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Fuehrung 13 11 2022 gross

Stolpersteinreinigungen

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Stolpersteine gereinigt
Kuppenheimer Arbeitskreis erinnert an 35 während der Nazi-Diktatur getötete Juden

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Kuppenheim (BT) - Am 27. Januar gedachten die Menschen weltweit der Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Das Datum war auch für den Arbeitskreis Stolpersteine jetzt Anlass, einmal mehr aktiv zu werden.

Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstands, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter: Millionen Menschen wurden unter der nationalsozialistischen Gewalt-herrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet, erinnert der AK Stolpersteine. Darunter waren auch 25 Juden aus Kuppenheim, die im KZ umkamen. Weitere zehn starben an den Strapazen im Deportationslager Gurs beziehungsweise in den Nebenlagern.

Aus diesem Anlass reinigte der Arbeitskreis Stolpersteine vor dem Haus Friedrichstraße 91 die Stolpersteine der FamilieEemil Kaufmann. Während Emil während der NS-Zeit starb - entrechtet und gedemütigt -, konnten seine Ehefrau Julie und die Kinder Max und Friedrich in die USA fliehen und dem Nazi-Terror entkommen, schreibt der AK in einer Pressemitteilung. 

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Emils Schwestern Fanny, Rosa und Emilie wurden jedoch nach Gurs deportiert und von dort nach Auschwitz zur „Vergasung" im Viehwagen transportiert. Zwei weitere Stolpersteine sollen noch verlegt werden für die Schwestern Julie Kaufmann, verheiratete Hochstetten und für Bertha Kaufmann, verheiratete Klein. Auch ihnen war es möglich, rechtzeitig in die USA fliehen.

 

Fanny Kaufmann, verheiratete Kreuzer, kam am 19. Januar 1942 von Gurs ins Lager Noe, am 1. April 1944 ins Lager Vernet und mit Transport Nr. 75 am 30. Mai 1944 nach Auschwitz, wo sie am 1. Juli 1944 mit 62 Jahren ermordet wurde. Der Transport Nr. 75 umfasste 1.000 Juden, 530 Männer und 470 Frauen, darunter 104 Kinder. Bei der Ankunft in Auschwitz wurden 239 Männer und 134 Frauen zur Arbeit selektiert. Der übrigen Menschen des Transports wurden sofort vergast. Im Jahr 1944 gab es noch 99 Überlebende, darunter 64 Frauen.

 

Rosa Kaufmann, verheiratete Kramer, wurde mit ihrem Ehemann am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 28. August 1942 mit Transport Nr. 25 von Gurs über Drancy nach Auschwitz transportiert und als 57-Jährige umgebracht. Im Transport Nr. 25 befanden sich 1.000 Juden (darunter 280 Kinder unter 17 Jahren), dreiviertel waren Männer.

Emilie Kaufmann, verheiratete Brumlik, erlebte ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwestern. Vom Lager Gurs, dann nach Drancy bei Paris und von dort ging der Transport Nr. 74 am 20. Mai 1944 nach Auschwitz. Kurz darauf wurde Emilie ermordet, sie war 55 Jahre alt. Mit dem Transport Nr. 74 wurden 1.200 Personen deportiert, davon 565 Männer und 635 Frauen. Unter ihnen befanden sich 191 Kinder und Jugendliche. 240 Juden waren zuvor aus den Lagern Le Yernet und Noe überstellt worden. Beim Eintreffen in Auschwitz wurden 409 Männer und 247 Frauen zur Arbeit selektiert. Der Rest des Transports wurde vergast. Im Jahr 1945 waren noch 117 Frauen und 49 Männer am Leben.

 

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu linden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken", so die Proklamation der Bundesrepublik Deutsch-land vom 3. Januar 1996. „Niemals wieder 1933 bis 1945", schreibt der Arbeitskreis.

 

Foto: Mahmut Parvaneli ist Muslim und putzt zum wiederholten Mal Stolpersteine vor seinem Wohnhaus. Foto KE

 

Badisches Tagblatt  BT 01. Februar 2021- Bericht des AK Stolperstein

 

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Stolpersteinreinigung mit muslimischen Jugendlichen

           

Samstag, 2. März, 2019, 11 Uhr

 

61 Solpersteine wurden bisher in Kuppenheim verlegt. Diese sind vor verschiedenen Häusern im Boden versenkte Gedenktafeln, die an das Schicksal der Juden erinnern, die in der Zeit des Holocaust gedemütigt, entrechtet, verfolgt, ermordet oder vertrieben wurden. Sie lebten in Kuppenheim in der Friedrich-, Murgtal-, Schloss- oder Rheinstraße in friedlicher Nachbarschaft zu christlichen Mitbürgern über Jahrzehnt und in den Nebenstraßen über Jahrhunderte.

 

Am kommenden Samstag, 2. März, 11 Uhr, trifft sich der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim mit muslimischen Jugendlichen, um gemeinsam Stolpersteine zu reinigen. Sie wollen damit ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und den verfolgten Juden Respekt zollen.

 

Familie Kaufmann, Friedrichstraße 91

 

Die Stolpersteinreinigung beginnt in der Friedrichstraße 91, vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Kaufmann Kaufmann. Das Ehepaar hatte 12 Kinder, von denen vier im frühen Kindesalter verstarben. Emil erlebte noch drei Jahre die Schikanen und den Terror des NS-Regimes, bis er als 65-Jähriger in Kuppenheim verstarb. Seine Ehefrau Julie Julchen, geb. Lehmann, konnte nach dem Tod des Ehemannes zu ihren drei Söhnen Max und Friedrich in die USA emigrieren. Fanny und Emilie wurden im KZ Auschwitz vergast, Rosa kam ins Lager Gurs, von dort in ein KZ nach Polen, sie wurde 1945 für tot erklärt. Die Lebensstationen von Marie, Bertha, Julie und Moses Arthur sind noch nicht endgültig recherchiert.

 

Familie Hermann Kahn, Friedrichstraße 79

 

Die nächste Station ist die Friedrichstraße 79. Hier lebte der Viehhändler Hermann Kahn mit seiner Ehefrau Paula und den vier Kindern.

 

Dr. Manfred Geck, der gegenüber wohnte, hatte guten freundschaftlichen Kontakt zu den Söhnen der Familie Hermann Kahn (insbesondere zum jüngsten Familienmitglied Siegfried), spielte mit diesem, „spengelte“ mit ihm durch die Altstadtgassen. Und es gab auch mal richtigen Streit. „Aber am Abend waren wir wieder versöhnt“, erinnerte sich der 2016 verstorbene Zeitzeuge.

 

Verhaftung uns Demütigung – erzwungene Flucht

 

Nach der Zerstörung der Kuppenheimer Synagoge in der Reichspogromnacht am 10. November 1938 (in Kuppenheim einen Tag später) wurde er mit fünf anderen Kuppenheimer Juden (Max Dreyfuß, Semi Schlorch, Berthold Herz, Heinrich Dreyfuß, Heinrich Hermann Valfer) von den Nationalsozialisten in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau verschleppt. Am 6. Dezember 1938 kehrte er von dort nach Kuppenheim zurück.

 

Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete Hermann Klara Kaufmann und wanderte mit ihr am 23. Mai 1939 nach Buffalo (USA) aus. Nicht nur Hermann Kahn, sondern auch seine drei Söhne Leo, Joseph und Siegfried konnten Kuppenheim rechtzeitig verlassen, gaben ihre angestammte Heimat, ihr Wohnhaus, ihre Freunde und Bekannten auf, um sich vor den nationalsozialistischen Mördern in Sicherheit zu bringen. Der AK Stolpersteine Kuppenheim legte für die Familie im Jahr 2016 fünf Stolpersteine.

 

Weitere Stationen, wo Stolpersteine gereinigt werden, sind: Friedrichstraße 75, 86, 94 und 98.

 

Interessierte Bürger und vor allem Jugendliche sind herzlich eingeladen, an der Aktion teilzunehmen.

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