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Friedhof 06 09 2020 klein

Bestattung im Judentum

 

  • Tod, Unterwelt, Auferstehung
  • Bestattung des Toten
  • Totenruhe, religiöse Vorschriften
  • Verhalten auf dem jüdischen Friedhof

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Tod, Unterwelt, Auferstehung im Judentum

 

Die grundlegenden Schriften des Judentum, besonders die Tora, beinhalten keine einheitliche Konzeption über den Tod und über die Existenz nach dem Sterben. Im  Mittelpunkt steht das Leben, das in Gehorsam gegenüber Gott geführt werden soll.

Tod als Ende des Lebens

Die Gegenwart Gottes kann nur im Leben gefunden werden. Sie wird im Segen Gottes erfahrbar, das heißt durch ein reiches, erfülltes, glückliches Leben. Der Tod beendet das Leben, was zu aller erst bedeutet, dass der Mensch nicht mehr in der Lage ist, Gott zu verehren. Dadurch ist auch die „Unterwelt“ (hebräisch: Scheol), in die die Toten gelangen, gekennzeichnet. An diesem auch „Schattenwelt“ genannten Ort ist der Mensch von Gott getrennt. Die Art und Weise, wie die Unterwelt aufgebaut ist, was dort im Einzel- nen passiert usw., wird in den Texten der Tora nicht weiter ausgeführt.

Veränderungen der Jenseitsvorstellungen

Nach dem Exil, vor allem unter griechischem und persischem Einfluss ab dem vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung sowie unter dem Eindruck der erneuten Vertreibung nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer, veränderten sich die Vorstellungen über den Tod und die Existenz nach dem Tod. Weitaus stärker treten dualistische Züge zu Tage. Für viele Juden wird die Scheol (=Unterwelt) jetzt zu einem Ort der Vergeltung für die im Leben begangenen Sünden. Ihrem Wesen nach ähnelt sie jetzt christlichen Höllenvorstellungen. Je nach dem dauert der Aufenthalt in der Unterwelt nur eine gewisse Zeit oder aber ewig.

  
Gleichzeitig wird die Vorstellung einer Auferstehung aktuell. Dies steht im Zusammenhang mit endzeitlichen Erwartungen der Wiedererrichtung einer gerechten Gottesherrschaft, wie sie vor allem vom Propheten Daniel offenbart wurde. Bislang waren der Ort und die Form, in der die Menschen nach ihrem Tod einmal bei Gott wohnen würden, unbestimmt und für den Glauben von untergeordneter Bedeutung. Jetzt aber werden in dem endzeitlichen Gottesreich alle Juden vereinigt sein und in der Nähe Gottes leben.


Ebenfalls unter persischem und griechischem Einfluss entwickeln sich Vorstellungen, dass die Seele und der Körper eines Menschen voneinander getrennt zu betrachten sind. Nach Auffassung einiger Denker wie Philo von Alexandrien (ca. 20 vor bis 50 nach unserer Zeitrechnung) verlässt die Seele den Körper, um zu Gott aufzusteigen. Nach anderen rabbinischen Überlieferungen jedoch sind Körper und Seele auch nach dem Tod miteinander verbunden.

Bei allen unterschiedlichen Auffassungen über den Tod und ein mögliches Weiterleben nach dem Tode, wie sie sich im Lauf der Geschichte und unter den verschiedenen Glaubensrichtungen entwickelt haben, ist gemeinsam, dass vom Grundsatz her von einem Weiterleben nach dem Tod ausgegangen wird. Ebenso gilt, dass es einmal eine zukünftige Welt geben wird, in der die Gläubigen die Nähe Gottes in besonderer Weise erfahren werden. Dass über die Todes- und Jenseitsvorstellungen zwar unterschiedliche Auffassungen vorhanden sind, diese aber nie zu einem bestimmenden Thema der theologischen Diskussion wurden, zeigt die Bedeutung des Lebens: dies ist der Ort der Bewährung für den Menschen. Wichtiger als Spekulationen über das Leben nach dem Tod ist die Erfahrung der Nähe Gottes im diesseitigen Leben durch seinen sichtbaren und unsichtbaren Segen.

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Bestattung des Toten 



Die Bestattung eines Toten soll im Judentum möglichst schnell erfolgen. Nach dem Begräbnis schließt sich eine in verschiedene Phasen unterteilte Trauerzeit an, danach versammeln sich diee Angehörigen zum jährlichen Gedächtnis.


• Der Sterbende - Vorbereitung der Bestattung


Wenn es dem gläubigen Sterbenden möglich ist, soll er selbst bereits Vorbereitungen auf seinen Tod treffen, indem er das Kol Nidre („alle Versprechen“) und (zusammen mit den Angehörigen) das Schma Israel („Höre Israel“) betet. Das Kol Nidre ist ein Sündenbekenntnis, das im Gottesdienst zum Feiertag Jom Kippur von der Gemeinde gesprochen wird. Der Sterbende betet es in der Ich-Form.


Das Schma Israel ist das Hauptgebet des wöchentlichen Synagogengottesdienstes. Dem Sterbenden wird eine besondere Hochachtung entgegengebracht. Er darf nicht berührt werden. Nichts darf sein Sterben verzögern, aber auch nichts beschleunigen. Die Wahrheit über seine Lebenslage darf ihm auf keinen Fall verschwiegen werden, wenn er danach fragen sollte.


• Der Tod: Stirbt ein Jude zu Hause, versammeln sich um ihn die Juden, die ihm nahestehen, um mit ihm das Sündenbekenntnis (Kol Nidre) und Psalmenverse Schma Israel (121; 130; 91) zusammen zu beten. Dieses besondere Gebet wird sonst nur am höchsten Feiertag im jüdischen Kalender (Jom Kippur) gesprochen. Es ist der Versöhnungstag zwischen Gott + seinem Volke.


Wenn der Tod eingetreten ist, zerreißen die Angehörigen als Zeichen der Trauer ein Kleidungsstück. Dieser Brauch geht auf die Geschichte des vorgetäuschten Todes von Josef, dem Sohn Jakobs zurück. Jakob zerriss angesichts der Kunde vom angeblichen Tod seines Sohnes seine Kleider und legte ein Trauergewand an (Genesis 37, Vers 34).


Der Tote bleibt so, wie er ist, im Raum liegen. Ihm werden die Augen geschlossen und das Gesicht mit einem weißen Tuch bedeckt. Es gibt auch den Brauch, die Augen des Toten mit Tonscherben zu bedecken


• Totenwache: Mit einer Kerze, die neben seinem Haupt angezündet wird, beginnt die Totenwache. Das brennende Licht weist auf die Seele hin, die sich noch im Raum aufhält. Noch einmal wird mit dem Verstorbenen zusammen gebetet. Danach werden die Fenster geöffnet, damit die Seele den Leib verlassen kann. Die im Haus stehenden Wasser, mit denen er zu tun hatte, werden ausgeschüttet. Die Angehörigen des Toten sprechen weitere Gebete.


• rituelle Waschung:  Danach wird der Leichnam aus dem Bett auf den Boden gehoben, nach bestimmten Vorschriften einer rituellen Reinigung unterzogen und anschließend in ein weißes, leinenes Totenhemd = Tachrichin gekleidet. Dies geschieht entweder zu Hause oder in einer Leichenhalle am Friedhof.


• Beerdigung und Trauerriten:  Die gebräuchliche Leichenbestattung im Judentum ist die Beerdigung (Kewura), die das Rabbinat auch vorschreibt. Die Beerdigung soll möglichst noch am gleichen Tag, spätestens aber am nächsten Morgen vorgenommen werden - es sei denn, der Schabbat oder andere Feiertage sorgen füreine Verzögerung.


Zur Bestattung wird meist eine Ansprache = Gedächntnisrede („Hesped“) gehalten, und ein Kantor singt den 91. Pslam. Begleitet von Worten aus dem Buch des Propheten Daniel (Kapitel 12, Vers 13: "Du aber geh nun dem Ende zu. Du wirst ruhen, und am Ende der Tage wirst du auferstehen, um dein Erbteil zu empfangen") wird der Sarg in das Grab gelassen.

Andere Redner können sich anschließen, um den Verstorbenen gebührend zu ehren, soweit er sich dieses nicht zu Lebzeiten ausdrücklich verbeten hat. Im Zentrum des Abschieds steht die Anerkennung der göttlichen Gerechtigkeit. Sie folgt der gläubigen Einsicht Hiobs: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt“. Dieser Spruch mag den Nichtjuden wie ein Programm erscheinen. Doch dahinter steht die Überzeugung, den Toten mit der Beerdigung Gott zu überantworten. Manchmal wird auch aus dem Talmud zitiert: „Sieh auf drei Dinge, und du wirst nie fehlschlagen im Leben: Wisse, woher du kommst und wohin du gehst und vor wem du wirst einst Rechenschaft ablegen müssen.“


• Bestattung: In aller Regel wird der Tote in einem Sarg bestattet. Im Reformjudentum ist es auch möglich, eine Feuerbestattung vorzunehmen. Angesichts der millionenfachen Verbrennung in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern wird dies heute jedoch kaum mehr praktiziert.

Wenn der Verstorbene in das Grab gelegt wurde, bleibt die Grabstelle bis zum Ende des Trauermonats oder sogar bis zur ersten Jahrzeit nur mit Erde bedeckt. Erst danach wird ein Gedenkstein gesetzt. Im Allgemeinen soll die Grabgestaltung schlicht gehalten werden. Blumenschmuck gibt es auf jüdischen Gräbern erst seit seit jüngerer Zeit.


Die Totenwaschung, Überführung in die Leichenhalle, Niederlassung des Sarges und weitere Tätigkeiten zur Bestattung des Toten werden in der Regel von Männern und Frauen der Gemeinde Bestattungsbruderschaften („Heilige Gemeinschaft“, hebräisch: Chawura Kaddisch) ausgeführt, die sich im Mittelalter herausgebildet haben.


• Niederlassen des Sarges:  Trauernde werfen 3 Schaufeln Erde auf den Sarg. Häufig wird dem Sarg ein Säckchen Erde aus Israel beigefügt, damit der Tote symbolisch in der Erde des Heiligen Landes (wie der Glaube verheißt – zu den Vätern versammelt) begraben liegt.


Nach der Bestattung beginnt eine siebentätige Trauerzeit (Schiwa). Freunde und Bekannte statten Kondolenzbesuche ab. Strenggläubige Juden verbringen diese Tage mit Gebeten und dem Lesen aus den Büchern der Tora, wobei sie in Erinnerung an den zerstörten Tempel auf kleinen Holzschemeln sitzen.


In dieser Zeit soll man sich nicht Baden, keine Arbeiten verrichten, zu Hause bleiben und sich aller Genüsse (einschließlich der sexuellen) enthalten. Die Angehörigen eines Toten sind von ihren religiösen Pflichten entbunden. Eine alte Talmud-Weisheit empfiehlt: „Versuche nicht, deinen Freund zu trösten, solange sein Toter noch vor ihn liegt“. Viele Juden begrenzen die Trauerwoche auf einen Tag.


An diese Woche schließt sich der Trauermonat (Scheloschim) an. Das Arbeiten ist wieder gestattet, ebenso der Besuch des Synagogengottesdienstes.


Am Ende dieser 30 Tage findet eine Trauerfeier am Grab des Verstorbenen statt. Für enge Angehörige folgt nun noch für 11 Monate eine weitere Trauerphase, deren zentrales Element das tägliche Beten des Kaddisch ist.


Zum Gedenken an den Toten wird dann jährlich am Todestag die „Jahrzeit“ abgehalten. Dieser Brauch ist in Deutschland im 15. Jahrhundert entstanden, der Begriff stammt aus dem Jiddischen. Der Brauch hat sich weit verbreitet und wird von Juden in islamischen Ländern auch zum Gedenken an angesehene Rabbiner genutzt.


Im familiären Rahmen wird an Jahrzeit eine Kerze angezündet und das Kaddisch rezitiert - im ersten Jahr am Grab, danach im Synagogengottesdienst. An diesen Gottesdiensten nehmen auch viele Juden teil, die ihrer Religion ansonsten nur wenig verbunden sind.


Schändung eines Grabes gilt als besonders verwerflich wegen der Totenruhe.


Da die jüdischen Gemeinden in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, können sie ihre eigenen Friedhöfe betreiben. Die Friedhofsordnungen sehen vor, dass nur Angehörige der jüdischen Religion begraben werden dürfen. Liberale Gemeinden lassen jedoch auch die Bestattung nichtjüdischer Familienangehöriger zu, entweder bei ihren Familien oder auf einem separaten Platz.

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Totenruhe

 

Der Jude geht vom Weiterleben nach dem Tode aus. Es soll einmal eine zukünftige Welt geben, in der Gläubige die besondere Nähe Gottes erfahren. Das Leben bedeutet für den Juden der Ort der Bewärung.

 

Religiöse Vorschriften

 

„Hier ruht ein Mann, der Treuen einer. Er wandelte recht. Seine Werke waren gut. Mit den Friedliebenden und Frommen hielt er fest an der Weisung und am Gebet. Sein Name war bekannt. Ihn priesen viele. Seine Seele möge ein­geschlossen sein in den Bund des Lebens."                  

 

Die­ser Text steht in hebräischer Sprache auf einem Grabstein in einem jüdischen Friedhof irgend­wo in der Bundesrepublik. 

                                                                                                           

Während viele Got­teshäuser der jüdischen Mitbürger, die Synago­gen, im November 1938 blindwütigem Hass zum Opfer gefallen sind, blieben die oft uralten Be­gräbnisstätten zum überwiegenden Teil unange­tastet. Meist sind sie heute verwaist, doch als Zeugen eines Teils der deutschen Geschichte stehen sie unter Denkmalschutz und werden von den Gemeinden, mit finanzieller Hilfe durch die Länder und den Bund, erhalten.

 

Das Stückchen Erde, in dem der Tote ruht, ist für ewige Zeit sein Eigentum. Die Wieder- belegung eines Grabes nach einer gewis­sen „Ruhefrist“, wie in christlichen Friedhöfen üblich, ist für einen jüdischen Gottesacker un­denkbar.

 

Der Friedhof hat im Judentum eine besondere Bedeutung. Seine Bezeichnungen im Hebräischen sind: „Haus der Gräber“, „Haus des ewigen Lebens“, auch „Haus der Ewigkeit“ oder „heiliger Ort“.

 

Das Grab wird als persönlicher Besitz der verstorbeenn Person betrachtet: Hier warten die Toten auf die Auferstehung bei der Ankunft des Messias.

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Verhalten auf dem jüdischen Friedhof

 

Höchstes Gebot, jede Störung der Totenruhe zu unterlassen.

„Auf dem Begräbnisplatz benehme man sich nicht leichtfertig, aus Ehrfurcht vor den Toten; z.B. da zu essen und zu trinken oder seine Notdurft zu verrichten; man lässt dort kein Vieh weiden und pflücke dort keine Kräuter...

Ebenso bete man dort nicht und spreche keine Psalmen, außer, was zu Ehren des Toten geschieht...“

Von der jüdischen Argumentation her sollte alles, was auf dem Friedhof geschieht, nur „zu Ehren der Toten“ geschehen.

Wenn MUSIK bei einer Führung spielt, geschieht es zur Erbauung oder Meditation der Besucherinnen und Besucher.

Die KIPPA oder eine Kopfbedeckung (Mütze, Kappe...) sind erwünscht/vorgeschrieben, insbesondere bei orthodoxen Juden. Weniger religiöse Juden nehmen es mit dieser Vorschrift nicht so genau.

Ebenso wird das  Einsteigen über den Zaun bei weltlich orientierten Juden manchmal missachtet. Oft kommen sie von weit her (USA, Israel, Kanada, Südamerika…) und halten sich am Wochenende in Deutschland auf. Häufig wollen Sie auch gegen Abend ihre Vorfahren auf einem jüdischen Friedhof besuchen. Dann ist es für sie schwierig, den Schlüssel für das Eingangstor zu besorgen, auch wegen der Öffnungszeiten der entsprechenden Dienststellen.

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