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Lesung mit Musik 13 03 2019 klein

Konzerte

Gypsy-Konzert gegen das Vergessen - Dotschy Reinhardt Ensemble

Kelezmerkonzerte

Konzerte gegen Rechts mit Esther Bejarano und Microphone Mafia

Klassik-Konzert mit Aleksandra Mikulska

 

Überblick

 

O  Vocal-Gypsy-Jazz ik klag

O  Rappen gegen kollektives Schweigen - Konzert in der Reithalle mit Esther Bejarano (BNN 29.04.2017)
O  „Wahres Leben ist, wo Freiheit und Wahrheit sind" (Badisches Tagblatt 29.04.2017)
O  Sankt-Sebastian-Haus Kuppenheim - Ein Festvoller Musik und Lebendfreude -
    Klezmer-Gruppe „Jontef“ begeistert gefeiert (BNN 05. Februar 2017)
O  Dem Publikum hat's die Sprache verschlagen -
    Ausnahmepianistin begeistert in Kuppenheim (BNN, 18. April 2016)
O  Oktober 2014 Esther Bejarano in Gaggenau (klag + Jahnhalle Schülerveranstaltung)
    Rache mit Hilfe der Musik Holocaust-Überlebene Ester Bejarano trat mit Rappern im klag auf                   

    (Badische Neueste Nachrichten, 13.10.2014, Ralf Joachim Kraft)
O  Klezmer-Konzert, März 2014 - Schicksal eines Volkes in Klänge übersetzt -
    Erlös wird für neue Stolpersteine verwendet (BNN, 18.03.2015)
O  Zwischen wilder Lebensfreude und Melancholie - Die Formation „Jontef“ begeisterte bereits zum zweiten 

    Mal die Besucher im Bürgersaal Kuppenheim (BNN 24.03.2015)
O   Klezmer-Konzert 2013

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Vocal-Gypsy-Jazz im klag - Kulturrausch Gaggenau

 

Donnerstag, 09. November 2017,  20 Uhr, Einlass 18 Uhr

 

Kulturamt der Stadt Gaggenau                                                                                        in Kooperation mit den den Arbeitskreisen Stolpersteine Gaggenau und Kuppenheim


Dotschy Reinhardt Ensemble


Sie ist der jüngste musikalische Spross aus der Familie des genialen Jazz-Gitarristen Django Reinhardt: die Sängerin und Schriftstellerin Dotschy Reinhardt. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den großen Namen Django Reinhardts mit eigenen musikalischen Ideen in die Zukunft zu tragen. Und präsentiert mit ihrem hochkarätigen Ensemble aus erfahrenen, erstklassigen Musikern einen ganz eigenen, kühnen und doch wunderbar intimen Entwurf. Davon, was es heißen kann, im 21. Jahrhundert Sinteza, eine Künstlerin des Sinti- Volkes zu sein. Ihre Kompositionen verbinden den lebhaften Cypsy-Swing im Stil des Hotclub de France mit lateinamerikanischen und modernen Klängen. Auch Bossä-Einflüsse und Elemente der populären Singer-Songwriter Bewegung fließen ein. Dotschy Reinhardt stammt aus Ravensburg und hat in ihrer Wahlheimat Berlin zu ihrer eigenen Sprache gefunden. Als Sängerin gilt sie inzwischen als Rising Star der deutschen Szene. Mit ihrer glasklaren, weichen, fast schmelzenden Stimme zieht Dotschy Reinhardt mal in Englisch, mal in Spanisch, mal in ihrer Muttersprache Romanes das Publikum in ihren Bann. Ganz frei nach Lust und Laune und ohne sich irgendeinem Schema unterzuordnen, macht sie, was sie will. Fasziniert von Frank Sinatra, Tony Bennett, Billy Holiday und Marilyn Monroe swingt, jazzt, bewegt sie sich übers Country Terrain bis zur Filmmusik. Dotschy Reinhardt kommt ihrem Ziel unaufhaltsam näher.

 

„Genuss pur dank einer wunderbaren Sängerin und einem hochklassigen Ensemble." (Schwäbische Zeitung)

 

Vorverkauf: 15 Euro      Abendkasse: 19,5o Euro       Ermäßigt: 16,50 Euro

 

www.klag-kleinkunst.de           www.reservix.de

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Rappen gegen kollektives Schweigen
Konzert in der Reithalle mit Esther Bejarano

 

„Ich singe und spreche vor Schülern, das ist meine späte Rache an den Nazis." Esther Bejarano ist mittlerweile 92 Jahre alt, hat Auschwitz überlebt und rappt zusammen mit „Mikrophone Mafia" gegen Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und für Frieden. Zusammen mit ihrem Sohn Joram und Kutlu Yurtseven, einem im Kölner Arbeiterviertel Flittard aufgewachsenen Türken, stand sie auf Einladung der Arbeitskreise Stolpersteine in der Reithalle auf der Bühne und sang mit einer Leidenschaft, die ansteckend war.

 

Jiddisch, türkisch, deutsch und italienisch - die Sprachen, in die die Drei ihre Themen packen, sind so multikulti wie ihre Geschichten. Und in ihre musikalische Sprache fließen Elemente aus den verschiedenen Ethnien mit ein. Da ist ein wenig Klezmer herauszuhören, die typisch türkische Zurna oder eine italienische Mandoline. Denn auch ein „kölscher Italiener", „Signore Rossi", gehört zur Formation, aus dessen musikalischem Schatz die Partisanenlieder stammen, auch wenn er an diesem Abend nicht dabei sein konnte. Die Hymne des jüdischen Widerstands im von Nazis besetzten Europa - „Sag nie, Du gehst deinen letzten Weg" stimmten sie an, mit einem Rap-Teil natürlich, wie auch das jiddische Traditional „Auf dem Weg steht ein Baum". Gerade diese Texte habe er sorgfältig mit Esther Bejarano besprochen, so Kutlu, um nicht das Andenken zu verletzten. Damit nicht nur das Herz angesprochen wurde oder die Beine, übersetzten Esther Bejarano und ihre Jungs die Texte.

 

Bei „Die Ballade von der Judenhure Marie Sanders" nach Bertolt Brecht und Hanns Eisler war das nicht nötig: Eindringlich gingen die Worte „Das Fleisch schlägt auf in den Vorstädten, die Trommeln schlagen mit Macht" unter die Haut, brachten ganz nah, was die Nürnberger Rassengesetze damals für jeden Einzelnen bedeuteten. Auch darum geht es Esther Bejarano: Den Individuen ein Gesicht geben, die von Rassismus betroffen sind, von Hetze, Hass und populistischer Verunglimpfung, wie sie derzeit in einem bestimmten politischen Lager wieder hoffähig wird. Wie sich die „einzige Mafia, die man braucht" und die Auschwitz-Überlebende, dagegen stellen, ist bunt, farbig und intelligent. „Widerstand und Erinnerung braucht auch ein Lächeln im Gesicht" ist einer der Sätze von Esther Bejarano, die im Mädchenorchester des Vernichtungslagers Auschwitz Akkordeon, später Blockflöte und Gitarre spielte, um zu überleben.

 

Mitreißend sind die italienischen Partisanenlieder wie „Avanti popolo" oder „Ciao Bella", bei deren einfachen Refrains das Publikum unbedingt mitmachen muss. Und es gelingt Kutlu, der im übrigen Deutsch unterrichtet, die Zuhörer mitzunehmen und zu begeistern für diesen multikulti Mix, der nichts anderes ist als ein Abbild der aktuellen Gesellschaft. Ein Abbild, zu dem aber auch die rechtsextrem motivierten Brandanschläge der 1990er Jahre gehören wie die NSU und viele andere, die am äußersten rechten politischen Rand ihre Parteigänger einsammeln.

 

„Wir dürfen nicht mehr Schweigen, wir müssen aufste¬hen und laut sein, singen und rappen gegen das kollektive Schweigen", so Kutlu Yurtseven, der an dem Abend auch moderierte.

 

BNN 29. April 2017 Kultur Regional, Martina Holbein

 

Foto: RAP mit Kutlu Yurtseven, Esther Bejarano und Joram Bejarano. Foto: Holbein

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„Wahres Leben ist, wo Freiheit und Wahrheit sind"
Esther Bejarano und die „Microphone Mafia": Lieder, Raps und Texte gegen Rechts / Appell an die Jugend

 

Rastatt - Das ging in seiner Authentizität unter die Haut: Die 92-jährige Esther Bejarano, die mit der tätowierten Häftlingsnummer 41947 die Hölle des Konzentrationslagers Auschwitz und die Selektion des Arzts Josef Mengele überlebte, dort Akkordeon im Mädchenorchester am Tor spielen musste, ließ in der Reithalle Rastatt Geschichte lebendig werden. Dabei spannte die sechsfache UrOma, assistiert von Rapper Kutlu Yurtseven und ihrem Bassgitarre spielendem Sohn Joram, den Bogen von der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zu rechtsradikalen Tendenzen der Gegenwart.

 

Der beeindruckende Auftritt war durch die Stadt Rastatt und den Stolpersteininitiativen in Kuppenheim und Rastatt unter Federführung von Heinz Wolf und Marcel Müller ermöglicht worden. Dazu gehörte neben der Abendveranstaltung in der Reithalle gestern auch ein Auftritt der Holocaust-Überlebenden vor 500 Schülern in der Aula des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums.

 

Zum Auftakt der zweistündigen Reithallenveranstaltung ging Marcel Müller auf die „Stolpersteine" ein. In Rastatt seien noch 100 weitere geplant. Diese würden als Zeichen gesetzt, „dass sich gemachte Fehler nicht wiederholen". Eine Denkhilfe dazu lieferte Esther Bejarano, die kleine Frau mit dem großen Kämpferwillen. Mit klarer Stimme las sie aus ihrem Buch, „Erinnerungen - Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts" vor. Sie schilderte den Transport in Viehwagen 1943 nach Auschwitz-Birkenau, lieferte Einblicke in die Willkür des KZ-Alltags, wie sie Marschmusik am Lagertor zur Beruhigung zu spielen hatte, als „Mischling" ins Frauenlager kam und schließlich beim Todesmarsch 1945 dem Terror der SS entfliehen konnte. Ihre „zweite Geburt" sei es gewesen, als der Tanz um ein brennendes Hitlerbild mit anderen „die Befreiung vom Hitlerfaschismus" symbolisierte.

 

Eine ungewöhnliche Mischung historischer Lieder, interpretiert von Esther Bejarano und Kutlu Yurtseven, folgte. Mit ergreifendem Engagement Bejaranos kamen die Lieder gegen den Militarismus, den Kampf um Integration und gegen rechtsradikale Ausschreitungen beim Publikum an. Kutlu fügte eindringliche Rap-Kommentare hinzu.

 

Dabei erlebte das Publikum mitreißende Klassiker wie „Avanti Popolo" der Bandiera Rossa oder die Ballade von der „Judenhure Marie Sanders" mit der Musik Hanns Eislers und den Worten Bert Brechts in neuem Gewand. Auch das Lied von „de Höhner", „Wann geht der Himmel für dich wieder op?" wurde zur Anklage gegen die Brandanschläge von rechtem Mob in Mölln und Solingen. „Ich hab' Angst wie noch nie", die Zeile in einem Kampflied richteten sich gegen „hasserfüllte Kreaturen". Zu stehenden Ovationen sang das Publikum „Vivat Liberias!" mit: „Wahres Leben ist, wo Freiheit und Wahrheit sind!" Und nach dem jiddischen Lied „Wir leben trotzdem. Wir leben ewig!", setzte man mit dem Partisanenlied „Bella ciao" den ergreifenden Schlusspunkt.

 

Dazu Esther Bejaranos Appell direkt an die Jugend: „Ihr seid nicht schuld, an dem, was damals geschah. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr über diese schrecklichen Verbrechen nichts wissen wollt. Und seid wachsam! Ihr müsst aufpassen, dass die euch nicht krallen."

 

Von Rainer Wollenschneider, Badisches Tagblatt, 29. April 2017

 

Foto: Zusammen mit Rapper Kutlu Yurtseven und Sohn Joram setzt die Holocaust (92) Zeichen gegen rechtsradikale Strömungen. Uberlebende Esther Bejarano (Foto: Wollenschneider)

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5. Februar 2017, Sankt-Sebastian-Haus Kuppenheim
Ein Festvoller Musik und Lebendfreude
Klezmer-Gruppe „Jontef“ begeistert gefeiert


Kitschig oder gar schwülstig sind Heinrich Heines Liebesgedichte nie, auch wenn die ersten Zeilen manchmal so klingen. Wenn er beispielsweise be­ginnt „Mir träumte wieder der alte Traum: Es war eine Nacht im Maie...". Zwar schwören sich auch bei ihm die Liebenden ewige Treue, die wird aber noch mit einem Biss in die Hand für die Erinnerung festgehalten. Das Stilmittel, mit dem Heinrich Heine arbeitet, nennt sich „ironische Brechung". Diese lässt bei seiner Liebespoesie oftmals schmun­zeln, bei seinen politischen Gedich­ten schützte sie - manchmal - vor der Zensur.

„Bin ich verliebt" heißt das neue Programm der Tübinger Klezmer-Gruppe Jontef und neben jid­dischen Traditionals haben die vier Mu­siker Liebesgedichte von Heinrich Heine im Stile dieser Musik vertont und daraus ein Programm zusammengestellt, das in Kuppenheim auf Einladung der Katholischen Öffentlichen Bücherei und des AK Stolpersteine begeistert gefeiert wurde. Sie gastierten bereits zum drit­ten Mal in der Knöpflestadt, diesmal aber nicht im Bürgersaal des Alten Rat­hauses, sondern im Gemeindesaal von St. Sebastian, um der großen Nachfrage gerecht zu werden.

Auch dieser Saal war bis auf den sprichwörtlich letzten Platz gefüllt, als Michael Chaim Langer (Gesang und Schauspiel), Joachim Günther (Klari­nette und Akkordeon), Wolfram Ströle (Geige und Gitarre) und Peter Falk (Kontrabass) mit „Sog es mir noch amol" die Bühne stürmten und mit ihren temperamentvoll und leidenschaftlich musizierten Liedern eine kulturelle Ni­sche zum Leben erweckten, die in Europa einmal dazu gehört hatte.

Jiddische Kultur zum Leben erweckt

Heute ist Klezmer, was aus dem heb­räischen übersetzt so viel wie „Gefäß des Gesangs" bedeutet, ein Teil im gro­ßen Universum der Weltmusik und erin­nert äußerst lebendig daran, dass es vor dem Holocaust eben diese eigenständige jiddische Kultur vor allem im Osten Europas gab, die Einflüsse aus all den Exilländern der 2000 Jahre Ver­treibung aufgesogen hatte. Es sind die orientalischen Einflüsse in der Harmo­nik, die mit ihrer Mischung aus fremd und vertraut faszinieren, die asymme­trischen Rhythmen der nur mündlich überlieferten Weisen, zumeist Tänze, die in die Füße drängen, vor allem wenn Jontef auf der Bühne steht.

Foto: ZWISCHEN WEINEN UND LACHEN: Die Klezmer-Gruppe Jontef wurde für ihr Programm aus jiddischen Traditionals und vertonten Liebesgedichten von Heinrich Heine im St. Sebastian-Haus begeistert gefeiert.

In bester Virtuosen Manier tänzelten Wolfram Ströles Finger über das Griff­brett seiner Geige, während sein Bogen weinte oder streichelte oder in übermü­tiges Lachen ausbrach. Peter Falk ent­lockte seinem Kontrabass Töne in einer Höhe und Geschwindigkeit, von denen man nicht wusste, dass sie in seinem Instrument wohnen, und Joachim Günther fesselte mit Akkordeon und Klarinette gleichermaßen. Letztere sang und wein­te, gluckste und schluchzte wurde zu einem Teil von ihm und suchte das Ge­spräch mit Michael Chaim Langer, der mit seiner Bühnenpräsenz, seinem ver­schmitzten Schalk, seiner ausdrucks­starken Mimik und den blitzenden Au­gen den zentralen Part innehatte.

 

Foto: GROSSARTIGER AUFTRITT: Rhythmisch, wehmütig, ausgelassen fröhlich wie Kinder und von einer tief schwarzen Traurigkeit - so präsentierte sich die Gruppe „Jontef" vor rund 140 Zuhörern.

Er rezitierte, genau mit dem Quäntchen Ironie, das für die beste Wirkung erforderlich ist, Heines Gedichte „O schwöre nicht“ oder „In den Küssen“, er sang von „Oj Marne“ oder „Unter a klejn bejmele" und erzählte Geschichten, die sich alle nicht so ganz ernst nehmen. Eingestreut in dieses mit leichter Hand komponierte Programm sind die Instru­mentals, die jedem der Musiker Raum geben, sich zu entfalten. Das war impro­visatorisch, virtuos, mal solistisch, mal im Duett und schöpfte aus der Fülle von überlieferten Melodien und Rhythmen, die sich durch die Individualität der Musiker immer wieder neu erfanden.
Und das unglaublich spannend und farbig. Jontef heißt übersetzt „Festtag" und wenn „Jontef" kommt, ist für Kup­penheim ein Festtag, so auch bei diesem Konzert.

Badische Neueste Nachrichten, 05. Februar 2017, Martina Holbein
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16. April 2016


Dem Publikum hat's die Sprache verschlagen Ausnahmepianistin begeistert in Kuppenheim

 

„Überwältigend", „atemberaubend". Das waren nach dem „Klavier-Feuer­werk" der Weltklasse-Pianistin Aleksandra Mikulska am Samstagabend im voll besetzten Bürgersaal des Alten Rathauses in Kuppenheim die meistge­hörten Worte. „Bravo"-Rufe gab's auch, aber nicht allzu viele. Das lag jedoch vermutlich eher daran, dass es dem schwindelig gespielten Publikum bei so viel Perfektion, Leidenschaft und Expressivität die Sprache verschlagen hat­te. Sowas bekommt man in der Knö­pflestadt ja nicht alle Tage geboten.

Mikulska, Präsidentin der Chopin-Gesellschaft Deutschland, war auf Ein­ladung des Arbeitskreises Stolpersteine zu Gast. 130 Zuhörer kamen zweiein­halb Stunden lang in den Genuss eines hochemotionalen Programms mit eini­gen der anspruchsvollsten Stücke der Klavierliteratur. Wer sich da dran traut, muss was können.


Mikulska gilt als eine der besten Chopin-Interpreten
Gebannt und mucksmäuschenstill lauschten die Besucher den prächtig interpretierten Werken von Beethoven, Szymanowski, Chopin und Liszt. No­tenblätter und jemanden, der umblät­tert, suchte man vergebens. Die preisge­krönte Pianistin spielte das Programm mit dem Titel „Aus der Pracht der Klas­sik bis zum Pariser Salon" auswendig. Der Erlös soll nach Auskunft von Heinz Wolf, Sprecher des AK Stolpersteine, zur Finanzierung weiterer Steine ver­wendet werden.

Kaum hatte Mikulska in die Werke eingeführt, legte sie auch schon los - mit einem „seelischen Sturm": Ludwig van Beethovens berühmte Sonate f-Moll op. 57 „Appassionata": Leidenschaftlich und hinreißend ließ sie in den Ecksätzen der Sonate einen Orkan toben, während sie im Mittelsatz die trügerische Ruhe im Auge des Sturmes hörbar machte. Die gebür­tige Warschauerin bestach durch Präzision, Sensibilität, Ausdruckskraft und eine ausgezeich­nete Spieltechnik. Sie behielt in dem aufwühlenden Werk stets die Kontrolle. Lebhaft aber nicht übertrieben in Mi­mik und Gestik, saß sie meist tief über die Tasten gebeugt, bewegte zuweilen die Lippen und sann, ganz in ihrer mu­sikalischen Welt versunken, den Tönen nach. Von Karol Szymanowski, der als einer der Nachfolger Chopins zunächst die Linie der großen polnischen Roman­tiker fortführte, spielte die Virtuosin zuerst ein kleines Präludium, dann die Variationen b-Moll op.3. Den ersten Konzertteil beendete sie mit ihrem Landsmann, dem Romantiker Frederic Chopin. Wobei sie ihrem Ruf als eine der weltbesten Chopin-Interpretinnen vollauf gerecht wurde. Der Maestro hätte an der Art wie sie seine kühne „Grande Polonaisese Brillante Es-Dur op. 22" mit dem vorangestellten „Andante spianato interpretierte, seine helle Freude gehabt. Kraftvoll, technisch brillant, transparent, feierlich und mit tänzerischem Schwung servierte sie die farbige, aristokratisch-elegante und verträumte Musik.

Den Höhepunkt hatte sich Mikulska für den zweiten Teil aufgespart. In diesem widmete sie sich dem „wilden Tastenvirtuosen" Franz Liszt, Chopins vermeintlichem Antipoden. Romantische Ekstase pur, mit perlenden Läufen, hagelnden Trillern, blitzenden Arpeggien und donnernden Akkorden. Ein Klanggewitter, haarscharf an der Gren­ze des Machbaren.

Als sei es das Selbst­verständlichste der Welt, löste sie selbst die schwierigsten Aufgaben mit leichter Hand und rasant über die Tasten flie­genden Fingern.Als sich nach diesem Abenteuer, dieser körperlichen und geistigen Schwerstarbeit, die Hochspannung im Applaus auflöste, beschenkte Mikulska die Zuhörer noch mit zwei Chopin- Zugaben.

BNN Badische Neueste Nachrichten,18. April 2016, Ralf-Joachim Kraft
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Oktober 2014 Esther Bejarano in Gaggenau                                                            (klag + Jahnhalle Schülerveranstaltung)

Rache mit Hilfe der Musik Holocaust-Überlebene Ester Bejarano trat mit Rappern im klag auf

 

Das Leben geht weiter. „La vita continua". Esther Bejarano hatte die Kraft, nach und trotz ihrer Erfahrungen weiterzuleben. Sie hatte den Willen, den Nazi-Terror zu überleben. Und sie hat sich gerächt. Nicht mit Gewalt, sondern nach einer langen Zeit des Schweigens durch ihr politisches Engagements und mit Hilfe der Musik, die ihr einst das Leben gerettet hat - damals, als sie unter großen psychischen Belastungen im sogenannten Mädchenorchester des Vernichtungslagers Auschwitz spielte.

 

Dass es Bejarano versteht, ihre Geschichte nicht nur verbal, sondern auch musikalisch zu erzählen, konnten zahlreiche Besucher am Freitagabend in der klag-Bühne erleben. Nur wenige Stunden nach ihrem bewegenden Auftritt in der Jahnhalle (die BNN berichteten) stand die bald 90-Jährige erneut auf den Brettern, um bei einem „Konzert gegen Rechts" unter dem Titel „La vita continua" zusammen mit der antifaschistischen und antirassistischen Kölner Rap-Band „Microphone Mafia" für Toleranz und ein friedliches Miteinander zu musizieren und Lieder gegen das Vergessen, gegen Krieg, Faschismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und jede Art von Ausgrenzung anzustimmen. Zuerst wurde allerdings nicht gesungen, sondern gelesen. Eine Dreiviertelstunde lang las Bejarano aus ihrem Buch „Erinnerungen: Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts".

 

Gebannt lauschten die Zuhörer, wie die kleine alte Dame von der Schoah erzählte, von ihren schrecklichen Erlebnissen in den Konzentrationslagern, auch von ihrer Zeit als Akkordeonistin im Mädchenorchester des Vernichtungslagers Auschwitz - und von der Befreiung vom Hitler-Faschismus, ihrer „zweiten Geburt".

 

90-Jährige sang beim „Konzert gegen Rechts"

 

Direkt im Anschluss bekam Bejarano Gesellschaft von ihrem Sohn Joram am Bass und dem türkischstämmigen Rapper Kutlu Yurtseven. Ab jetzt spielte, von einigen eingestreuten Gedichten abgesehen, das gemeinsame Musizieren die Hauptrolle.

 

Bejarano sang mit brüchiger, aber enorm vitaler Stimme und mit einer Lebendigkeit, die man so nicht erwartet hätte. Sie sprühte vor Energie. Auch wenn die meisten der im klag anwesenden Besucher wohl kaum ein Rap-Konzert besuchen- würden - diese ungewöhnliche Mischung unterschiedlicher Musikstile von Hip-Hop über jiddische Folklore bis hin zu Anti-Kriegs- und Partisanenliedern mit teils sehr eingängigen Melodien und packenden Texten kam gut an. Gesungen wurde quasi grenzüberschreitend unter anderem auf Deutsch, Türkisch, Französisch, Italienisch und Jiddisch.

 

Es war beeindruckend zu erleben, wie sich der Rapper und die Auschwitz-Überlebende ergänzten, wie sie über ihre jeweils eigenen Erfahrungen, die sie mit Ausgrenzung und Diskriminierung gemacht hatten, zusammenfanden im gemeinsamen Musizieren für Solidarität und ein friedliches Miteinander.

 

Da wurde keine Unterhaltungsmusik präsentiert, sondern Widerstand geleistet gegen alle Formen der Unterdrückung.

 

In mehreren Liedern wurde das Grauen der rassistischen Verfolgung mit beklemmender Intensität vorgetragen. Neben Verzweiflung und Trauer drückten die Songs aber auch Hoffnung und einen tiefen Glauben an die Menschlichkeit aus.

 

Mit viel Beifall und den beiden Zugaben „Wir leben trotzdem" und dem italienischen Partisanenlied „Bella Ciao" endete ein Abend, der den Besuchern wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Badische Neueste Nachrichten, 13.10.2014, Ralf Joachim Kraft

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Klezmer-Konzert, März 2014
 
Schicksal eines Volkes in Klänge übersetzt
 Erlös wird für neue Stolpersteine verwendet
 
Im vergangenen Jahr waren die Musi­ker des Tübinger Klezmer-Ensembles „Jontef" schon einmal in Kuppenheim zu Gast und sorgten für einen „brechend vollen Bürgersaal im Alten Rathaus". Am Sonntag, 22. März, gastieren sie um 19 Uhr erneut in der Knöpflestadt - am selben Ort, aber mit einem anderen Pro­gramm. Gemeinsamer Veranstalter des Konzertes sind der Arbeitskreis Stolper­steine Kuppenheim," der Initiativkreis Kulturpflege Kuppenheim (IKK) und die Katholische Öffentliche Bibliothek (KÖB), wie Anja Reuter (KÖB) und Heinz Wolf (AK Stolpersteine) mit­teilen. Der Erlös des Abends soll nach Angaben der   Veranstalter für neue Stolpersteine in Kuppenheim ver­wendet werden. 
 
Zu ihrem 25-jährigen Bestehen vor zwei Jahren nahm die Gruppe „Jontef" ihr Programm aus dem Jahr 2003 wieder auf: „Im Traum ist mir heller" erzählt mit Musik, Liedern und Geschichten von Stationen aus dem Leben des Samu­el Singer, „von einem Schicksal, das stellvertretend für viele andere steht", wie die Veranstalter mitteilen: Die Besu­cher dürften sich freuen auf berührende jiddische Lieder und schön arrangierte, virtuos gespielte Instrumentalstücke, die mitreißen und unter die Haut gehen, auf Ernstes und Heiteres, auf einen au­genzwinkernden jüdischen Humor, bei dem es nicht ums bloße Lachen geht.
 
Ohne großen technischen Aufwand übersetze das Quartett das Schicksal ei­nes Volkes in Musik und Theater, erwe­cke mit freudigen Klängen die über­schäumende Lebensfreude, mit trauri­gen Liedern aber auch die Melancholie im jüdischen Stetl („Städtlein") wieder zum Leben. „Jontef" heißt auf Jiddisch so viel wie Festtag. Die Gruppe steht in der Tradition der alten jüdischen Hoch­zeitskapellen, die sich nicht alleine um die Musik kümmerten, sondern auch ei­nen Spaßmacher hatten, dessen Aufgabe es war, das Publikum durch jiddische Witze, Geschichten, Anekdoten oder Im­provisationen zu erheitern.
 
Das Ensemble gründete sich 1988 am Landestheater Tübingen und gehört nach Aussage der Veranstalter zu den herausragenden Vertretern der Klezmer-Musik, „also der traditionellen Mu­sik der Juden Osteuropas". Die vier Mu­siker
 
-      Michael Chaim Langer (Ge­sang, Schauspiel),
 
-      Joachim Günther (Komposition, Kla­rinette, Akkorde­on),
 
-      Wolfram Ströle (Violine, Gitarre) und
 
-      Peter Falk (Kontrabass)
 
wurden 1992 mit dem Kleinkunstpreis Baden- Württemberg und 1994 mit dem Preis der Internationalen Bodensee-Künstler­begegnung ausgezeichnet, sind vielfach in Rundfunk und Fernsehen aufgetreten und haben unter anderem die Musik zum Ballett „Stetl" der Komischen Oper Berlin geschrieben.
 
Geschichte des Samuel Singer
 
In ihrem Programm „Im Traum ist mir heller" erzählen die Künstler die Ge­schichte des Samuel Singer aus dem kleinen Dörfchen Lentczyn in Polen. Als dieser heiratet, scheint das ganze Leben vor ihm und seiner jungen Frau zu lie­gen. Als es jedoch zu Pogromen kommt, müssen Samuel und seine Frau auswan­dern. Sie fahren nach Amerika. Jahre vergehen. Aus Samuel wird Sam, seine Kinder heiraten in Amerika und werden zu Amerikanern. Doch Samuel kann die alte Heimat nicht vergessen. 40 Jahre später kehrt er zum ersten Mal in sein Heimatdorf zurück, um seine Eltern zu besuchen.  
 
BNN, 18.03.2015, Ralf Joachim Kraft
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Zwischen wilder Lebensfreude und Melancholie

Die Formation „Jontef“ begeisterte bereits zum zweiten Mal die Besucher im Bürgersaal Kuppenheim
 

Wenn die Klezmorim kommen, ist Feiertag - auch heute noch. Die jüdischen Musiker machen das Unterhaltungsprogramm bei Hochzeiten und anderen Festen, spielen zum Tanz und erzählen Geschichten, glückliche und traurige. Auch in Kuppenheim war am Sonntagabend so ein Feiertag, als die 1988 am Tübinger Landestheater gegründete Formation „Jontef" zum zweiten Mal im Bürgersaal auftrat.

Die Lebensgeschichte des Samuel Singer aus einem kleinen osteuropäischen Dorf haben Michael Chaim Langer (Gesang, Percussion), Wolfram Ströhle (Violine, Gitarre), Joachim Günther (Klarinette, Akkordeon), und Peter Falk (Kontrabass, Gesang) in den Mittelpunkt ihres neuen Programms gestellt und lassen damit ein Stück europäischer Geschichte aufleben, die mit der Shoa ausgelöscht wurde. Die Klezmorim hatten meist einen „Badmacher" dabei, einen Spaßmacher, Sänger und Zeremonienmeister.

Bei Jontef übernimmt diesen Part Michael Chaim Langer

Der Schauspieler machte das auch in Kuppenheim einfach wunderbar mit seinen blitzenden Augen, seinem verschmitzten Schalk und der charmanten Chuzpe, mit der er die begeisterten Zuschauer mitnahm in die Welt des „Schtetls", die die vier für die Dauer des Konzerts wiederaufleben ließen.

Großstadtleben zeigt sich in jazzigen Tönen

Mit dem Hochzeitsfest von Samuel und Sarah begann die Geschichte: Er, der keinen Groschen in der Tasche hat - Michael Chaim Langer braucht spielt das mimisch so deutlich dass es keine (fast) Übersetzung für die jiddischen Texte braucht, und sie, die Feine, Schöne. Da wurde dem jungen Paar „Maseltow" gewünscht, lautmalerisch der Schrecken beschrieben, als die Einberufung zum zaristischen Militär und damit der Entschluss kam, nach „Amerike" auszuwandern, das „goldene Amerike". Hier wurden jüdische Traditionen dem Getriebe des Geldverdienens geopfert, während zu Hause die Welt still stand, genauso arm und bedürfnislos blieb, wie vor 40 Jahren, als Samuel sein Dorf verließ. Ein Hochzeitsfest hieß damals Tanzen und verschiedene Tanzrhythmen prägten den Charakter vieler Titel des Programms wie „Schpilt a Erejlechs".

Eingeknüpft waren virtuose Instrumentalsoli oder Duette, in denen Wolfram Ströhle auf seiner Violine oder Joachim Günther mit seiner Klarinette in virtuoser Weise Tradition und eigene musikalische Ideen verbanden. Die Assimilation in Amerika wurde nämlich nicht nur von Michael Chaim Langer erzählt, sie fand auch in der Musik statt, in der allmählich Wesenszüge des Jazz auftauchten, das hektische und vielfältige Getriebe der Städte und die Notwendigkeit des Geldverdienens lautmalerisch dargestellt wurde.

Peter Falk am Bass bildete die feste, solide Grundlage für Wolfram Ströhles virtuose Finger- und Bogenübungen und er war zur Stelle, wenn Joachim Günther mit der seelenvollen Klangfarbe seiner Klarinette zu verschmelzen schien. Mal pralle Lebensfreude, mal stille Melancholie, mal hintersinniger Humor und Heimweh - „Im Traum ist mir heller" ließ ein Stück europäischer Kultur auferstehen.

„Jontef" hatte in Kuppenheim bereits viele Fans und es kamen noch einige dazu, so dass die Veranstalter auch die Stühle aus dem Fraktionszimmer der CDU anschleppen mussten. Der Erlös des Konzerts wird für neue Stolpersteine verwendet, insgesamt 40 sollen noch verlegt werden, so Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine.

Badische Neueste Nachricghten, 24.03.2015, Martina Holbein

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