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Bitte beachten Sie, unsere nächste Veranstaltung. 
Lesung mit Musik 13 03 2019 klein

Lesungen (zumeist mit musikalischer Begleitung)

Dotschy Reinhardt (Everybody's Gypsy)

Esther Bejarano (Microphone Mafia)

Angelika Schindler (Boris Feiener)

Bozena Zolynska (Aleksandra Mikulska)


O  Lesung der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium Rastatt am 28. April 2017
O  Lesung mit Esther Bejarano und RAP-Konzert mit Microphone Mafia - Ankündigung Reithalle Rastatt 27.04.2017

 

O  Esther BEJARANO im Oktober 2014 in GAGGENAU im klag und in der Jahnhalle(Schülerveranstaltung)
   Presseberichte: BNN, BT, Gaggenauer Woche, website Goethe Gymnasium Gaggenau

-  Mädchen spielte in Auschwitz um sein Überleben- Esther Bejarano (89) ist Überlebende einer "Mädchenkapelle"  

   des berüchtigten Vernichtungslagers (BNN 29.09.2014)
-  Seit Auschwitz gibt es keinen Gott mehr - Zeitzeugin erzählt Schülern aus der Nazi-Zeit (BNN 11.10.2014)
-  Erinnerung an Unfassbares - Esther Bejarano und die „Microphone Mafia" im klag (BT 13.10.2014)
-  Ihr müsst aufpassen, dass die euch nicht krallen - Eine Geschichtsstunde, die im Gedächtnis haften bleibt: 

   Bewegende Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano (BT 13.10.2014)
-  Rache mit Hilfe der Musik - Holocaust-Überlebende Esther Bejarano trat mit Rappern im klag auf                   

   (BNN 13.10.2014)
-  Geschichte intensiv mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano (Gaggenauer Woche 42/2014)

 

O  Das wunderbare Überleben - Warschauer Erinnerungen an den Pianisten Wladyslaw Szpilmann -                 

    Literrisch-musikalische Soirée in Kuppenheim, 8. November 2015

 

-  Handzettel "Das wunderbare Überleben"
-  Einfühlsam vorgetragene Werke
-  Mit literarisch-musikalischer Soiree in Kuppenheim an Aufstand im Warschauer Ghetto erinnert (BT.10.10.2015)
-  Feinfühlig Musik und Geschichte verbunden - Ergreifende literarisch-musikalische Soirée (BNN_10.10.2015)

 

O  Der verbrannte Traum - literarisch-musikalische Soirée zum Welttfrauentag, Kuppenheim, 8. März 2016: 

-   Mondänes Publikum wiegt lange in Sicherheit - Soirée in Kuppenheim für drei mutige Jüdinnen                        

    (BNN 05.03.2016)
-  Auf allen Gebieten um Anerkennung gerungen Soirée zum Weltfrauentag des AK Stolpersteine (BNN 10.03.2016)
-  Die besondere Geschichte jüdischer Bürger - Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim veranstaltet Soirée -          

   Lesung und passende Klavierstücke (BT 10.03.2016)

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Arbeitskreise Stolpersteine Gaggenau und Kuppenheim

in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Gaggenau

 

Dotschy Reinhardt: „Everybody’s Gypsy“

Lesung für Schüler und Interessierte

 

9. November 2017, 14 Uhr,

Jahnhalle Gaggenau, Eintritt frei

Dotschy Reinhardt räumt in der Lesung aus ihrem Buch „Everybody’s Gypsy“ auf mit einem Klischee, welches sich um ihr Volk rankt, dass alle Sinti oder Roma fantastische Musiker seien. Großartige Kunst hat oftmals etwas mit Armut, Schicksalsschlägen, Unterdrückung und Grausamkeit zu tun. Dies sind wesentliche Erfahrungen von Sinti und Roma, aber auch von Angehörigen anderer Minderheitsgruppen. Nicht selten, mit letzter Kraft, versucht man überall dort, wo Menschen unterdrückt werden, seinem Schmerz Raum zu geben, in dem man seinen Gefühlen freien Lauf lässt. In der Musik und Kunst konnten viele Betroffenen die Dinge ausdrücken, über die sie nicht reden wollten oder konnten, und haben etwas Hässliches in etwas Kostbares, Schönes verwandelt. Genauso verhält es sich mit der überschäumenden Freude.

 

Eine Kultur prägende Minderheit

 

Die Sinti und Roma wurden nicht angesiedelt, durften nicht sesshaft werden, wurden unterdrückt. Dabei haben sie die europäische Kultur mitgeprägt und viel zu ihrer Entwicklung beigetragen. Nicht nur in der Musik, aber dort sind Sinti und Roma schon sehr lange etabliert und sichtbar: Sinti und Roma gaben Spanien den Flamenco, Rumänien den T'aven Baxtale und Polen die Polka. Keinen dieser traditionellen Volkstänze würde es so geben, wären sie nicht vor rund 900 Jahren von Indien nach Europa gereist. Auch großartige Komponisten wie Franz Liszt haben sich vom Gypsy-Swing inspirieren lassen.

 

Bürger- und Menschenrechte für benachteiligte Sinti und Roma


Dotschy Reinhardt geht es in ihrer Lesung auch darum, Angehörige dieser Minderheit überhaupt als gleichberechtigte Bürger und Menschen wahrzunehmen, sie als Individuen zu respektieren, ihnen ihre Bürger- und Menschenrechte zuzugestehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Dies bein¬haltet auch das Recht auf freie Entfaltung der Person. Allerdings ist das in der Gesellschaft noch nicht angekom¬men, auch nicht bei den politischen Parteien.

 

Ansätze für eine fremdenfeindliche Stimmung

 

Umso mehr seit der am 1. Januar 2014 geltenden Arbeitnehmerfreizügigkeit, der vollständigen Öffnung des Arbeitsmarktes auch für Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien. So werden EU-Bürger, die in unser Land kommen, schon im Vorfeld unter Generalverdacht gestellt, Sozialbetrüger und Kriminelle zu sein. Damit sind natürlich auch und vor allem „die Roma“ gemeint, die größte Gruppe unter den „Armutszuwanderern“ aus den südosteuropäischen Ländern. Eine unsachliche Debatte wird mit einem Stammtisch-Jargon geführt: „Wer betrügt, der fliegt“, so das Motto. So werden rassistische Feindbilder heraufbeschworen, um so auch die Wähler am rechten Rand für seine Ziele zu gewinnen.

 

Vorurteile noch weit verbreitet

 

Tatsache ist aber auch, dass die sogenannte Mehrheitsgesellschaft ein vorgefertigtes Bild von den mancherorts immer noch als „Zigeuner“ oder „Gypsys“ Bezeichneten hat. Diese von Klischees überladenen Vorurteile haben nicht nur zu romantisierten Trugbildern über ein Volk geführt, dessen Vergangenheit eher von der Bewältigung ihres schweren Lebens als von Romantik geprägt war. Auch Feindbilder sind so über die Jahrhunderte hinweg entstanden und haben etwa aus dem „Zigeuner“ einen „Zieh-Gauner“ gemacht, einen Tagedieb, der nichts als Unheil im Schilde führt: „Holt die Kinder rein, die Zigeuner kommen“. Und aus der Sinteza wird eine geheimnisvolle, heißblütige und schamlose „Wahrsage-Zigeunerin“. Solche Vorurteile sind heute noch weit verbreitet. Teils werden sie klar als Beleidigung ausgesprochen, teils werden sie im neuen Gewand im Fernsehen gesendet, auch in kulturellen Bereichen wie Mode, Musik, Literatur und nicht zuletzt im Alltag kommen sie vor - latenter Rassismus mitten in unserer Gesellschaft.

 

Eine halbe Million Sinti und Roma Opfer des NS-Unrechtsregimes. In ihrem Abschnitt „Zerrissenes Herz“ geht Dotschy Reinhardt auch auf die Verfolgung und Ermordung vieler ihrer Verwandten ein. 500 000 Sinti und Roma wurden durch die Nationalsozialisten in Konzentrationslagern umgebracht.

 

Dotschy Reinhardt will aufklären

 

Mit ihrem Buch zeigt Dotschy Reinhardt, wie gelebte Kultur von Sinti und Roma wirklich aussieht. Sie hat dazu viele Menschen gesprochen, die in den Bereichen Musik, TV und Film, Literatur, Mode und Kunst tätig sind. Daneben zeigt sie, wie eine Erinnerungskultur zukunftsweisend sein kann, wie Sinti und Roma gegen alle Klischees ihren Platz in der Gesellschaft behaupten und welche Probleme sie in anderen Ländern haben - oder gerade nicht.

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„Wahres Leben ist, wo Freiheit und Wahrheit sind"
Esther Bejarano und die „Microphone Mafia": Lieder, Raps und Texte gegen Rechts /

Appell an die Jugend

 

Rastatt - Das ging in seiner Authentizität unter die Haut: Die 92-jährige Esther Bejarano, die mit der tätowierten Häftlingsnummer 41947 die Hölle des Konzentrationslagers Auschwitz und die Selektion des Arzts Josef Mengele überlebte, dort Akkordeon im Mädchenorchester am Tor spielen musste, ließ in der Reithalle Rastatt Geschichte lebendig werden. Dabei spannte die sechsfache UrOma, assistiert von Rapper Kutlu Yurtseven und ihrem Bassgitarre spielendem Sohn Joram, den Bogen von der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zu rechtsradikalen Tendenzen der Gegenwart.

 

Der beeindruckende Auftritt war durch die Stadt Rastatt und den Stolpersteininitiativen in Kuppenheim und Rastatt unter Federführung von Heinz Wolf und Marcel Müller ermöglicht worden. Dazu gehörte neben der Abendveranstaltung in der Reithalle gestern auch ein Auftritt der Holocaust-Überlebenden vor 500 Schülern in der Aula des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums.

 

Zum Auftakt der zweistündigen Reithallenveranstaltung ging Marcel Müller auf die „Stolpersteine" ein. In Rastatt seien noch 100 weitere geplant. Diese würden als Zeichen gesetzt, „dass sich gemachte Fehler nicht wiederholen". Eine Denkhilfe dazu lieferte Esther Bejarano, die kleine Frau mit dem großen Kämpferwillen. Mit klarer Stimme las sie aus ihrem Buch, „Erinnerungen - Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts" vor. Sie schilderte den Transport in Viehwagen 1943 nach Auschwitz-Birkenau, lieferte Einblicke in die Willkür des KZ-Alltags, wie sie Marschmusik am Lagertor zur Beruhigung zu spielen hatte, als „Mischling" ins Frauenlager kam und schließlich beim Todesmarsch 1945 dem Terror der SS entfliehen konnte. Ihre „zweite Geburt" sei es gewesen, als der Tanz um ein brennendes Hitlerbild mit anderen „die Befreiung vom Hitlerfaschismus" symbolisierte.

 

Eine ungewöhnliche Mischung historischer Lieder, interpretiert von Esther Bejarano und Kutlu Yurtseven, folgte. Mit ergreifendem Engagement Bejaranos kamen die Lieder gegen den Militarismus, den Kampf um Integration und gegen rechtsradikale Ausschreitungen beim Publikum an. Kutlu fügte eindringliche Rap-Kommentare hinzu. Dabei erlebte das Publikum mitreißende Klassiker wie „Avanti Popolo" der Bandiera Rossa oder die Ballade von der „Judenhure Marie Sanders" mit der Musik Hanns Eislers und den Worten Bert Brechts in neuem Gewand. Auch das Lied von „de Höhner", „Wann geht der Himmel für dich wieder op?" wurde zur Anklage gegen die Brandanschläge von rechtem Mob in Mölln und Solingen. „Ich hab' Angst wie noch nie", die Zeile in einem Kampflied richteten sich gegen „hasserfüllte Kreaturen". Zu stehenden Ovationen sang das Publikum „Vivat Liberias!" mit: „Wahres Leben ist, wo Freiheit und Wahrheit sind!" Und nach dem jiddischen Lied „Wir leben trotzdem. Wir leben ewig!", setzte man mit dem Partisanenlied „Bella ciao" den ergreifenden Schlusspunkt.

 

Dazu Esther Bejaranos Appell direkt an die Jugend: „Ihr seid nicht schuld, an dem, was damals geschah. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr über diese schrecklichen Verbrechen nichts wissen wollt. Und seid wachsam! Ihr müsst aufpassen, dass die euch nicht krallen."

 

Von Rainer Wollenschneider, Badisches Tagblatt, 29. April 2017

 

Foto: Zusammen mit Rapper Kutlu Yurtseven und Sohn Joram setzt die Holocaust (92) Zeichen gegen rechtsradikale Strömungen. Uberlebende Esther Bejarano (Foto: Wollenschneider)


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RAP der Holocaust-Überlebenden – Mobilisierung gegen neue rechte Töne

 

Esther Bejarano vom Mädchenorchester Auschwitz
Donnerstag, 27. April 2017, 20 Uhr, Reithalle Rastatt,  Eintritt 10 €, Schüler 5 €
Freitag, 28. April, 11 Uhr,  Schülerveranstaltung, Ludwig-Wilhelm-Gymnasium Rastatt, Eintritt frei

 

Esther Bejarano ist 92 und mit der „Microphone Mafia“ nach Konzerten auf Kuba wieder auf Deutschland-Tour, so auch in Rastatt. Sie singt, sie liest aus ihrer Biografie, erzählt vom Mäd-chenorchester in Auschwitz – und warnt vor neuen rechten Tönen.

Im Saarland geboren und wohlbehütet aufgewachsen, wurde sie mit 17 Jahren zur Zwangsarbeit integriert, zwei Jahre später ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort konnte sie sich unter glücklichen Umständen einen Platz im Mädchenorchester sichern, was ihr bis zur Auflösung des Lagers das Überleben sicherte. Auf dem Todesmarsch, auf den die KZ-Insassen beim Herannahen der Alliierten gezwungen wurden, konnte sie fliehen. Anschließend lebte sie 15 Jahre in Israel. Weil sie mit der Politik der israelitischen Regierung nicht einverstanden war, und weil sie das dortige Klima nicht vertrug, kehrte sie mit ihrer Familie nach Deutschland zurück.

Nachdem im Jahr 1986 Neonazis vor ihrem Textilgeschäft in Hamburg lautstark demonstrierten, sie (die Auschwitz-Überlebende) bedrohten und die Polizei machtlos zusah, entschloss sie sich, engagiert gegen die neue Gefahr von „Rechts“ anzukämpfen. Die Akkordeonspielerin Esther Bejarano setzt sich seit nahezu vier Jahrzehnten gegen das Vergessen, gegen Ausländer-feindlichkeit, gegen Antisemitismus ein. Mit ihrem Auftritt in Rastatt will sie mit ihren Musikern, dem 65-jährigen Sohn  Joram und dem Türken Kutlu Yurtseven, Zeichen setzen gegen Ge- walt und Rassismus, für Frieden, Menschlichkeit und Toleranz.

Estehr Bejarano – Häftlingsnummer 41 947 – spielt in Auschwitz um ihr Leben

Appell an die Jugend: „Ihr seid nicht schuld an dem, was damals geschah. Aber ihr macht euch schul- dig, wenn ihr über diese schreckliche Verbrechen nichts wissen wollt. Und seid wachsam. Ihr müsst aufpassen, dass die euch nicht krallen!“

Stolperstein Initiativen Rastatt + Kuppenheim  Kooperation mit der Stadt Rastatt 

 

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Mädchen spielte in Auschwitz um sein Überleben

Esther Bejarano (89) ist Überlebende einer "Mädchenkapelle" des berüchtigten Vernichtungslagers

 

„Musik hat mir geholfen, einen be­stimmten Zweck zu verfolgen. Ich woll­te, dass die Menschen wissen, was da­mals passiert ist. Wenn man das mit Mu­sik macht, hat man die Chance, nicht nur Gleichgesinnte zu gewinnen, son­dern auch Menschen, die nicht so genau Bescheid wissen", sagt eine Frau, die bis heute nicht nur selbst Musik macht, son­dern vor sieben Jahren einen Film mit dem Titel „Musik als Lebensretter" pro­duzierte, der sozusagen ihre eigene Ge­schichte erzählt. Es ist die Geschichte eines Mädchens, das im KZ Auschwitz um ihr Leben spielte.

 

Esther Bejarano, geborene Loewy, ist eine der letzten be­kannten Überlebenden des sogenannten Mädchenorchesters von Auschwitz. Bis dato ist es der heute 89-Jährigen, die 2008 für ihr Engagement mit dem Bun­desverdienstkreuz erster Klasse gewür­digt wurde, ein wichtiges Anliegen, be­sonders junge Menschen über den Nazi- Terror und den Rechtsextremismus auf­zuklären. Bis heute kämpft sie, auch mit den Mitteln der Musik, leidenschaftlich gegen jede Art von Intoleranz.

 

Am Frei­tag, 10. Oktober, wird Esther Bejarano ab 20 Uhr in der klag-Bühne bei einem „Konzert gegen Rechts" unter dem Titel „La vita continua" zusammen mit der Kölner Rap-Band „Microphone Mafia" zu erleben sein.

 

An der Seite ihres Sohnes Joran (Bass), dem Italiener Rossi Pennino (Rap) und dem Türken Kutlu Yurtseven (Rap) singt sie Lieder gegen das Vergessen, gegen Rassismus, Rechtsextremismus und An­tisemitismus. Vertreter dreier Generationen und dreier Religionen kämpfen auf der Bühne gemeinsam für ein fried­liches Miteinander.

 

Bejarano wuchs in Saarbrücken auf, wo ihr Vater Rudolf eine Stelle als Oberkantor der jüdischen Gemeinde hatte.

Sie hatte drei ältere Geschwister, zwei Schwestern und einen Bruder. Sie ver­lebte eine glückliche Kindheit. Mit Inkrafttreten der „Nürnberger Gesetze" 1935 endete diese unbeschwerte Zeit.  Ethers älteste Geschwister wan- derten aus, ihre Eltern kamen 1941 bei Massen­erschießungen ums Leben.

 

Sie selbst leistete zunächst zwei Jahre Zwangsar­beit, bevor sie am 20. April 1943 mit mehr als 1.000 weiteren jüdischen Men­schen in Viehwag­gons der Deut­schen Reichsbahn nach Auschwitz deportiert wurde. „Wohin der Zug fuhr, wussten wir nicht. Viele alte und schwache Menschen überlebten den Transport nicht", erinnert sich Bejarano an ihre Fährt in eine Hölle, in der sie die Häftlingsnummer 41948 eintätowiert bekam. Am Anfang war sie einem Arbeitskommando zugeteilt. Sie meldete sich für das gerade neu aufgestellte

 

Mädchenorchester und wurde ausge­wählt. Hier spielte sie Akkordeon. „Ob­wohl ich nie zuvor ein solches in der Hand hatte. Aber ich spielte Klavier und musste alles versuchen, um nicht mehr Steine schleppen zu müssen." Die Mitgliedschaft im Orchester sicherte ihr eine Zeit des Überlebens - unter großen psychischen Belastungen.

 

Nicht nur, weil die Arbeitskolonnen im Takt ihrer Musik am Orchester vorbei­marschieren mussten, „sondern weil wir auch zu spielen hatten, wenn neue Transporte mit ahnungslosen Menschen ankamen, von denen wir wussten, dass sie alle vergast werden. Mit Tränen in den Augen spielten wir. Wir hätten uns nicht dagegen wehren können, denn hinter uns standen die SS-Schergen mit ihren Gewehren."       

Als das Vernichtungslager Auschwitz wegen der herannahenden Roten Armee  aufgelöst wurde, kam Bejarano ins KZ Ravensbrück. Auf einem Todesmarsch 1945 konnte sie mit einigen Freundinnen fliehen. Noch im selben Jahr gelang ihr die Einreise nach Palästina. Sie absol­vierte eine Gesangsausbildung, heirate­te Nissim Bejarano und brachte in Israel ihre Tochter Edna und ihren Sohn Joram zur Welt. 1960 verließ die Familie das Land und zog nach Hamburg.

Nachdem sie 1978 beobachtet hatte, wie Polizisten die Gegendemonstranten eines NPD-Infostandes attackierten, be­gann ihr politisches Engagement. Sie gehörte zu den Gründern des Ausch­witz-Komitees, dessen Vorsitzende sie ist, und begann Anfang der 1980er Jahre ihre Eindrücke, ihre Herkunft, ja ihre Geschichte zusammen mit weiteren Mu­sikern in der von ihr gegründeten Grup­pe Coincidence auszudrücken.

 

Laut Veranstalter liest Bejarano aus ihrem Buch „Erinnerungen: Vom Mäd­chenorchester in Auschwitz zur Rap- Band gegen Rechts".  

 Badische Neueste Nachrichten, 29.09.2014, Ralf Joachim Kraft   

Foto:

Esther Bejarano: Musik rettete ihr das junge Leben, Musik macht die heute 89-Jährige noch immer - demnächst auf der klag-Bühne.

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Seit Auschwitz gibt es keinen Gott mehr mehr                                                                        Zeitzeugin erzählt Schülern aus der Nazi-Zeit

Gaggenau. Sie hat als Mitglied des Mädchenorchesters die Hölle des Ver­nichtungslagers Auschwitz überlebt und kämpft seit mehr als 30 Jahren für Toleranz und gegen das Vergessen, ge­gen jede Art von Rassismus, Rechtsradi­kalismus und Ausgrenzung. Gestern Mittag war Esther Bejarano im Vor­feld eines Konzer­tes, das am Abend in der klag-Bühne stattfand, in der Jahnhalle zu Gast. Auf Einladung des Gaggenauer Kulturamtes in Kooperati­on mit den Arbeitskreisen Stolpersteine Kuppenheim und Gaggenau sowie der IG Metall-Jugend war die bald 90-Jäh­rige zu einer Lesung aus ihrem Buch „Erinnerungen: Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts" gekommen.

Mehr als 200 Gag­genauer und Kuppenheimer Schüler er­lebten eine außergewöhnliche Frau mit einer außer-gewöhnlichen Biografie. Sie hatten die Möglichkeit, mit einer enga­gierten Zeitzeugin ins Gespräch zu kom­men, ihr Fragen zu stellen und mach­ten davon reichlich Gebrauch. Im Anschluss erlebten die Jugendlichen bei ei­nem „Schülerkonzert" Esther Bejarano als Musikerin bei einem gemeinsamen Auftritt mit der Kölner Rap-Band „Microphone Mafia". Es wurden Ausschnit­te aus dem Abendprogramm im klag präsentiert.

 

„Bilder im Kopf, die ich nie vergessen werde

Eindringlich, in einer einfa­chen Sprache und mit ruhiger Stim­me schilderte Beja­rano in ihrer Le­sung das Ungeheu­erliche und Unfassbare. Sie erzählte von großem Leid und Verlust, schrecklichen Verbrechen, traumatischen Erlebnissen und „Bil­dern im Kopf, die ich nie vergessen wer­de". Sie spannte den Bogen von der An­kunft in der Hölle und ihrer Aufnahme im Mädchenorchester des Vernichtungs­lagers über ihre Zeit als Zwangsarbeiterin im KZ bis zu ihrer Flucht auf einem der Todesmärsche und der „Befreiung vom Hitlerfaschismus", ihrer „zweiten Geburt", wie sie sagte.

Die Schüler hat­ten sich viele gute Fragen überlegt und erfuhren von Bejarano viel mehr, als die­se zuvor preis- gegeben hatte. Zum Beispiel, dass sie seit Auschwitz nicht mehr daran glauben könne, dass es einen Gott gibt. Oder dass sie jahrelang das Erlebte verdrängt habe und nicht darüber habe sprechen können. Erst nach langem Schweigen sei sie zu einer Kämpferin gegen das Vergessen geworden, „damit so etwas nie wieder geschieht".

Ob sie zufrieden mit der politischen Aufarbei­tung der Vergangenheit in Deutschland sei, wollte ein Schüler wissen. „Eine Entnazifizierung gab es nicht", erwider­te Bejarano die nach 15 Jahren in Israel ins Land der Täter zurück- kehrte. Nach einem einschneidenden Erlebnis 1978 - sie hatte beobachtet, wie Polizisten die Gegendemonstranten eines NPD-Infostandes attackierten - begann ihr Kampf gegen Rechts: „Passt auf, dass sie euch nicht krallen. Die tun das ganz clever. Seid wachsam und bedenkt auch: Ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts von dieser Geschichte wisse wollt."

 

Badische Neueste Nachrichten , 11. Oktober 2014, BNN- Mitarbeiter Ralf-Joachim Kraft

 

Mit eindringlichen Worten schilderte Zeitzeugin Esther Bejarano den Schülern in der Jahnhalle ihre Erlebnisse zur Zeit des Dritte Reichs. „Ihr macht euch schuldig, wenn Ihr nichts von dieser Geschichte wissen wollt", mahnte sie ihre jungen Zuhörer.   Foto Hans Joachim Kraft.

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Erinnerung an Unfassbares  -  Esther Bejarano und die „Microphone Mafia" im klag

 

Eine Antwort findet sich vielleicht in den Liedern des jüdischen Widerstands gegen den Nazi-Terror, die Esther Bejarano in Jiddisch singt und Kutlu Yurtseven in Deutsch und Türkisch rappt. „Sag nie, du gehst den letzten Weg", heißt es darin, oder auch: „Wir leben ewig, wir sind da!" Den millionenfachen Mord konnte das nicht verhindern, aber der trotzige Überlebenswille in aussichtsloser Situation half einigen wenigen, dem Holocaust zu entrinnen.

Wie ihr das gelang, schildert Bejarano in der Lesung zu Beginn des Konzertabends. Um der Vernichtung zu entkommen, meldete sie sich als Akkordeonspielerin für das Mäd­chenorchester, obwohl sie das Instrument zuvor nie gespielt hatte. Dem Umstand, dass sie eine nichtjüdische Großmutter besaß, verdankte sie ihre Ver­legung in das KZ Ravensbrück. Als das Lager in den letzten Kriegswochen geräumt und die Insassen auf einen Todesmarsch geschickt wurden, glückte ihr die Flucht.

 

Hip-Hop als Antwort auf Nazi-CDs

 

Für das Musikprojekt „Per La Vita" haben sich Esther Be­jarano und ihre beiden Kinder Edna und Joram mit der Köl­ner Hip-Hop-Band „Microphone Mafia" zusammengetan. „Es war unsere Antwort auf die Nazi-CDs an den Schulen", erklärt Kutlu Yurtseven. Das Repertoire besteht aus Liedern der internationalen Arbeiter- und Widerstandsbewegung, modernen Protestsongs und Liedern aus jiddischer Tradition, die mit langen gerappten Passsagen unterlegt werden.

 

Die ungewohnte Mischung ganz gegensätzlicher Musikstile funktioniert fast schon erstaunlich gut. Es liegt wohl auch daran, dass die Beats beim Rap eher dezent dahekommen, dass Kutlu Yurtsevens Sprechgesang melodische und Esther Bejaranos Singen rhythmische Kraft besitzt. Dritter im Bunde ist an diesem Abend Joram Bejarano, der einen auffällig klangvollen Bass spielt, der Rap und Refrain geschickt verbindet.

 

Was an Instrumenten und Stimmen fehlt, wird als Playback ergänzt. Das klappt an diesem Abend nicht immer auf Anhieb. „Ich wurde von Esther eingeenkelt und werde heute wieder ausgeenkelt, weil der Laptop nicht funktioniert", witzelt Yurtseven. Doch das stört nicht wirklich, dafür sind die Musik und auch Yurtsevens Texte einfach zu gut.

 

„Der Widerstand braucht ein Lächeln im Gesicht", begründet der Kölnsche Rapper, warum er zwischen den Songs ab und an für einen Lacher sorgt. Im­mer wieder umarmt er Esther Bejarano. Neben dem Hünen wirkt sie noch zierlicher als oh­nehin, doch an Leidenschaft für die Sache steht keiner dem anderen nach. Entschlossen ballt sie die Faust.

 

Seit 2007 haben Esther Bejarano und die „Microphone Mafia" im Kampf für Toleranz und gegen Rassismus über 180 Konzerte gegeben und drei CDs herausgebracht. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. „Solange Esther und der Laptop Lust haben, machen wir weiter" meint Kutlu Yurtseven.

 

Von Wolfgang Froese    Badisches Tagblatt 13.10.2014                                                                   

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"Ihr müsst aufpassen, dass die euch nicht krallen!" 

Eine Geschichtsstunde, die im Gedächtnis haften bleibt:                                              Bewegende Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano

 

Gaggenau - Sie ist eine der wenigen KZ-Überlebenden, die heute noch vom damali­gen Grauen berichten kön­nen: Esther Bejarano, die we­gen ihrer jüdischen Abstam­mung nach Auschwitz depor­tiert worden war, im dortigen „Mädchenorchester" mit­spielte und heute, mit 89 Jah­ren, vor allem an Schulen Aufklärungsarbeit leistet. Sie macht dies mittels Lesungen und Gesprächen, aber auch durch ihre Auftritte mit der Rap-Band „Microphone Ma­fia". Am Freitagmittag war sie in der Gaggenauer Jahnhalle zu Gast.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Aktion Stolper­steine statt, die das Kulturamt Gaggenau und die IG Metall initiiert hatten und an der ins­gesamt vier Schulen aus Gag­genau, Kuppenheim und Otte­nau teilnahmen.

Als die zierli­che weißhaarige Dame mit der gut halbstündigen Lesung aus ihrem Buch „Erinnerungen" beginnt, herrscht im Saal eine geradezu atemlose Stille. Die über 200 Schüler im Alter um die 16 lauschen gebannt den lebendigen und anschaulichen Erzählungen dieser außerge­wöhnlichen Frau. Esther Bejarano berichtet von der Num­mer, die man in ihren Arm tä­towierte, oder von ihrem Ak­kordeon-Spiel im „Mädchenorchester", das auch auftreten musste, wenn Men­schen auf dem Weg zur Gaskammer im Lager eintrafen. Sie erzählt, dass sie eine Wo­che lang hungerte, um ihre Brotration gegen einen Pullo­ver einzutauschen. Oder von ihrer Flucht bei einem Todesmarsch kurz vor Ende des Krieges und der anschließen­den herzlichen Aufnahme durch amerikanische Soldaten: „Das war nicht nur Befreiung, sondern meine zweite Geburt."

Im Anschluss an die Lesung haben die Schüler Gelegenheit, nachzufragen. Und sie machen davon regen Gebrauch. Durchweg kluge, interessante Fragen werden von den 16- bis 17-Jährigen gestellt, etwa nach dem Verhalten der nicht-jüdi­schen Freunde vor der Depor­tation, oder nach dem Zusam­menhalt der Häftlinge in Auschwitz. Dieser Zusammen­halt, so ist von der heute in Hamburg Lebenden zu erfah­ren, war Bedingung für das Überleben im KZ.

 

Auf die vielleicht wichtigste Frage, die sich uns Nachgebo­renen stellen mag - „Was kön­nen wir tun?" -, antwortet die lebhafte alte Dame: Aufpas­sen, dass die euch nicht kral­len!" Mit „die" sind natürlich die alten und neuen Nazis ge­meint, gegen die Esther Bejara­no die jungen Leute unserer Tage immunisieren will. In schwerer Zeit fasste sie den Vorsatz: „Ich muss das überle­ben, ich muss mich rächen." Heute räumt sie ein, sich nicht „gerächt" zu haben. Stattdes­sen tritt sie als Zeitzeugin an den Schulen auf und sieht dar­in ihre große Lebensaufgabe: „Ich will 100 werden und er­zählen, erzählen..." Dass die Jugend ihr dabei zuhört, macht sie glücklich. Und als in der Jahnhalle einer der Schüler ihr formvollendet für ihr Engage­ment dankt, da strahlen ihre wachen Augen.

 

Selbstverständlich hat das Erlebte Spuren hinterlassen. Als eine Schülerin sich nach dem Einfluss der KZ-Erlebnis­se auf ihre Religiosität erkun­digt, antwortet Bejarano: „Seit­dem ich in Auschwitz war, kann ich nicht mehr daran glauben, dass es einen Gott gibt." Eine andere in die Tiefe gehende Frage ist die nach der deutschen Kollektiv- schuld. Auch hierzu kommt eine klare und wichtige Antwort: „Ihr seid nicht schuldig, aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Geschichte wissen wollt."

 

Davon, dass sie nichts wis­sen wollen, kann hier aller­dings keine Rede sein. In der Umbaupause vor dem ab­schließenden Auftritt mit der Rap-Band wird Esther Bejara­no in ihrem Sessel von einer Traube Jugendlicher umringt, die alle noch mehr erfahren möchten.

 

Es ist aber auch ein seltener Glücksfall, auf eine solche Zeitzeugin zu treffen, der es spielend gelingt, mit ihrer Al­tersweisheit und ihrem Charme die Generation der Urenkel in ihren Bann zu zie­hen. Eine Geschichtsstunde, die im Gedächtnis haften blei­ben wird!

 

Badisches Tagblatt, 13. Oktober 2014, Wolfgang Tzschaschel

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Rache mit Hilfe der Musik                                                                                                              Holocaust-Überlebende Esther Bejarano trat mit Rappern im klag auf

 

Das Leben geht weiter. „La vita continua". Esther Bejarano hatte die Kraft, nach und trotz ihrer Erfahrungen weiterzuleben. Sie hatte den Willen, den Nazi-Terror zu überleben. Und sie hat sich gerächt. Nicht mit Gewalt, sondern nach einer langen Zeit des Schweigens durch ihr politisches Engagements und mit Hilfe der Musik, die ihr einst das Le­ben gerettet hat - damals, als sie unter großen psychischen Belastungen im so­genannten Mädchen-orchester des Ver­nichtungslagers Auschwitz spielte.

 

Dass es Bejarano versteht, ihre Ge­schichte nicht nur verbal, sondern auch musikalisch zu erzählen, konnten zahl­reiche Besucher am Freitagabend in der klag-Bühne erleben. Nur wenige Stun­den nach ihrem bewegenden Auftritt in der Jahnhalle (die BNN berichteten) stand die bald 90-Jährige erneut auf den Brettern, um bei einem „Konzert gegen Rechts" unter dem Titel „La vita continua" zusammen mit der antifaschisti­schen und antirassistischen Kölner Rap-Band „Microphone Mafia" für Toleranz und ein friedliches Miteinander zu mu­sizieren und Lieder gegen das Vergessen, gegen Krieg, Faschismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und jede Art von Ausgrenzung anzustim- men. Zuerst wur­de allerdings nicht gesungen, sondern gelesen. Eine Dreiviertelstunde lang las Bejarano aus ihrem Buch „Erinnerun­gen: Vom Mädchenorchester in Ausch­witz zur Rap-Band gegen Rechts".

 

90-Jährige sang beim "Konzert gegen Rechts"

Gebannt lauschten die Zuhörer, wie die kleine alte Dame von der Schoah er­zählte, von ihren schrecklichen Erleb­nissen in den Konzentrationslagern, auch von ihrer Zeit als Akkordeonistin im Mädchenorchester des Vernichtungs­lagers Auschwitz - und von der Befrei­ung vom Hitler-Faschismus, ihrer „zweiten Geburt".

Direkt im Anschluss bekam Bejarano Gesellschaft von ihrem Sohn Joram am Bass und dem türkischstämmigen Rap­per Kutlu Yurtseven. Ab jetzt spielte, von einigen eingestreuten Gedichten ab­gesehen, das gemeinsame Musizieren die Hauptrolle.

 

Bejararlo sang mit brüchiger, aber enorm vitaler Stimme und mit einer Le­bendigkeit, die man so nicht erwartet hätte. Sie sprühte vor Energie. Auch wenn die meisten der im klag anwesen­den Besucher wohl kaum ein Rap- Konzert besuchen würden - diese ungewöhnliche Mischung unterschiedlicher Musikstile von Hip-Hop über jiddische Folklore bis hin zu Anti-Kriegs- und Partisanenliedern mit teils sehr eingän­gigen Melodien und packenden Texten kam gut an. Gesungen wurde quasi grenzüberschreitend unter anderem auf Deutsch, Türkisch, Französisch, Italie­nisch und Jiddisch.

 

Es war beeindruckend zu erleben, wie sich der Rapper und die Auschwitz-Überlebende ergänzten, wie sie über ihre jeweils eigenen Erfahrungen, die sie mit Ausgrenzung und Diskriminierung gemacht hatten, zusammenfanden im gemeinsamen Musizieren für Solidarität und ein friedliches Miteinander.

 

Da wurde keine Unterhaltungsmusik präsentiert, sondern Widerstand geleis­tet gegen alle Formen der Unterdrü­ckung.

 

In mehreren Liedern wurde das Grau­en der rassistischen Verfolgung mit be­klemmender Intensität vorgetragen. Ne­ben Verzweiflung und Trauer drückten die Songs aber auch Hoffnung und einen tiefen Glauben an die Menschlichkeit aus.

 

 

Mit viel Beifall und den beiden Zuga­ben „Wir leben trotzdem" und dem ita­lienischen Partisanenlied „Bella Ciao" endete ein Abend, der den Besuchern wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.   

 

BNN 13. Oktober 2014, Hans Joachim Kraft

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Geschichte intensiv mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano

Neulich ergab sich für 250 Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums, der Realschule, Werkrealschule und aus Kuppenheim eine wahrscheinlich ein­malige Gelegenheit: Sie durften einem Zeitzeugengespräch mit der Ausschwitz­überlebenden Esther Bejarano beiwoh­nen, die im Mädchenorchester des Kon­zentrations- und Ver- nichtungslagers Akkordeon und später Flöte gespielt hat­te. Die 89-jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, die junge Generation über den Holocaust aufzuklären. Darüber hinaus kämpft sie als Mitglied der Musik-Band „Micro- phone Mafia" auch auf politischer Ebene gegen Rassismus und Rechtsradi­kalismus in Deutschland.

 

Im Beisein einiger Lehrkräfte und des Goethe-Direktors Dr. Roland Purkl richte­ten die Schüler ihre volle Auf- merksamkeit auf Bejarano, die zu Beginn der Veran­staltung aus ihren Memoiren las. Darin schildert sie detailliert ihren Leidensweg von der Inhaftierung in Ausschwitz bis zur späteren Flucht und der endgültigen Befreiung durch die Amerikaner und die Rote Armee. Die Schüler zeigten sich tief beeindruckt und betroffen. Die Vorstel­lung, Frau Bejarano hat das alles wirklich erlebt, erschuf eine Intensitätsebene, die der Geschichtsunterricht nicht erreichen kann. Schlimmste Erlebnisse sowie die daraus folgende Äußerung, nach dem Gesehenen könne sie nicht mehr an ei­nen Gott glauben, ließen niemanden in der Gaggenauer Jahnhalle unberührt. Ihr ganzes Leben lang war für Bejarano Musik ein ständiger Begleiter. So sagt sie selbst, wäre sie damals nicht in das Or­chester gekommen, hätte sie Ausschwitz nicht überlebt: „Ich habe mir immer ge­sagt, Esther, du musst das Überleben! Du musst dich rächen. Vielleicht ist das hier meine Rache, dass ich euch jungen Menschen erzähle, welche grausamen Verbre­chen die Nazis damals begingen."

 

Nach der Lesung hatten die Schüler Ge­legenheit zu fragen. Der Geschichts-Neigungskurs der K2 von Goethe-Lehrerin Klering tat sich dabei besonders hervor. Bejarano ging auf alle Fragen sehr genau ein und antwortete stets offen, freundlich und ausführlich. Als sie nach Kriegsende 194515 Jahre lang in Israel gelebt hatte, kehrte sie nach Deutschland zurück. Kritisch erkann­te sie: „Von einer Entnazifizierung hier­zulande kann man nicht sprechen." Die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen sei al­lenfalls lückenhaft erfolgt. So spannte Be­jarano den Bogen bis zur Gegenwart und geißelte Missstände wie Rassismus oder tadelte die deutsche Flüchtlingspolitik. Auftrag der Schulen sei es, die junge Ge­neration geschichtlich aufzuklären. An die Schüler gewandt: „Euch ist keine Schuld an den Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zu­zuweisen. Schuldig ist nur der, der nichts von der Geschichte wissen will!"

Im abschließenden Konzert ihrer Band „Microphone Mafia" brachte sie voller Tatendrang und Lebenskraft histo- rische und politische Missstände musikalisch zu Gehör. Dabei kam in den Pausen auch der Humor nicht zu kurz. Vincent Schmöckel  Gaggenauer Woche Nr. 42_2014

 

Foto: Musik begleitet sie ein Leben lang: Esther Bejarano auf der Bühne der Jahnhalle mit ihrem Sohn Joram.                                   Foto: Peter Spranz

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„Das wunderbare Überleben"

 

Warschauer Erinnerungen 1939-1945 des Pianisten und Komponisten                                       Wladyslaw Szpilman (1911-2000)                                                                                                                                                                         Literarisch-musikalische Soiree zur Erinnerung an den Warschauer Aufstand

 

Sonntag, 8. November 2015, 18 Uhr, Bürgersaal Kuppenheim, altes Rathaus

 

Eintritt 12 €, ermäßigt 10 €, Kinder + Jugendliche 6 €

 

Veranstalter: AK Stolpersteine Kuppenheim, IKK, Stolpersteine Rastatt e.V.

 

Das Buch „Das wunderbare Überleben" ist die Grundlage des bekannten und preisgekrönten Films „Der Pianist" von Roman Polanski. Es ist die authentische Geschichte der jüdischen Familie Szpilman, die 1940 ins Warschauer Ghetto kam und von der allein der Sohn, der Pianist W. S. überlebte. Dank  polnischer Freunde gelang ihm die Flucht aus dem Ghetto. Seine Familie starb im KZ Treblinka.

 

Zuvor hatte W. Szpilman Anfang der 1930er Jahre eine glänzende Karriere als Solist, begonnen. Gleichzeitig konzertierte er als Kammermusikpartner. 1935 erhielt er eine Anstellung als Pianist beim Warschauer Rundfunk. Diese Tätigkeit hörte abrupt durch die deutsche Besetzung Warschaus im September 1939 auf.

 

Seine Erinnerungen schrieb er unmittelbar nach Kriegsende auf. Bereits 1946 erschien das Buch in Polen unter dem Titel „Der Tod einer Stadt". Es gab allerdings keine weiteren Auflagen, da das Buch den neuen kommunistischen Machthabern missfiel. Auf Initiative von Szpilmans Sohn wurde das Buch ein halbes Jahrhundert später neu verlegt, vor allem aber wurde es in viele Sprachen übersetzt, seit 1998 auch in deutsch.

 

Das literarisch-musikalische Programm mit Stücken von Chopin und Szpilman selbst erzählt auf ergreifende Weise das Leben des bekannten polnischen Pianisten und Komponisten, dem „Cole Porter, Gershwin, McCartney Polens". 

 

Aleksandra Mikulska (Konzertpianistin), Klavier

 

Bozena Zolynska (Schauspielerin und Sängerin), Lesung und Gesang      

Aleksandra Mikulska vereint die drei musikalischen Traditionen der Länder Polen, Deutschland und Italien zu einem persönlichen wie unverwechselbaren Stil. Sie ist Gast bei internationalen Festivals. Soloabende und Orchesterkonzerte in ganz Europa, mehrere CD-Veröffentlichungen. Bereits 2005 wurde sie mit dem Großen Sonderpreis als beste polnische Pianistin beim Internat. Frederic-Chopin-Wettbewerb in Warschau ausgezeichnet.

Ein Schwerpunkt des künstlerischen Wirkens der gebürtigen Warschauerin liegt in der Verbreitung der Musik der großen Komponisten ihrer Heimat. Sie ist u.a. Vizepräsidentin der "Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V."

Bozena Zolynska ist im Jahr 1968 in Polen geboren und lebt seit 1991 in Stuttgart. Sie studierte Violine, Gesang und Schauspiel und versucht in ihren Programmen diese Elemente in einer besonderen Art zu vereinen.

 

Ab 1992 war sie 12 Jahre lang als Schauspielerin und Musikerin bei den Theatern „Wortkino" und „Dein Theater" in Stuttgart fest engagiert.

 

Seit 2005 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in verschiedenen Kunstprojekten, u.a. Lesungen, Vernis- sagen, Tanzperformances und Konzerten. Außerdem ist sie als Polnisch-Russisch-Deutsch- Übersetzerin und Stuttgarter Stadtführerin tätig.    

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Einfühlsam vorgetragene Werke

Mit literarisch-musikalischer Soiree in Kuppenheim an Aufstand im Warschauer Ghetto erinnert

Kuppenheim - Zu einer literarisch-musikalischen Soiree hatten am Sonntag die Ar­beitskreise Stolpersteine Kup- penheim und Rastatt sowie der Initiativkreis Kulturpflege Kuppenheim eingeladen. Die polnische Pianistin Alek- sandra Mikulska und die eben­falls in Polen geborene Schauspielerin und Sängerin Bozena Zolynska boten im gut besuchten Bürgersaal des Alten Rathauses eine außer­gewöhnliche Erinnerung an den Aufstand im Warschauer Ghetto.

Unter dem Titel „Das wun­derbare Überleben" setzten die beiden Künstlerinnen ein star­kes Zeichen mit aktuellem Be­zug. 1939 war Wladyslaw Szpilman Pianist beim polni­schen Rundfunk. Als die Wehrmacht am 23. September Warschau eroberte, spielte er gerade die Nocturne in Cis- Moll von Frederic Chopin. Die in der Umgebung einschlagen­den Geschosse verursachten so viel Lärm, dass die Aufnahmen eingestellt werden mussten.

 

Mit diesem Musikstück er­öffnete die mehrfach ausge­zeichnete Konzertpianistin den Abend. Die Nocturne sollte noch eine große Rolle im wei­teren Leben des jüdischen Pianisten spie­len. Sie rettete ihm vermutlich auch das Leben.

 

Als er in sei­nem Versteck in einer Ruine des Ghettos, in der ein Kla­vier stand, von einem deut­schen Wehr­machtsoffizier aufgestöbert wurde, forder­te dieser ihn auf, etwas zu spielen. Es war ihm zuvor gelungen, kurz vor seiner Deportation nach Treblinka zu fliehen. Der deutsche Offi­zier mit Na­men Wilm Hosenfeld hat­te jedoch schon einige Zeit er­kannt, dass das von ihm ver­langte Handeln in Warschau in die falsche Richtung geht. Statt ihn zu verhaften, versorgte er ihn anschließend mit Lebensmittein und überließ ihm vor seiner eigenen Flucht vor den vorrückenden Sowjets sogar seinen Mantel.

 

Als der polnische Rundfunk nach Ende des Kriegs 1945 den Sendebetrieb wieder auf­nahm, meldete er sich mit dem gleichen Stück zurück. Am Flügel saß wieder Wladyslaw Szpilman. Allerdings konnte er diese Tätigkeit aus gesund- heit­lichen Gründen nicht mehr weiter ausüben.

 

Er komponierte jedoch wei­terhin und schrieb ab 1946 ein Buch mit dem Titel „Tod einer Stadt" über sein Leben im Ghetto. 1998 kam es erstmals in deutscher Übersetzung her­aus und erhielt den Titel „Das wunderbare Überleben“.

 

Szpilmann hatte inzwischen erfahren, dass Wim Hosfeld auf seiner Flucht in russische Hände geraten, zu 25 Jahren Arbeitslager wegen Kriegsver­brechen verurteilt worden und 1952 gestorben war. Aus die­sem Buch, das auch Grundlage für Roman Polanskis Film „Pi­anist" war, las Bozena Zolynska die entscheidenden Passa­gen.

 

Ergänzt wurde das Buch in­zwischen um die Tagebuchauf­zeichnungen des deutschen Offiziers aus jener Zeit. Es trägt den Titel „Ich versuche jeden zu retten" und war erst nach seinem Tod aufgetaucht. Mit ihrem ungekünstelten Vortrag gelang es Zolynska, die Szenen der Warschauer Ghettotage plastisch darzustellen.

 

Den musikalischen Rahmen bildeten neben den sehr ein­fühlsam vorgetragenen weite­ren Werken Chopins auch zwei Kompositionen von E. Szpilman. Darunter das Lied “Abends in Warschau", bei dem die Schauspielerin ihre sängerischen Fähigkeiten demonstrieren konnte.   

 

Die Zuhörer lauschten ergriffen und dankten mit lang-anhaltendem Applaus für einen ganz besonderen Abend, der mit einer Zugabe seinen Abschluss fand.     

 

Badisches Tagblatt, 10.10.2015, Hans-Peter Hegmann

 

 Sensibel: Die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska und die in Polen ge­borene Schauspielerin und Sängerin Bozena Zolynska.     

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Feinfühlig Musik und Geschichte verbunden
Ergreifende literarisch-musikalische Soiree

Frederic Chopins „Nocturne cis-Moll op. posthume" ist ein ergreifendes me- lancholisch-dramatisches Stück und spielt eine Schlüsselrolle im Leben des Pianisten Wladyslaw Szpilman. So war es ein Muss, dass dieses Stück, das letzte Stück, das der Pianist vor dem zweiten Weltkrieg live im Radio vortrug, die lite­rarisch-musikalische Soiree eröfnete, die der Aktionskreis Stolpersteine Kup­penheim zusammen mit dem Initiativ­kreis Kulturpflege Kuppen- heim und den Stolpersteinen Rastatt in Erinnerung an den polnischen Pianisten organisierte.

 

Erinnerung an Pianisten Wladyslaw Szpilman

 

Unter der Überschrift „Das wunderba­re Überleben" wurden Lesung und Kla­viermusik vereint und so konnten die Zuhörer literarisch und musikalisch eintauchen in das Warschau während des zweiten Weltkriegs. Bozena Zolynska las aus den Erinnerungen des War­schauer Juden Wladyslaw Szpilman, der das Ghetto überlebte und nach dem Krieg über 500 Werke komponierte. Sel­tene Einsichten lieferten zudem die Aus­schnitte aus dem Tagebuch „Ich versu­che jeden zu retten" des Wehrmachtsof­fiziers Wilm Hosenfeld, der Szpilman gegen Kriegsende half. Untermalt wur­de die Lesung von der Musik, die das Leben von Wladyslaw Szpilman be­stimmte und die die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska bravourös und feinfühlig am Flügel zu Gehör brachte.

 

Wladyslaw Szpilman beschreibt seine Erinnerungen an den Kriegsausbruch, die Kapitulation Warschaus im Septem­ber 1939. Seine Einblicke in das Leben im Ghetto sind ungewöhnlich und er­greifend persönlich. Szpilmans „Mazurka", die er 1942 im Warschauer Ghetto komponierte, fängt die erdrückende Stimmung ein, zeigt sich aber auch ein wenig hoffnungsvoll. Der Pianist reflek­tiert die Stimmung im Ghetto auch mit seinen Worten und lässt die Zuhörer durch Bozena Zolynska so teilhaben an seinem Leben, das ganz anders aussah, als man es sich gewöhnlich vorstellt. Seine Flucht stellt Aleksandra Mikulska mit Frederic Chopins „Fantaisie-Impromptu cis-Moll op. 66" dar, die mit ihren hurtigen Anfangsakkorden be­schreibt, wie Wladyslaw Szpilman vor dem Abtransport nach Treblinka davon­läuft. Frederic Chopins „Nocturne Es- Dur op. 55 Nr. 2" beleuchtet die Freude und Erleichterung Szpilmans, nach sechs Jahren Krieg als freier Mann durch die Straßen Warschaus gehen zu können.

 

Szpliman nahm nach dem Krieg seine Arbeit beim staatlichen Rund­funk in Warschau wieder auf, gründete ein Kammerorchester und komponierte viele Schlager, die in Polen noch immer populär sind wie „Cicha noc", „Abends in War­schau", das Zolynska vortrug. „Three Little Folk Songs Suites", die Aleksand­ra Mikulska zum Leben erweckte, ist eine Sammlung von Klavierstücken, die er für Kinder schrieb.

 

Es ist ein ergreifender Abend, der ei­nen ungewöhnlichen Zugang zu Wla­dyslaw Szpilmans Leben erlaubt. Wla­dyslaw Szpilman ist ein genauer Beob­achter, der in ausdrucksstarken Worten, die durch Zolynska lebendig wurden, diese Zeit beschreibt. Sehr passend dazu ist die Klaviermusik, die Pianistin Alek­sandra Mikulska aufwühlend vortrug. Frederic Chopins „Andante spianato & Grande Polonaise Brillante Es-Dur op. 22" beschloss den Abend, der auf wun­dersam feinfühlige Weise Musik und Ge­schichte verband und beim Publikum ausgesprochen gut ankam.      

 

BNN, 10.10.2015, Beatrix Ottmüller

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Mondänes Publikum wiegt lange in Sicherheit
Soirée in Kuppenheim für drei mutige Jüdinnen

 

Drei mutigen Frauen ist die literarisch-musikalische Soiree zum Welt­frauentag am Dienstag, 8. März, um 19 Uhr im Bürgersaal Kuppenheim gewid­met. Angelika Schindler erzählt auf Einladung des AK Stolpersteine Kup­penheim die Geschichte der Baden-Badener Juden aus der weiblichen Per­spektive: Aus der Perspektive derjeni­gen, die nicht nur als Juden, sondern auch als Frauen in der deutschen Gesell­schaft um Gleichberechtigung und An­erkennung ringen mussten, wie es in der Ankündigung heißt. Der Vortrag wird von Boris Fei­ner am Klavier um­rahmt. Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

 

Bereits im 19. Jahrhundert waren jüdische Gäste im Welt­bad Baden-Baden zahlreich vertreten. Einige verstarben während ihres Kuraufenthalts und wurden auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Mergelberg in Kuppenheim beerdigt. In der Dokumentation von Gerhard Linder und Gil Hüttenmeister über die Grabinschriften auf dem Kuppenheimer Friedhof sind unter anderem verstorbene Kurgäs­te aus London (Grab 521), Freudental (Grab 881) und Leipzig (Grab 975) auf­geführt. Damals gab es noch keinen jü­dischen Friedhof in Baden-Baden. Die­ser entstand erst 1921 an der Eckberg­straße in Lichtental.

 

Seit 1862 durften sich endlich auch jü­dische Bürger in Baden-Baden ansie­deln, die sich bald integriert und sicher fühlten - selbst nach der Machtübertra­gung der Nationalsozialisten, denn die Lokalpolitiker verfolgten in Baden-Ba­den zunächst einen toleranteren Kurs als im deutschen Reich: Man wollte das internationale Publikum nicht verschrecken, der kosmopolitische Badeort sollte - als „Visitenkarte" des Deutschen Reichs - der Weltöffentlichkeit das neue Deutschland .von seiner besten Seite zei­gen. Diese Politik verstärkte bei der jü­dischen Bevölkerung das Gefühl der Si­cherheit und nährte die Hoffnung, in dem internationalen Kurort eine Nische gefunden zu haben. Ein gefährlicher Traum, der spätes­tens mit dem No­vemberpogrom am 10. November 1938 sein Ende fand.

 

Angelika Schindler erzählt in ihrem Vor­trag die Geschichte der Baden-Badener Juden am Beispiel von drei starken und mutigen Frauen aus drei Generationen (Fotos: Stadtmuseum Baden-Baden) und nimmt den Zuhörer mit zu ihren Wir­kungsstätten: zur Bühne, ins Hotel und in ein gutbürgerli­ches Haus. Es sind Orte, die für das Leben der jüdischen Bevöl­kerung in dem internationalen Kurort repräsentativ waren.

 

Die Dichterin Anna Michaelis kam 1888 aus Danzig nach Ba­den-Baden und spielte bald im Anna Michaelis Kultur- leben eine zentrale Rol­le.

 

Auguste Köhler führte seit 1907 ein gut gehendes Hotel. Sie wähnte sich in dem Kurort so sicher, dass sie noch 1937 das Angebot einer Hotelübernahme in Pa­lästina ausschlug und lieber in ihre Hei­matstadt Baden-Baden zurückkehrte. Dafür zahlte sie mit ihrem Leben.

 

Und da ist noch Elsa Wolf, verheiratet mit ei­nem angesehenen Immobilienmakler. Ihre große Sorge war es, ihre Kinder noch rechtzeitig aus Nazideutschland herauszubekommen. Sie selbst wurde Oktober 1940 in das Inter- nierungslager Gurs in den Pyrenäen deportiert. Unter abenteuerlichen Umständen überlebte sie in Frankreich.        

 

BNN, 05.03.2016

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Auf allen Gebieten um Anerkennung gerungen

Soiree zum Weltfrauentag des AK Stolpersteine

 

Drei mutige Frauen aus drei Genera­tionen, drei unterschiedliche Leben und drei tragische Schicksale: Am Weltfrau­entag lud der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim zu einer musikalischen Soiree unter dem Titel „Der ver- brannte Traum" ein. Die Schicksale und Lebens­geschichten der in Baden-Baden leben­den jüdischen Dichterin Anna Michae­lis, der Hoteldirektorin Auguste Köhler und der Immobilienmaklersgattin Elsa Wolf standen auf dem Pro- gramm und wurden von Angelika Schindler, Mitbe­gründerin des Arbeitskreises „Stolper­steine Baden-Baden" und Autorin des Buches „Der ver­brannte Traum. Jüdi­sche Bürger und Gäs­te in Baden-Baden" vorgestellt.

 

Angelika Schindler beleuchtete in ihrem Vortrag die Ge­schichte der Baden- Badener Juden aus der weiblichen Per­spektive - aus der Perspektive derjeni­gen, die nicht nur als Juden, sondern auch als Frauen in der deutschen Gesell­schaft um Gleichbe­rechtigung und An­erkennung ringen mussten. Alle drei Frauen hatten sich in der internationalen Kurstadt, die Wert auf ihre Weltoffen­heit legte, als Jüdin­nen sicher gefühlt. Doch mit der Reichspogromnacht erlosch diese Illusion. Die Dichterin Anna Mi­chaelis kam 1888 aus Danzig nach Baden- Baden und spielte bald im kulturellen Leben eine zentrale Rolle. Ihre Werke waren begehrt und anerkannt. Sie beschäftigte sich mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft und der Kindererziehung. Sie führte eine Sprachen- und Handelsschule für junge Frauen. Die Dichterin, die den Auftrag bekam ein Stück zur Eröffnung der Merkurbahn zu schreiben, wurde im Alter von 82 Jahren nach Theresienstadt gebracht und starb kurz nach ihrer An­kunft.

 

Auguste Köhler führte seit 1907 ein gut gehendes Hotel. Sie wähnte sich in dem Kurort so sicher, dass sie noch 1937 das Angebot einer Hotelübernahme in Pa­lästina ausschlug und lieber in ihre Hei­matstadt Baden-Baden zurückkehrte, während ihre Tochter in Palästina blieb. Auguste Köhlers Angst vor den Arabern war größer als vor den Nationalsozialis­ten. Nach der Reich-Pogromnacht ver­suchte Auguste Köhler verzweifelt Ausreisevisa für Palästina zu bekommen. Es gelang nicht. Das Ehepaar wurde mit den verbliebenen Juden aus Baden 1940 nach Gurs deportiert und später vergast.

 

Elsa Wolf war die Gattin eines angese­henen Immobilienmaklers. Wie in den meisten jüdischen Familien hatte sie die Aufgabe, das religiöse Leben und die jü­dischen Traditionen in der Familie auf­recht zu erhalten. Die Frauen bewegten sich stärker in jüdischen Kreisen als ihre Manner und fan­den dort Rückhalt, als die Anfeindungen im täglichen Leben mit dem stärker wer­denden Nationalso­zialismus immer grö­ßer wurden. Ihre Kinder konnte sie mit den Kindertrans­porten nach England schicken. Sie selbst wurde mit ihrem Mann im Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs de­portiert. Beide konn­ten mit Hilfe eines ehemaligen Ge­schäftspartners das Lager verlassen. Elsa Wolf überlebte, hielt Briefkontakt mit ih­ren Söhnen und fand 1946 in England eine neue Heimat.

 

Es war eine infor­mative Darlegung der lokalen Gescheh­nisse, die Angelika Schindler den inte­ressierten Zuhörern schilderte. Vor allem das Aufkommen des Nationalsozialismus und die Gefahr, die sich damit für die Juden verband und die von allen drei Frauen verkannt wurde, erläuterte Angelika Schindler anschaulich. Interessant waren auch die historischen Dokumente, vor allem Elsa Wolfs Briefe, die den Vortrag untermauerten.

 

Der Abend wurde von Pianist Boris Feiner am Flügel mit romantisch melan­cholischen Stücken musikalisch um­rahmt. Organisiert wurde die litera­risch-musikalische Soiree zum Welt­frauentag vom Arbeitskreis Stolperstei­ne in Kooperation mit der Katholischen öffentlichen Bibliothek (KÖB) Kuppen­heim.     

 

Badische Neueste Nachrichten BNN, 10. März 2016, Beatrix Ottmüller

 

Foto: Über Else Wolfs Schicksal infor­mierte Angelika Schindler. Foto: beo

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Die besondere Geschichte
Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim veranstaltet Soirée
Lesung und passende Klavierstücke

 

Rechte der Frauen begangen wird. Dieses Datum nahm Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim zum Anlass, eine Soiree im alten Rathaus zu veranstalten.

 

Den literarischen Teil dazu übernahm Angelika Schindler; für die zwischen den Lesungen gespielten Klavierstücke sorgte der Pianist Boris Feiner.

 

Schindler ist Historikerin und Redakteurin beim Kultursender Arte. Sie stieß 1988 als Praktikantin im Stadtmuseum Baden-Baden auf Aufzeichnungen von Baden-Badener Juden. Seither beschäftigt sie dieses Thema. Sie schrieb das Buch „Der verbrannte Traum", in dem lebensnah die besondere Geschichte jüdischer Bürger und internationaler jüdischer Gäste des Weltbades geschildert wird. Besonders deshalb, weil viele davon ausgingen, dass sie trotz der überall beginnenden allgemeinen offenen antisemitischen Agitation in einem internationalen Kurort mit kosmo­politischen Einwohnern und Gästen ungestört leben könnten.

 

Diese Linie verfolgten zunächst auch die nationalsozialistischen Lokalpolitiker. Bis in Baden-Baden am 10. November 1938 ebenfalls die Synagoge brannte - und damit auch ihr Traum von der Sicherheit der jüdischen Einwohner. Nur zwei Jahre später traf es alle noch in Baden-Baden lebenden Juden, wie alle anderen in Baden, der Pfalz und dem Rheinland: Sie wurden in die Pyrenäen, in das Lager Gurs, deportiert.

 

Schindler hatte für den Vortrag einige Auszüge aus ihrem Buch über die Lebensgeschichte dreier außergewöhnlicher jüdischer Frauen mitgebracht. Anna Michaelis kam aus Danzig, war Dichterin und spielte im Baden-Badener Kulturleben eine zentrale Rolle. Auguste Köhler führte ein angesehenes Hotel in Baden-Baden und Elsa Wolf unterstütze ihren Ehemann, einen renommierten Immobilienmakler. Alle drei Frauen präsentierten sich da­mit als emanzipiert, die nicht der jüdischen Tradition der Mutter und Hausfrau folgten.

 

Zusätzlich las Schindler aus Briefen von und an die beiden Söhne. Sie waren 1939 mit einer Kinderverschickung nach England gelangt und überlebten.

 

Anna Michaelis, Jahrgang 1860, wurde nach Theresienstadt deportiert und dort am 31. August 1942 ermordet. Ihrem Ehemann Wilhelm gelang 1939 die Flucht nach England er überlebte den Holocaust' Auguste Köhler, Jahrgang 1876, wurde ebenso wie ihr Ehemann 1940 nach Gurs deportiert. 1942 wurden beide in Ausschwitz ermordet. Elsa Wolf, Jahrgang 1893, wurde. gemeinsam mit ihrem Ehemann 1940 nach Gurs deportiert und überlebte unter aben­teuerlichen Umständen in Frankreich. Ihr Mann wurde 1943 in Dachau ermordet.

 

Die zwischen den Lesungen von Boris Feiner am Flügel vorgetragene Musik bot Zeit und Gelegenheit, über das Gehörte zu reflektieren. Bemerkenswert dabei, wie es Feiner immer wieder gelang, mit ausgewählten Stücken die Stimmung zu interpretieren. Über Nocturne und Etüden von Bach, Chopin und Skrjabin transferierte er sowohl Freude, Hoffnung, Trauer und weitere Gefühle unmittelbar nach den gehörten Texten. Dabei perlten leichte Arpeggios aus seinen Händen oder sie hämmerten im Bassregister bedrohliche Akkorde.

 

Badisches Tagblatt, 10.03.201, Hans-Peter Hegmann

 

Foto. Von Hans-Peter Hegmann

Angelika Schindler ist für den literarischen Teil des Abends sorgt für die passenden Klavierstücke.

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