Mergelberg nahe am Stadtwald angelegt.

 

Juden aus 15 mittelbadischen Judengemeinden (Baden-Baden, Badenscheuern, Bodersweier, Bühl, Ettlingen, Gernsbach, Hörden, Lichtenau, Malsch, Muggensturm, Neufreistett, Rastatt, Rheinbischofsheim, Schwarzach und Stollhofen) fanden hier ihre Grabstätte. Aber auch Kurgäste, die während ihres Aufenthalts im nahen Baden-Baden starben, sowie Juden aus dem Elsass, aus der Pfalz und dem Karlsruher Raum wurden auf dem Jüdischen Friedhof bei Kuppenheim begra­ben.

 

Der Jüdische Friedhof wurde während des Zweiten Weltkrieges durch nationalsozialistische Elemente verwüstet, die Aussegnungshalle 1938 in der Pogromnacht zerstört. Nach dem Krieg lagen etwa 200 Steine am Boden, die nach und nach wieder aufgerichtet worden sind. Die Zahl der erkennbaren Grabstellen beträgt 1.000 Gräber für Erwachsene und 45 Kindergräber. Der Jüdische Friedhof wird vom Bauhof der Stadt Kuppenheim im Auftrag des Oberrates der Israeliten Badens und des Regierungspräsidiums Karlsruhe in vorbildlicher Weise gepflegt.

 

Zerstörtes erhält neue Tafel 1956

 

Das Ehrenmal wurde von der Israelitischen Friedhofgemeinde Kuppenheim 1918/1919 zu Ehren der gefallenen Kuppenheimer Soldaten Julius Grünbaum (1883 bis 1916), Josef Kahn (1883 bis 1915), Karl Dreifus (1892 bis 1915) und Ludwig Herz (1881 bis 1915) errichtet. Im Laufe der Pogromnacht (10. Novem­ber 1938) schändeten Nazi-Schergen auch das Ehrenmal und zerschmetterten die Namenstafel. Josef Kahn, der 1933 der Vernichtung durch die Nazis durch Auswanderung nach Frankreich, dann nach Chile und schließlich in die USA (Paduca im Bundesstaat Kentucky entkommen konnte, ließ 1956 eine neue Namenstafel aus Marmor errichten.

 

Die Führung erfolgt durch den ehemaligen Lehrer für Griechisch, Latein und Ethik Johann Deiters aus Baden-Baden, der seit Mitte der 90er Jahre Führungen anbietet und nach seiner Pensionierung 2006 Kurse an der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien besuchte. Im Sommer 2005 hat er die Schrift „Der Jüdische Friedhof zu Kuppenheim" verfasst. Männliche Teilnehmer an der Führung werden gebeten, eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung (Mütze, Hut oder Kappe) mitzubringen und zu tragen.

 

BNN 17.04.2015

 

Anmeldung: Telefon (0 72 25) 7 55 43 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Foto: Den jüdischen Friedhof Kuppenheim, der erstmals 1694 erwähnt wurde, besuchten im Juni 2013 auch Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule.

 

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75 Besucher auf dem jüdischen Friedhof

 

Kuppenheim (red) - Mehr als 75 Besucher aus der gesamten Region nahmen jüngst an der vom Kuppenheimer Arbeitskreis Stolpersteine organi­sierten Führung auf dem jüdischen Verbandsfriedhof teil.

 

Johann Deiters, ehemals Lehrer am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt, führte die interessierte Gruppe über den über 300 Jahre alten Friedhof, nachdem er zunächst ausführlich die Bestattungskultur des Judentums erläuterte, wie es in einer Mitteilung des Vereins heißt. Dabei ging er auch auf die örtlichen Begebenheiten in der Knöpflestadt ein.

Im Zusammenhang mit den Pogromen am 10. November 1938 wurde auch der Friedhof geschändet. Viele Grabsteinplatten mit Inschriften wurden herausgerissen, Grabsteine umgeworfen und zertrümmert. Metallteile wurden entfernt und für andere Zwecke verwendet.

 

Großes Interesse erweckten die diversen Symbole auf den alten Grabsteinen. So sahen die Besucher den von den Nazis missbrauchten Davidstern, aber auch den „Krug" in Anlehnung an den Stamm Levi für die Nachkommen mit Fa­miliennamen Low. Die segnenden Hände" stehen für die Namen Cohn oder Kahn und weisen auf eine frühere Priesterfamilie hin. Während die „Rose" auf ein früh verstorbenes Mädchen hinweist, ist eine „abgebrochene Säule" ein Symbol dafür, dass der Verstorbene aus der Blüte des Le­bens gerissen wurde. Die „Krone" versinnbildlicht einen guten Namen. „Zwei Leuchter" bedeuten, dass hier eine fromme Hausfrau ruht.

 

Von 1857 bis 1941 befand sich der Kuppenheimer Friedhof im Eigentum des Israelitischen Begräbnisverbands. Nach Kriegsende ging der Friedhof in den Besitz der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden über. Die Pflege übernimmt die Stadt Kuppenheim, die zum Großteil vom Land bezahlt wird.

 

Badisches Tagblatt, 09.05.2015

Foto: (Arbeitskreis Stolpersteine) Johann Deiters (rechts) informiert eine recht große Besucherschar über jüdische Begräbniskultur.

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Kanadier forscht nach seinen Wurzeln

Eyal Grunebaumn ist ein Spross der einst in Gernsbach lebenden jüdischen Familien

 

In der Vergangenheit einer Familie liegt die Zukunft der nachwachsenden Generationen: „Woher komme ich? Und wohin gehe ich?" Vor diesen Fragen steht irgendwann jeder. - Im vergangenen Jahr fanden in Gernsbach die „Wochen des Gedenkens" statt, in denen an die einst blühende jüdische Gemeinde in der Murgtalstadt erinnert wurde. Die BNN informierten mit der Serie „Spurensuche" und Berichten der Verfasserin dieser Zeilen ausführ­lich über diese Veranstaltungsreihe. Zum Teil wurden sie auch im Internet publik gemacht. Dr. Eyal Grunebaum aus Toronto/Kanada stieß bei seiner Suche nach den Wurzeln seiner Familie auf einen dieser Artikel.

 

Der Enkel einer gebürtigen Gernsbacherin wollte mehr über seine Vorfahren erfahren und suchte den Kontakt per E-Mail an unsere Zeitung. Grunebaum ist ein Spross der Familie Nachmann, die im 19. Jahrhundert zunächst in Hörden und später auch in Gernsbach ansässig war.

 

Die Nachmann-Sippe wurde durch die Verfolgung im Nationalsozialismus über Europa, Israel und Nordamerika verstreut. In den letzten Monaten habe er sich zusammen mit anderen Nachmann-Nachfahren, darunter seiner Cousine Kathy Ochs aus Indianapolis/USA, zur Aufgabe gemacht, die Wurzeln der Familie zu ergründen, schrieb Grunebaum der BNN- Mitarbeiterin.

 

Sein Urgroßvater war Emil Nachmann, der in der Igelbachstraße 8 ein gut gehendes Kaufhaus mit Möbelabteilung besaß. Mit großer Freude registrierte Grunebaum, dass es noch ein Foto dieses Geschäfts aus der Zeit um 1930 gibt, das ihm per E-Mail zugesandt wurde. Emil Nachmann (1877-1937) war der Sohn von Hermann Hertzel Nachmann aus Hörden. In dem Gaggenauer Ortsteil sind „Nachmanns“ ab1805 belegt. Hermann Nachmann betrieb Kolonialwaren- und Stoffgeschäft, das seine Frau Nanette nach seinem frühen Tod weiterführte. Hermanns Schwager Abraham Nachmann versprach sich in der Stadt bessere Geschäftsaussichten und gründete in Gernsbach an der Ecke Bleichstraße/Salmengasse eine Eisenwarenhandlung. Sie wurde von seinem 1867 geborene Sohn Hermann übernommen, der später Vorsteher der israelitischen Gemeinde Gernsbach war und 1940 nach Gurs deportiert wurde, wo er 1942 umkam.

 

Zurück zu der Geschichte der Vorfahren des Arztes aus Toronto: sein Urgroßvater Emil Nachmann war mit Rita Bär verheiratet. Das Paar hatte drei Kinder: Hans, Margarete, Annemarie und Ruth. Ruth heiratete 1928 Dr. Alfred Grünebaum aus Homburg am Main (bei Wertheim), der in Rastatt (Murgtalstraße 6) als praktischer Arzt wirkte Die Familie wanderte 1935 wegen der Repressalien durch die Nationalsozialisten mit ihren beiden kleinen Söhnen Michael und Ernst Max nach Palästina aus, deren Großmutter Rita Nachmann folgte 1939.

 

Die ersten Jahre dort waren nach Auskunft von Eyal Grunebaum schwierig. Später konnte der Großvater wieder als Arzt in der Kleinstadt Kfar-Saba arbeiten, wo die Familie ansässig wurde. Grunebaums Vater Michael de ebenfalls Arzt und genoss als Kinderradiologe hohes Ansehen. Eyal Grunebaum trat in seine Fußstapfen. Der heute 47-Jährige studierte Medizin in Jerusalem und arbeitet heute am renommierten Hospital for Sick Children in Toronto als Spezialist für Immunerkran­kungen und Knochenmarkstransplantationen.

 

Erst in jüngster Zeit habe er sich zusammen mit seiner Cousine Kathy Ochs auf die Suche nach den Wurzeln der Familie in Deutschland gemacht. Erst die jetzige Generation fühlt sich nach seinen Angaben stark genug, sich mit den Leiden der Familie im Holocaust zu beschäftigen und die Verbindungen nach Deutschland wiederaufzunehmen. Es gehe jetzt darum, dies auch den eigenen Kindern zu vermitteln und irgendwann mit ihnen gemeinsam die Heimat der Vorfahren zu besuchen.

 

BNN 03.06.2015, Irene Schneid-Horn

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Jüdischer Arzt auf Spurensuche

Eyal Grunebaumn besuchte das alte Anwesen der Familie im Murgtal

 

Gernsbach. Seit 75 Jahren sind die jüdischen Gemeinden im Murgtal ausgelöscht. Die ehemaligen jüdischen Bewohner sind einst emigriert, wurden deportiert oder ermordet.

 

Großeltern haben mit Deutschland gebrochen

 

Um den Wurzeln seiner Familie nachzuspüren, weilte vor kurzem der Kinderarzt Eyal Grunebaum in der Region. Grunebaum ist Professor an der Universität von Toronto/Kanada und Spezialist für Immunerkrankungen und Knochenmarkstransplantationen bei Kindern. Sein Großvater Alfred Grunebaum war einst Allgemeinarzt und Geburtshelfer in Rastatt, die Großmutter stammte aus Gernsbach. Das Ehepaar emigrierte 1935 mit ihren beiden kleinen Söhnen nach Israel. Der Urgroßvater mütterlicherseits, Emil Nachmann, besaß an der Stelle der heutigen Sparkasse in der Gernsbacher Igelbachstraße ein gut sortiertes, weithin bekanntes Kaufhaus mit Möbelabteilung

Auslöser der Spurensuche waren die Fragen seiner beiden Kinder nach den Ursprüngen der Familie. Grunebaums noch lebender 83-jähriger Vater hat keine eigene Erinnerung mehr an Deutschland. Die Großeltern sprachen nicht über ihr Leben in Deutschland. Sie wollten keine Verbindung mehr zu ihrer alten Heimat.

 

So begann der 52-Jährige quasi von Null, als er sich vor einigen Jahren an die Ahnenforschung machte und dabei auch Kontakt nach Gernsbach aufnahm. Dieser Tage führte ihn ein Medizinkongress nach Freiburg. Am Rande machte er einen dreitägigen Abstecher ins Murgtal. Auf seiner Spurensuche in Gernsbach und Umgebung wurde Grunebaum von Regina Meier vom Arbeitskreis für Stadtgeschichte und der Autorin dieser Zeilen begleitet. Sie führten Grunebaum auf dem „Sabbatweg" mit den Stationen zum jüdischen Leben durch die Stadt. Er wurde vom Gernsbacher Geschichtskreis erarbeitet und wird nun alljährlich durchgeführt.

 

Das einstige Anwesen der Ahnen und Verwandten, die ehemalige Synagoge, die Häuser der jüdischen Bürger - all das fand sein lebhaftes Interesse. Weitere Stationen seines Aufenthalts waren Hörden, woher sein Urgroßvater stammte, der jüdische Friedhof in Kuppenheim mit den Gräber seiner Vorfahren sowie Rastatt, wo sein Vater geboren wurde.

 

Besonders erfreute ihn die beiden an die jüdischen Bürger erinnernden Gedenksteine nahe der Gernsbacher Stadtbrücke und der lebendigen Gedenkkultur in den vergangenen Jahren. Die Symbolik des Floßes, dem ein Stamm fehlt, fand er sehr gelungen.

 

BNN 01.07.2015, Bericht: BNN-Mitarbeiterin Irene Schneid-Horn

 

Bewegender Moment: Professor Eyal Grunebaum besuchte auch das Grab seines einst in Gernsbach beheimateten Urgroßvaters Emil Nachmann auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim. Foto: Schneid-Horn

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Kleines Loch im Zaun sorgt für großen Wirbel

AK Stolpersteine spricht von Provinzposse

 

Ein kleines Loch im Zaun des jüdischen Friedhofs sorgt gegenwärtig für so heftigen Wirbel in Kuppenheim, dass Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim bereits von einer „Provinzposse" spricht. In zahlreichen Briefen und E-Mails über den erstmals 1694 urkundlich erwähnten jüdischen Bezirksfriedhof für Mittelbaden ist gar von „Störung der Totenruhe" und Sachbeschädigung die Rede. Eine Einschätzung, die Bürgermeister Karsten Mußler für völlig überzogen hält. Die Stadt Kuppenheim pflegt und unterhält den Friedhof mit 1 045 Grabsteinen für 25 000 Euro im Jahr - 18 000 Euro erstattet davon das Land. Bei der Kommune hat man deshalb ein scharfes Auge auf die Begräbnisstätte am Stadtwald, die vier- bis sechsmal im Jahr auch im Rahmen von öffentlichen Führungen zugänglich ist.

 

Vor Rückflug Grab der Vorfahren besucht

 

Was war passiert: Eyal Grunebaum aus Toronto, Nachfahre der jüdischen Emilie Nachmann, ist im Rahmen seiner Spurensuche am 19. Juni auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim, um die Grabsteine von Babette Nachmann (1870 bis 1927) und Hermann Nachmann (ermordet 1942 im Deportationslager Gurs) zu besuchen, Wie bereits berichtet, sind seine Großeltern - Alfred Grunebaum war Allgemeinarzt und Geburtshelfer in Rastatt - mit den beiden Söhnen 1935 nach Israel emigriert. BNN-Mitarbeiterin Irene Schneid-Horn hat den kanadischen Spezialisten für Immunerkrankungen und Knochenmarktransplantationen bei Kindern auf seiner Spurensuche in Kuppenheim und auf dem „Sabbatweg" in Gernsbach begleitet. Dabei entdecken sie auch das Loch im Zaun. Heinz Wolf, der selbst seit 35 Jahren Führungen auf dem Friedhof organisiert und hält, gibt nach eigenen Angaben den Schlüssel am 21. Juni bei der Stadtverwaltung ab und meldet dabei auch das Loch im Zaun. Dieses wird kurz darauf vom Bauhof geflickt, Anfang Juli meldet der Bauhof aber wieder ein Loch im Zaun.

 

In einem Schreiben der Stadtverwaltung Kuppenheim an Heinz Wolf vom 7. Juli ist nun von „Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe" die Rede, denn Zeugen wollen den Kanadier auf Spurensuche dabei beobachtet haben, wie er am 26. oder 27. Juni über das Loch in den Friedhof „eingestiegen" ist. Gefragt wird in dem städtischen Schreiben, wer für die Reparatur aufkommt und ob noch weitere Schäden entstanden sind. Des Weiteren werden vorerst alle Besichtigungen auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim untersagt und eine Strafanzeige angedroht.

 

Eine Reaktion, die Heinz Wolf angesichts seines Engagements bei zahlreichen Schüler- und Erwachsenenführungen auf dem Friedhof für sehr deprimierend hält. Dass die Stadt Kuppenheim, die für die Pflege der Einrichtung verantwortlich ist, strenge Maßstäbe anlegt, hält er für nachvollziehbar. „Jedoch schießt sie beim Vorfall Eyal Grunebaum weit über das Ziel hinaus.

 

Etwas mehr Großmut hätte man hier von den Verantwortlichen erwarten können", so der ehemalige Stadtrat. In einer E-Mail hat der Kanadier laut Wolf nämlich bestätigt, dass er am 20. Juni über das vorhandene Loch auf den Friedhof gelangt: Vor seinem Rückflug nach Toronto will er noch einmal das Grab seiner Vorfahren besuchen. „Wenn jemand am Sabbat einen Friedhof besucht, muss man ihn jedenfalls nicht anzeigen, das ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen", gibt es Schützenhilfe zum Vorfall von Joachim Hahn aus Plochingen, Autor vieler Publikationen zur Geschichte der Juden in Südwestdeutschland, den Wolf kontaktiert hat.

 

„Uns ging es nur darum, den Sachverhalt zu klären", hält Bürgermeister Mußler auf BNN-Anfrage die Aufregung für völlig übertrieben. Nicht zum ersten Mal sei ein Loch in dem Zaun entdeckt worden. Es solle niemandem unterstellt werden, den Zaun mutwillig beschädigt zu haben, noch sollen in Zukunft die Besichtigungen verboten werden. Die Stadt Kuppenheim hat den Vorfall zur weiteren Entscheidung an den Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden weitergeleitet - „damit ist es für uns erledigt", so Mußler. Von dort war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.


Badische Neueste Nachrichten BNN; 29.07.2015,Heike Schaub

 

FÜHRUNGEN AUF DEM JÜDISCHEN FRIEDHOF in Kuppenheim sind beliebt. Auf der Suche nach Spuren seiner Familie im Murgtal besucht ein Kanadier das Grab seiner Vorfahren, die Familie Nachmann (Vordergrund) - auch durch das Loch im Zaun. Archivfoto: Collet

 

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Pressemitteilung des Arbeitskreise Stolpersteine Kuppenheim zum BNN-Artikel „Kleines Loch im Zaun sorgt für großen Wirbel“, 29.07.2015

                                                               

Vorwürfe lösen sich in Luft auf   - 

Stadtverwaltung verdreht die Tatsachen

Kuppenheim. Bezugnehmend auf die Berichterstattung in den BNN über „Kleines Loch sorgt für großen Wirbel“ vom 29.7.2015 möchte der AK Stolpersteine Kuppenheim sowohl zum chronologischen Ablauf des Vorgangs als auch zur vermeintlichen Zuständigkeit von Personen zur Klarstellung beitragen.

 

Am 19.6. besichtigte Eyal Grunebaum, jüdischer Arzt aus Kanada, in Begleitung den Jüdischen Friedhof Kuppenheim. Dabei entdeckte die Besuchergruppe ein Loch im Zaun. Tage darauf meldete Heinz Wolf, der über den AK Stolpersteine die Besichtigung organisierte, bei der Schlüsselübergabe dem Standesamt die Beschädigung. Am 20.6. stieg Grunebaum, ohne vorher jemanden in Kenntnis zu setzen, durch das Loch in den Friedhof ein, um noch einmal vor dem Rückflug das Grab seiner Angehörigen zu besuchen.

Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler hat in einer E-Mail Wolf vom 07.07.2015 „als verantwortlichen Ansprechpartner“ bezichtigt. In einem Schreiben des Standesamtes ebenfalls vom 07.07.2015 wurde Wolf mit der „Bitte um eine schriftliche Stellungnahme zum Vorfall“ und darüber hinaus um „Mitteilung gebeten, wer für die Kosten der Reparatur des entstandenen Schadens aufkommt“, so die direkten Anschuldigungen in Amtsdeutsch. Insgesamt wurde Heinz Wolf mitverantwortlich für die Geschehnisse gemacht.  Weiter war von einer Störung der Totenruhe und von  einer vorgesehenen Strafanzeige die Rede. Die unredlichen Unterstellungen Wolf gegenüber und die Untersagung weiterer Friedhofsbesichtigungen wurden bis heute nicht zurückgenommen. 

Die Stadtverwaltung stellte die Strafanzeige an den Friedhofsbesucher Grunebaum vorerst zurück. Wolf lieferte dem Standesamt und Bürgermeister Mußler die angeforderte schriftliche Stellungnahme, obwohl er mit der erwähnten Sachbeschädigung nichts zu tun hatte.

Es wäre die Aufgabe der Stadtverwaltung gewesen, mit der gebotenen Höflichkeit Kontakt zu Eyal Grunebaum aufzunehmen, der bereit war, sich an den Kosten des Zaunes zu beteiligen, obwohl er mit dessen Beschädigung nichts zu tun hatte. Die Vorgehensweise mit den Nachfahren jüdischer Mitbürger ist mehr als unüblich. Für die Israelitische Gemeinde (IRG) Baden gibt es, wie der Arbeitskreis erfuhr, keinen Handlungsbedarf. Die Vorwürfe sind also haltlos, für die IRG Baden gibt es also keinen Anlass für eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und der Störung der Totenruhe. 

Der AK Stolpersteine verwahrt sich gegen die nicht korrekte Darstellung des Sachverhalts Mußlers gegenüber der Presse. Nicht der AK Stolpersteine hat zur Eskalation beigetragen. Wolf, der Sprecher des Arbeitskreises, wurde stattdessen für etwas zu Verantwortung gezogen, was er nie und nimmer zu verantworten hat.

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Loch im Zaun des jüdischen Friedhofs sorgt für Ärger

Folgenreicher Besuch eines Kanadiers in Kuppenheim

Israelitische Religionsgemeinschaft reagiert

 

Kuppenheim (mak) - Der Besuch eines jüdischen Arztes aus Kanada auf dem jüdischen Friedhof in Kuppen­heim sorgt für Spannungen zwischen der Verwaltung und Heinz Wolf, Sprecher des Arbeitskreises Stolpersteine. Nach einem Loch im Zaun stand der Vorwurf einer Störung der Totenruhe im Raum. Die Israelitische Religionsgemeinschaftin Baden hat sich des Vorfalls angenommen und sieht diesen mittlerweile als erledigt an.

 

Eyal Grunebaum, der in Toronto als Spezialist für Immunerkrankungen und Knochenmarkstransplantationen bei Kindern arbeitet, hat den jüdischen Friedhof am 19. Juni gemeinsam mit der Gernsbacherin Irene Schneid-Horn besucht. Dabei wurde ein Loch im Zaun entdeckt. Grunebaums Wurzeln liegen in Gernsbach, wo er zuvor das Haus seiner Großeltern besucht hatte. Heinz Wolf, der seit vielen Jahren Führungen auf dem Friedhof organisiert oder selbst leitet, besorgte im Rathaus den Schlüssel, konnte aber an diesem Tag nicht an der Führung teilnehmen.

 

Am 20. Juni habe Eyal Grunebaum erneut den Friedhof durch das bestehende Loch im Zaun betreten; um vor seiner Rückreise noch einmal in aller Ruhe das Grabmal seiner Vorfahren zu besuchen, wie Wolf im Gespräch mit dem BT berichtet. Irene Schneid-Horn informierte Wolf über das Loch im Zaun, dieser wiederum meldete es der Verwaltung, als er einige Tage später den Schlüssel zurückgab. Wie Bürgermeister Karsten Mußler auf BT-Nachfrage erläutert, habe der Bauhof das Loch noch am selben Tag geflickt.

 

Am 26. oder 27. Juni haben dann drei Frauen einen Mann beobachtet, der durch ein neues Loch im Zaun den Jüdischen Friedhof betrat. Als am 1. Juli ein Bericht über Grunebaums Besuch in der Zeitung erschien, wollen diese ihn als den Mann auf dem Friedhof erkannt haben. Daraufhin erhielt Heinz Wolf ein Schreiben der Stadt mit dem Betreff „Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe", in dem er um eine schriftliche Stellungnahme zu dem Vorfall gebeten wird. Solange werde eine Strafanzeige gegen Grunebaum zurückgestellt. Zudem werden ihm „bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts" jegliche Besichtigungen auf dem jüdischen Friedhof untersagt. Er wird weiter darum gebeten mitzuteilen, „wer für die Kosten der Reparatur des entstan­denen Schadens aufkommt".

 

Dieser Tonfall sorgte bei Wolf für Verärgerung: „Ich bin sehr befremdet, für dieses Vorkommnis mitverantwortlich gemacht zu werden", schreibt der ehemalige SPD-Stadtrat in seiner Antwort an die Stadt. Sollte der Besucher aus Kanada eine Woche nach der Führung in den Friedhof eingestiegen sein, dann sei das nicht seine Angelegenheit oder die von Schneid-Horn. Letztere teilte der Stadt die Kontaktdaten von Grunebaum mit, doch Mußler machte in einem Schreiben deutlich, dass man keine Befugnis habe, polizeiliche Ermittlungen men. Ein Nachweis, wann Grunebaum wieder abgeflogen sei und eine Erklärung von ihm seien „hilfreich". Doch weder das eine noch das andere hat die Verwaltung bislang erhalten. Auch bei zwei E-Mail-Anfragen des Badischen Tagblatts blieb der Kanadier ei­ne Antwort schuldig, wann er zurückgeflogen ist.

 

Auf die Vorgehensweise der Stadt angesprochen, betont Mußler, dass man eine Unterhaltspflicht für den Friedhof habe, die man ernst nehme. „Wir haben hohes Vertrauen in Herrn Wolf", ergänzte er. Für die Stadt sei der Fall abgeschlossen, nachdem man die Angelegenheit an die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden weitergeleitet habe. Die­se bedankte sich gestern in einem Schreiben bei Mußler für dessen „umsichtiges Handeln" und hofft, dass der Vorfall nun abgeschlossen ist.

 

Badisches Tagblatt, 30.07.2015, Markus Koch

 

Foto: Auf dem Friedhof kommt es immer wieder zu Beschädigungen des Zauns, wie auf dem Archivfoto zu sehen ist.

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Ein verborgenes Kulturgut im Stadtwald

Europäischer Tag der jüdischen Kultur:          

Führung auf dem jüdischen Friedhof zu Kuppenheim

Kuppenheim (red) - Der Europäische Tag der jüdischen Kultur wird als Aktionstag seit 1999 jährlich im Septem­ber begangen. Veranstaltet wird er mittlerweile in 30 europäischen Ländern von jüdischen und nichtjüdischen Organisationen. Ziel ist, das europäische Judentum, seine Geschichte, Traditionen und Bräuche in Vergangenheit und Gegenwart Geschichts­ und Kulturinteressierten näherzubringen. Vor Ort finden Führungen zu Stätten jüdischer Kultur, Konzerte, Ausstellungen oder Vorträge statt. Am Sonntag, 4. September, auch in Kuppenheim.

 

Im Rahmen des Aktionstags lädt der Arbeitskreis Solpersteine Kuppenheim um 11 Uhr zu einer Führung auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim ein. Treffpunkt ist am Eingang des Friedhofs in der Stadtwaldstraße oberhalb des Schützenhauses.

 

Die Führung erfolgt durch Heinz Wolf, dem Sprecher des Arbeitskreises. Für die musikalische Umrahmung sorgt Gerold Stefan, Lehrer an der Musikschule Gaggenau, mit Klezmer-Musik auf dem Saxofon beziehungsweise auf der Klarinette.

 

Männliche Teilnehmer an der Führung werden gebeten, eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung (Mütze, Hut, Kappe) mitzubringen und zu tragen. Die Führung ist kostenlos. Spenden zur Abdeckung der Kosten und für weitere Stolpersteine in Kuppenheim werden gerne entgegengenommen, heißt es in einer Pressemitteilung des Arbeitskreises Stolpersteine Kuppenheim. Darüber hinaus werden die Bücher zur jüdischen Gemeinde Kuppenheim und zum jüdischen Friedhof zum Kauf angeboten. Zur Führung sollte man sich per E-Mail bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anmelden.

 

Der zentrale Judenfriedhof in Kuppenheim hat eine jahrhundertealte Geschichte. Dort befindet sich der erstmals 1694 urkundlich erwähnte jüdische Bezirksfriedhof für Mittelbaden. Von 1814 bis 1869 wurde vom katholischen Pfarramt Kuppenheim das jüdische Begräbnisbuch der auswärtigen jüdischen Gemeinden, „so die hie her ihre Todten begraben", geführt.

 

Im Begräbnisbuch sind für die Zeit von 1814 bis 1869 die Begräbnisse von Juden aus dem Rabbinatsbezirk Bühl verzeichnet - und von auswärtigen Juden beispielsweise aus dem Elsass, aus Karlsruhe, Straßburg, Mannheim, Stuttgart, Hamburg, London und Paris.

Der jüdische Bezirksfriedhof ist nahe am Stadtwald gelegen. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs von nationalsozialistisch gesinnten Personen verwüstet, die Einsegnungshalle 1938 in der Reichspogromnacht zerstört.

 

Nach dem Krieg lagen etwa 200 Steine am Boden, die nach und nach wieder aufgerichtet worden sind. Die Zahl der erkennbaren Grabstellen auf dem Friedhofsareal beträgt rund 1.000 Gräber für Erwachsene und 45 Kindergräber.


Badisches Tagblatt; 27.08.2016

 

Foto: An eine jahrhundertealte jüdische Tradition in Mittelbaden erinnert der Friedhof in Kup­penheim. Foto: AK Stolpersteine

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Europäischer Tag der jüdischen Kultur

75 Besucher auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim

 

Eine große Zahl Interessierter aus der näheren Umgebung, aber auch aus Karlsruhe und Achern, nahmen an der Führung des AK Stolpersteine anlässlich des Europäischen Tages der jüdischen Kulturteil.

Beeindruckt waren die Zuhörer von der wunderbar einfühlsamen Klezmer-Musik, auf dem Saxofon vom Gaggenau- er Musikschul­lehrer Gerold Stefan, vor dem Friedhof dargeboten. Damit gelang es, die Besucher auf die Führung meditativ einzustimmen.

 

Der jüdische Friedhof in Kuppenheim zeigt sich als bedeutendes Zeugnis unserer eigenen Kulturgeschichte und als Teil der Ge­schichte der jüdischen Mitbürger in Kuppenheim und Mittelbaden.

Die Gesamtanlage des Friedhofes, die Grabsteine mit den Inschrif­ten und Symbolen zeigen, welchen kulturellen Beitrag die Juden für die Geschichte in Deutschland geleistet haben. Sie geben auch wichtige Informationen zum jüdischen Glauben und zur jüdischen Geisteshaltung.

Kommunal-Echo, 08.09.2016

Foto: Zur Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden in Kuppenheim

Foto: Grossmann, AK Stolpersteine      

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Jugendliche aus Mazedonien auf Gegenbesuch in Mittelbaden

 

Kuppenheim (hap) - Nachdem eine deutsch-russische Jugendgruppe um Pfarrer Hans-Joachim Scholz von der evangelischen Paulusgemeinde in Gernsbach-Staufenberg im vergangenen Sommer Bitola bei Skopje (Mazedonien) besucht hatte, erfolgte nun ein Gegenbesuch in Gernsbach.

 

Da die Jugendlichen damals gemeinsam begonnen haben, den größten jüdischen Friedhof auf dem Balkan aus seinem vernachlässigten Zustand wieder in eine würdevolle Erinnerungsstätte zu verwandeln, schauten sich die jungen Leute auch den historischen jüdischen Friedhof in Kuppenheim an. Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim führte die Gäste über den gepflegten Friedhof und erläuterte die Bedeutung der Inschriften auf den Grabsteinen, die teilweise bis in das Jahr 1687 datieren.


Mit auf der Besichtigungstour waren auch die Mitinitiatoren der völkerverbindenden Aktion, der israelische Botschafter für den Balkan Dan Oiyan (Zweiter von rechts) und Pfarrer Hans-Joachim Scholz.


Am Abend fand eine gemeinsame Veranstaltung in Staufenberg statt.


BT 15.02.2017


Foto: Heinz Wolf (rechts) vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim führt die Gäste über den gepflegten jüdischen Friedhof. (Hegmann)

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Einblicke in jüdisches Leben
Führung Jüdisches Kuppenheim für Schüler der Favoriteschule

 

Kuppenheim (hap) - Eine Unterrichtseinheit der besonderen Art gab es gestern auf dem Kuppenheimer Synagogenplatz am Ende der Löwengasse. Trotz heftigen Regens hatte Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Siebtklässler der Favoriteschule zu einer besonderen Führung eingeladen. Zusammen mit ihrer Lehrerin Corina Chavillie und der pädagogischen Lehrerassistentin Petra Bittman waren sie an die Stelle gekommen, an dem einst das jüdische Gebetshaus stand.

 

Mit dem Begriff Synagoge, der nur wenigen Schülern bekannt war, stieg Wolf ins Thema ein. Er erklärte den Kindern, dass es gewissermaßen die Kirche der jüdischen Religionsgemeinschaft war. Weiterhin erzählte er von der Reichspogromnacht am 9. November 1938, in der Synagogen und Geschäfte von Juden in Brand gesteckt wurden.

 

Aktuelle Bezüge zum Jahrmarkt

 

Die Schüler, die fast alle Jahrgang 2003 waren, hatten im Unterricht zwar schon vom jüdischen Leben im Mittelalter gehört, aber die Nazizeit war fast niemandem bekannt. Wolf nahm dies zum Anlass, die Geschichte der Juden in Kuppenheim bis zur Naziherrschaft zu erklären. Tagesaktuell wurde dabei auch der Jahrmarkt zu einem Kapitel, da er ursprünglich als Handelsmarkt stark von den jüdischen Händlern geprägt war. Da in der Klasse rund zwei Drittel der Kinder einen Migrationshintergrund haben und relativ wenig Deutsch verstehen, kürzte Wolf seinen Vortrag ab.

 

Die Gruppe machte sich auf den Weg, um in der Friedrichstraße vor drei Häusern die Stolpersteine zu besichtigen. Wolf erzählte den Schülern, dass die einst dort lebenden Menschen durch Deportationen aus ihrem Alltag gerissen wurden, ihre Freunde verloren und der größte Teil die Vernichtungslager nicht überlebte.

 

Aufgrund des anhaltenden Regens ging es zurück in den Klassenraum. Dort zeigte Wolf alte Fotos von Kuppenheim und zitierte aus Briefen von jüdischen Bürgern. Dabei wurde einigen Schülern offensichtlich erst bewusst, dass zu dieser Zeit Kinder in ihrem Alter getötet wurden, nur weil sie Juden waren. Wolf wird die Aktion mit einem Besuch auf dem jüdischen Friedhof fortsetzen.

 

Badisches Tagblatt, 9. Mai 2017, Hans-Peter Hegmann

 

Foto: Auf dem Synagogenplatz bekommen die meisten Schüler zum ersten Mal Informationen über die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland.    Foto: Hegman

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Friedliches Miteinander 600 Jahre lang möglich
Auf den Spuren jüdischer Familien in Kuppenheim

 

Kuppenheim. Wie haben jüdische Fammilien in Kuppenheim gelebt, wie viele gab es überhaupt und womit haben sie ihr Geld verdient? Heinz Wolf, Vorsitzender des Vereins „Stolpersteine Kuppenheim" ist es ganz wichtig, Jugendlichen diesen Teil ihrer Stadtgeschichte durch Führungen näherzubringen. „Die jungen Leute sollen greifbare Erlebnisse mit den Fakten verbinden können, damit sich so etwas wie eine emotionale Beziehung aufbauen kann". Deshalb war die Klasse der Favoriteschule mit ihrer Fachlehrerin Corina Chavilliee am Montagmorgen auf den Synagogenplatz gekommen, um ein paar Stationen jüdischen Lebens in Kuppenheim abzugehen und sich von Heinz Wolf die Geschichten hinter der Geschichte erzählen zu lassen.

 

Teil der Stadtgesellschaft wie jeder andere Einwohner

 

Alltagsgeschichten aus dem Leben der Familien, die angesehene Bürger waren, in Vereinen organisiert oder in der Feuerwehr. Mit der Machtergreifung begann für sie der Abstieg, sie wurden ihrer materiellen Lebensgrundlage beraubt, mussten fliehen oder wurden deportiert. Armut in einem fremden Land oder Tod, mehr Möglichkeiten gab es nicht. Die Schüler hatten bereits die Synagoge in Baden-Baden besucht und beschäftigen sich derzeit im Fach „WeltZeitGeschichte" mit dem jüdischen Leben im Mittelalter. Und genau da, erläuterte Heinz Wolf den Schülern, begann auch die Geschichte der Kuppenheimer Juden, an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit.

 

Erste schriftliche Zeugnisse gehen bis auf das Jahr 1433 zurück. Hier am Synagogenplatz habe die „neue Synagoge" gestanden, bis sie in der Pogromnacht von den Nazis angezündet wurde.

 

Ältere Mitbürger haben ihm erzählt, dass damals die Schüler aus dem Unterricht geholt wurden, um zuzuschauen, wie das Gebets- und Waschhaus in Flammen aufging. Mit dem Abtransport der 16 verbliebenen Kuppenheimer Juden in das Arbeitslager Gurs in Südfrankreich endete die 600-jährige Geschichte. Da Zweidrittel ihrer Schüler einen Migrationshintergrund haben, so Corina Chavilliee, sei es besonders wichtig, auf diese direkte Art Geschichte zu erfahren. Denn so lernen sie kennen, dass ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion möglich war und möglich ist und wohin rechte Hetze und Propaganda führen können. Eine weitere Station waren die Stolpersteine in der Friedrichstraße 86 für die Familien Herz und Schlorch. Sie waren angesehene Händler für Eisenwaren, andere lebten vom Handel mit Pferden oder Rindern, mit Tabak, Kaffee oder Textilien. „Sie waren ein Teil der Kuppenheimer Stadtgesellschaft wie jeder andere Einwohner auch", so Heinz Wolf.

 

 

Badische Neueste Nachrichten, 9. Mai 2017, BNN-Mitarbeiterin Martina Holbein


STATIONEN JÜDISCHEN LEBENS: Schülerinnen und Schüler der Favoriteschule erfahren von Heinz Wolf (links) Wissenswertes über die jüdischen Familien, die vor der Naziherrschaft in Kuppenheim lebten. Foto Martina Holbein

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30 Favoriteschüler auf dem jüdischen Friedhof

Es ist das Ziel des AK Stolpersteine Kuppenheim, dass jeder Sekundarschüler aus der Region einmal in seinem schulischen Leben einen jüdischen Friedhof besucht. Der Jahrhunderte alte jüdische Zentralfriedhof in Kuppenheim bietet sich dazu in geeigneter Weise an.

 

So besuchte neulich die Klasse 7 der Favoriteschule Muggensturm-Kuppenheim mit ihren Lehrerinnen Corina Chavillee und Stefanie Baumer unter Leitung von Heinz Wolf (AK Stolpersteine) den jüdischen Friedhof. Wolf und die verantwortlichen Lehrerinnen waren sehr angetan von der Disziplin der 30 Schülerinnen und Schüler bei der eineinhalb stündigen Führung unter dem Motto „Geschichte vor Ort erfahren". Eifrig bearbeiteten diese einen Arbeitsbogen, erstellt vom Arbeitskreis, und zeigten sich sehr interessiert an den Inschriften, Symbolen und Namen auf den Grabsteinen sowie an den Herkunftsorten der hier begrabenen Juden. Bemerkenswert auch, dass sich insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund eifrig mit Fragen und Beiträgen beteiligten.

Der jüdische Zentralfriedhof, ein Aushängeschild für Kuppenheim

Grabsteine stehen und liegen auf dem idyllischen „Mergelberg", umgeben von einer gepflegten Natur. Der Verbandsfriedhof ist mit 10.400 qm neben den Friedhöfen in Mannheim und Waibstadt im Kraichgau der größte in Baden-Württemberg (144 Friedhöfe, davon 90 im Landesteil Baden). Juden aus 16 mittelbadischen Judengemeinden fanden hier ihre letzte Ruhestätte, von Ettlingen im Norden bis in den Raum Kehl im Süden. Aber auch Kurgäste, die zumeist während ihrer Kur in Baden-Baden starben, und Juden aus dem Elsass, der Pfalz und dem Karlsruher Raum wurden in Kuppenheim begraben. Diese kamen aus 35 Orten und Städten, aus Hamburg, Mannheim, Bonn, Stuttgart, Berlin, Prag, London, Paris usw.

 

Foto: Favoriteschüler waren auf dem jüdischen Friedhof Kuppenheim eifrig bei der Sache: diszipliniert und wissbegierig.

 

Kommunal-Echo 13.07.2017

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Auf den Spuren der Gernsbacher Juden
69 Gernsbacher auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim

 

Gernsbach/Kuppenheim. Eine Gruppe des AK Stadtgeschichte Gernsbach besuchte den jüdischen Verbandsfriedhof in Kuppenheim, auf dem jüdische Gemeinden von Ettlingen im Norden bis ins Hanauer Land im Süden und von Gernsbach im Osten bis Rastatt im Westen Mittelbadens ihre Toten beerdigten. Das erste Grab auf dem Kuppenheimer Mergelberg stammte vom Dienstboten des Gernsbacher Juden Israel Jung, beerdigt am 15.09.1694, während die letzte Grabstätte am 23. 10. 1983 Heinz Lorsch (ebenfalls aus Gernsbach) gewidmet ist, 40 Jahre nach der vorletzten Grablegung von Stefen Benko am 10.04.1943.


Insgesamt wurden 69 Gernsbacher Juden auf dem Kuppenheimer Friedhof beerdigt. Die ältesten noch erhalten Grabsteine stehen für Jizchak ben Leser (1728), Gutel eschet Leser (17846), Schimen ben David (1770) und Jachet eschet Götsch (1789). 15 Grabsteine tragen den Namen Kaufmann, 13 den Namen Dreifuß/Dreyfuß und 5 Neter/Nöther. Darüber hinaus finden sich die Namen Gutel und Isaak und Karl Marx, Franziska Heidingsfeld, Rachel und Ida Wolf, Alfred Engelberger, Salomon Bär, Fanny Weil, Abraham Bickert und Abraham Stern.

 

Maria/Mina Kahn (1927) und Daniel Kahn (1888) haben auf ihren Grabsteinen das Symbol Priesterhände. Diese weisen darauf hin, dass der hier bestattete Nachkomme eines Priesters aus dem Stamm Aaron (hebräisch Cohen). Der Priester erteilte den Segen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Antlitz leuchten über dir und schenke dir Frieden!“ Die Hände werden mit gespreizter Fingerhaltung emporgehoben. Viele Grabsteine tragen florale Motive, typisch für jüdische Begräbniskultur.

 

Die Grabinschriften sollen an die Toten erinnern und das Andenken für die Nachkommen festhalten, selbst wenn das irdische Leben des Verstorbenen nicht so ganz vollkommen war. Der Tod ist Anlass zum Verzeihen und Vergessen. Und vielleicht soll eine Inschrift, die nur gute Taten des Verstorbenen beschreibt, sog. Elogien, einen Platz im Paradies sichern. So heißt es bei Fanny Kaufmann (Grab 446): „Hier ist verborgen die teure Frau, eine tüchtige Frau, gottesfürchtig und barmherzig mit den Mittellosen…“, bei David Mendel (329): „Ein freigebiger Mann. Seine Taten waren in Zuverlässigkeit vollkommen. Und wurde begraben in gutem Namen…“ und bei Simon Kaufmann (457): Ein redlicher und rechtschaffener Mann. Er wandelte untadelig, übte Gerechtigkeit, fürchtete Gott all seine Tage. Es ist der teure, ehrenwerte Herr…“

 

Die Hälfte der Gernsbacher Gräber aus den Jahren 1810 bis 1976 liegen im nördlichen Grabfeld zwischen Eingang und Schützenhaus. Etwa 20 Grabsteine sind wegen des weichen Untergrundes (Mergelboden) umgefallen und zum Teil zerbrochen, von Efeu und Wurzeln überwuchert. Diese und weitere etwa 130 Grabsteine wird die Stadt Kuppenheim im Auftrag der „Jüdischen Gemeinde in Baden“ wohl in den kommenden Jahren wieder aufrichten lassen, finanziert von einem Sonderetat des Landes Baden-Württemberg. Seit 1999 sind insgesamt 391 Steine mit Fördergeldern wieder aufgerichtet und restauriert worden (Stand 2016).

 

Großes Interesse weckten bei der Gernsbacher Besuchergruppe die beiden Grabsteine von Auguste Neter (geb. Sinauer) und Eli Neter (Gräber 853, 854), beide von mittelgroßen Bäumen bedrängt. Eli Neter nahm im städtischen Leben Gernsbachs eine geachtete Stellung ein. Am Marktplatz betrieb er (wie die Fa. Herz & Schlorch in Kuppenheim) eine Eisenwarenhandlung. Mehr als 40 Jahre war er bei der Freiwilligen Feuerwehr, engagierte sich im Kur- und Verkehrswesen und stand der jüdischen Gemeinde vor. Mit ihrem Mann hatte Auguste elf Kinder. Alle Kinder verließen Gernsbach. Sie waren zumeist beruflich sehr erfolgreich (Fabrikanten, Rechtsanwalt usw.). Eli blieb nach dem Tod seiner Frau noch zehn Jahre in Gernsbach.

 

Das Grab von Emil Nachmann (19.12.1877 – 28.04.1937, Grabstein 1067, Inschrift: „Hier liegt begraben Eliser, Sohn des Zvi Nachmann. Sein Name wird gepriesen im Munde all seiner Bekannten. Er starb in gutem Namen…“) ist im Begräbnisbuch mit der Nummer 1067 versehen. Emil besaß in der Igelbachstraße im Bereich der heutigen Sparkasse ein gut sortiertes, weithin bekanntes Kaufhaus mit Möbelabteilung. Zur Jahreswende 1938/1939 wurde den selbständigen Händlern und Handwerkern von den Nationalsozialisten Berufsverbot erteilt. Mit dem Kaufhaus Nachmann mussten auch die letzten verbliebenen Juden (Bekleidungsgeschäft Stern und Dreyfuß und Metzgereibedarf Lorsch) aufgeben. Somit endete das einst blühende jüdische Wirtschaftsleben in Gernsbach.

 

Professor Eyal Grunebaum aus Kanada besucht immer wieder das Grab seines Urgroßvaters mütterlicherseits (Emil Nachmann). Eyals Großvater, Dr. Alfred Grünebaum, war einst Allgemeinarzt und Geburtshelfer in Rastatt (Josefstraße 8). Die Großmutter stammte aus Gernsbach. Alfred emigrierte 1935 zu seinem Bruder Sali nach Palästina, obwohl er ein Einreisevisum für Argentinien in der Tasche hatte. 1936 folgte ihm seine Frau Ruth (Gertrud-Sofie) Grünebaum (geb. Nachmann, Tochter des Emil Nachmann) mit den Söhnen Yochanan (Ernst Max) und Michael (Gerhard-Hans). Die Familie nannte sich fortan Grunebaum.

 

Foto:
Der Arbeitskreis Stadtgeschichte Gernsbach auf dem jüdischen Friedhof. Mit dem von Ingrid Schneid-Horn überreichten Spendenbetrag wird Heinz Wolf vom AK Stolpersteine Kuppenheim im kommenden Jahr für den Kuppenheimer Eisenwarenhändler Berthold Herz einen Stolperstein legen lassen.

 

Badisches Tagblatt (BT), 28. Juli 2017

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Stolperstein-Initiativen besichtigen KZ Struthof
Besucher aus Mittelbaden entsetzt über Schrecken des nationalsozialistischen Konzentrationslagers im Elsass

 

Auf Initiative von Bernd Schlögl besuchten Mitarbeiter der beiden regionalen Stolperstein-Initiativen von Rastatt und Kuppenheim sowie Interessierte das Konzentrationslager Struthof in den Vogesen. Stolpersteine wurden und werden in den beiden Städten gelegt für Opfer des NS-Regimes, für Juden, Widerstandskämpfer und Andersdenkende. Mit der Fahrt zum einzigen KZ auf französischem Boden wollten die Besucher Details über die Lebensumstände der Inhaftierten erfahren, so wie es viele der Betroffenen in anderen Konzentrationslagern erlebten, denen Stolpersteine gewidmet wurden.

In 13 Unterkunftsbaracken waren 1500 Häftlinge eingepfercht, ursprünglich waren sie nur für 500 gedacht. Drei Deportierte mussten in einem der dreistöckigen Bettgestelle schlafen. Schlafen war zumeist höchstens fünf Stunden möglich, wegen des latenten Hungers, der knochenbrechenden Arbeit im Steinbruch und der stundenlangen Appelle sowie der unbeschreiblichen Zustände in Bezug auf mangelhafte Hygiene. Die Appelle fanden zweimal täglich statt, manchmal dauerten sie bis zu vier Stunden. Die Häftlinge waren dabei oft nackt, bei Wind und Regen auf 800 Metern Höhe, in der Dämmerung oder in eiskalten Nächten bei bis zu 20 Grad unter Null, im Schnee oder in brütender Hitze bei 30 Grad im Sommer.

Struthof war nicht nur Arbeitslager, sondern auch Exekutionsstätte für Hunderte Russen und Polen, für Widerstandskämpfer aus Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg und Norwegen, die unter einer besonders brutalen Behandlung zu leiden, hatten und auch für Kriegsgefangene. „Vernichtung durch Arbeit", das war neben der Exekution das Prinzip des Konzentrationslagers. Wer die Strapazen im Steinbruch gerade noch überlebte, der lief Gefahr, bei vermeintlichen Ausbruchversuchen von Wachposten erschossen zu werden, wobei er vorher von SS-Männern in den „Todesgraben" geschubst wurde. Der doppelte, drei Meter hohe und mit 380 Volt und Scheinwerfern abgesicherte Stacheldrahtzaun sowie ein weiterer Sicherheitszaun verhinderten jeden Ausbruch. Einem Insassen gelang es jedoch mit einer Uniform des Lagerleiters erfolgreich auszubrechen. Die Ernährung im Lager war so angelegt, dass die Deportierten früher oder später zu Skeletten abmagerten, Ödeme und Hungerpsychosen bekamen, an extremem Vitaminmangel litten, und, wenn sie sich nicht schnell genug bewegen konnten, mit den Gewehrkolben der SS-Schergen niedergeschlagen und dann von Hunden zerbissen wurden.

Der noch vorhandene „Prügelbock" bezeugt den Sadismus des Foltersystems. Selbst bei nichtigen Vergehen wurden Prügelstrafen vorgenommen, manchmal bis zu 100 Schläge, und der Gefolterte musste die Schläge vor den Versammelten auf dem Appellplatz in deutscher Sprache mitzählen. Wenn er dies nicht tat, wurde wieder von vorn mit dem Zählen begonnen.

Im Zellenblock, genannt „Bunker", wurden bis zu 20 Deportierte auf wenigen Quadratmetern zusammen gepfercht. Die bis zu 42 Tage dauernde „Kerkerhaft", gebückt auf einem halben Quadratmeter Grundfläche überlebte keiner der Verurteilten vor dem vorgesehenen Erhängen.

Dem Erhängen von Deportieren mussten alle Lagerinsassen auf dem Haupt- Appellplatz beiwohnen. Die Verurteilten starben an einem dünnen Seil nicht durch Genickbruch, sondern durch Ersticken, was etwa fünf Minuten dauerte.

Mit großem Entsetzen vernahmen die mittelbadischen Besucher Berichte über die im sogenannten „Autopsieraum" durchgeführten wehrmedizinischen Versuche mit Phosphor, Senfgas, Typhus- und Fleckfiebererregern an wehrlosen Menschen und die Vergasung von 86 Juden zum Zweck einer anatomischen Skelettsammlung für die Reichsuniversität Straßburg.

Professor Eugen Haagen hätte um Haaresbreite für seine Fleckfieberforschung 1936 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Die Perversion des Systems wurde deutlich durch den Obst- und Gemüsegarten der SS, der mit der Asche aus dem Krematorium gedüngt wurde. Heute ist er Standort der ewig brennenden Totenlaterne und der Kommandanturvilla mit einem großen Außenschwimmbecken.

Hintergrund

Nach der militärischen Kapitula­tion Frankreichs 1940 wurde bei Natzweiler in der Nähe Schirmeck im Elsass ein KZ und Arbeitslager gebaut. Albert Speer benötigte den dort vorkommenden Granit mit ei­ner seltenen Färbung für seine gi­gantomanischen Bauprojekte. Von den 900 Häftlingen, die das Lager aufbauten, starben allein im ersten Jahr die Hälfte an Hunger und durch die unmenschliche Behand­lung.

Die Todesursachen im KZ Strut­hof: Hunger, Tod aus Erschöpfung wegen der grauenhaften hygieni­schen und sanitären Umstände, Giftinjektionen, Vergasen, Erschlagen und Erhängen im Krematorium und massenweise Erschießungen insbe­sondere der Widerstandskämpfer.

Die Lagerleitung war der Mei­nung, "genügend Arbeitskräfte für die Arbeit im Steinbruch und für die Rüstungsindustrie - auch für das Benzwerk Gaggenau - zu haben und ließ 22 Juden nach Auschwitz deportieren.

Insgesamt wurden von 1940 bis 1945 im KZ Natzweiler/Struthof und in seinen 70 Außenkommandos in der Rüstungsindustrie und bei der Beseitigung der Kriegsfolgen (so in Gaggenau, Niederbühl, Rastatt, Iffezheim, Sandweier, Baden-Oos und Baden-Baden) etwa 52 000 Deportierte aus 31 verschiedenen Na­tionalitäten gefangen gehalten. 22 000 Häftlinge starben bei der De­portation oder auf den Todesmärschen bei der Auflösung des Lagers im August 1944.     

 

Badische Neueste Nachrichten BNN 22. August 2017

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