Jüdischer Friedhof
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Auf den Spuren der Hördener (Gaggenauer) Juden – Führung auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim
Freitag, 28. März 2025, 16 Uhr
78 Juden aus Hörden liegen auf dem Jüdischen Friedhof zu Kuppenheim mit den Namen: Morchedai, Weil, Wertheimer, Nathan, Maier, Baer, Stern, Herz und andere. Gut erhalten ist der Grabstein von Klara Stern. geb. Ladenburger, aus dem Jahr 1936 mit der goldverzierten Inschrift. Erwähnenswert ist auch der Grabstein von Nathan Kahn, der von Kuppenheim kommend nach Gaggenau zog und sich 1933 wegen der Schikanen des Naziregimes das Leben nahm.
Der Friedhof wurde 1694 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1857 wurde er Verbandsfriedhof für 16 jüdische Gemeinden, vom Bereich Ettlingen bis ins Hanauerland (Kehl/Lichtenau). Während des Pogroms am 10. November 1938 wurde der Friedhof von Nationalsozialisten verwüstet. SA-Schergen rissen nahezu 100 Grabplatten aus den Grabsteinen heraus und zertrümmerte diese. Auch die Aussegnungshalle in wurde zerstört. Er entging jedoch der vollständigen Schleifung, da das Interesse der NS-Schergen auf die Kriege im Osten und anderswo gerichtet war. Erkennbar sind heute noch etwas mehr als 1.000 Gräber für Erwachsene und 45 Gräber für Kinder.
Die Führung findet auch bei Regen statt. Dauer 90 Minuten. Männliche Teilnehmer benötigen unbedingt eine Kopfbedeckung. Gutes Schuhwerk und warme Kleidung sind sinnvoll. Der Eintritt ist frei. Treffpunkt: Jüdischer Friedhof, Kuppenheim, Stadtwaldstraße 120, Spenden zur Legung von Stolpersteinen werden gerne entgegengenommen.
Eine Anmeldung ist notwendig: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Info: www.juedisches-kuppenheim.de
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Favoriteschüler erkundeten den jüdischen Friedhof
Die 10. Klasse der Favoriteschule besuchte dieser Tage mit den Lehrerinnen Natalie Knapp und Petra Falk den jüdischen Friedhof, das einzigartige Kulturdenkmal auf dem Kuppenheimer "Mergelberg" in der Nähe des Waldrandes. Heinz Wolf vom AK Stolperstein führte dabei die interessierten Schülerinnen und Schüler versiert zu den 1121 Grabsteinen bzw. Grabstellen.
Während der Kur in Baden-Baden gestorben - in Kuppenheim beerdigt
Nach einer grundsätzlichen Einführung zur Geschichte und Bedeutung der religiösen Stätte, war das Grab Nr. 521 von Fanny Raphael aus Altona, die 1854 während ihres Kuraufenthaltes in Baden-Baden starb, die erste Station. In Kuppenheim liegen aus demselben Grund eine ganze Reihe weiterer Juden, so aus Frankreich und dem benachbarten Elsass, aus Belgien Prag, Berlin, Coburg, Frankfurt/M, Leipzig, dem Frankenland und der Pfalz, insgesamt mehr als 50 Grabsteine.
Raphaels Grabstein ist eine Besonderheit, insbesondere wegen der zahlreichen Symbole: Eine zerbrochene Fackel, geknickte Rose und Ähren sowie ein Stundenglas mir Engelsflügeln weisen auf ihren frühen Tod hin, ein Stern und florale Elemente sind weitere Verzierungen. Der christliche Steinmetz "Kammer in Karlsruhe", eingehauen in den Sockel zeigt, dass überwiegend christliche Handwerker die Grabsteine erstellten und, weil sie nicht Hebräisch konnten, Fehler in die Inschriften einbauten.
Grabstellen für die Ewigkeit
Anschließend konnten die Schüler etliche von der Stadt wieder aufgerichtete und nun vor der Verwitterung geschützte Grabsteine zur Kenntnis nehmen, bevor sie an etwa 100 weiteren Grabsteinen, die von Gras und Efeu überwuchert zumeist in drei Einzelteilen zerbrochen am Boden lagen, vorbei stapften. Die Schwere der Steine und der weiche Untergrund zeigten ihre Wirkung. Es wird wohl noch viele Jahre dauern, um zumindest einen Teil der Grabsteine wieder aufzurichten. Grundsätzlich ist es für Juden nicht von großer Bedeutung, wie ihre Grabsteine im Laufe der Zeit dastehen, da sie die Gräber als Ruhestätten für die Ewigkeit. Durch den Gedanken der Auferstehung ist der jüdische Friedhof heilig und Gräber dürfen nicht aufgelöst werden.
Bedeutende US-amerikanische Persönlichkeit: Julius Kahn aus Kuppenheim
Inmitten dies Grabfeldes" stach das Grabmal von dem Eisenhändler Salomon Herz und seiner Frau Barbara besonders hervor. Gleich daneben zeigte ein Grabstein mit zwei Händen und gespreizten Fingern (in Anlehnung an das Priestergeschlecht aus der Kohanim-Familie, die im Tempel den Segen gaben), auf eine Familie Kahn hin, Vorfahren von Julius Kahn. Dieser wurde in Kuppenheim 1861 geboren, wanderte 1881 mit seiner Familie nach Nordamerika aus, ging in San Fancisco zur Schule, anschließend zum Theater, um dann Jura zu studieren. Nachdem er 1892 in das Parlament von Kalifornien wurde er von 1899 bis zu seinem Tod 1924 in den Kongress gewählt. Bis zuletzt hatte den Vorsitz des Kongressausschusses für militärische Angelegenheiten inne, das heißt, er war hauptverantwortlich für den Rüstungsetat der USA im Ersten Weltkrieg.
Schicksal der Eiswarenhändler Herz und Schlorch
Nach dem Erkunden des ältesten Grabfeldes mit mehr als 330 Jahre alten Grabsteinen erführen die Schüler Details aus dem Leben von Semi Schlorch, der wie seine Ehefrau Rosa sowie Sohn Günter im Lager bzw. KZ verlor. Lediglich die Verwandten Ilse und Ludwig Herz konnten sich mithilfe französischer Widerständler retten. Nathan und Samuel Herz und seine Frau sowie sein Bruder Nathan starben ebenfalls im Lager in den Pyrenäen.
Die Familie Berthold Herz konnte 1939, kurz bevor sie nach Gurs deportiert worden wäre, gerade noch in die USA flüchten. Das Schicksal der Tochter Ingelore wurde dann von einigen Schülern vorgetragen. Ilse hatte als Schwerhörige keine schöne Kindheit. Sie konnte sich kaum verständigen, wurde gehänselt, geschlagen und mit Steinen beworfen. Ihre Tante Cora erkannte dann ihre Schwerhörigkeit und schickte sie auf eine Taubstummenschule in Heidelberg. Auch dort hatte sie als einzige jüdische Schülerin Entwürdigung zu ertragen. Währen einer schulischen und beruflichen Ausbildung in Wannsee wurde sie von zwei Jungkadetten sexuell schwer misshandelt. Ihrem Vater gelang es schließt, Ausreisevisa zu erhalten. So konnte die Familie im Februar 1940 emigrieren. Ilse, bei der Misshandlung schwanger geworden, musste in New York eine Abtreibung vornehmen. Später heiratete sie, gebar zwei Söhne, wobei ihr Sohn Frank Stiefel, Regisseur in Hollywood, auf der Berlinale in Berlin den von ihm gedrehten Film "Ingelore" über das Leben seiner Mutter unter großer Anteilnahme der Zuschauer aufführte. Juli 2024
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Über 150 Steine von Efeu überwuchert
AK Stolpersteine pflegt mit vielen Aktionen das jüdische Gedenken in Kuppenheim
Der Friedhofsgärtner Benno Schwanke pflegt für die Stadt Kuppenheim und im Auftrag des Regierungspräsidiums den jüdischen Friedhof zu Kuppenheim. Über 150 Grabsteine liegen noch versteckt unter dichtem Efeu und zum Teil von Wurzeln überwuchert im nördlichen Teil des Friedhofes ungeschützt auf dem Boden.
Wegen des fehlenden Fundaments lagen 1948 etwa 200 Grabsteine im weichen Lehm-Lößboden. Etliche Grabplatten waren aber auch von Nazischergen während der Reichspogromnacht am 10. November 1938 umgeworfen, herausgerissen oder zertrümmert worden. Bis heute sind noch 1 121 Grabsteine auf der 104 Hektar großen Fläche im Gewann Mergelberg vorhanden.
Für die Pflege des Friedhofes erhält die Stadt einen jährlichen Zuschuss von 9.422 Euro vom Land Baden-Württemberg. 23,54 Prozent der Pflegekosten hat die Stadt Kuppenheim selbst zu tragen. Die vielen Besucher und die amtliche Aufsicht loben immer wieder den gepflegten Zustand des Friedhofes.
Daneben gewährt das Land aus einem Sondertopf Zuschüsse für die Instandhaltung sowie Aufstellung alter Grabsteine 15 alte Grabsteine, die von Efeu überwuchert am Boden lagen, konnten 2019 und 2020 von einem Kuppenheimer Steinmetzbetrieb vor der Verwitterung und Zerstörung bewahrt werden. Seit 1999 sind damit insgesamt 414 Steine wiederaufgerichtet und restauriert worden Die Stadt trug hierbei zehn Prozent der angefallenen Kosten (insgesamt 147.592 Euro).
Sturm- und Vandalismusschäden, kleinere Reparaturen an den Eingangstoren sowie des Denkmals vom 1. Weltkrieg wurden vom Regierungspräsidium Karlsruhe komplett übernommen
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Realschüler auf den Spuren jüdischer Traditionen im Murgtal
In den alten Bäumen säuselt ein sanfter Sommerwind. Ihre Schatten verbreiten eine Stimmung der Ruhe und des Friedens über den alten, verwitterten Steinen. Von dieser besonderen Atmosphäre werden auch die Neuntklässler der Realschule Gaggenau ergriffen, als sie vor den Sommerferien den jüdischen Friedhof in Kuppenheim besuchen. Es fehlt das bei Schulausflügen übliche Gekicher und Gerempel. Stattdessen lauschen die Schülerinnen und Schüler aufmerksam den interessanten Ausführungen von Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim. Er wurde als außerschulischer Partner von der angehenden Naturparkschule engagiert, um die Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Moduls „NS- Zeit im Murgtal - eine Spurensuche" über den Friedhof zu führen. Das Kennenlernen der Geschichte vor Ort im Sinne moderner Heimatkunde ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts der Naturparkschulen.
Die vier neunten Klassen haben den jüdischen Friedhof jeweils an unterschiedlichen Tagen besucht. Die Anreise erfolgte mit dem Fahrrad, per Straßenbahn oder zu Fuß. Vor Ort lernten die Neuntklässler zunächst die verschiedenen Ecken des Friedhofs kennen. Die ältesten Grabfelder stammen aus der Zeit um 1700. Einige der zum Teil sehr kunstvollen und von der Zeit gezeichneten Grabsteine wurden wiederinstandgesetzt, aber es gibt auch Bereiche, in denen die Grabfelder der Natur überlassen werden. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass es einen separaten Bereich für Kindergräber gibt.
Am Beispiel der Grabsteine erläuterte der Experte, dass jüdisches Leben mit seinen Traditionen ein fester Bestandteil der Heimatregion im Murgtal war, bis es durch die Gräueltaten der Nazis auch hier vernichtet wurde. Viele Spuren in Kunst und Architektur weisen bis heute auf diese Traditionen hin. Die Jugendlichen beeindruckten besonders die Einzelschicksale, die bei vielen der hier Begrabenen eng mit der Ortsgeschichte von Gaggenau und Bad Rotenfels verwoben sind. Erst im Winter hatten einige der Schülerinnen und Schüler den Stolperstein von Nathan Kahn geputzt, auf Gräber seiner Familie stießen sie auch beim Besuch des Friedhofs.
Die Stimmung auf dem Nachhauseweg von diesem eindrücklichen Ausflug ist nachdenklich. Vielen sind die Parallelen zwischen der Unterdrückung jüdischer Mitbürger damals und dem Umgang mit Minderheiten heute klar geworden. „Ich denke, die Botschaft ist angekommen, dass Minderheiten unsere gesellschaftliche Vielfalt bereichern und dass jeder ein Stück weit für einen achtsamen und respektvollen Umgang mit Minderheiten verantwortlich ist", so das Fazit von Lehrerin Elena Wunsch nach dem Ausflug. Juli 2023
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Gedenken an Pogromnacht
Führung auf dem jüdischen Friedhof am 10. November 2023
Sa-Männer schänden Friedhof und brennen Synagoge nieder
Es geschah am frühen Nachmittag des 10. November vor 85 Jahren, als auch in Kuppenheim das von den Nazis initiierte Reichspogrom begann. Mehr als 60 SA-Männer aus Gaggenau (es waren auch einige wenige Kuppenheimer dabei) kamen in Lastwagen, um jüdische Wohn- und Geschäftshäuser nach Waffen und Munition (so der Vorwand) zu untersuchen. Tatsächlich bedrohten sie die jüdischen Bürger, randalierten in den Häusern und zerstörten etliche Einrichtungen. "Sie haben unser Mobiliar zerstört und uns übel beschimpft", so mehrere jüdische Kuppenheimer Zeitzeugen.
Schändung des jüdischen Friedhofes
Zuvor jedoch wüteten sie auf dem jüdischen Friedhof, zündeten die kleine Einsegnungshalle an, rissen an etwa 100 Grabsteinen die Tafeln heraus und zertrümmerten diese. Auch der Gedenkstein für die gefallenen jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg blieb nicht verschont. Die Gedenkplatte für die fünf Kuppenheimer Juden (Julius Grünbaum, Joseph Kahn, Karl Dreifuß und Ludwig Herz), die für Vaterland und Kaiser ihr Leben ließen, wurde von Barbarenhand aus der Verankerung herausgerissen.
Sechs Kuppenheimer Juden - Schutzhaft in Dachau
Unter dem Begriff Schutzhaft nahmen Gestapo und Polizei jede ihnen unliebsame Person unter dem konstruierten Vorwand des Schutzes vor dem angeblichen Zorn des Volkes ohne richterliche Anordnung und unbefristet in Haft. Dort wurden die Betroffenen brutal verhört und anderen Strapazen ausgesetzt, wie z.B. Einzelhaft in kleinen Zellen ohne Fenster, in denen es außer einer Kloschüssel kein Mobiliar gab und permanent das Licht eingeschaltet blieb.
Nach einem Zeitzeugenbericht nahm die Geheime Staatspolizei (Gestapo) noch vor der Brandschatzung der Synagoge und der Zerstörung jüdischer Geschäfte sechs jüdische Männer aus Kuppenheimer in Schutzhaft: Heinrich Dreifuß, Max Dreifuß, Berthold Herz, Hermann Kahn, Semi Schlorch und Hermann Heinrich Valfer.
Diese sechs Männer wurden vom 10. zum 11. November 1938 über das Landesgefängnis Bruchsal und anschließend über Karlsruhe mit dem Zug in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.
„In dieser Nacht, auf dem Weg ins KZ Dachau, konnten ich und die anderen 500 Juden, die "sich in den Viehwaggons befanden, kein Auge schließen, unsere Gedanken weilten bei unseren Familien, und wir hatten eine Ahnung davon, was uns im KZ erwarten würde. In Dachau angekommen, standen in den Gleisen SS-Posten mit aufgepflanzten Bajonetten. Wir mussten in den Abteilen bleiben, und dann kamen die SS-Leute herein zur Begrüßung mit ihren Gewehrkolben und ihren Fäusten. Das Einkleiden dauerte den ganzen Tag, Stehen ohne Essen und Trinken. 300 Mann kamen anschließend in Baracken, in denen eigentlich höchstens 40 Menschen Platz hatten. In dieser leeren Baracke mussten wir auf dem Boden sitzen, jeder den Vordermann zwischen den Beinen, sodass man sich nicht hinlegen konnte. Die Luft wurde schlecht, man konnte kaum atmen oder sich bewegen. Während der Nacht durften wir die Baracke nicht verlassen, sonst wären wir erschossen worden", so Ludwig Marx aus Karlsruhe.
Dachau war eines der drei Konzentrationslager, nach denen die während des Novemberpogroms 1938 festgenommenen über 26 000 deutschen Juden (aus Süddeutschland, dem Rheinland und Österreich) verbracht wurden. In Dachau mussten die Juden Wochen und zum Teil Monate unter menschenunwürdigen Bedingungen verbringen. Es wurde ihnen der Kopf kahlgeschoren, sie wurden in Häftlingskleidung gesteckt, sie mussten trotz der Kälte stundenlang auf dem Exerzierplatz stehen und waren der für Juden besonders grausamen Willkür der SS-Wachmannschaften ausgeliefert.
Drei Wochen nach der „Kristallnacht“, so die Bezeichnung der Nationalsozialisten, kehrten die verhafteten jüdischen Männer aus Kuppenheim schweigend zurückgekehrt, nur der alte Kavallerist Heinrich Dreyfuß fehle, er wurde am 24.11.1938 in Prittelbach bei Dachau von KZ- Schergen erschlagen. Die SA fand am 10. November 1938 in der Wohnung des Heinrich Dreyfuß einen alten Kavalleriesäbel, eine Erinnerung an seinen Dienst im ersten Weltkrieg. Möglicherweise war dieser Waffenfund für ihn das Todesurteil. 10. November 2023
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Jüdischer Friedhof Kuppenheim - Führungen durch ein besonderes Kulturdenkmal
Aufgrund der regen Nachfrage lädt der AK Stolpersteine zu zwei weiteren Führungen auf dem Kuppenheimer Jüdischen Friedhof (Stadtwaldstraße 120, oberhalb des Schützenhauses) ein:
Sonntag, 15. September, 11 Uhr und
Mittwoch, 18. September, 16 Uhr.
Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kopfbedeckung (Mütze, Kappe, Hut…) zu tragen. Gutes Schuhwerk ist angesagt. Veranstaltungen finden auch bei Regen, nicht bei Sturm, statt. Sie sind kostenlos. Spenden für das Legen neuer Stolpersteine in Kuppenheim oder für Aktionen des Arbeitskreises (Stolpersteinreinigungen, Lesungen, Vorträge, Konzerte…) werden gerne entgegengenommen.
Zur Geschichte des Friedhofes
Der Friedhof wurde 1694 erstmals urkundlich erwähnt. Der Grabstein des Dienstboten des Gernsbacher Israel Jung ist nicht mehr erhalten, jedoch Grabsteine aus den Jahren 1694 (Naftali Herz ), 1697 (Mosche und Breinle bat Eljakum, bat = Tochter) und 1699 (Beile bat Jehuda). 1857 wurde der Friedhof vom Rabbinatsbezirk Bühl zum Verbandsfriedhof für 16 jüdische Gemeinden bestimmt, vom Bereich Ettlingen bis ins Hanauerland (Kehl/ Lichtenau).
Der Friedhof wurde während des Zweiten Weltkriegs von Nationalsozialisten verwüstet, die Aussegnungshalle in der Reichspogromnacht im Jahr 1938 zerstört, entging jedoch der vollständigen Schleifung, da das Interesse der NS-Schergen auf die Kriege im Osten und anderswo gerichtet war. Erkennbar sind heute noch etwas mehr als 1 000 Gräber für Erwachsene und 45 Gräber für Kinder. Etwa 150 Grabsteine liegen am Boden und sind von Efeu überwuchert bzw. durch Baumwurzeln beschädigt.
Anmeldung erbeten unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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Führung auf dem Jüdischen Friedhof
Der Kuppenheimer Arbeitskreis Stolpersteine veranstaltet in den Monaten Oktober oder November wieder eine Führung auf dem Jüdischen Friedhof. Wer Interesse hat, daran teilzunehmen, möchte dem Arbeitskreis eine Mail zukommen lassen, um dann informiert zu werden, wann genau die kommende Begehung des Friedhofes stattfindet:
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Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung mitzubringen und zu tragen. Die Führung ist kostenlos und findet auch bei Regen statt. Spenden zur Abdeckung der Kosten zur Legung weiterer Stolpersteine in Kuppenheim werden gerne entgegen genommen.
In Kuppenheim befindet sich laut Mitteilung der erstmals 1694 urkundlich erwähnte jüdische Bezirksfriedhof für Mittelbaden. Von 1814 bis 1869 wurde vom katholischen Pfarramt das Begräbnisbuch der auswärtigen jüdischen Gemeinden geführt. Der Friedhof wurde während des Zweiten Weltkriegs von Nationalsozialisten verwüstet, die Aussegnungshalle in der Reichspogromnacht im Jahr 1938 zerstört. Erkennbar sind rund 1 000 Gräber für Erwachsene und 45 Gräber für Kinder.
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Bewegte Geschichte nähergebracht Dez. 2019
Arbeitskreis Stolpersteine veranstaltet Führung für Schüler aus Muggensturm auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim
Muggensturm/Kuppenheim (BNN). Es war die neunte Führung auf dem jüdischen Friedhof, die der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim in diesem Jahr veranstaltet hat. Heinz Wolf vom Arbeitskreis führte einen amerikanischen Nachkommen der Familie Kahn, zwei Schul-Jahrgangsklassen aus Kuppenheim und Bad Rotenfels, vier neunte Klassen der Naturparkschule Realschule Gaggenau sowie am Tag der Reichspogromnacht 45 Interessierte aus der Region über das Kuppenheimer Kulturdenkmal. Zuletzt kamen etwa 15 Jugendliche von der evangelischen Kirchengemeinde Muggensturm/Bietigheim/ Ötigheim und einige Erwachsene, die sich über jüdische Begräbnissitten informierten.
Der Arbeitskreis Stolpersteine beabsichtigt mit all seinen Aktionen, auf das Schicksal der jüdischen Minderheit hinzuweisen, an die vertriebenen und ermordeten Mitbürger zu erinnern und vor allem zu mahnen, dass so etwas nie wieder passieren werde. In diesem Zusammenhang erfahren die Jugendlichen, dass es wichtig ist, sich für Toleranz gegenüber Minderheiten einzusetzen, teilte der Arbeitskreis mit.
Die Besucher auf dem Friedhof erfuhren, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Muggensturm eine kleine jüdische Gemeinde bestand. Erstmals wurde 1701 eine jüdische Familie am Ort genannt (in Kuppenheim bereits 1433). Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1875 mit 80 Personen erreicht. Bald verzog jedoch ein großer Teil der Muggensturmer Juden in die Städte der Umgebung oder wanderte aus. 1897 lebten 30, im Jahr 1910 nur noch 15 jüdische Einwohner in Muggensturm.
Zum 1. Januar 1913 wurde die Gemeinde aufgelöst und die hier noch lebenden Juden der Israelitischen Gemeinde Rastatt zugewiesen. 1924 wurden noch vier, 1933 fünf Juden gezählt. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien entschlossen sich in der Folgezeit zur Auswanderung: Julius Dreyfuß nach England, Manfred Dreyfuß nach Frankreich (1933), Jacob Roos nach Argentinien (1938), Herbert Ludwig Heimann (1938 nach England).
Die jüdischen Familien lebten vom Handel. Als größeren Gewerbebetrieb gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Tüten-, Papierwaren- und Kartonagefabrik Dreyfuss & Roos. 1833 gründete sich die Firma Vogel & Schnurmann in Muggensturm (Levy Vogel und Samuel Schnurmann), eine Lumpensortieranstalt mit Lederhandel. Simon Bernheimer aus Schmieheim bei Lahr trat 1866 als kaufmännischer Lehrling in die Firma ein. Durch Arbeitseifer und Strebsamkeit erfolgreich, eröffnete er zusammen mit dem Muggensturmer Samuel Vogel die „Vogel & Bernheimer OHG" mit Sitz in Ettlingen. Nach dem Krieg 1870/1871 begann die Modernisierung der gesamten Produktionstechnik.
Dann zogen die Industriepioniere aus Muggensturm (Samuel Schnurmann stieß als dritter Gesellschafter dazu) nach Maxau an den Rhein, um mit der Zellstoffproduktion zu beginnen. Im Verlauf der „Arisierung" durch die Nationalsozialisten mussten die damaligen Eigentümer Leo Vogel und Sally Vogel den Betrieb zwangsweise verkaufen. Sie und der Prokurist Arthur Vogel emigrierten mit ihren Familien nach England.
Elsa Dreifuss, Berthold Dreyfuss, Moritz Heimann, Margarethe Hummel, David Kahn, Lina Leopold, Leopold Löb, Elsa Meyer sowie Berta Weil, Paula (Bella) Weil und Melanie (Melonia) Schaalmann sind in der NS-Zeit umgekommen.
Eine Zeitreise erlebten die Teilnehmer bei der Führung auf dem jüdischen Friedhof in Muggensturm. Foto: pr/Wolf
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Arbeitskreis erinnert an bewegte Geschichte
Gedenken bei Führung auf jüdischem Friedhof
Kuppenheim (BNN). Mehr als 40 Interessierte aus Kuppenheim und Umgebung sind zur Führung auf dem jüdischen Friedhof Kuppenheim, veranstaltet vom örtlichen Arbeitskreis Stolpersteine, gekommen. Schwerpunkt der Begehung war das Gedenken an die Schändung des Ehrenmals für die gefallenen jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Im tapferen Kampf für Kaiser und deutsches Vaterland haben Julius Grünbaum, Karl Dreyfuß, Ludwig Herz, Joseph Kahn und der nach Baden-Baden verzogene Moses Dreyfuß ihr Leben gelassen.
NS-Regime zerstört Gräber und Ehrenmal
Die SA- Schergen haben darüber hinaus dutzende Grabplatten aus jüdischen Grabsteinen gerissen und zertrümmert, von Juden aus Kuppenheim und anderen Gemeinden, die über Jahrzehnte zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben ihrer Heimatgemeinden gehörten. Sie waren Deutsche mit all ihren Rechten und Pflichten.
Neben dem Niederbrennen der Kuppenheimer Synagoge in der Löwengasse und dem barbarischen Wüten in den jüdischen Wohn- und Geschäftshäusern, zerstörten die Nationalsozialisten auch die Einsegnungshalle auf dem jüdischen Friedhof. Dann wurden auch noch sechs angesehene jüdische Geschäftsleute verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. In Prittelbach ermordete die SS Heinrich Dreyfuß. Zur Abrundung der abstrusen NS-Strategie bürdete die NS-Regierung der jüdischen Gemeinde Kuppenheim noch die Kosten der Pogromnacht auf.
Die Reichspogromnacht war auch für die neun überlebenden jüdischen Soldaten des Ersten Weltkrieges Wendepunkt in ihrem bürgerlichen Leben. Entweder mussten sie fliehen, so Berthold, Karl und Max Dreyfuß, Alfred Maier sowie Berthold Herz oder sie kamen in Deportations- und Konzentrationslagern ums Leben. Semi Schlorch von der angesehenen Eisenwarenhandlung „Herz und Schlorch" wurde in Auschwitz ermordet, Salomon Kuppenheimer und Adolf Kahn starben in Gurs.
Der Arbeitskreis Stolpersteine beabsichtigt mit all seinen Aktionen - etwa Führungen auf dem jüdischen Friedhof, den mittlerweile sieben Stolpersteinlegungen und den Stolpersteinreinigungen zu den einzelnen Gedenktagen, den Konzerten und Lesungen sowie den Vorträgen - auf das Schicksal der jüdischen Minderheit hinzuweisen, an die vertriebenen und ermordeten Mitbürger zu erinnern und vor allem zu mahnen, dass so etwas nie wieder passieren würde. Der Vorfall in Hall" und all die Angriffe auf Synagogen, Juden und Mitgliedern anderer Minderheiten, sollen Mahnung sein für ein menschliches, weltoffenes und tolerantes Deutschland, für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in diesem Land, ungeachtet ihrer Weltanschauung, Religion, Kultur oder Hautfarbe, so der Arbeitskreis. Die Veranstaltungen seien insbesondere an junge Menschen gerichtet.
Zahlreiche Interessierte aus Kuppenheim und Umgebung beteiligten sich an der Führung. Foto: Wolf/pr
BNN; Dez.2019
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Realschüler auf den Spuren jüdischer Traditionen im Murgtal Juli 2019
Der AK Stolpersteine Kuppenheim hat in den vergangenen Jahren wiederholt Schüler der Kuppenheimer Werne-von-Siemens-Realschule und der Favorite Werkrealschule über den jüdischen Friedhof geführt. Heinz Wolf vom Arbeitskreis war beeindruckt von dem disziplinierten Verhalten der Schüler. Insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und aus dem Nordirak zeigten wegen ihrer eigenen Erlebnisse tiefes Mitgefühl mit dem Schicksal der Familien, Lehmann, Herz, Schlorch und Kahn, die während der Führung exemplarisch vorgetragen wurden.
AK Stolpersteine außerschulischer Partner der Naturparkschule Realschule Gaggenau
Die Neuntklässler der Realschule Gaggenau besuchten vor den Sommerferien den jüdischen Friedhof in Kuppenheim. Die Schüler lauschten aufmerksam den interessanten Ausführungen von Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim. Er wurde als außerschulischer Partner von der angehenden Naturparkschule engagiert, um die Schülern im Rahmen des Moduls „NS-Zeit im Murgtal - eine Spurensuche" über den Friedhof zu führen. Das Kennenlernen der Geschichte vor Ort im Sinne moderner Heimatkunde ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts der Naturparkschulen.
Mehr als 100 Schüler beeindruckt von jüdischer Begräbniskultur
Die vier neunten Klassen haben den jüdischen Friedhof jeweils an unterschiedlichen Tagen besucht. Die Anreise erfolgte mit dem Fahrrad, per Straßenbahn oder zu Fuß. Vor Ort lernten die Neuntklässler zunächst die verschiedenen Ecken des Friedhofs kennen. Die ältesten Grabfelder stammen aus der Zeit um 1700. Einige der zum Teil sehr kunstvollen und von der Zeit gezeichneten Grabsteine wurden wieder instandgesetzt, aber es gibt auch Bereiche, in denen die Grabfelder der Natur überlassen werden. Die Schüler erfahren, dass es einen separaten Bereich für Kindergräber gibt.
Juden waren Teil von Kuppenheim
Am Beispiel der Grabsteine erläuterte der Experte, dass jüdisches Leben mit seinen Traditionen ein fester Bestandteil der Heimatregion im Murgtal war, bis es durch die Gräueltaten der Nazis auch hier vernichtet wurde. Viele Spuren in Kunst und Architektur weisen bis heute auf diese Traditionen hin. Die Jugendlichen beeindruckten besonders die Einzelschicksale, die bei vielen der hier Begrabenen eng mit der Ortsgeschichte von Gaggenau und Bad Rotenfels verwoben sind. Erst im Winter hatten einige der Schüler den Stolperstein von Nathan Kahn geputzt, auf Gräber seiner Familie stießen sie auch beim Besuch des Friedhofs.
Eine nachhaltige Besichtigung – respektvoller Umgang mit Minderheiten
Die Stimmung auf dem Nachhauseweg von diesem eindrücklichen Ausflug ist nachdenklich. Vielen sind die Parallelen zwischen der Unterdrückung jüdischer Mitbürger damals und dem Umgang mit Minderheiten heute klar geworden. „Ich denke, die Botschaft ist angekommen, dass Minderheiten unsere gesellschaftliche Vielfalt bereichern und dass jeder ein Stück weit für einen achtsamen und respektvollen Umgang mit Minderheiten verantwortlich ist", so das Fazit von Lehrerin Elena Wunsch nach dem Ausflug.
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