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Friedhof 06 09 2020 klein

Grabsteine

  • Grabinschriften, Grabsymbole (allgemein) 
  • Inschriften auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim (Hüttenmeister, Linder)
  • Symbole/Ornamente auf Grabsteinen (Friedhof Kuppenheim)
  • Berufe, Gemeindestellung, Rhrentitel auf den Grabsteinen des Jüdischen Friedhofes Kuppenheim)

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Grab-Inschriften – Grab-Symbole

Die hebräischen Inschriften (von rechts nach links gelesen) sind gewöhn­lich nach einem ähnlichen Muster auf­gebaut. Der äußere Rahmen ist immer derselbe:

Die Inschrift beginnt mit den Buchsta­ben 3"D (oder U"3), Abkürzung für „Hier ruht..." und endet mit il 1 K ] J1 Abkürzung für „Seine/ihre Seele möge eingeschlossen sein in den Bund des Lebens". Dazwischen stehen Angaben über den/ die Verstorbene(n), vor allem, was diese(n) auszeichnet:

 

Hier ruht

ein Mann, der Treuen einer,

er wandelte recht.

Seine Werke waren gut.

Mit den Friedliebenden und Frommen hielt er fest an der Weisung und am Gebet.

Sein Name war bekannt.

Ihn priesen viele.

Benjamin, Sohn des Solomon.

Er wurde geboren, am Montag den 12. Nisan (5)594.

Er verstarb am heiligen Sabat, dem 17. Cheswan (5)656.

Das Gedächtnis des Gerecht

ist zum Segen. Seine Seele möge eingeschlossen sein in den Bund des Lebens

Die Grabsymbole (ab 15. Jahrhundert)

Auf vielen Grabsteinen der jüdischen Friedhöfe finden sich Symbole, die eine Besonderheit des hier Bestatteten darstellen. Die häufigsten Symbole sind:

Der Krug (auch in Kombination mit einem Teller) weist den hier Bestatteten als aus dem Stamm Levi abstammend aus. Die Leviten dienten in biblischer Zeit im Tempel Jerusalems - ihr Sym­bol ist der Krug mit dem reinigenden Wasser. Meist erkennt man einen sol­chen Nachkommen der Leviten am Fa­miliennamen Levi, Low, Löwental o. ä.


Die Leviten waren in biblischer Zeit Tempeldie­ner in Jerusalem, und ihr Symbol deutet auf das reinigende Wasser hin, mit dem rituelle Waschungen vorgenommen wurden.

Die segnenden Hände  weisen darauf hin, dass der hier Bestattete Nach­komme eines Priesters (Stamm Aaron)  ist (hebr. Cohen). Der Priester erteilte den Segen „Der Herr segne dich und behüte dich". Auch hier weist gewöhnlich der Familienname auf die Herkunft aus einer Cohanim-Familie der bibl. Zeit hin, z.B. Cahn, Kahn, Co­hen.

Das Schofarhorn (ein langes Blasinstrument) zeigt an, dass der hier Bestattete an hohen Festtagen in der Synagoge das Schofar geblasen hat. Dies war zum einen eine schwierige Aufgabe, zugleich aber eine hohe Aus­zeichnung.


Das Messer weist darauf hin, dass der hier Bestattete das Ehrenamt der Beschneidung in der jüdischen Gemeinde hatte (Mohel).

Die Krone versinnbildlicht einen guten Namen, vgl. Sprüche der Väter 4,17: „Drei Kronen können den Menschen zieren: die Krone der Tora, des Priestertums, des Königtums, aber die des guten Namens überragt alle drei".

Der Weinstock  und die Weinrebe  sind ein Zeichen für erfolgreiches Wirken des hier Bestatteten.

Der Davidsstern (erst ab Ende des 18. Jahrhunderts), die Menorah (
siebenarmiger Leuchter) und die Rose sind allgemeine Symbole des Juden­tums.

Tiere
stehen oft für den Familiennamen, z. B.  Hirsch,  Löwe. Der Schmetterling ist ein Zeichen des flüchtigen Lebens. Eine geringelte Schlange west auf die Ewig­keit hin. Die beiden sich schnäbelnden Tauben sind ein Zeichen inniger Liebe (Ehegatten).

Die Lyra weist auf einen in der Musik begabten Menschen hin.

Eine Krone, symbolisiert den „gu­ten Namen" des Verstorbenen. Wird die Krone von zwei Löwen gehalten, deutet dies auf Glaubensstärke hin.

Das aufgeschlagene Buch zeichnet den Verstorbeben als Schriftgelehrten aus Rabbiner oder Lehrer.

Die abgebrochene Säule, die eingeknickte Blume oder der Baumstumpf sind Sym­bol dafür, dass der Verstorbene (Rose bei Mädchen) aus der Blüte des  Lebens gerissen wurde. Säule wie Baumstumpf können als Grabstein gestaltet sein.

Eine Sabbatleuchte bzw. eine Hängelampe, zwei Leuchter zeichnen sowohl die  fromme Hausfrau aus. Beides steht aber auch - bei Männern - für den Bibelvers: „Ein Licht Gottes ist die Seele des Men­schen“ (Sprüche 20,27)

Manche Zeichen geben über den Beruf des Verstorbenen Auskunft:
Beim Schneider findet man eine Schere,
beim Apotheker eine Gewürzmühle,
beim Gold­schmied eine Kette.

Der Grabstein eines Musi­kanten oder eines musikliebenden Menschen wird mit einer
Lyra geschmückt, die an dioe Leier des Königs David erinnert.

Eine Muschel oder ei­ne sich öffnende Palmette weist auf den Glauben an die Teilnahme Gottes am irdischen Ge­schehen hin.

Darstellungen, die Gott direkt symbolisieren, wie etwa das von Strahlen umgebende Auge im Dreieck, kommen auf jüdischen Grabsteinen dagegen nicht vor.
Außerordentlich reich an Symbolen sind die Friedhöfe in Haigerloch, Bad Rappenau- Heinsheim, Hemsbach
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Die Inschriften auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim

Grabinschriften sollen an den Toten erinnern. Sie sollen das Andenken des Verstorbenen festhalten für die Nachkommen. So ist es natürlich, dass man auch bei den Juden nach dem Motto
de mortuis nihil nisi bene verfährt. Auch, wenn man mit dem Leben des Verstorbenen nicht so ganz ein verstanden gewesen ist - der Tod ist Anlass zum Verzei­hen und Vergessen. Und vielleicht soll eine Inschrift, die ja nur gute Taten des Verstorbenen beschreibt, ein Hinweis für die Dienstengel am Jüngsten Tag sein, die dem lieben Gott sagen sollen, dass die negativen Eintragungen in sei­nem Buch vielleicht doch nicht ganz korrekt sind und dass der Verstorbene ein guter Mensch war und einen Platz im Paradies verdient hat.

Wenn man betonen wollte, dass jemand wirklich beson­ders gut und edel war, änderte man die Standardwendung ab, wie auf Grab 610.2 
Er starb in „sehr gutem Namen und wurde begraben mit großer Ehre".

Die hebräischen Inschriften beginnen mit den Worten Hier Hegt begraben oder Hier ist verborgen, immer abgekürzt mit den beiden hebräischen Anfangsbuchstaben Pe und Nun bzw. Tel. Es folgt die Angabe, ob es sich um ein Kind, einen Jugendlichen, einen Mann oder eine Frau handelt. Sie werden durch typische Eigenschaften charakterisiert:

Bei Kindern heißt es, dass sie nett und angenehm waren, ein Lieblingskind. Bei Männern wird hervorgehoben, dass sie redlich, rechtschaffen und zuverlässig in ihrem Beruf waren und dass sie regelmäßig zum öffentlichen Gebet in die Synagoge gingen. Bei Frauen wird gerne betont, dass die oder der Verstorbene schwere Leiden mit großer Geduld ertragen hat.

Es folgt der hebräische Name mit dem Namen des Vaters oder des Ehemannes (ben - Sohn, bat - Tochter, eschet - Gattin). Wenn in Kuppenheim in seltenen Fällen statt dessen der Name der Mutter angegeben ist, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine uneheliche Geburt gehandelt hat (631, 729. 791, 809, 852, 884, 915 links, 990, 992, 993, 1021).

Auch die zusätzliche Formulierung Zierde ihrer Kinder (809) anstelle des häufig verwendeten Zierde ihres Gatten deutet auf eine uneheliche Geburt der Kinder hin. Für die Kindergräber trifft dies allerdings nicht zu.

Wenn der Vater vor der Geburt seines Sohnes stirbt, bekommt der Sohn den Namen des Vaters, z. B. Mosche ben Mosche (70). Weitere Fälle finden sich auf den Gräbern 312, 532, 563, 598, 818.

Es folgt das Todesdatum und oft das Begräbnisdatum. Häufig ist die Wendung er/sie starb und wurde begraben, d. h., dass Sterbe- und Begräbnisdatum auf denselben Tag fielen.

Dies war üblich bis ins 19. Jahrhundert hinein. Nach- dem aber die Behörden wegen Scheintodgefahr eine 48- stündige Frist zwischen Tod und Begräbnis vorgeschrieben hatten, mussten auch die Juden ihren überkommenen Brauch aufgeben. Häufig blieb man aber in Kuppenheim noch bei der alten Wendung auf den Grabsteinen und unterschied nicht zwischen Todes- und Begräbnisdatum. Besonders auffällig ist das, wenn der Tod an einem Schabbat eingetreten war, da eine Beerdigung am Schabbat nicht stattfindet (91,782). Joseph David (612) wurde zwei Stunden vor Ablauf der 48-stündigen Frist begraben. Wie ernst diese Vorschrift beachtet wurde, zeigt der Vermerk in den Akten, dass „zur früheren Beerdigung ärztliche Genehmigung ertheilt“ wurde.

Die Lebensdaten werden im hebräischen Text nach dem jüdischen Kalender angegeben. Dieser ist eine Kombination aus Mond- und Sonnenjahr.

Das Geburtsdatum wird in der deutschen Inschrift immer angegeben, in der hebräischen Inschrift aber nur selten. Manche führen das
auf den Bibelvers Der Tag des Todes ist besser als der Tag der Geburt (Koh 7,1) zurück, doch entspringt dies dem Versuch, in der Bibel einen passenden Vers als Beweis zitieren zu können. Häufiger wird dagegen das Lebensalter angegeben (z.B. 491).
 
Die Jahreszählung beginnt mit der Erschaffung der Welt, eine Zeitrechnung, die seit dem 12. Jahrhundert allgemein gebräuchlich ist. Das Jahr 2000 entspricht dem jüdischen Jahr 5760/61. In der Regel lässt man den Tausender fort, schreibt also 760 anstelle von 5760, und fügt hinzu: nach der kleinen Zählung.

Die Woche beginnt mit dem Sonntag, dem ersten Tag. Der Freitag wird Vorabend des Heiligen Schabbat genannt, ähnlich wie im bürgerlichen Kalender der Samstag „Sonnabend" genannt wird. Meist wird zusätzlich zum Datum der Wochentag angegeben; dadurch kann kontrolliert werden, ob das Datum in sich stimmig ist, was bei nur teilweise erhaltenen oder stark verwitterten Inschriften eine willkommene Hilfe ist.

Der Tag beginnt mit Sonnenuntergang. Dadurch verschiebt sich das Sterbedatum gegen- über dem bürgerlichen Kalender um einen Tag, wenn der Tod nach Sonnenuntergang eintrat. Der Schabbat hat insofern eine Sonderstellung, als er nicht mit Sonnenuntergang endet, sondern erst, wenn der dritte Stern am Himmel steht, weil man dem Heiligen etwas hinzufügen soll.

Das Hebräische kennt keine Zahlzeichen. Stattdessen hat, wie im alten Griechischen, jeder Buchstabe einen festen Zahlenwert.
So versucht man, einen passenden Bibelvers oder ein Wort zu finden, dessen Buchstaben den Zahlenwert des Sterbejahres ergeben.

Solche Chronogramme („Gematria") sind besonders bei Orthodoxen beliebt. Gerne wird auch die Zahl 18 mit den Buchstaben Jod (= 10) und Chet (= 8) geschrieben, wobei die beiden Buchstaben umgestellt werden; dadurch ergibt sich das Wort chai, was „lebendig" bedeutet, ein Hinweis auf die Auferstehung, so auf den Gräbern 787,319,398, 425,512 und 787.

Auf Grab 521 ist die Zahl 17 durch das Wort tov = gut wiedergegeben, das eben diesen Zahlenwert hat. Auf zwei nebeneinander liegenden Gräbern (992 und 993) ist die Jahreszahl (5)679 durch das Wort 'ateret = Krone wiedergegeben, ein Hinweis auf die häufige Wendung Krone ihres Gatten oder Krone des guten Namens. Auf Grab 553 wird die Jahreszahl (5)626 durch das Wort kitro = seine Krone (ist Heil) wiedergegeben.

Der Grabstein für Marum Binjamin Wolf (104) fällt nicht nur optisch aus dem Rahmen. Es handelt sich um eine dreieckige, zweiteilige Pyramide. Die rein hebräische Inschrift preist ihn als großen Wohltäter, der die Gebote hielt, zweimal am Tag zum öffentlichen Gebet in die Synagoge ging und jedermann unterstützte. Weiter heißt es: Damit (arme) Bräute heiraten konnten, gab er Mitgift. Und im Winter schickte er Holz an die Armen, um sie zu retten vor der Kälte der Jahreszeit. Auch richtete er einen Fonds ein auf Ewigkeit, um von dessen Zinsen den Armen Holz zu , geben, jemandem, der solches nötig hat. Sein Leib ruhe in der Ruhe des Grabes, und seine Seele ruhe im Bündel des Lebens! Und zu seinem Los stehe er auf bei der Auferstehung der Toten! Amen.

Berufe
werden nur sehr selten angeführt, häufig dagegen Titel, Ehrentitel und Gemeinde- ämter. Neben dem Kazin (z.B. 253), der Ehrenbezeichnung für einen reichen Mann. Findet sich die Ehrenbezeichnung Aluf (auf demselben Grab 253) und Chaver (z.B. 779), letzteres ein Titel, den besonders fromme und gesetzestreue Männer bekamen.

Beliebt ist das Akrostichon, bei dem die Anfangsbuchstaben der Zeilen, senkrecht gelesen, den Namen des Verstorbenen ergeben. Meist sind diese Buchstaben besonders gekennzeichnet Wir finden es auf den Grabsteinen 117, 120, 318, 474, 491, 738, 744, 953, 962 und 963.

Der hebräische Text: „Hier liegt begraben ein Mann, bescheiden in all seinen Angelegenhei- ten, gerecht auf all seinen Wegen, fromm in all seinen Taten“ wurde beispielsweise u. a. auf den Gräbern 781, 788 und 766 angebracht.

Auf mehreren zeitlich kurz aufeinanderfolgenden Gräbern (737, 795, 796, 799, 812, 829, 832, 838) ist zu lesen: „Hier liegt begraben ein Mann, der vollkommen wandelte. Der Gerechte lebte in seinem Glauben. Er liebte Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit. Er tat Gutes seinen Verwandten und auch Fremden". Oder:

„Hier liegt begraben ein Mann, bescheiden in all seinen Ange- legenheiten, gerecht auf all seinen Wegen, fromm in all seinen Taten" liest man z. B. auf den Grabsteinen 766,781 und 788.

Auf vier Grabsteinen (285,.284, 335' und 313) steht der Text: "Ein freigebiger Mann, er wandelte in Vollkommenheit, welcher (!) wandelte auf dem Weg der Guten, alt und gottesfürchtig, gerecht und rechtschaffen. All seine Taten führte er in Untadeligkeit aus."

Die Frauengräber 441, 447 und 437 beginnen alle mit den Worten: "Hier ist verborgen die teure und die wohltätige Frau, eine tüchtige Frau, eine gute Hausfrau. Sie fürchtete Gott und tat Gutes all ihre Tage."

 

Bibelzitate finden sich auf vielen Grabsteinen, sowohl in hebräischen als auch vereinzelt in deutschen Inschriften. Dazu gehören Gen 22,3.13; 25,8; 47,9; 1. Sam 2,18-19; 3,3; 2. Sam 1,23 bei Ehepaaren; Ps 31,6; 33,1; 34,5.20; 72,16; 73,25; 116,7; 133,1; Prv 4,11; 3,27; 16,31; 23,18; 31,10-31; Koh 5,11.

 

Bei Verbandsfriedhöfen, auf denen die Toten von mehreren Gemeinden in der Umgebung begraben wurden, „ist es üblich, den Herkunftsort auf dem Grabstein anzugeben. So finden sich in Kuppenheim auf den Grabsteinen und in den Registern über einhundert Ortsnamen, zumeist aus der näheren Umgebung, aber auch aus dem Unterelsass.


Die Sprache der Inschriften war in der Antike im Land Israel Hebräisch oder Aramäisch, in der Diaspora Latein oder Griechisch. In Deutschland wurde bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich das Hebräische benutzt, die Sprache des Gottesdienstes und des Gebetes sowie des religiösen Lebens überhaupt. Erst danach findet sich auch das Deutsche, zunächst nur der bürgerliche Name und eventuell die Lebensdaten nach dem bürgerlichen Kalender auf der Rückseite, dann, mit zunehmender Assimilierung, erscheinen diese Angaben auf der Vorderseite und verdrängen langsam das Hebräische immer mehr, bis oft nur noch die Einleitungsformel und der Schlusssegen auf Hebräisch wiedergegeben werden. Je größer der Ort, umso eher und umso so stärker ist diese Tendenz zu beobachten. In seltenen Fällen finden wir deutsche Inschriften mit hebrä- ischen Buchstaben, so auf Grab 727 und 598.


Der Spruch Friede ihrer Asche findet sich mehrfach (z. B. 760, 890). Er wurde von christlichen Grabsteinen übernommen. Dabei handelt es sich nicht um eine Feuerbestattung. Die hebräischen Wörter für Staub und Asche (afar und efer) werden wegen ihrer Ähnlichkeit als Synonyme benutzt. Sie weisen auf den Bibelsprach: Im Schweiße deines Angesichtes wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, von dem du genommen bist. Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück (Genesis 3,19).


Auf manchen Grabsteinen ist eine Widmung vermerkt, oft von nach Amerika ausgewanderten Angehörigen, die zu Besuch nach Europa kamen, so auf Grab 1000 und 801, wo es heißt: Gewidmet von ihrem Bruder aus New-York. In Kuppenheim findet sich zweimal die Angabe: Gewidmet vom unvergesslichen Gatten (793,888). Grammatikalisch ist die Form korrekt, aber wir verstehen es heute doch ein wenig anders. Weitere Widmungen finden sich auf den Gräbern 617, 623, 641, 670, 679, 696, 744, 758, 808, 876, 1063.


Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind deutsche Inschriften in Reimform üblich, oftmals recht unbeholfen und holperig. Diese Reime sind wohl von Familienangehörigen gemacht worden und richten sich häufig nach Vorbildern auf anderen, auch christlichen, Grabsteinen.


Einige Beispiele aus Kuppenheim:


Du bist gegangen ehe ich 's gedacht. Wie eine Blume verblüht über Nacht. Es sprüh 'n meine Thränen lau auf dich. Und du bist nicht erwacht für mich!“ (554).

„In der Blüthe schönsten besten Lebens Welkt dein Leib so schnell dahin, Doch die Tugend deines Willens Strebens, Wird immer ewig mit dir ziehn“ (627).

„Hat der Tod uns auch geschieden Unsere Liebe schied er nicht. Liebe Mutter ruh in Frieden Unsere Liebe stirbt ja nicht“ (632),


"Dein schönes junges Leben, Dein lieber treuer Blick. Ward uns von Gott gegeben. Er nahm 's zu früh zurück." (Kindergrab 668, 3 1/2 Monate alt)


"Den Leidenden und Armen beizustehn. War ihres Herzens schönste Lebenslust. Die Hoffnung nur auf einstiges Wiedersehen. Stärkt der Hinterbliebenen schmerzerfüllte Brust." (715)


"Hier verschwinden Gram u. Sorgen. Hieher folgt kein eitler Wahn. Und es strahlt ein ew'ger Morgen.Uns am Ziel der Erdenbahn" (766, 781, 788)


"Fromm, still und arbeitsam. Floss dahin Jhr Erdenwalten. Biss Sie auf ewig Abschied nahm. Teuer bleibe Sie uns allen." (865)


"Dieses kleinen Hügels - dunkler Schatten. Deckt das Liebste zweier Ehegatten, Ihres teuren Kindes ürd'sehe Hülle -  Modert in des Grabes Stille -Ruhe, guter Oscar ruh' im Frieden - Jenseits ist uns Wiederseh'n - beschieden." (K 6)


Weitere Gedichte finden sich auf den Gräbern 478,550, 671, 718, 747, 826, 827, 879, 966, 1063, IC 29.


Die Grabsteine wurden von christlichen Steinmetzen hergestellt. Der Steinmetzberuf konnte nur über die Zünfte erlernt werden, und diese nahmen keine Nichtchristen auf. So gab es nach Aufhebung des Zunftzwanges auch keine Tradition in diesem Beruf. Jüdische Steinmetzbetriebe finden sich in Deutschland erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und existieren konnte man von diesem Beruf allenfalls in großen Städten mit einer großen jüdischen Gemeinde.


Die christlichen Steinmetze konnten naturgemäß kein Hebräisch. So ist es nicht zu verwundern, dass die Inschriften voller Fehler sind. Sie kopierten die ihnen überreichte Vorlage. Dabei verwechselten sie häufig ähnlich aussehende Buchstaben. Manchmal ist die Ausführung der Buchstaben so schlecht, dass sich der Text nur erraten lässt. Zudem sind ausgelassene Buchstaben klein über der Zeile nachgetragen, und bei Platzmangel hat der Steinmetz Buchstaben auf den Rand des Grabsteines geschrieben. Naturgemäß gleichen seit dem 19. Jahrhundert auch die jüdischen Grabsteine denen auf den christlichen Friedhöfen. Gerade auf den Dörfern war man angewiesen auf das, was der örtliche Steinmetz in seinem Musterkatalog anbot. Leider gibt es aus dieser Zeit kaum erhaltene christliche Grabsteine zum Vergleich.

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Symbole/Ornamente auf den Grabsteinen


mit Bezug zum Jüdischen Friedhof Kuppenheim:

Erläuterung: (K 48 = Kindergrab Nr. 48)


Davidstern/Magen David
(Anzahl auf dem Friedhof Kuppenheim: 10),

Gräber: Nr.1031.1045.1049.1050.1051.1052.1063.1065.1067.K48 


Dreieck: (8), 41.68.741i.74re.129.241.249.367


Dreipaß: 111.562


Engelkopf, geflügelt: 511.777

Fackel, zerbrochen: 521


florale Motive (Anzahl: 93, 10 Kinder)


gekreuzte Ähren; Blüten; Blume; Efeu/Efeukranz mit Schleife; Girlande; Korb mit Blumen; Kranz (mit Blüten/Schleife); Lorbeerkranz mit Schleife; Palmette; Palmwedel; geknickte Rose; Rosette; Vase; Zweige, gekreuzt/nach unten gehalten,

 

208. 324. 438. 440. 475. 497. 499. 504a. 509. 521. 526. 534. 537. 552. 554. 559. 562. 563. 582. 589. 598. 605. 632. 654. 664. 666. 668. 673. 682. 684.710.717.734.735.738.739. 741. 742. 746. 749. 750. 753. 754. 755. 758. 759. 761. 766. 769. 770. 771. 772. 776. 779. 782. 783. 784. 785. 788. 790. 794. 796. 797. 798. 800. 806. 814. 818. 819. 821. 824. 826.827. 828. 829. 833. 834. 840. 841. 845. 850. 851. 859. 860. 862. 874. 890. 900. 933. 934. 947. 963. 969. 972. 974. 982. 1005. 1015. K4. K6. K7. K11. K15. K21. K23. K26. K30. K34. K37. K38. K42. K45

 

Hand, ausgestreckt: 323


Herz,
flammendes Herz: (8), 103.107.119.36.8.369.372.460. 850


Jugendstilornamente:
(4), 957.958.959.982


Konche:
(9), 769.787.795.809.812.849.872.903 Kopf, 511


Kreis, Kreis mit Strahlen:
186.636

 

Krone: (auch als Abkürzungszeichen, Anzahl: 15),  84.93.101.105.109.270.292.293.301.302.304.376.424.426.438 


Levitenkanne  (Anzahl: 15), 48.60.163.280.323.605.654.672.759.810.888re.892.915re.987ob.1053


Löwe:
103.324


Menora: 1032


Mohn:  828.855.857.878


Öllampe:
  1063


Priesterhände, segnende: 
(Anzahl 36)

27.52.78.79.83.141.1251i.171. 187.231.246.258.260.287.342.362.364Ü.397.402.483. 524.528.531.533.588.684.685.769re.788.889re.983. 1009.1011.1019re.l041.1066ob


Ring, mit Pfeil/Strahlen:
671.1070


Pfeilspitze: 
102


Säule, Säule abgebrochen:
(4), 630.793.827.900


Schofar,:
282re.739.780


Stern:
(Anzahl: 20) 

21. 285. 394. 473. 543. 554. 579. 581. 605. 679. 689. 751. 763. 765. 767. 771. 772. 804. 816. 1056

 

Stundenglas, geflügelt: 521


Tuch/Vorhang, drapiert:
630.755.779.824


Urne: 779

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jüdischer  Friedhof  Kuppenheim                               Berufe – Gemeindestellung – Ehrentitel  auf den Grabsteinen

 

17 %

Lehrer,  Synagogenrat, Synagogenvorsteher, Leiter der  Landgemeinde, Thoragelehrter, Vorbeter


53 %, Handelsmänner

16 Viehhändler

3   Eisenhändler

1   Mehlhändler

2   Kleiderhändler

1   Landesproduktenhändler

5   Metzger

1   Schächter

1   Lumpensammler u.a.


kaum Handwerker (1x Schreiner), Krämer


22 % wichtige Personen

je 8x ALUF + KAZIM (Ehrenbezeichnungen)

 

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