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Friedhof 06 09 2020 klein

Berichte


Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim hat es sich in erster Linie zur Aufgabe gemacht, den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die im Zeitraum 1933 bis 1945 in Kuppenheim lebten oder in Kuppenheim geboren wurden und aus irgendwelchen Gründen wegzogen, einen STOLPERSTEIN vor ihrem ehemaligen Wohnhaus zu setzen, weil sie von dem nationalsozialistischen Unrechtsregime gedemütigt, entrechtet, verfolgt, zur Emigration gezwungen, in Deportations- oder Konzentrationslagern inhaftiert oder sogar ermordet wurden.

Darüber hinaus organisiert der Arbeitskreis Veranstaltungen im Sinne des Gedenkens an die jüdische Kultur und an die ehemals jüdische Gemeinde in Kuppenheim, die über mehrere Jahrhunderte Bestand hatte: Konzerte, Lesungen, Vorträge, Gedenkveranstaltungen, Berichte in der Lokalpresse und sonstiger Medien (swr2, France3), Besichtigungen (z.B. Konzentrationslager Struthof in den Vogesen) und Führungen zu den Wohnstätten der Juden im Zentrum von Kuppenheim und insbesondere Begehungen über den Jüdischen Verbandsfriedhof von Kuppenheim. Diese werden von Heinz Wolf (Sprecher und Initiator des Arbeitskreises) durchgeführt oder organisiert.

Wolf hat in den zurück liegenden Jahren bereits sechs Führungen veranstaltet: viermal für die Eichelbergschule Gaggenau - Bad Rotenfels (Schüler der Klassen 9, Elternschaft, Lehrerkollegium) und zweimal für den SPD-Ortsverein Kuppenheim (Totensonntag 1983 mit etwa 1 000 Besuchern, Besuchergruppe aus der Partnerschaftsgemeinde Raon L’Etape).

Seit 2013 ist Wolf für den Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim verantwortlich für eine Vielzahl weiterer Führungen auf dem Jüdischen Friedhof mit Genehmigung der Stadtverwaltung und der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRK) mit Sitz in Karlsruhe:

 

Okt. 2017    Besuchergruppe aus Gaggenau mit dem Schwerpunkt "Juden aus Hörden"

18.09.2017  Kolpingfamilie Baden-Baden-Haueneberstein und weitere Besucher aus Baden-Baden und Umgebung, ca. 40 Besucher

20.07.2017  Arbeitskreis Stadtgeschichte Gernsbach und weitere Besucher

12.09.2017  Polizeibeamte der Reviere Gaggenau und Kuppenheim und weitere Besucher

23.05.2017  Klasse 7 der Favorite WRS Muggensturm-Kuppenheim

08.05.2015  Besuchergruppe aus Baden-Baden und Kuppenheim

13.02.2017  Evangelische Paulus-Gemeinde aus Gernsbach-Staufenberg und Studentengruppe aus Bitola      (Mazedonien), die vor Ort einen jüdischen Friedhof wieder Instand setzt

26.10.2015 Besuchergruppe aus den USA, Angehörige des Emil Nachmann aus Rastatt in Begleitung von Oliver Fieg (Stadtarchiv Rastatt)

13.10.2015  Besuchergruppe vor allem aus dem Raum Baden- anlässlich des Besuchs von Dr. Kurt Salomon Maier aus Washington (Gurs-Überlebender aus Kippenheim bei Lahr)

04.09.2015  Tag der Jüdischen Kultur, Heinz Wolf, 75 Besucher, begleitende Klezmer-Musik vor dem Friedhofgelände mit Gerold Stefan (Musikschule Gaggenau) zur Einstimmung und zum Ausklang der Führung

01.09.2015  Bürger- und Heimatverein Durmersheim nach dem Rundgang in der Innenstadt

19.06.2015  Dr.Eyal Grunebaum aus Kanada inm Begleitung vom AK Stadtgeschichte Gernsbach

26.04.2015  Besuchergruppe aus Israel, Angehörige der Familie Michael Valfer aus Ettlingen

23.04.2015  erste große Führung mit Johann Deiters und Heinz Wolf,75 Besucher

Juli 2013     Klasse 8b, Werner-von-Siemens-Realschule Kuppenheim mit Unterstützung von Dr. Manfred Geck und Ernst Kopp (Landtagsabgeordneter)

neuere Presseberichte:

 

  • Juden aus Baden-Baden auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim - Führung am 18.09.2017 - (BNN 16.09.2017) 
  • AK Stadtgeschichte Stadtgeschichtezu - Besuch auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim (Kommunal-Echo 13.07.201) 
  • Verlegung weiterer Stolpersteine geplant - Kuppenheimer Arbeitskreis zieht Bilanz / Führungen auf jüdischem Friedhof fester Bestandteil im Programm (BT 15.12.2016) 
  • Ein verborgenes Kulturgut beim Stadtwald - Europäischer Tag der jüdischen Kultur: Führung auf dem jüdischen Friedhof zu Kuppenheim (BT 27.08.2016) 
  • Führung zu „Juden in Kuppenheim“ und auf dem Jüdischen Friedhof (Kommunal-Echo 10.09.2015) 
  • Führung über den Jüdischen Friedhof - 1 000 Gräber für mittelbadische Gemeinden (BNN 17.04.2015) 
  • Kuppenheimer AK Stolpersteine kooperiert mit Werner-von-Siemens-Realschule - Besuch auf jüdischem Friedhof (Wochenblick, 19.07.2013)

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ältere Presseberichte:

  • Beleg für die Heimat von Juden aus ganz Baden  - Rund 40 Interessenten beteiligten sich an der Führung mit Gil Hüttenmeister auf Kuppenheims jüdischem Friedhof (BNN 17.06.2005)
  • Am 9. November vor 60 Jahren fand Pogromnacht statt Nur jüdischer Friedhof überdauert Naziterror (BNN 7./8. November 1998) 
  • Symbole und Zeichen auf Grabsteinen jüdischer Friedhöfe Segnende Hände und geknickte Rosen (BNN 31.10.1987) 
  • Jüdische Friedhöfe – Gute Orte - Grabstätten in Kuppenheim (BNN 17. Mai 1986) 
  • Geschichtsunterricht am Ort der Ereignisse Eichelbergschüler spürten den Schicksalen Kuppenheimer Juden nach( BNN 24. April 1985) 
  • Stacheldraht und Judenfriedhof (BNN 04.05.1984) 
  • Gräber zeugen von historischer Bedeutung Nach 45 Jahren wieder eine Beerdigung auf Kuppenheims jüdischem Friedhof (BNN 10.11.0983) 
  • Auf Anregung der SPD geöffnet: Reger Besuch auf dem Judenfriedhof (Gemeindeblatt Kuppenheim, Nr. 48, 1980 
  • Kuppenheimer Judenfriedhof auf dem Mergelhof  - Die Ochsen machten in Kuppenheim halt Judenfriedhof am Totensonntag für Bevölkerung offen (BT 22.11.1980)

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Juden aus Baden-Baden auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim - Führung am 18.09.2017 

Der Kuppenheimer Arbeitskreis Stolpersteine lädt zu einer Führung auf dem Jüdischen Friedhof am Montag, 18. September 2017, um 18 Uhr. Neben der bereits angemeldeten Kolpingfamilie aus Baden-Baden-Haueneberstein sind weitere Gäste aus Baden-Baden und der Region eingeladen, an der Führung teilzunehmen.

 

Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung mitzubringen und zu tragen. Die Führung ist kostenlos und findet auch bei Regen statt. Spenden zur Abdeckung der Kosten zur Legung weiterer Stolpersteine in Kuppenheim werden gerne entgegen genommen.

 

Anmeldungen zur Führung per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder per Telefon 07225-75543.
Info: www.juedisches-kuppenheim.de 

Jüdischer Friedhof Kuppenheim seit 323 Jahren

 

In Kuppenheim befindet sich laut Mitteilung der erstmals 1694 urkundlich erwähnte jüdische Bezirksfriedhof für Mittelbaden. Von 1814 bis 1869 wurde vom katholischen Pfarramt das Begräbnisbuch der auswärtigen jüdischen Gemeinden geführt. Der Friedhof wurde während des Zweiten Weltkriegs von Nationalsozialisten verwüstet, die Aussegnungshalle in der Reichspogromnacht im Jahr 1938 zerstört. Erkennbar sind rund 1 000 Gräber für Erwachsene und 45 Gräber für Kinder.

Die Toten aus Baden-Baden wurden zunächst auf dem Verbandsfriedhof Kuppenheim beigesetzt. 1918 bis 1921 wurde ein jüdischer Friedhof im Stadtteil Lichtental angelegt, der sich innerhalb des dortigen allgemeinen Friedhofes an der Eckbergstraße befindet. Er wird bis zur Gegenwart belegt.

 

Juden aus der ganzen Welt auf dem Friedhof

Bereits im 19. Jahrhundert waren jüdische Gäste im Weltbad zahlreich vertreten. Einige verstarben während ihres Kuraufenthalts und wurden auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Mergelberg in Kuppenheim beerdigt, so aus den Orten und Städten Altheim, Altona, Bonn-Beuel, Berlin, Binau, Bordeaux, Bruchsal, Dettenhausen, Durlach, Gelnhausen, Gunstetten im Elsaß, Hagenau, Hamburg, Hechingen, Homburg vor der Höhe, Jöhlingen, Karlsruhe, Kippenheim, Kirchen bei Lörrach, Königsbach, Landau, Liebau im Kurland, London, Mannheim, Menzingen, Merzhausen, Münzesheim, Paris, Randegg, Reschelau bei Prag, Rheinsberg, Straßburg, Stuttgart, Wangen und Weitersweiler (Elsass).

 

Baden-Badener Juden bis 1918/21 in Kuppenheim beerdigt

 

33 Erwachsenengräber und 10 Kindergräber können Juden aus Baden-Baden oder Kurgästen zugeordnet werden. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1713 (Nr. 176, Jettle bat Kaufmann eschet Mosche). Der letzte Baden-Badener Grabstein auf dem Kuppenheimer Friedhof wurde für Sara Götzel bat Josef (Kindergrab 46) am 24.07.1917 gesetzt. Lea Götzel Malche (Malke Götzel, Grab-Nr. Kindergrab 48) ist zwar danach beerdigt worden, das Sterbedatum ist jedoch nicht mehr festgehalten, weder auf dem Grabstein, noch im Begräbnisbuch.

 

1918 bis 1921 wurde ein jüdischer Friedhof im Stadtteil Lichtental angelegt, der sich innerhalb des dortigen allgemeinen Friedhofes an der Eckbergstraße befindet (Größe 23,81 ar). Er wird bis zur Gegenwart belegt. Auf ihm befinden sich eine Friedhofshalle und seit 1976 ein Gedenkstein für die zerstörte Synagoge.

Nachdem das bisherige Friedhofsgrundstück fast voll belegt war, konnte 2010 ein weiteres Grundstück im Bereich des Friedhofes an der Eckbergstraße von der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden als künftige Begräbnisstätte übernommen werden.

 

Badische Neueste Nachrichten 16.09.2017

 

Fotos
- Eingangsbereich des Jüdischen Friedhofs Kuppenheim
- Der Jüdische Friedhof Kuppenheim, religiöses und kulturelles Denkmal von überragender Bedeutung
- Grabstein von Fanny Raphael, geb. Holländer (Frommet bat Mosche Elieser Hollander, eschet Zvi Hirsch Refael – Frommet, Tochter des Moscher, Gattin des Zvi Hirsch Refael, geb. am 25.11.1798 in Altona, verstorben am 21.08.1854 in Baden-Baden). Der mächtige Grabstein (aus Buntsandstein) ist mit zahlreichen Symbolen verziert: Kranz, gekreuzte Zweige, geflügeltes Stundenglas, geknickte Rose und gekreuzte Ähren, zerbrochene Fackel. Als Steinmetz ist Klammer aus Karlsruhe vermerkt.

 

Siehe auch BNN 18.07.2017: "Führung auf dem jüdischen Friedhof"

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Eine Gruppe des AK Stadtgeschichte Gernsbach besuchte den jüdischen Verbandsfriedhof in Kuppenheim, auf dem jüdische Gemeinden von Ettlingen im Norden bis ins Hanauer Land im Süden und von Gernsbach im Osten bis Rastatt im Westen Mittelbadens ihre Toten beerdigten. Das erste Grab auf dem Kuppenheimer Mergelberg stammte vom Dienstboten des Gernsbacher Juden Israel Jung, beerdigt am 15.09.1694, während die letzte Grabstätte am 23. 10. 1983 Heinz Lorsch (ebenfalls aus Gernsbach) gewidmet ist, 40 Jahre nach der vorletzten Grablegung von Stefen Benko am 10.04.1943.

 

69 Gernsbacher Juden auf dem Jüdischen Friedhof

 

Insgesamt wurden 69 Gernsbacher Juden auf dem Kuppenheimer Friedhof beerdigt. Die ältesten noch erhalten Grabsteine stehen für Jizchak ben Leser (1728), Gutel eschet Leser (17846), Schimen ben David (1770) und Jachet eschet Götsch (1789). 15 Grabsteine tragen den Namen Kaufmann, 13 den Namen Dreifuß/Dreyfuß und 5 Neter/Nöther. Darüber hinaus finden sich die Namen Gutel und Isaak und Karl Marx, Franziska Heidingsfeld, Rachel und Ida Wolf, Alfred Engelberger, Salomon Bär, Fanny Weil, Abraham Bickert und Abraham Stern.

 

Maria/Mina Kahn (1927) und Daniel Kahn (1888) haben auf ihren Grabsteinen das Symbol Priesterhände. Diese weisen darauf hin, dass der hier bestattete Nachkomme eines Priesters aus dem Stamm Aaron (hebräisch Cohen). Der Priester erteilte den Segen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Antlitz leuchten über dir und schenke dir Frieden!“ Die Hände werden mit gespreizter Fingerhaltung emporgehoben. Viele Grabsteine tragen florale Motive, typisch für jüdische Begräbniskultur. 

 

Grabinschriften

 

Die Grabinschriften sollen an die Toten erinnern und das Andenken für die Nachkommen festhalten, selbst wenn das irdische Leben des Verstorbenen nicht so ganz vollkommen war. Der Tod ist Anlass zum Verzeihen und Vergessen. Und vielleicht soll eine Inschrift, die nur gute Taten des Verstorbenen beschreibt, sog. Elogien, einen Platz im Paradies sichern. So heißt es bei Fanny Kaufmann (Grab 446): „Hier ist verborgen die teure Frau, eine tüchtige Frau, gottesfürchtig und barmherzig mit den Mittellosen…“, bei David Mendel (329): „Ein freigebiger Mann. Seine Taten waren in Zuverlässigkeit vollkommen. Und wurde begraben in gutem Namen…“ und bei Simon Kaufmann (457): Ein redlicher und rechtschaffener Mann. Er wandelte untadelig, übte Gerechtigkeit, fürchtete Gott all seine Tage. Es ist der teure, ehrenwerte Herr…“

 

Pflege des Jüdischen Friedhofes

 

Die Hälfte der Gernsbacher Gräber  aus den Jahren 1810 bis 1976 liegen im nördlichen Grabfeld zwischen Eingang und Schützenhaus. Etwa 20 Grabsteine sind wegen des weichen Untergrundes (Mergelboden) umgefallen und zum Teil zerbrochen, von Efeu und Wurzeln überwuchert. Diese und weitere etwa 130 Grabsteine wird die Stadt Kuppenheim im Auftrag der „Jüdischen Gemeinde in Baden“ wohl in den kommenden Jahren wieder aufrichten lassen, finanziert von einem Sonderetat des Landes Baden-Württemberg. Seit 1999 sind insgesamt 391 Steine mit Fördergeldern wieder aufgerichtet und restauriert worden (Stand 2016).

 

Grabsteine der Familien Neter und Nachmann

 

Großes Interesse weckten bei der Gernsbacher Besuchergruppe die beiden Grabsteine von Auguste Neter (geb. Sinauer) und Eli Neter (Gräber 853, 854), beide von mittelgroßen Bäumen bedrängt. Eli Neter nahm im städtischen Leben Gernsbachs eine geachtete Stellung ein. Am Marktplatz betrieb er (wie die Fa. Herz & Schlorch in Kuppenheim) eine Eisenwarenhandlung. Mehr als 40 Jahre war er bei der Freiwilligen Feuerwehr, engagierte sich im Kur- und Verkehrswesen und stand der jüdischen Gemeinde vor. Mit ihrem Mann hatte Auguste elf Kinder. Alle Kinder verließen Gernsbach. Sie waren zumeist beruflich sehr erfolgreich (Fabrikanten, Rechtsanwalt usw.). Eli blieb nach dem Tod seiner Frau noch zehn Jahre in Gernsbach.

 

Das Grab von Emil Nachmann (19.12.1877 – 28.04.1937, Grabstein 1067, Inschrift: „Hier liegt begraben Eliser, Sohn des Zvi Nachmann. Sein Name wird gepriesen im Munde all seiner Bekannten. Er starb in gutem Namen…“) ist im Begräbnisbuch mit der Nummer 1067 versehen. Emil besaß in der Igelbachstraße im Bereich der heutigen Sparkasse ein gut sortiertes, weithin bekanntes Kaufhaus mit Möbelabteilung. Zur Jahreswende 1938/1939 wurde den selbständigen Händlern und Handwerkern von den Nationalsozialisten Berufsverbot erteilt. Mit dem Kaufhaus Nachmann mussten auch die letzten verbliebenen Juden (Bekleidungsgeschäft Stern und Dreyfuß und Metzgereibedarf Lorsch) aufgeben. Somit endete das einst blühende jüdische Wirtschaftsleben in Gernsbach.

 

Professor Eyal Grunebaum aus Kanada besucht immer wieder das Grab seines Urgroßvaters mütterlicherseits (Emil Nachmann). Eyals Großvater, Dr. Alfred Grünebaum, war einst Allgemeinarzt und Geburtshelfer in Rastatt (Josefstraße 8). Die Großmutter stammte aus Gernsbach.  Alfred emigrierte 1935 zu seinem Bruder Sali nach Palästina, obwohl er ein Einreisevisum für Argentinien in der Tasche hatte. 1936 folgte ihm seine Frau Ruth (Gertrud-Sofie) Grünebaum (geb. Nachmann, Tochter des Emil Nachmann) mit den Söhnen Yochanan (Ernst Max) und Michael (Gerhard-Hans). Die Familie nannte sich fortan Grunebaum.

 

Fotos:

Der Arbeitskreis Stadtgeschichte Gernsbach auf dem jüdischen Friedhof.  Mit dem von Ingrid Schneid-Horn überreichten Spendenbetrag wird Heinz Wolf vom AK Stolpersteine Kuppenheim im kommenden Jahr für den Kuppenheimer Eisenwarenhändler Berthold Herz einen Stolperstein legen lassen.

Kommunal-Echo KE 10.08.2017 

siehe auch Badisches Tagblatt BT 28.07.2017: Auf den Spuren der Gernsbacher Juden - 69 Gernsbacher auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim 

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30 Favoriteschüler auf dem jüdischen Friedhof

 

Es ist das Ziel des AK Stolpersteine Kuppenheim, dass jeder Sekundarschüler aus der Region einmal in seinem schulischen Leben einen jüdischen Friedhof besucht. Der Jahrhunderte alte jüdische Zentralfriedhof in Kuppenheim bietet sich dazu in geeigneter Weise an.

 

So besuchte neulich die Klasse 7 der Favoriteschule Muggensturm-Kuppenheim mit ihren Lehrerinnen Corina Chavillee und Stefanie Baumer unter Leitung von Heinz Wolf (AK Stolpersteine) den jüdischen Friedhof. Wolf und die verantwortlichen Lehrerin¬nen waren sehr angetan von der Disziplin der 30 Schülerinnen und Schüler bei der eineinhalb stündigen Führung unter dem Motto „Geschichte vor Ort erfahren". Eifrig bearbeiteten diese einen Arbeitsbogen, erstellt vom Arbeitskreis, und zeigten sich sehr interessiert an den Inschriften, Symbolen und Namen auf den Grabsteinen sowie an den Herkunftsorten der hier begrabenen Juden. Bemerkenswert auch, dass sich insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund eifrig mit Fragen und Beiträgen beteiligten.

 

Der jüdische Zentralfriedhof, ein Aushängeschild für Kuppenheim

 

Grabsteine stehen und liegen auf dem idyllischen „Mergelberg", umgeben von einer gepflegten Natur. Der Verbandsfriedhof ist mit 10.400 qm neben den Friedhöfen in Mannheim und Waibstadt im Kraichgau der größte in Baden-Württemberg (144 Friedhöfe, davon 90 im Landesteil Baden). Juden aus 16 mittelbadischen Judengemeinden fanden hier ihre letzte Ruhestätte, von Ettlingen im Norden bis in den Raum Kehl im Süden. Aber auch Kurgäste, die zumeist während ihrer Kur in Baden-Baden starben, und Juden aus dem Elsass, der Pfalz und dem Karlsruher Raum wurden in Kuppenheim begraben. Diese kamen aus 35 Orten und Städten, aus Hamburg, Mannheim, Bonn, Stuttgart, Berlin, Prag, London, Paris usw.

 

Kommunal-Echo 13.07.2017

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Verlegung weiterer Stolpersteine geplant


Kuppenheimer Arbeitskreis zieht Bilanz /               

Führungen auf jüdischem Friedhof fester Bestandteil im Programm

 

Kuppenheim (red) - Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim blickt auf ein aktionsreiches Jahr zurück. Zu den festen Angeboten des Kreises zählen auch Führungen auf dem jüdischen Friedhof, der im Auftrag der Stadt gepflegt wird.

 

Am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar reinigte der Arbeitskreis die 46 in der Stadt verlegten Stolpersteine und gedachte der ermordeten Kuppenheimer Juden, wie Arbeitskreis-Sprecher Heinz Wolf in einer Pressemitteilung zurückblickt. Am Weltfrauentag referierte Angelika Schindler zum Thema „Juden in Baden-Baden: Der verbrannte Traum - Drei starke Frauen", und es kamen viele Zuhörer. Im März wurden dann bei der vierten Legung weitere 13 Stolpersteine in den Gehweg der Friedrichstraße eingelassen. Für den 29. April 2017 ist das Verlegen von weiteren Steinen geplant, zwischen zehn und 13 Stolpersteine sollen es laut Wolf sein.

 

Ein Klavierkonzert mit der polnischen Ausnahmepianistin Aleksandra Mikulska begeisterte die Zuhörer im Bürgersaal. Mit dem Erlös war es möglich, mehrere Stolpersteine zu finanzieren. Der Tod des langjährigen aktiven Unterstützers Manfred Geck löste im Verein große Betroffenheit aus. Der Vortrag im Oktober von Sophie Uhing aus Muggensturm zum Thema „Auschwitz ist auch eine Stadt" hinterließ bei den Zuhörern einen nachhaltigen Eindruck.

 

Schließlich gedachte der Arbeitskreis am 22. Oktober der 16 Juden aus Kuppenheim und der 14 in Kuppenheim geborenen Juden, die 1940 nach Gurs in den Pyrenäen verschleppt wurden. Damit wurde eine nahezu 600-jährige jüdische Geschichte im Ort ausgelöscht.

Zu den festen Angeboten des Arbeitskreises Stolpersteine gehören Führungen auf dem jüdischen Friedhof, der einer der größten und schönsten in Südwestdeutschland ist. Am 4. September, dem europaweiten Aktionstag der jüdischen Kultur, führte Arbeitskreis-Sprecher Heinz Wolf 75 Besucher über den Friedhof. Der Verein begrüßt in seiner Pressemitteilung, dass auch in diesem Jahr weitere Grabsteine von der Stadt im Auftrag des Regierungspräsidiums aufgerichtet wurden.

 

Im Jahr 1948 seien etwa 200 Grabsteine umgestürzt gewesen, hauptsächlich wegen des fehlenden Fundaments im weichen Lehm-Lößboden. Etliche seien aber auch von Nazischergen während der Reichspogromnacht am 10. November 1938 umgeworfen worden. Bei der Aktion wurden zudem Grabplatten herausgerissen und zertrümmert. 1 054 Grabsteine sind auf dem 104 Ar großen Areal noch vorhanden. 15 alte Grabsteine (seit 1999 sind es insgesamt 391), die von Efeu überwuchert am Boden lagen, konnten von einem Kuppenheimer Steinmetzbetrieb vor der Verwitterung und Zerstörung bewahrt werden.

 

Die Stadt trägt zehn Prozent der anfallenden Kosten. Dennoch sei noch viel zu tun. 150 und mehr Grabsteine, versteckt unter dichtem Efeu und zum Teil von Wurzeln überwuchert, liegen im nördlichen Teil des Friedhofs. Etliche sind in Einzelteile zerbrochen, manche von Wurzeln und Baumstämmen zerborsten. Für die Pflege des Friedhofs erhält die Stadt einen jährlichen Zuschuss von 9 422 Euro vom Land Baden-Württemberg, 23,5 Prozent der Kosten hat die Stadt zu tragen. Daneben gewährt das Land aus einem Sondertopf Zuschüsse für die Instandhaltung und das Aufrichten alter Grabsteine. „Die vielen Besucher, aber auch die amtliche Aufsicht, loben immer wieder den gepflegten Zustand des Friedhofs", so Wolf.

 

Badisches Tagblatt 15.12.2016

 

Foto: Diese 15 jüdischen Grabsteine aus den Jahren 1850 bis 1860 sind in diesem Jahr wieder aufgerichtet worden.

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Ein verborgenes Kulturgut beim Stadtwald

Europäischer Tag der jüdischen Kultur: Führung auf dem jüdischen Friedhof zu Kuppenheim

 

Kuppenheim (red) - Der Eu­ropäische Tag der jüdischen Kultur wird als Aktionstag seit 1999 jährlich im Septem­ber begangen. Veranstaltet wird er mittlerweile in 30 europäischen Ländern von jüdi­schen und nichtjüdischen Or­ganisationen. Ziel ist, das europäische Judentum, seine Geschichte, Traditionen und Bräuche in Vergangenheit und Gegenwart Geschichts­- und Kulturinteressierten nä­herzubringen. Vor Ort finden Führungen zu Stätten jüdi­scher Kultur, Konzerte, Aus­stellungen oder Vorträge statt. Am Sonntag, 4. September, auch in Kuppenheim.

 

Im Rahmen des Aktionstags lädt der Arbeitskreis Solpersteine Kuppenheim um 11 Uhr zu einer Führung auf dem jüdi­schen Friedhof in Kuppenheim ein. Treffpunkt ist am Eingang des Friedhofs in der Stadtwald­straße oberhalb des Schützen­hauses.

 

Die Führung erfolgt durch Heinz Wolf, dem Sprecher des Arbeitskreises. Für die musikalische Umrahmung sorgt Ge­rold Stefan, Lehrer an der Mu­sikschule Gaggenau, mit Klezmer-Musik auf dem Saxofon beziehungsweise auf der Klari­nette.

 

Männliche Teilnehmer an der Führung werden gebeten, eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung (Mütze, Hut, Kappe) mitzubringen und zu tragen. Die Führung ist kostenlos. Spenden zur Abdeckung der Kosten und für weitere Stolpersteine in Kuppenheim werden gerne entgegengenom­men, heißt es in einer Presse­mitteilung des Arbeitskreises Stolpersteine Kuppenheim. Darüber hinaus werden die Bücher zur jüdischen Gemein­de Kuppenheim und zum jüdi­schen Friedhof zum Kauf an­geboten. Zur Führung sollte man sich per E-Mail bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anmelden.

 

Der zentrale Judenfriedhof in Kuppenheim hat eine jahrhun­dertealte Geschichte. Dort befindet sich der erstmals 1694 urkundlich erwähnte jüdische Bezirksfriedhof für Mittelbaden. Von 1814 bis 1869 wurde vom katholischen Pfarramt Kuppenheim das jüdische Be­gräbnisbuch der auswärtigen jüdischen Gemeinden, „so die hie her ihre Todten begraben", geführt.

 

Im Begräbnisbuch sind für die Zeit von 1814 bis 1869 die Begräbnisse von Juden aus dem Rabbinatsbezirk Bühl ver­zeichnet - und von auswärti­gen Juden beispielsweise aus dem Elsass, aus Karlsruhe, Straßburg, Mannheim, Stutt­gart, Hamburg, London und Paris.

Der jüdische Bezirksfriedhof ist nahe am Stadtwald gelegen. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs von nationalso­zialistisch gesinnten Personen verwüstet, die Aussegnungs­halle 1938 in der Reichspog­romnacht zerstört.

 

Nach dem Krieg lagen etwa 200 Steine am Boden, die nach und nach wieder aufgerichtet worden sind. Die Zahl der er­kennbaren Grabstellen auf dem Friedhofsareal beträgt rund 1.000 Gräber für Er­wachsene und 45 Kindergrä­ber.

 

Badisches Tagblatt; 27.08.2016

 

Foto: Diese 15 jüdischen Grabsteine aus den Jahren 1850 bis 1860 sind in diesem Jahr wieder aufgerichtet worden.

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Führung zu „Juden in Kuppenheim“ und auf dem Jüdischen Friedhof

 

Dieser Tage führte AK-Sprecher Heinz Wolf 15 Mitglieder des Bürger- und Heimatvereins Durmersheim durch das „jüdische Kuppenheim“. Auf der Tagesordnung stand die Geschichte der Kuppenhemer Juden, die mittlerweile verlegten 35 Stolpersteine und der Synagogenplatz. „Beachtlich“, so Wolf, dass im Jahr 1830 7,4 % der Kuppenheimer Bevölkerung Juden waren, auf heute hochgerechnet wären dies etwa 600 Personen, die Hälfte der Oberndorfer Einwohner“. Auf großes Interesse bei den Zuhörern stieß die Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Gedenktafel zur Reichpogromnacht 1938 und die Errichtung der Namenstafel für die ermordeten Kuppenheimer Juden.


Stolpersteine in Kuppenheim immer noch umstritten

Jahrhunderte lang haben Juden und Christlich in friedlicher Nachbarschaft nebeneinander gelebt, bis die Nazischergen schließlich am 22. Oktober 1940 die letzten 16 Juden von Kuppenheim nach Gurs verschleppten und damit die 500-jährige Geschichte der „Juden in Kuppenheim“ auslöschten.


Umso unverständlicher ist für Wolf, dass etliche Kuppenheimer immer noch nicht die Stolpersteine respektierten. Der Künstler Gunter Demnig hat mittlerweile bereits mehr als 50.000 Steine in mehr als 1.100 Städten und Gemeinden und in vielen Ländern gelegt. Für Stephan J. Kramer, ehem. Generalsekretär des Zentralrats der Juden Deutschlands, „führen Stolpersteinverlegungen zu einer „vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und macht so die Geschichte für die Menschen nachvollziehbar. Zudem stoßen die Schicksale der ermordeten jüdischen Menschen auf ein reges Interesse und Anteilnahme“.

Beteiligung der Kuppenheimer Schulen

 

In diesem Sinne ist es erfreulich, dass es dem Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim gelungen ist, Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule und der Favorite-Werkrealschule in die Aktionen miteinzubeziehen. Der Arbeitskreis hofft, dass sich die Schulen bei der Gedenkfeier am 22. Oktober 2015 zu „75 Jahre Verschleppung nach Gurs“ und bei der „vierten Stolpersteinlegung“ am 18.03.2016 beteiligen werden.

 

Nachhaltige Führung auf dem Jüdischen Friedhof zu Kuppenheim

 

Ewa 20 weitere Besucher schlossen sich der Durmersheimer Gruppe an, um vom ehemaligen Stadtrat Wolf ausgiebig über die Geschichte des Friedhofs „auf dem Mergelberg“, die bis ins Jahr 1694 zurück geht, informiert zu werden. Interessant war dabei, dass die ältesten Grabsteine von 1694, 1697, 1699 (Umbettung eines Grabes aus dem Jahre 1687) noch erhalten sind. Weitere Erläuterungen folgten zu den Grabsteinen mit den Inschriften und Symbolen.

 

Interesse zeigten die Besucher auch an der Gruppe Kindergräber am Rande des Friedhofes (beim Zaun) und dem Gräberfeld im süd-östlichen Bereich mit Grabsteinen zwischen 1880 und 1942, wo bekannte Juden aus Kuppenheim und der näheren Umgebung begraben sind. Vom süd-westlichen Bereich (Gräber von 1870 bis 1750) ging es über den zentralen alten Friedhofsbereich (Gräber von 1694 bis 1770) in den verwilderten nördlichen Teil. Hier liegen noch viele Grabsteine am Boden, sind teilweise zerbrochen, von Bäumen und Gestrüpp überwuchert. Hier zeigt sich deutlich, dass der jüdische Friedhof als ein „Haus der Ewigkeit“ betrachtet werden kann, und dass eigentlich keine oder nur eine minimale Pflege notwendig ist.

 

Kommunal-Echo 10.09.2015

 

Foto: Interessierte aus Kuppenheim und der Region auf dem Jüdischen Friedhof zu Kuppenheim. 

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Führung über den Jüdischen Friedhof
1 000 Gräber für mittelbadische Gemeinden

 

Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim bietet am Donnerstag, 23. April, um 16 Uhr wieder eine Führung auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim (Stadtwaldstraße) an, der auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Erstmals 1694 urkundlich erwähnt, wurde der Jüdische Bezirksfriedhof für Mittelbaden außerhalb der Stadt auf dem unfruchtbaren Mergelberg nahe am Stadtwald angelegt.

 

Juden aus 15 mittelbadischen Judengemeinden (Baden-Baden, Badenscheuern, Bodersweier, Bühl, Ettlingen, Gernsbach, Hörden, Lichtenau, Malsch, Muggensturm, Neufreistett, Rastatt, Rheinbischofsheim, Schwarzach und Stollhofen) fanden hier ihre Grabstätte. Aber auch Kurgäste, die während ihres Aufenthalts im nahen Baden-Baden starben, sowie Juden aus dem Elsass, aus der Pfalz und dem Karlsruher Raum wurden auf dem Jüdischen Friedhof bei Kuppenheim begraben.

 

Der Jüdische Friedhof wurde während des Zweiten Weltkrieges durch nationalsozialistische Elemente verwüstet, die Aussegnungshalle 1938 in der Pogromnacht zerstört. Nach dem Krieg lagen etwa 200 Steine am Boden, die nach und nach wieder aufgerichtet worden sind. Die Zahl der erkennbaren Grabstellen beträgt 1.000 Gräber für Erwachsene und 45 Kindergräber. Der Jüdische Friedhof wird vom Bauhof der Stadt Kuppenheim im Auftrag des Oberrates der Israeliten Badens und des Regierungspräsidiums Karlsruhe in vorbildlicher Weise gepflegt.

 

Zerstörtes erhält neue Tafel 1956

 

Das Ehrenmal wurde von der Israelitischen Friedhofgemeinde Kuppenheim 1918/1919 zu Ehren der gefallenen Kuppenheimer Soldaten Julius Grünbaum (1883 bis 1916), Josef Kahn (1883 bis 1915), Karl Dreifus (1892 bis 1915) und Ludwig Herz (1881 bis 1915) errichtet. Im Laufe der Pogromnacht (10. November 1938) schändeten Nazi-Schergen auch das Ehrenmal und zerschmetterten die Namenstafel. Josef Kahn, der 1933 der Vernichtung durch die Nazis durch Auswanderung nach Frankreich, dann nach Chile und schließlich in die USA (Paduca im Bundesstaat Kentucky entkommen konnte, ließ 1956 eine neue Namenstafel aus Marmor errichten.

 

Die Führung erfolgt durch den ehemaligen Lehrer für Griechisch, Latein und Ethik Johann Deiters aus Baden-Baden, der seit Mitte der 90er Jahre Führungen anbietet und nach seiner Pensionierung 2006 Kurse an der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien besuchte. Im Sommer 2005 hat er die Schrift „Der Jüdische Friedhof zu Kuppenheim" verfasst. Männliche Teilnehmer an der Führung werden gebeten, eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung (Mütze, Hut oder Kappe) mitzubringen und zu tragen.

Anmeldung: Telefon (0 72 25) 7 55 43 oder per E- .Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

BNN 17.04.2015

 

Foto: Den jüdischen Friedhof Kuppenheim, der erstmals 1694 erwähnt wurde, besuchten im Juni 2013 auch Schüler der Werner-von-Siemens-Realschule.

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Kuppenheimer AK Stolpersteine kooperiert mit Werner-von-Siemens-Realschule -- Besuch auf jüdischem Friedhof


Kuppenheim (va) - Auf Einladung des Arbeitskreises Stolpersteine besichtigten zwölf Schüler der Klasse 8b der Werner-von-Siemens-Realschule mit ihrer Lehrerin Patrizia Junker, unterder Leitung von Arbeitskreis-Sprecher Heinz Wolf, den überregional bedeutenden jüdischen Friedhof in Kupenheim.

 

Heinz Wolf erläuterte der kleinen Besucherschar zunächst die Geschichte des Friedhofs. Das älteste Begräbnis fand im Jahr 1692 statt. Zwei Jahre später wird der jüdische Friedhof auf dem „Mergelberg" .erstmals urkundlich erwähnt. Er diente viele Jahrzehnte als zentrale Begräbnisstätte für jüdische Gemeinden aus Mittelbaden und ist einer der größten jüdischen Friedhöfe Baden-Württembergs. Etwa 1.000 Grabsteine sind noch zu erkennen, dazu 45 Kindergräber. Am 11. November 1938 wurde der Friedhof von SA-Schergen geschändet.

 

Die Schüler zeigten großes Interesse an den vielfältigen Symbolen, den blumigen Inschriften, den Namen der Toten und deren Herkunft. Eine wesentliche Hilfe beim Entziffern der Inschriften war das Buch von Dr. Gil Hüttenmeister zum Judenfriedhof, das Bürgermeister Karsten Mußler der Realschule Kuppenheim geschenkt hat.

 

Heinz Wolf vermittelte den Schülern auch Wissenswertes zur jüdischen Bestattungskultur, wie beispielsweise das Legen kleiner Steine auf den Grabstein beim Besuch, ein Relikt der altjüdischen Geschichte. Außerdem unterliegen Juden dem Verbot, mit den Toten Geschäfte zu machen. Für die männlichen Besucher gilt das Gebot der Kopfbedeckung, um die Toten zu ehren.

 

Interessiert verfolgten die Schüler auch den Zeitzeugenbericht von Dr. Manfed Geck aus Kuppenheim. Er erzählte vom Leben der Juden in Kuppenheim und dem friedlichen Miteinander, bis die Nazi-Hetze ab 1938 ihre Wirkung zeigte. Manfred Geck erläuterte den Schülern einzelne Grabsteine und das Schicksal entsprechender Personen.

 

SPD-Landtagsabgeordneter Ernst Koop war ebenfalls vor Ort und lobte die vorbildliche Pflege des jüdischen Friedhofs durch den Bauhof der Stadt Kuppenheim. Wie Ernst Koop berichtete, lässt das Land der Stadt für die Pflege des Friedhofes einen jährlichen Zuschuss von 9.422,40 Euro zukommen. Mit diesem Betrag seien etwa 70 Prozent der Gesamtaufwendungen abgedeckt. Zudem erhalte die Stadt nahezu jedes Jahr Zuschüsse für die Instandsetzung der Grabsteine. Von 2002 bis 2011 waren es laut Ernst Koop 51.071 Euro, so dass lediglich 7.020,91 Euro den städtischen Haushalt

 

Wochenblick, 19.07.2013

 

Foto: Fast drei Generationen Altersunterschied: Zeitzeuge Dr. Manfred Geck umringt von wissbegierigen Schülern (Foto: privat).

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ältere Presseberichte zu:

Führungen auf dem Jüdoischen Friedhof Kuppenheim" und  zum Thema "Jüdische Friedhöfe"

 

  • Beleg für die Heimat von Juden aus ganz Baden  - Rund 40 Interessenten beteiligten sich an der Führung mit Gil Hüttenmeister auf Kuppenheims jüdischem Friedhof (BNN 17.06.2005)
  • Am 9. November vor 60 Jahren fand Pogromnacht statt Nur jüdischer Friedhof überdauert Naziterror (BNN 7./8. November 1998) 
  • Symbole und Zeichen auf Grabsteinen jüdischer Friedhöfe Segnende Hände und geknickte Rosen (BNN 31.10.1987) 
  • Jüdische Friedhöfe – Gute Orte - Grabstätten in Kuppenheim (BNN 17. Mai 1986) 
  • Geschichtsunterricht am Ort der Ereignisse Eichelbergschüler spürten den Schicksalen Kuppenheimer Juden nach( BNN 24. April 1985) 
  • Stacheldraht und Judenfriedhof (BNN 04.05.1984) 
  • Gräber zeugen von historischer Bedeutung Nach 45 Jahren wieder eine Beerdigung auf Kuppenheims jüdischem Friedhof (BNN 10.11.0983) 
  • Auf Anregung der SPD geöffnet: Reger Besuch auf dem Judenfriedhof (Gemeindeblatt Kuppenheim, Nr. 48, 1980 
  • Kuppenheimer Judenfriedhof auf dem Mergelhof  - Die Ochsen machten in Kuppenheim halt Judenfriedhof am Totensonntag für Bevölkerung offen (BT 22.11.1980)

 

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Beleg für die Heimat von Juden aus ganz Baden
Rund 40 Interessenten beteiligten sich an der Führung mit Gil Hüttenmeister auf Kuppenheims jüdischem Friedhofof

 

Kuppenheim (rjk). Auf große Resonanz ist am Mittwochabend eine Führung auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim gestoßen. Rund 40 Frauen und Männer lauschten den informativen, teils recht amüsanten Ausführungen von Dr. Gil Hüttenmeister. Der Kenner der jüdischen Friedhöfe in Baden-Württemberg hatte sich auf Anfrage des Historischen Vereins zu der Führung bereit erklärt.

 

Der Judaist, der von 1990 bis 1993 beim Landesdenkmalamt tätig war, erläuterte seine Dokumentation der 1 054 Grabsteine, die sich auf dem 104 Ar großen Areal an der Stadtwaldstraße befinden. Vor vier Jahren hatte er mit seiner Arbeit begonnen, „die Dokumentation ist jetzt abgeschlossen, aber noch nicht veröffentlicht", berichtete Bürgermeister Karsten Mußler. Der Erste Landesbeamte, Dr. Jörg Peter, versicherte: „Der Landkreis wird alles tun, um diese Dokumentation zu unterstützen."

 

Der im ausgehenden 17. Jahrhundert angelegte Friedhof ist neben dem Synagogenplatz ein weiterer Beleg dafür, dass die jüdische Gemeinde in Kuppenheim über Jahrhunderte hinweg Heimat für Juden aus ganz Baden war. Um 1690 wurde der „Verbandsfriedhof", auf dem auch die Toten der umliegenden jüdischen Gemeinden beigesetzt wurden, erstmals schriftlich erwähnt. Das erste Begräbnis fand 1694 statt. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Friedhof mehrmals erweitert. Er besitzt unter-anderem eine eigene Abteilung mit Kindergräbern. Dass er sich außerhalb des Ortes befindet, hänge einerseits mit der niedrigeren Pacht zusammen, ein zweiter Grund sei der Antisemitismus - „eine ganz bewusste Schikane", erklärte Hüttenmeister, der sich seit nunmehr 25 Jahren mit jüdischen Friedhöfen und hebräischen Grabinschriften beschäftigt und schon eine Vielzahl an Dokumentationen erstellt hat. Bevor er den Gang von Grabstein zu Grabstein antrat, bat er die Teilnehmer, sich zuerst in aller Ruhe fünf bis zehn Minuten lang den Friedhof anzuschauen. „Dann können Sie mir sagen, was Ihnen aufgefallen ist."

 

Beim anschließenden Frage-und-Antwort- Spiel war zu erfahren, dass jüdische Gräber nach Osten gen Jerusalem ausgerichtet sind und nicht wiederbelegt werden dürfen, weil nach jüdischem Glauben ein Grab dem Toten bis zur Endzeit gehört.

 

Auf die Grabsteinformen angesprochen, machte Hüttenmeister deutlich, dass sich an der Begräbniskultur bis zu einem gewissen Grad die Assimilierung der jüdischen Bevölkerung an die christliche Umwelt ablesen lasse. „Es waren lange Zeit christliche Steinmetze am Werk. Viele Formen sind identisch mit den christlichen, manche ahmen mittelalterliche Steine nach." Entgegen dem jüdischen Brauch, die Grabsteine liegend zu platzieren, wurden sie aufgestellt. Einige wenige Gräber, vor allem solche neueren Datums, weisen Einfassungen auf. Ursprünglich hatten die Juden ihre Gräber mit Steinen abgedeckt, um die Leichen vor Tieren zu schützen.

 

„Hier zu Lande wurden die Toten im Sarg begraben, im Orient im Tuch." Die Tradition der Steine sei erhalten geblieben. Daher befinden sich auf manchen Grabsteinen vereinzelt kleine Kieseltürmchen - „zum Zeichen dafür, dass jemand da war. Lieber Steine auf dem Grab und Blumen im Leben als umgekehrt", scherzte Hüttenmeister. Besonderes Augenmerk legte er auf die Inschriften, Symbole und Ornamente. Beim Rundgang stößt man auf Grabsteine mit hebräischen, deutsch-hebräischen oder deutschen Inschriften. Typisch christliche Aussagen wie „Ruhe sanft" sind zu lesen, aber auch Gedichte (ab 1870) oder Bibelzitate, die sich auf den Namen des Verstorbenen beziehen.

 

Hüttenmeister: „Auf dem Grab eines Totengräbers fand ich die Inschrift: Wer anderen eine Grube gräbt, ...". Andere Gräber zeigen Rosen- und Muschelornamente - oder es sind Symbole der Vergänglichkeit (Sanduhr, nach unten gerichtete Fackeln) eingraviert; einige zeigen abgebrochene Äste - Symbol für das „abgebrochene Leben" der Jungverstorbenen. „Christliche Symbole, wurden unbewusst übernommen, aber man findet ebenso typisch jüdische Symbole wie die Menora oder den Davidstern", erklärte der Wissenschaftler, der auch auf die Besonderheiten der jüdischen Namensgebung zu sprechen kam.

 

Von Ortsnamen wie Durlacher oder Kuppenheimer über schöne Dinge bezeichnende Namen wie Goldstein oder Blumenthal bis hin zu so grotesk anmutenden Nachnamen wie Blutstein, Muttermund, Backofen, Stacheldraht oder Bügeleisen reichten die Grabinschriften.

 

BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN 17.06.2005, TEXT RALF-JOACHIM KRAFT 

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Am 9. November vor 60 Jahren fand Pogromnacht statt
Nur jüdischer Friedhof überdauert Naziterror


Bewegende Worte der Nachkommen im Besucherbuch /     

Denkmal einer einst blühenden Kultur

 

Rastatt/Kuppenheim. „Über dem Rauschen der Bäume hört man immer noch die Menschen flüstern" - spürbar bewegt hält der Teilnehmer einer israelischen Reisegruppe im Juni 1994 seine Eindrücke auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim in einem Besucherbuch fest. 1 054 Grabsteine liegen auf dem Friedhof oberhalb von Kuppenheim. 1983 fand mit einer Ausnahmegenehmigung die letzte Beerdigung eines Malscher Bürgers auf dem Mergelberg statt. Kieselsteine auf dem Grabstein zeigen, dass die Erinnerung an den Toten bis heute lebendig erhalten wird. Der Friedhof ist damit das letzte noch sichtbare Zeichen der einst blühenden jüdischen Gemeinde in Kuppenheim.

 

Bis heute statten nur noch vereinzelt Reisende dem Friedhof einen Besuch ab. In der Mehrzahl sind es Verwandte, die im Rathaus den Schlüssel abholen, um das umzäunte 10 400 Quadratmeter große Gelände betreten zu können. Dies geht aus einem Besucherbuch hervor, das der ehemalige Rechnungsamtsleiter Gerold Mack im Juni 1989 anlegte: „Auslöser war ein langes Gespräch mit Jose Kahn, der aus den USA anreiste und die Gräber seiner Vorfahren besuchte", erinnert sich Mack im BNN-Gespräch. In den vergangenen Jahren haben sich 36 Schul- und Besuchergruppen in das Buch eingetragen. Die Hinterbliebenen kommen aus Israel, USA, Argentinien, der ehemaligen Sowjetunion, Polen oder Frankreich. Auch ein Eintrag aus Gernsbach findet sich in dem Heft: „Auf diesem Friedhof ist die Ruhestätte meiner lieben Mutti. Ihr früher Tod mit 38 Jahren bewahrte sie vor dem Schicksal meines lieben Opas, in die Ferne und in das Nichts deportiert zu werden", schreibt die Tochter 1995.

 

Juni 1933, fünf Monate nach der Machtergreifung Hitlers, lebten 51 jüdische Bürger in der Stadt. Bis kurz vor der Reichspogromnacht am 9. November 1938, hatte sich ihre Zahl bereits auf 27 halbiert. Auf der Flucht vor der zunehmenden Entrechtung und Diskriminierimg war die Mehrheit nach Übersee ausgewandert. Nach der Reichspogromnacht, die sich von Montag auf Dienstag zum 60mal jährt, wurde die Suche nach einem Aufnahmeland immer dringender. Schließlich lebten nur noch 16 jüdische Bürger in der Stadt, die am 22. Oktober 1940 von der Turnhalle in das südfranzösische Lager Gurs deportiert wurden.

 

Nur der jüdische Friedhof überdauerte den Naziterror. Während die Synagoge in der Löwengasse am 10. November gegen 15.30 Uhr von SA-Männern aus Kuppenheim und Gaggenau angezündet wurde, sieben jüdische Männer nach Dachau verschleppt, jüdischer "Besitz zerstört und enteignet wurde, blieb das Begräbnisfeld bestehen. Während des Pogroms wurde nur die Beerdigungshalle auf dem Friedhof abgebrannt - die Kosten von 80 Reichsmark für die Aufräumarbeiten musste der israelitische Friedhofsverband Kuppenheim/Gernsbach zahlen. Im September 1941 ordnete das Innenministerium in Karlsruhe die Schließung des Friedhofs an. Weil sich die Kaufverhandlungen zwischen der Stadt Kuppenheim und dem Finanzministerium hinzogen, wurde das Gelände bis Kriegsende aber nicht mehr abgeräumt, eingeebnet und zerstört.

 

Der Friedhof mit den älteren, mit hebräischen Schriftzeichen versehenen Sandsteinplatten und den jüngeren, noch gut erhaltenen Grabsteinen im neueren Teil, blieb deshalb vor größeren Verwüstungen verschont. Seine Existenz reicht bis ins Jahr 1694 zurück, als Quellen über die Beerdigung eines Gernsbacher Juden in Kuppenheim berichten. In den folgenden Jahrhunderten wurden dort jüdische Bürger aus der ganzen Markgrafschaft beerdigt. Bis etwa 1850 fungierte die Einrichtung als Verbandsfriedhof für die umliegenden Gemeinden wie Baden-Baden, Bühl, Ettlingen, Gernsbach, Hörden, Malsch, Muggensturm und Rastatt. Nach Kriegsende 1945 ging der Friedhof in den Besitz der Israelitischen Religionsgemeinschaft Badens über. Die Pflege übernimmt die Stadt Kuppenheim, wofür sie vom Land Baden-Württemberg für 1998 beispielsweise 18 000 Mark erhielt.

 

Überregional geriet der jüdische Friedhof zuletzt im April 1983 in die Schlagzeilen, als aus „Unachtsamkeit" bei Baumschnittarbeiten des Bauhofs ein Grabstein zerbrochen wurde. Ein weiterer Grabstein wurde zerstört, indem ein aufgeschichteter Holzhaufen entzündet wurde. Damals wurde auch der erst kurz zuvor angebrachte Stacheldraht wieder entfernt, der eine Lageratmosphäre verbreitete.

 

Badische Neueste Nachrichten 7./8. November 1998, Text. Heike Schaub

 

Foto: Der jüdische Friedhof in Kuppenheim ist ein Jahren nicht zerstört worden.

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Symbole und Zeichen auf Grabsteinen jüdischer Friedhöfe
Segnende Hände und geknickte Rosen

 

„Hier ruht ein Mann, der Treuen einer. Er wandelte recht. Seine Werke waren gut. Mit den Friedliebenden und Frommen hielt er fest an der» Weisung und am Gebet. Sein Name war bekannt. Ihn priesen viele. Seine Seele möge eingeschlossen sein in den Bund des Lebens." Dieser Text steht in hebräischer Sprache auf einem Grabstein in einem jüdischen Friedhof irgendwo in der Bundesrepublik. Während viele Gotteshäuser der jüdischen Mitbürger, die Synagogen, im November 1938 blindwütigem Hass zum Opfer gefallen sind, blieben die oft uralten Begräbnisstätten zum überwiegenden Teil unangetastet. Meist sind sie heute verwaist, doch als Zeugen eines Teils der deutschen Geschichte stehen sie unter Denkmalschutz und werden von den Gemeinden, mit finanzieller Hilfe durch die Länder und den Bund, erhalten.

 

Das äußere Erscheinungsbild eines jüdischen Friedhofs wird durch bestimmte religiöse Vorschriften geprägt. Oberstes Gebot ist die absolute Unantastbarkeit der Totenruhe, die nicht durch häufige Veränderungen am Grab gestört werden darf. Deshalb sind Grabeinfassung und Blumenschmuck selten. Besucht ein Angehöriger ein Grab, legt er ein kleines Steinchen auf das Grabmal. Das Stückchen Erde, in dem der Tote ruht, ist für ewige Zeit sein Eigentum. Die Wiederbelegung eines Grabes nach einer gewissen „Ruhefrist", wie in christlichen Friedhöfen üblich, ist für einen jüdischen Gottesacker undenkbar.

 

Der Friedhof muss außerdem von einer Mauer oder einer festen Hecke umschlossen sein. Sein Tor soll am Sabbat und an jüdischen Feiertagen geschlossen bleiben, denn diese Tage sind der Freude und nicht der Trauer geweiht.

 

Da kein Jude materiellen Nutzen aus dem Friedhof ziehen darf, werden die Grabmale von nichtjüdischen Steinmetzen hergestellt. Viele Begräbnisstätten sind „Verbandsfriedhöfe", in denen die Toten aus mehreren Gemeinden der Umgebung bestattet wurden.

 

Auf den Grabsteinen jüdischer Friedhöfe wird seit alter Zeit Leben und Charakter des Verstorbenen in teilweise längeren Inschriften lobend gewürdigt. Im 15. Jahrhundert kam der Brauch auf, zusätzlich bestimmte Symbole anzubringen. So findet man häufig eine Krone, die den „guten Namen" des Verstorbenen symbolisiert. Wird diese Krone von zwei Löwen gehalten, deutet dies auf Glaubensstärke hin. Weinreben erinnern an das „gesegnete Erdenwirken", ein Schmetterling weist auf die Flüchtigkeit des Lebens hin, eine geringelte Schlange auf die Ewigkeit.

 

Zwei Leuchter bedeuten, dass hier eine fromme Hausfrau ruht, denn manche Zeichen geben über den Beruf des Verstorbenen Auskunft: Beim Schneider findet man eine Schere, beim Apotheker eine Gewürzmühle, beim Goldschmied eine Kette. Der Grabstein eines Musikanten oder eines musikliebenden Menschen wird mit einer Lyra geschmückt, die an die Leier des sangesfreudigen Königs David erinnert.

 

Sehr eindrucksvoll sind die „segnenden Hände", die Angehörigen des Priesterstammes Aaron vorbehalten sind. Nachkommen des Stammes Levi sind dagegen an einem Wasserkrug zu erkennen, oft in Kombination mit einem Teller; die Leviten waren in biblischer Zeit Tempeldiener in Jerusalem, und ihr Symbol deutet auf das reinigende Wasser hin, mit dem rituelle Waschungen vorgenommen wurden. Ein langes Blasinstrument zeigt an, dass der Bestattete an hohen Festtagen in der Synagoge das „Schofar- Horn" geblasen hat, was als hohe Auszeichnung gilt. Ein Messer bedeutet, daß der Verstorbene das Ehrenamt eines Beschneiders ausübte. Ein Buch oder eine Schriftrolle schmückt den Grabstein eines Schriftgelehrten, Lehrers oder Rabbiners.

 

Erst sehr spät, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, taucht der Davidstern als Zeichen des Judentums auf. Auch der siebenarmige Leuchter hat diesen Symbolgehalt. Eine Muschel oder eine sich öffnende Palmette weist auf den Glauben an die Teilnahme Gottes am irdischen Geschehen hin. Darstellungen, die Gott direkt symbolisieren, wie etwa das von Strahlen umgebende Auge im Dreieck, kommen auf jüdischen Grabsteinen dagegen nicht vor. Eine geborstene Säule bedeutet, dass der Bestattete sehr jung gestorben ist; früh verstorbene Mädchen erhalten als Symbol eine geknickte Rose.

 

Jüdische Friedhöfe haben Jahrhunderte lang alle Gefährdungen fast unversehrt überstanden. Jetzt aber droht eine neue Gefahr: Viele der alten Grabsteine, die dem Verfall bis heute getrotzt haben, beginnen zu zerbröseln als Opfer der Luftverschmutzung.

 

Badische Neueste Nachrichten, 31.10.1987, Text: Günter Pflaum

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Jüdische Friedhöfe – Gute Orte
Grabstätten in Kuppenheim

 

Kuppenheim/Rastatt/Baden-Baden - Die „guten Orte" werden sie von den Juden genannt: Die Friedhöfe, die häufig als einzige Zeugen jüdischen Lebens die Zeitläufe mit all ihren Zerstörungen überstanden. Einer der landschaftlich am schönsten gelegenen und größten jüdischen Friedhöfe in Baden ist der einstige Verbandsfriedhof in Kuppenheim. Nicht nur viele Juden aus dem mittelbadischen Raum von Bühl bis Malsch, auch ausländische Juden, die während eines Kuraufenthaltes in Baden- Baden verstorben waren, fanden hier eine letzte Ruhestätte. Bis heute ist daher der Friedhof Ziel vieler auswärtiger Besucher, die Gräber ihrer Vorfahren und Verwandten aufsuchen.

 

Um den Friedhof rankt sich die Legende, dass sich im Jahr 1692 die angeblich von Juden abstammende Gräfin von Eberstein vor ihrem Tod gewünscht habe, ihre Leiche auf einen Ochsenkarren zu legen, um diesen führerlos dorthin treiben zu lassen, wohin das Gespann den Wagen zöge. Auf dem Mergelkopf soll das Gespann anhalten haben; dort sei die Gräfin begraben worden. Nun ist aber das Ebersteiner-Geschlecht bereits 1660 ausgestorben. Begräbnisbücher des Kuppenheimer jüdischen Friedhofs werden seit 1692 geführt, obwohl sehen vor dem Dreißigjährigen Krieg Juden in Kuppenheim ansässig waren. Es existieren keine Aufzeichnungen, wo zuvor die Verstorbenen bestattet wurden. Nach bescheidenen Anfängen im 18. Jahrhundert erlebte die jüdische Gemeinde in Kuppenheim ihre Blüte im 19. Jahrhundert. 1865 wurden in Kuppenheim 142 Juden gezählt.

 

Im älteren Teil der Kuppenheimer Friedhofsanlage stehen heute noch die schlichten Sandsteingräber mit den hebräischen Inschriften. Die Schriftzeichen sind allerdings zum Teil stark verwittert, während die Gräber im neueren Teil gut erhalten sind. Die Kapelle, die einst am Eingang zum Friedhof stand, fiel wie die Kuppenheimer Synagoge 1938 den Flammen des Nazi-Terrors zum Opfer.

 

Wie die Juden aller umliegenden Orte wurden auch die Rastatter Gemeindemitglieder entweder in Kuppenheim oder in Kippenheim (Schmieheim), das 1629 an die Markgrafschaft Baden-Baden gefallen war, beigesetzt. Im Zuge der Gleichstellung der jüdischen Mitbürger im badischen Großherzogtum erlebte auch die Rastatter jüdische Gemeinde im 19. Jahrhundert einen starken Zustrom: 1865 zählte die Stadt an der Murg 158 Juden, zehn Jahre später schon 230. Am 26. Juni 1881 wurde in Rastatt in der Karlsruher Straße ein eigener jüdischer Friedhof eingerichtet.

 

Interne Schwierigkeiten gab es, weil sich die älteren jüdischen Gemeindeglieder im Kuppenheimer Friedhof eingekauft hatten, aber für Rastatt die Friedhofsumlage zu entrichten hatten. Man verblieb, dass die älteren sich noch in Kuppenheim bestatten lassen dürfen, während die Jüngeren in Rastatt beigesetzt werden mussten.

 

Der Rastatter Friedhof wurde am 19. September 1941 geschlossen. Vom Finanzministerium anberaumte Verkaufsverhandlungen des Grundstückes zogen sich hin. Die Stadt hatte keinerlei Interesse, das Gelände zu pachten. Der Friedhof überstand den 2. Weltkrieg nahezu unbeschädigt. 1972 wurde ein Gedenkstein zur Erinnerung an alle verfolgten und ermordeten Rastatter Juden errichtet.

 

Der Friedhof in Baden-Baden-Lichtental ist die zeitlich jüngste jüdische Begräbnisstätte, die 1921 oberhalb des christlichen Friedhofs an der Eckbergstraße angelegt wurde. Baden- Baden erteilte als eine der letzten badischen Kommunen erst ab 1862 Juden die Aufenthaltsgenehmigung. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich in der Kurstadt eine bemerkenswert große jüdische Gemeinde, die 1925 435 Mitglieder zählte. Heute ist der jüdische Friedhof wieder geöffnet.

 

Badische Neueste Nachrichten 17. Mai 1986, Text: Ulrich Sonnack

 

Foto: Grabsteine dürfen nach jüdischem Brauch nicht verändert werden: Alte Sandsteintafeln auf dem Kuppenheimer Friedhof.

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Geschichtsunterricht am Ort der Ereignisse
Eichelbergschüler spürten den Schicksalen Kuppenheimer Juden nach

Gaggenau-Bad Rotenfels/Kuppenheim. Geschichtsunterricht am Ort der Ereignisse erlebten jüngst die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse der Bad Rotenfelser Eichelbergschule zusammen mit ihren Lehrern Christiane Biedermann und Heinz Wolf.

 

Lehrer und Schüler suchten historische Stätten der Umgebung auf: das Gelände des ehemaligen KZ-Rotenfels und den Judenfriedhof Kuppenheim. Behandelt wird im Geschichtsunterricht dieser neunten Klasse zur Zeit das Dritte Reich; Heinz Wolf und Christiane Biedermann zogen es deshalb vor, den 14- und 15jährigen die Auswüchse der Naziherrschaft in ihrer heimatlichen Umgebung vor Augen zu führen, um die Exzesse jener Jahre plastisch und begreifbar werden zu lassen. Zunächst wurde die Gedenkstätte des ehemaligen KZ im Kurpark Bad Rotenfels aufgesucht; hier informierten sich die Schüler über die Ereignisse im Lager vor 40 Jahren. Auf dem Judenfriedhof in Kuppenheim beschrieb Dr. Manfred Geck die geschichtlichen Hintergründe, den Ursprung und den Werdegang dieser jüdischen Ruhestätte am Fuße des Schwarzwaldes.

 

Dr. Manfred Geck, zur Zeit mit der Fertigstellung der Kuppenheimer Stadtchornik beschäftigt, schilderte den Jugendlichen eingehend die Ereignisse während der Reichskristallnacht in Kuppenheim und das Schicksal zahlreicher Juden, die vor 40 Jahren in der Amtsstadt Kuppenheim lebten und litten. Nach vielen Jahren wurde auf dem Friedhof vor wenigen Wochen Erstmals (nach dem Zweiten Weltkrieg) wieder ein jüdischer Mitbürger bestattet.

 

Die Geschichte des Kuppenheimer Judenfriedhofes reicht bis ins Jahr 1692 zurück. Die Mädchen und Jungen erfuhren viel über das Schicksal jüdischer Familien, über Freundschaften und nachbarschaftliche Beziehungen zwischen Juden und Christen, aber auch über das Klima, das zwischen Christen und Juden herrschte. Kritische Fragen und ein beachtlicher geschichtlicher Wissensstand der Schüler kennzeichneten die Diskussion.

 

Mit einem Besuch auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge in Kuppenheim, die während der Kristallnacht der Zerstörungswut der Nazis zum Opfer fiel und abbrannte, rundeten die Eichelbergschüler ihre Tour durch die Vergangenheit des Dritten Reiches im vorderen Murgtal ab. Die Bemühungen vieler Lehrer, die Geschichte vor Ort zum Gegenstand des Unterrichts zu machen, haben sich nach Ansicht von Heinz Wolf bewährt. Das Geschichtsbewusstsein junger Menschen werden ganz entscheidend gestärkt, wenn die Jugendlichen mit den Ereignissen konfrontiert würden, die sich vor 40 Jahren in ihrer unmittelbaren Lebensumgebung, in ihrer Heimat also, abgespielt hätten, betont Heinz Wolf. Auf diesem Weg wollen Wolf und seine Kollegen Kinder und Jugendliche zu kritischen und politischen Demokraten erziehen.

 

Badische Neueste Nachrichten 24. April 1985

 

Foto: Im Rahmen ihres Geschichtsunterrichts besuchten Schüler der Eichelbergschule den Judenfriedhof in Kuppenheim (Foto: Thomas Riedinger). 

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Stacheldraht und Judenfriedhof

 

Kuppenhelm. Wie makaber Stacheldraht ausgerechnet um einen jüdischen Friedhof wirkt, zeigt dieses Bild. Die Ruhestätte in Kuppenheim war schon vor einiger Zeit ins Gerade gekommen, weil durch Unachtsamkeit städtischer Bediensteter ein Grabstein platt gewalzt wurde. Der Stacheldraht, der besonders an die Leidenszeiten jüdischer Mitbürger während der NS-Zeit erinnert, hat hier bestimmt keine Symbolkraft und auch keinen Sinn. Wer unerlaubt den Friedhof betreten will, kann dieses auch mit einer Drahtschere tun. Wesentlich besser würde ein Maschenzaun wirken, der zumindest den gleichen Effekt erzielt. Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden Deutschlands, Werner Nachmann, hatte die unschöne Umfriedung bereits bei einem Besuch in Kuppenheim bemängelt. Vor einiger Zeit wurde das rostige Gestänge durch ein neues ersetzt. Wie Bürgermeister Werner Trauthwein erklärte, soll später einmal eine dichte Bepflanzung den Draht ablösen. Bis dahin aber vergeht noch eine Menge Zeit.

 

Badische Neueste Nachrichten, 04.05.1984, Foto: Nestler

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Gräber zeugen von historischer Bedeutung
Nach 45 Jahren wieder eine Beerdigung auf Kuppenheims jüdischem Friedhof

 

Kuppenheim (ls). Auf dem jüdischen Friedhof oberhalb des Schützenhauses, dem Areal des „Mergelhofes", hat kürzlich eine Beerdigung stattgefunden - die erste seit nunmehr 45 Jahren. 1938, dem Jahr, als auch die Kuppenheimer Synagoge und die Kapelle am Eingang des Judenfriedhofs total eingeäschert wurden - dieser Tag jährt sich heute zum 45. Mal fand die letzte Grablegung vor dem Zweiten Weltkrieg statt.

 

Seitdem ruhte der Friedhof im „Dornröschenschlaf, der allerdings einen bitteren Hintergrund hat: Der Nazi-Terror hatte auch unter den Juden der hiesigen Region gewütet und einen furchtbaren Blutzoll gefordert.

 

Der Kuppenheimer Judenfriedhof ist eine der bedeutendsten und ältesten Stätte dieser Art in Baden, deren dokumentierte Ursprünge bis in das Jahr 1692 zurückreichen. Glaubt man der Legende, dann war die Entstehung des Friedhofs auf dem Areal des Mergelhofes eher dem Zufall überlassen: Ein Markgraf von Eberstein heiratete eine vornehme Jüdin, zwang sie aber, ihrem Glauben abzuschwören. Heimlich aber blieb die Gräfin ihren Gebräuchen treu, traf sich weiterhin mit Juden aus der Umgebung und betete in der Synagoge.

 

Nach ihrem Tode, so hatte die Gräfin verfügt, sollte ihre Leiche auf einen Ochsenkarren gelegt werden, der ohne Fuhrknecht in Marsch gesetzt werden sollte. Der Platz ihres Begräbnisses war dort bestimmt, wo die Tiere nach deren eigenem Gutdünken anhielten. Angeblich stoppte das Fuhrwerk auf dem Mergelhof, dort, wo sich heute der Friedhof befindet.

 

In dieser Zeit um 1700 mussten die Juden für ihren Friedhof alljährlich einen Bodenzins an die Herren des Landes entrichten. Auch die einzelnen Begräbnisse waren für damalige Verhältnisse nicht billig: Drei Gulden „kostete" eine Erwachsenenleiche, für ein Kind der auch vor 280 Jahren nur geduldeten Juden mußte ein Gulden bezahlt werden. Die Begleitpersonen des Begräbnisses hatten an der markgräflichbadischen Zollstelle in Kuppenheim pro Kopf 24 Kreuzer zu entrichten.

 

Das Einzugsgebiet des Kuppenheimer Friedhofes war über lange Zeit sehr groß; dazu gehörten die Amtsbezirke Rastatt, Ettlingen, Bühl und Kehl. Weiteres Blättern in den alten Grabverzeichnissen fördert die jüdischen Gemeinden Malsch, Muggensturm, Hörden, Baden-Baden, Bühl, Stollhofen, Rheinbischofsheim und Neufreistett zutage.

 

Der heutige Friedhof besteht an sich aus zwei Teilen: Dem älteren mit seinen Sandsteingrabplatten und hebräischen Schriftzeichen, die teilweise kaum noch sichtbar sind, und dem neueren Teil, auf dem sich noch gut erhaltene Grabanlagen befinden, die auch die Ausschreitungen während der Nazi-Zeit überstanden haben.

 

Diese Grabmale bestehen im Wesentlichen aus Marmor und Granit, mit symbolischen Zeichen. Solche sind auch auf Steinen des alten Teils zu finden, dort in der Regel Amts- oder Standesbezeichnungen. Auf den Grabplatten neueren Datums herrschen Tier- und Pflanzenbilder als Symbole für die Familiennamen (Blum, Ros, Löb, Herz) vor. Auffällig sind die Steine mit den segnenden Händen; sie gehören ausschließlich Angehörigen der Familie Kahn (= Cohen = Priester).

 

Auf dem jüdischen Friedhof fehlt, im Gegensatz zu christlichen Grabstätten, jeglicher Grabschmuck. Die Platten stehen, nach jüdischem Brauch, zu Füßen des Toten. Einer orientalischen Sitte folgend, sind teilweise kleine Steine auf den Gräbern zu finden - ein Zeichen dafür, dass ein Angehöriger das Grab besucht hat.

 

Der Friedhof ist heutzutage der Öffentlichkeit nicht zugänglich, Zäune sollen ein Betreten Unbefugter verhindern, die Tore sind verschlossen. Dennoch scheint das Interesse an dieser idyllischen Stätte nicht erloschen: Als die Kuppenheimer Verwaltung den Friedhof am Totensonntag 1980 für den Publikumsverkehr öffnete, kamen über tausend Besucher aus nah und fern.

 

BNN 10.11.0983 

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Auf Anregung der SPD geöffnet: Reger Besuch auf dem Judenfriedhof

 

Zahlreiche Besucher aus nah und fern nutzten am vergangenen Totensonntag das schöne Wetter zu einem Besuch des Kuppenheimer Judenfriedhofes, der an diesem Tag auf Anregung des SPD-Ortvereines geöffnet war. Bis gegen 17 Uhr dürften annähernd 1000 Interessierte an den zumeist geduckten und verwitterten Grabstellen des alten und den großenteils hochaufgerichteten Denkmälern des neuen Friedhofteils vorbeigewandert sein. Die ersten Besucher freilich standen noch vor verschlossenen Toren, da der Schlüssel durch ein Missverständnis erst später zur Verfügung stand. Die SPD bedauert

dieses ärgerliche Versäumnis und bittet insbesondere die vielen älteren Mitbürger, denen nicht zuzumuten war, ein vorhandenes Schlupfloch durch den Stacheldraht zu benutzen, um ihr Verständnis.

 

Nicht jeden Tag kann der alte Judenfriedhof auf dem Mergelhof der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden; dazu liegt er zu abgeschieden und ist er auch zu schutzbedürftig. Aus besonderen Anlässen erteilt jedoch der Oberrat der Israeliten Badens die, Genehmigung zum Besuch der Kultstätte, eine der ältesten und größten dieser Art in Baden, die zu den bedeutendsten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten des Landkreises gehört. Das letzte Mal wurden die Tore des ringsum mit Stacheldraht bewehrten Waldfriedhofs vor zwei Jahren, im Gedenken an die Reichskristallnacht,

aufgemacht, auch damals auf Initiative der örtlichen SPD.

 

Kuppenheims Judenfriedhof bildete lange Zeit die gemeinsame Begräbnisstätte für die Juden der Amtsbezirke Ettlingen, Rastatt, Bühl und Kehl. Insbesondere die Judengemeinden Malsch, Muggensturm, Rastatt, Hörden, Baden, Bühl, Stollhofen, Rheinbischofsheim, Kehl und Neufreistett tauchen neben Kuppenheim im Grabsteinverzeichnis auf. Erst um 1850 lösten sich die Judengemeinden Ettlingen und

diejenigen des Hanauerlandes vom Kuppenheimer Friedhof los Bühl gründete 1855 einen eigenen jüdischen Friedhof, Rasta 1880 und Baden-Baden 1918. Wichtigstes Zeugnis für die Judenbegräbnisse im vergangenen Jahrhundert in Kuppenheim ist das von dem Pfarrektor Linz mit äußerster Sorgfalt geführte Begräbnisbuch. Für die Jahre 1939 bis 1872 weist es z.B. aus, dass jährlich im Durchschnitt zehn bis zwanzig Begräbnisse von auswärts zu verzeichnen waren, wobei die große Zahl der offenbar durch Seuchen weggerafften Kinder auffällt.

 

Die Entstehungszeit des Kuppenheimer Judenfriedhofs liegt im Dunkeln. Das "Grabsteinverzeichnis" des israelitischen Friedhofes in Kuppenheim beginnt mit dem Jahr 1692. Der Volksmund verknüpft die Gründung des Friedhofs mit einer Gräfin von Eberstein, die heimlich ihrem alten jüdischen Glauben treu geblieben sei. Sie habe vor ihrem Tode verfügt, dass ein führerloses Ochsengespann sie zu ihrer letzten Ruhestätte bringen solle. Dort, wo die Tiere haltmachten im unbewohnten Gelände, wolle sie begraben sein.

 

In alten Akten der Stadt Kuppenheim kann man nachlesen, welche Formalitäten, Abgaben, Pflegegebühren usw. mit den Begräbnissen auf dem Judenfriedhof verbunden waren, auch wie es in regelmäßigen Abständen zum Zuwachs an verpachtetem und schließlich gekauftem Boden kam. Die Stellung der Juden im 18. Jh. wird z.B. deutlich durch ihren Protest dagegen, anstatt der Begräbnisgebühr den sogenannten Todfall - ein Stück aus dem beweglichen Vermögen - entrichten zu müssen. Sie seien schließlich keine Vollbürger, sondern nur geduldete "Hintersassen".


Dem heutigen Besucher zeigt sich der jüdische Friedhof auf dem Mergelhof in verschiedenerlei Gestalt. Da gibt es, dem Schützenhaus am nächsten gelegen, einen ungepflegten, romantisch verwilderten älteren Teil, auf dem die überwucherten Grabsteine z.T. noch so liegen, wie sie 1938 während der Reichskristallnacht umgeworfen wurden. Ein zweiter älterer Teil ist gepflegt und macht mit seinen alten Eichen über den Familiengruften einen nahezu idyllischen Eindruck. Hier fallen die unterschiedlich geformten Zeichen, Bilder und Symbole auf, die die Grabsteine zieren. Insbesondere

Widder- und Löwenbilder wechseln einander ab; auffallend aber auch die Grabsteine mit den erhobenen Händen, bei denen der Mittelfinger von den zwei letzten Fingern abrückt: das Zeichen der Familie Kahn, die einst als Glieder des Stammes Cahanik (später Cohen) die Priester stellten.

 

Auf dem ebenfalls sehr gepflegten neueren Friedhofteil treten an die Stelle der Grabmäler rötlichem Sandstein solche aus Marmor, Granit und Kalkstein. Tier-und Pflanzensymbole für Familiennamen (Herz, Löb, Ros, Blum u.a.) verdrängen die Amts- und Standeszeichen. Ansonsten fehlt jeglicher Grabschmuck. Neben hebräischen Schriftzeichen, die auf dem alten Friedhofteil kaum mehr zu entziffern sind, treten zuweilen auch gotische Lettern, z.B. auf der in einer Ecke des alten Friedhofs emporragenden Kalksteinsäule mit den Namenszeichen des Judenschultheißen Low Samuel Herz und der Jahreszahl 1826.

 

Die bisherigen Öffnungen des Judenfriedhofs haben ein großes Interesse der Kuppenheimer Bevölkerung an diesem geschichtlichen Ort gezeigt. Der SPD-Ortsverein hat sich zum Ziel gesetzt, Mittel und Wege zu finden, dass dieses Kleinod am Rande Kuppenheims, das so viel über die Geschichte der Stadt und eines sie lange Zeit mitprägenden Bevölkerungsteils aussagt, häufiger zum Besuch offensteht.

 

Gemeindeblatt Kuppenheim, Nr. 48, 1980,Text: Eckhard Lange, Fotos: Heinz Wolf

 

Siehe auch: Badische Neueste Nachrichten, 22. November 1980, „Auf Anregung des SPD-Ortsvereins:

Judenfriedhof ist am Totensonntag geöffnet - Kuppenheim beherbergt eine der ältesten und größten

Begräbnisstätten der luden in Baden“

 

Fotos.
Der siebenarmige Leuchter auf einem alten Grabstein

Der ältere Teil: Ein kulturgeschichtliches Vermächtnis

Der neuere Teil des Kuppenheimer Judenfriedhofs

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Kuppenheimer Judenfriedhof auf dem Mergelhof
Die Ochsen machten in Kuppenheim halt
Judenfriedhof am Totensonntag für Bevölkerung offen

 

Kuppenheim - Eingezäunt in meterhohen Stacheldraht, verschlossen mit dicken Eisentoren, umringt von Baumgruppen und Gestrüpp, so präsentiert sich der Judenfriedhof auf dem Mergelhof bei Kuppenheim. Am Totensonntag sollen die Tore jedoch von 8 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit aufgehen. Stark gemacht haben sich Bürger aus Rastatt, Gernsbach, Gaggenau und Baden-Baden.

 

Eine aus dem Volksmund überlieferte Sage berichtet von der Entstehung des Friedhofes: Eine vornehme Jüdin heiratete einen Grafen von Eberstein und musste ihrem Glauben abschwören. Doch in ihrem Herzen gab sie diesen nie auf. Vor ihrem Tode bestimmte sie, dass ihre Leiche auf einem Ochsenkarren gelegt würde, und dieser führerlos fortführe. An dem Ort, an dem die Ochsen anhielten, wollte sie begraben sein. Die Tiere machten in Kuppenheim Halt, und die Juden wählten diesen Ort für ihren Friedhof, weil sie bis dahin noch keinen besaßen.

 

Historische Anhaltspunkte gibt es nicht. Man weiß nur, dass das erste Begräbnis im Jahre 1692 stattfand. Alljährlich mssten die Juden für ihren Friedhof einen Bodenzins an die Landesherrschaft entrichten. Auch ein Begräbnisgeld wurde von den Juden, die keine Vollbürger, sondern nur geduldet waren, gefordert: Für einen Erwachsenen drei Gulden und für ein Kind einen Gulden, 30 Kreuzer. Später verlangte die Landesherrschaft für eine männliche Leiche fünf Gulden, für eine weibliche vier Gulden, dreißig Kreuzer und für eine Kinderleiche zwei Gulden. Die Personen, die die Leiche begleiteten, hatten beim Passieren der Zollstätte - in Kuppenheim war eine markgräflich-baden-badische Zollstätte - 24 Kreuzer Zoll pro Person zu entrichten.

 

Lange Zeit bildete der Judenfriedhof in Kuppenheim eine gemeinsame Begräbnisstätte für die Juden der Amtsbezirke Ettlingen, Rastatt, Bühl. Liest man das Grabverzeichnis durch, so tauchen die Judengemeinschaften Malsch, Muggensturm, Rastatt Horden, Baden, Bühl, Stollhofen, Rheinbischofsheim, Kehl und Neufreistett immer wieder auf. Auch Namen von jüdischen Kurgästen aus aller Welt sind zu finden, die Erholung in Baden-Baden suchten, und dort starben.

 

Um 1850 lösten sich die Judengemeinden Ettlingen und diejenigen des Hanauerlandes , Kehl, Neufreistett, Rheinbischofsheim vom Kuppenheimer Friedhof. 1855 gründete Bühl einen eigenen jüdischen Friedhof, 1880 Rastatt und 1918 Baden-Baden.

 

Der Kuppenheimer Judenfriedhof teilt sich auf in den neuen, wohl gepflegten und den alten, vergessenen, rechts des Gehweges. Auffällig an dem Judenfriedhof sind die verschiedenen Zeichen auf den Grabsteinen. Löwen- und Widderbilder wechseln miteinander ab. Auffallend sind auch die erhobenen, segnenden Hände auf den Steinen. Angehörige, die als Glieder des Stammes Cahanim die Priester stellten, bekamen bei ihrer Beerdigung solch einen Stein.

 

Auf dem gepflegten Friedhof treten an die Stelle des einheitlichen roten Sandsteins Marmor, Granit und Kalksteine. öfter zu finden sind Tier- und Pflanzenbilder als Symbole für die Familiennamen (Herz, Löb, Ros, Blum und andere). Die Namen der drei jüdischen Gefangenen sind auf dem Kuppenheimer Kriegerdenkmal bis heute erhalten geblieben.

 

Auf dem Judenfriedhof gibt es keinen Grabschmuck, die Grabsteine stehen zu Füßen der Toten. Nach orientalischer Sitte liegen zuweilen Steine auf der Grabstätte, ein Zeichen von Angehörigen, die das Grab besucht haben. Die Gräber wurden auch jahrzehntelang nicht belegt, da sie nach jüdischem Brauch als unantastbar gelten.

 

Zur Anfangszeit der Nationalsozialisten wurde dem Bewegungsraum der Juden engere Grenzen gesetzt. In der bangen Vorahnung eines grausamen Schicksals wanderten viele ins Ausland aus. Am 9. Novemberl938 brannte die Synagoge und die kleine Kapelle am Eingang des Friedhofs, was bei der jüdischen Bevölkerung Angst und Schrecken auslöste. Die wenigen Juden, die geblieben waren, wurden eines Tages auf Lastwagen abtransportiert. Man nimmt an, dass sie in den Gaskammern umgekommen sind.

 

Mit diesem Drama ging die Geschichte der Kuppenheimer Juden zu Ende. Heute gibt es außer den Juden, die zu Besuch gekommen sind, oder die die Heimat ihrer Vorfahren sehen wollten, keine Juden mehr in Kuppenheim. Ihr Friedhof wird jedoch durch eine jüdische Organisation für Grabespflege in Ordnung gehalten.

 

Badisches Tagblatt 22.11.1980, BT-Redaktionsmitarbeiterin Sabine Wenzke

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