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Lesung mit Musik 13 03 2019 klein

600 Jahre jüdische Gemeinde


Fast 600 Jahre jüdische Geschichte in Kuppenheim ausgelöscht –
Erinnern an deportierte Bürger
nach Gurs

Kuppenheim. Am 22. Oktober 1940, die Juden feierten gerade das Laubhüttenfest, wurden am frühen Morgen 16 Kuppenheimer Juden von den Nazis in die Turnhalle getrieben, dann festgenommen, in Züge verfrachtet und über Belfort in das Internierungslager Gurs am Fuße der südfranzösischen Pyrenäen verschleppt.

Mit dieser verbrecherischen Aktion wurde das seit 1433 bestehende jüdische Leben in Kuppenheim ausgelöscht. Kuppenheimer Juden, die in friedlicher Nachbarschaft zu ihren christlichen Nachbarn lebten, wurden ihrer Heimat beraubt, nur weil sie Juden waren. Gurs wurde für die jüdischen Mitmenschen, für Alte, Kranke, Männer, Frauen, Kinder zum Vorhof der Hölle. Für viele Kuppenheimer Juden endeten die Züge nach Gurs zumeist im Vernichtungslager Auschwitz.

Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim erinnert an die diffamierten, entrechteten und ausgeschlossenen Mitmenschen. In Kuppenheim wurden sie, wie anderswo, zwar nicht bespuckt, verhöhnt und geschlagen, aber es gab auch wie überall im Reich, keine Proteste. Vor den jüdischen Häusern spielten sich traurige Szenen ab. Viele christliche Mitbürger verfolgten das Geschehen versteckt hinter ihren Fenstern, einige beobachteten das Sammeln der Juden vor der Turnhalle.

Hoffnungsvoll blickt der Arbeitskreis auf die Bereitschaft vieler junger Menschen, die Schuld ihrer Vorfahren wahrzunehmen und die Vergangenheit aufzuarbeiten. Sehr erfreulich ist in diesem Sinne die Zusammenarbeit mit den Kuppenheimer und Gaggenauer Sekundarschulen.

In diesem Sinne zitiert der Arbeitskreis einen Auszug aus einem ökumenischen Kirchenwort (2010):

„Christenmenschen haben während des langen jüdischen Leidensweges durch die Geschichte allzu oft ge­schwiegen oder die Pfade des Grauens zu ebnen gar mitgeholfen. Auch 1940 Jahren war das nicht anders. Tatenlos standen viele dem Geschehen gegenüber, wo entschlos­senes Tun gefragt gewesen wäre; teilnahmslos dort, wo die helfende Hand nötig gewesen wäre; sprachlos da, wo der Aufschrei aus den Kirchen hätte hörbar werden müssen. Dieser Schuld stellen wir uns heute ohne Wenn und Aber. Im Andenken an die Opfer stehen wir zum damali­gen Versagen.“

 

16 Kuppenheimer Juden wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs verschleppt:

Das Martyrium endete mit der Vergasung in Auschwitz für...

  • Marie Dreyfuß,
  • Isidor Meier und seine Ehefrau
  • Karoline Meier (geb. Kahn),
  • Semi Schlorch (Frontkämpferabzeichen I. WK) und seine Ehefrau
  • Rosa Schlorch (geb. Herz)und deren Sohn
  • Günter Schlorch

    In Gurs bzw. in den Nebenlagern verstarben...
  • Blondina Kahn und ihre Schwester
  • Colestina Kahn,
  • Samuel Herz und seine Ehefrau
  • Sara Herz (geb. Maier) sowie
  • Mina Meier 

    Das InternierungslagerGurs überlebten und konnten emigrieren bzw. in Frankreich weiter leben:

  • Ilse Schlorch und ihr Bruder
  • Ludwig Schlorch (Eltern: Semi und Rosa Schlorch),
  • Ludwig Kahn,
  • Max Dreyfuß (patriotischer Soldat im 1. Weltkrieg) und seine Ehefrau
  • Fanny Dreyfuß (geb. Monatt)

    Weitere 14 in Kuppenheim geborene Juden kamen von anderen Orten nach Gurs und wurden von dort über Drancy nach Auschwitz zur Vergasung bzw. Vernichtung deportiert:
  • Ida Dreyfuß (verheiratete Heumann, Ehemann Isa Heumann aus Hoffenheim ebenfalls in Auschwitz ermordet) und ihre Schwester
  • Regina Dreyfuß (verh. Katz, Ehemann Markus Max Katz aus Karlsruhe ebenfalls in Auschwitz ermordet),
  • Jeanette Kahn (verh. Hirsch, Ehemann Hermann Hirsch aus Ettlingen ebenfalls in Auschwitz ermordet),
  • Irma Kahn (verh. Platz, Ehemann Albert Platz aus Mannheim ebenfalls in Auschwitz ermordet),
  • Johanna Kahn (verh. Kuhn, Ehemann Samuel Wilhelm Kuhn aus Mannheim ebenfalls in Auschwitz ermordet),
  • Berta Kahn (verh. Grünhut, Ehemann Heinrich Grünhut aus Mannheim ebenfalls in Auschwitz ermordet),
  • Emilie Kaufmann (verh. Brumlik, Ehemann Moritz Brumlik aus Mannnheim ebenfalls in Auschwitz ermordet) und ihre Schwester
  • Fanny Kaufmann (verh. Kreuzer)


    In Gurs bzw. in den Nebenlagern verstarben:

  • Anna Herz (verh. Billig) und ihre Schwester

  •  Elise Herz (verh. Loeb),

  • Max Kahn (Bruder von Jeanette Kahn),

  • Adolf Kahn(patriotischer Soldat im 1. Weltkrieg),

  • Salomon Kuppenheimer (Teilnehmer des 1. WK) und

  • Leopold Friedmann.


Repro: AK Stolpersteine, Foto Turnhalle: AK Stolpertsteine, Foto Auschwitz-Birkenau: Sophie Uhing
, Fotos Gedenkfeier: Beatriix Ottmüllern + Hans-Peter Hegmann

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