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Friedhof 06 09 2020 klein

Bildergalerie und Presseberichte

Auf Anregung des SPD-Ortsvereins:
Judenfriedhof ist am Totensonntag geöffnet Kuppenheim beherbergt
eine der ältesten und größten Begräbnisstätten der Juden in Baden

 

Kuppenheim. Auf Anregung des SPD-Ortsvereins steht am morgigen Totensonntag der oberhalb des Schützenhauses gelegene Judenfriedhof in Kuppenheim von 8 bis 17 Uhr für Besucher offen. Das letzte Mal wurden die Tore der mit Maschen- und Stacheldraht ge­schützten Begräbnisstätte, eine der ältesten und größten dieser Art in Baden, vor zwei Jah­ren im Gedenken an die Reichskristallnacht aufgemacht, ebenfalls auf Initiative der örtli­chen SPD, der die Erhellung der Stadtgeschichte im Zusammenhang mit einer Pflege des Kulturbewusstseins in Kuppenheim ein besonderes Anliegen ist.

 

Nicht jeden Tag kann der alte Judenfriedhof auf dem Mergelhof zugänglich gemacht werden; dazu liegt er zu abgeschieden und ist er auch zu schutzbedürftig. Aus besonderen Anlässen er­teilt jedoch der Oberrat der Israeliten Badens die Genehmigung zum Besuch der Kultstätte. Er bietet damit Gelegenheit, eine der bedeu­tendsten kulturhistorischen Sehenswürdigkei­ten des Landkreises Rastatt in Augenschein zu nehmen, denn Kuppenheims Judenfriedhof bil­dete lange Zeit die gemeinsame Begräbnisstätte für die Juden der Amtsbezirke Ettlingen. Ra­statt, Bühl und Kehl. Insbesondere die Judenge­meinden Malsch, Muggensturm, Rastatt, Hörden, Baden, Bühl, Stollhofen, Rheinbischofs­heim, Kehl und Neufreistett tauchen neben der Gemeinde Kuppenheim immer wieder im Grabsteinverzeichnis auf.

 

Erst um 1850 lösten sich die Judengemeinden Ettlingen und diejenigen des Hanauerlandes vom Kuppenheimer Friedhof los. Bühl gründete 1855 einen eigenen jüdischen Friedhof, Rastatt 1880 und Baden-Baden 1918. Wichtigstes Zeug­nis für die Judenbegräbnisse im vergangenen Jahrhundert in Kuppenheim ist das von dem Pfarrektor Linz mit äußerster Sorgfalt geführte Begräbnisbuch. Für die Jahre 1839 bis 1872 weist es zum Beispiel aus, dass jährlich im Durchschnitt zehn bis zwanzig Begräbnisse von auswärts zu verzeichnen waren, wobei die große Zahl der offenbar durch Seuchen weggerafften Kinder auffällt.

 

Die Entstehungszeit des Kuppenheimer Judenfriedhofs liegt im Dunkeln. Das „Grabstein- Verzeichnis des israelitischen Friedhofes in Kup­penheim" beginnt mit dem Jahr 1692. Der Volksmund verknüpft die Gründung des Fried­hofs mit einer Gräfin von Eberstein, die heim­lich ihrem alten jüdischen Glauben treu geblie­ben sei. Sie habe vor ihrem Tod verfügt, dass ein führerloses Ochsengespann sie zu ihrer letzten Ruhestätte bringen solle. Dort, wo die Tiere im unbewohnten Gelände haltmachten, wolle sie begraben sein.

 

In alten Akten der Stadt Kuppenheim kann man nachlesen, welche Formalitäten, Abgaben, Pflegegebühren usw. mit den Begräbnissen auf dem Judenfriedhof verbunden waren, auch wie es in regelmäßigen Abständen zum Zuwachs an verpachtetem und schließlich gekauftem Boden kam. Die Stellung der Juden im 18. Jahrhundert wird z. B. deutlich durch ihren Protest dagegen anstatt der Begräbnisgebühr den sogenannten Todfall - ein Stück aus dem beweglichen Vermögen - entrichten zu müssen. Sie seien schließlich keine Vollbürger, sondern nur gedul­dete „Hintersassen".

 

Dem heutigen Besucher zeigt sich der jüdi­sche Friedhof auf dem Mergelhof in verschiede­nerlei Gestalt. Da gibt es, dem Schützenhaus am nächsten gelegen, einen ungepflegten, roman­tisch verwilderten älteren Teil, auf dem die überwucherten Grabsteine zum Teil noch so lie­gen, wie sie 1938 während der Reichskristall­nacht umgeworfen wurden. Ein zweiter, älterer Teil ist gepflegt und macht mit seinen alten Ei­chen über den Familiengrüften einen nahezu idyllischen Eindruck. Hier fallen die unter­schiedlich geformten Zeichen, Bilder und Sym­bole auf, die die Grabsteine zieren.

 

Insbesondere Widder- und Löwenbilder wech­seln einander ab; auffallend aber auch die Grab­steine mit den erhobenen Händen, bei denen der Mittelfinger von den zwei letzten Fingern abrückt: das Zeichen der Familie Kahn, die einst als Glieder des Stammes Cahanim (später Cohen) die Priester stellte.

 

Auf dem ebenfalls sehr gepflegten neueren Friedhofteil treten an die Stelle der Grabmäler aus rötlichem Sandstein solche aus Marmor, Granit und Kalkstein. Tier- und Pflanzen- symbo­le für Familiennamen (Herz, Löb, Ros, "Blum u. a.) verdrängen die Amts- und Stan- deszeichen. Ansonsten fehlt mit ganz geringen Ausnahmen jeglicher Grabschmuck. Neben hebräischen Schriftzeichen, die auf dem alten Friedhofteil kaum mehr zu entziffern sind, treten zuweilen auch gotische Lettern, zum Beispiel auf der in einer Ecke des alten Friedhofs emporragenden Kalksteinsäule mit den Namenszeichen des Ju­denschultheißen Low Samuel Herz und der Jah­reszahl 1826.

 

Die bisherigen Öffnungen des Judenfriedhofs haben ein großes Interesse der Kuppenhei- mer Bevölkerung an diesem geschichtlichen Ort ge­zeigt. Der SPD-Ortsverein hat sich zum Ziel ge­setzt, Mittel und Wege zu finden, dass dieses Kleinod am Rande Kuppenheims, das so viel über die Geschichte der Stadt und eines sie lan­ge Zeit mitprägenden Bevölkerungs- teils aus­sagt, häufiger zum Besuch offensteht.

 

Kuppenheimer Notizblock : Der jüdische Friedhof ist am Sonntag von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Die Öffnung erfolgt mit der Genehmigung der jüdischen Gemeinde Karlsruhe.

BNN 22. November 1980, Text: Eckhard Lange, Fotos Wolf
Fotos: Das Grabsteinverzeichnis des israelitischen Friedhofes in Kuppenheim beginnt mit dem Jahr 1692. Dieser Friedhofteil macht mit seinen alten Eichen über den Familiengruften einen nahezu idyllischen Eindruck. Die unterschiedlich geformten Zeichen, Bilder und Symbole fallen auf, die die Grabsteine zieren.

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Geschichtsunterricht am Ort der Ereignisse

Eichelbergschüler spürten den Schicksalen Kuppenheimer Juden nach

 

Gaggenau-Bad Rotenfels/Kuppenheim. Ge­schichtsunterricht am Ort der Ereignisse erleb­ten jüngst die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse der Bad Rotenfelser Eichelberg­schule zusammen mit ihren Lehrern Christiane Biedermann und Heinz Wolf. Lehrer und Schü­ler suchten historische Stätten der Umgebung auf: das Gelände des ehemaligen KZ-Rotenfels und den Judenfriedhof Kuppenheim.

 

Behandelt wird im Geschichtsunterricht dieser neunten Klasse zur Zeit das Dritte Reich; Heinz Wolf und Christiane Biedermann zogen es deshalb vor, den 14- und 15jährigen die Auswüchse der Naziherrschaft in ihrer heimatlichen Umgebung vor Augen zu führen, um die Exzesse jener Jah­re plastisch und begreifbar werden zu lassen. Zunächst wurde die Gedenkstätte des ehemali­gen KZ im Kurpark Bad Rotenfels aufgesucht; hier informierten sich die Schüler über die Er­eignisse im Lager vor 40 Jahren. Auf dem Ju­denfriedhof in Kuppenheim beschrieb Dr. Man­fred Geck die geschichtlichen Hintergründe, den Ursprung und den Werdegang dieser jüdi­schen Ruhestätte am Fuße des Schwarzwaldes.

Dr. Manfred Geck, zur Zeit mit der Fertigstel­lung der Kuppenheimer Stadtchronik beschäf­tigt, schilderte den Jugendlichen eingehend die Ereignisse während der Reichskristallnacht in Kuppenheim und das Schicksal zahlreicher Ju­den, die vor 40 Jahren in der Amtsstadt Kup­penheim lebten und litten. Nach vielen Jahren wurde auf dem Friedhof vor wenigen Wochen erstmals (nach dem Zweiten Weltkrieg) wieder ein jüdischer Mitbürger bestattet.

 

Die Geschichte des Kuppenheimer Juden­friedhofes reicht bis ins Jahr 1692 zurück. Die Mädchen und Jungen erfuhren viel über das Schicksal jüdischer Familien, über Freund- schaf­ten und nachbarschaftliche Beziehungen zwi­schen Juden und Christen, aber auch über das Klima, das zwischen Christen und Juden herrschte. Kritische Fragen und ein beachtlicher geschichtlicher Wissensstand der Schüler kenn­zeichneten die Diskussion.

 

Mit einem Besuch auf dem Gelände der ehe­maligen Synagoge in Kuppenheim, die während der Kristallnacht der Zerstörungswut der Nazis zum Opfer fiel und abbrannte, rundeten die Ei­chelbergschüler ihre Tour durch die Vergangen­heit des Dritten Reiches im vorderen Murgtal ab. Die Bemühungen vieler Lehrer, die Geschichte vor Ort zum Gegenstand des Unter­richts zu machen, haben sich nach Ansicht von Heinz Wolf bewährt. Das Geschichtsbewusstsein junger Menschen werden ganz entscheidend ge­stärkt, wenn die Jugendlichen mit den Ereignis­sen konfrontiert würden, die sich vor 40 Jahren in ihrer unmittelbaren Lebensumgebung, in ih­rer Heimat also, abgespielt hätten, betont Heinz Wolf. Auf diesem Weg wollen Wolf und seine Kollegen Kinder und Jugendliche zu kritischen und politischen Demokraten erziehen.  

 

Badische Neueste Nachrichten, 24.04.1984, Thomas Riedinger
Foto: Im Rahmen ihres Geschichtsunterrichts besuchten Schüler der Eichelbergschule den Judenfriedhof in Kuppenheim. Foto: tr

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