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Lesung mit Musik 13 03 2019 klein

Legungen 2013

Das erweiterte Anliegen der Aktion STOLPERSTEINE ist es, im Gedenken die Familien wieder „zusammenzuführen“

Deshalb werden auch überlebende Familienangehörige einbezogen: zum Beispiel Kinder, die in Sicherheit gebracht werden konnten; Jugendliche, die nach Palästina gingen; Angehörige, denen die Flucht gelang; KZ-Überlebende; u.a.

Gedacht wird auch der Menschen, die unter dem großen Druck der damaligen Umstände ihrem Leben ein Ende setzten. 

Deshalb sollten die Familienschicksale für die Zeit von 1933 bis Kriegsende 1945 möglichst umfassend übermittelt werden. Es sollte in jedem Fall das Schicksal der gesamten Familie dokumentiert werden. Es sind anzugeben: deportierte/ermordete als auch geflohen/überlebte Familienmitglieder.
1. Stolpersteinlegung Kuppenheim 5. September 2013
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Murgtalstraße 2

Marie Dreifuß geb. Friedmann, geb. 14.02.1857 in Kuppenheim

verheiratet mit Leopold Dreifuß (geb. 10.05.1850, gest. 22.02.1920), Handelsmann, 22.10.1940 nach Gurs deportiert, am 11.02.1943 nach Auschwitz, am 13.02.1943 wahrscheinlich vergast, am 31.12.1945 für tot erklärt;

Marie Dreyfuß verließ das Lager Drancy (bei Paris, von Gurs kommend) mit einem Kontingent von 1.000 Juden.  132 Kinder waren jünger als 12 Jahre alt. Unter den Deportierten befanden sich 38 Kinder und 18 Alte, die am Vortag von der französischen Polizei im Rothschild-Hospital und Hospiz wegen dreier gescheiterten Ausbruchversuchen festgenommen wurden. Bei der Ankunft in Auschwitz wurden 143 Männer und 53 Frauen zur Arbeit selektiert. Alle anderen wurden sofort vergast. Im Jahr 1945 gab es noch 14 Überlebenden, darunter eine Frau.

Kinder: Anna (09.10.1878), Max (10.11.1881), Mathilde (29.06.1884), Ida (13.04.1887), Regina (21.06.1894linie

Murgtalstraße 17 (Murgtalstraße 21, Hinterhaus, Stein neben Parkplatz, ehemals „Judenhaus“ (Haus der Jüdischen Gemeinde),

Heinrich Dreyfuß, geb. 16.10.1883 in Kuppenheim

Heinrich D. nahm als patriotischer Kämpfer für das Vaterland am 1. Weltkrieg teil und wurde ausgezeichnet.

Als Mitglied des Arbeitergesangvereins Kuppenheim nahm er am gesellschaftlichen Leben in Kuppenheim teil. Zeitzeugen berichteten davon, dass Heintich Dreyfuß politisch links gerichtet (wohl soziaödemokratisch, vielleicht sogar kommunistisch) gedacht hat, was ihm während der Schutzhaft im KZ Dachau wahrscheinlich zum Verhängnis wurde. Dort wurde er erschlagen.

 

Sein Textilgeschäft (Textil-/Manufakturgeschäft) führte er bis 02.04.1937 in der Friedrichstraße 72 in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen. Seine lebenssichernde Basis musste Heinrich Dreyfuß aufgrund der nationalsozoalistischen Anordnung 1937 aufgeben und sein Geschäfts-/Wohnhaus im Zentrum der Stadt weit unter Wert verkaufen.

Die Eheleute wohnten nach dem Verkauf in Kuppenheim, Murgtal-straße 17, im Gemeindehaus (wo arme Familien untergebracht wurden) unter schlechten Bedingungen.

Am 10.11.1938 (1 Tag nach dem Synagogenbrand) wurde Heinrich Dreyfuß nach Dachau deportiert, am 24.11.1938 nach Misshandlungen in Prittlbach bei Dachau ermordet.

Die Freiwillige Feuerwehr Kuppenheim, deren Mitglied er war,  hat die Patenschaft für Heinrichs Stolperstein übernommen und reinigt diesen von Zeit zu Zeit.

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Friedrichstraße 59

Klara Kahn, geb. 27.12.1900 in Kuppenheim,

Klara K. war bis zum Ableben der Eltern in deren Haushalt in der Friedrichstraße 59 als ledige Hausangestellte beschäftigt, danach Hausangestellte bei Libmann Maier in Malsch. Sie wanderte anschließemd aus Lebensangst vor den Nationalsozialisten von Ort zu Ort.

Am 04.11.1936 zog sie von Malsch nach Kuppenheim, am 01.03.1938 von Kuppenheim nach Malsch und am 06.05.1938 zurück nach Kuppenheim. Unmittelbar nach dem Tod ihrer Mutter wollte sie am 14.06.1939 nach Frankreich auswandern. Am 13.11.1939 meldete sie sich polizeilich von Kuppenheim ab, am 08.07.1940 von Eichtersheim kommend in Kuppenheim wieder an. Bald danach ging sie nach Frankfurt. Am 08.07.1940 war sie in Kuppenheim polizeilich gemeldet.

Am 18.09.1940, kurz vor der Gurs-Deporations-Aktionn, ging Klara Kahn nach Bingen am Rhein (Nahestraße 6).

 

Am 20.03.1942 wurde sie von Bingen nach Polen deportiert. Seither gilt sie als verschollen.

Eltern:

Simon Kahn (08.04.1866), Synagogenvorsteher, gestorben 29.03.1937,

Stephanie Kahn geb. Kahn (geb. 24.08.1866), gest. 06.05.1939
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Friedrichstraße 75

Salomon Lehmann, geb. 02.01.1868 in Kuppenheim,

Metzgermeister in 3. Generation, sein Sohn Karl in 4. Generation;

verheiratet mit Mina Lion (Leon), geb. 10.09.1871;

 

Wegzug der Familie von Kuppenheim zu Verwandten nach Malsch am 04.03.1938 nach dem von den Nationalsozialisten erzwungenen Verkauf der Metzgerei an Otto Becker. Bemerkenswert, dass Salomons Sohn Karl nach dem zweiten Weltkrieg freundschaftliche Kontakte zu Otto Becker und zu dessen Sohn Paul Becker hatte.

 Am 13.05.1939 Wegzug von Malsch in Richtung Hamburg.

 Salomon, seine Ehefrau Mina und seine Halbschwester Amalie Herz hatten sich Einwanderungspapiere von der US-Einwanderungsbehörde besorgt und hatten vor, mit der MS "St. Louis" über Kuba in die USA auszuwandern. Kuba sollte lediglich Zwischenstation sein.

 

Am 13. Mai 1939 gingen die drei Kuppenheimer an Bord der "St. Louis", nachdem sie jeweils 600 Reichsmark (Touristenklasse, 1. Klasse 800 RM) und jeweils 230 RM Sicherheit für eine mögliche Rückreise zu zahlen hatten. Die touristische Einreisebewilligung (keine Visa) für Kuba jostete 150 US-Dollar je Person. Auf das Schiff durften die Passagiere nur 20 Reichsmatk mitnehmen.

899 zumeist deutsche Juden (38 Juden kamen in Cherbourg dazu) verließen am 13. Mai 1939 mit dem Hapag-Dampfer den Hamburger Hafen. Eine Musikkapelle spielete vor dem Schuppen 76 zum Abschied "Muss i denn zum Städtele hinaus".

Mehr als 300 Ausreisende waren vorher in Konzentrationslagern interniert. Die anderen hatten ihre Heimat, Freunde und Verwandte aufgegeben, um dem drohenden Unheil zu entfliehen.

In Kuba angekommen (am 27. Mai), verweigerte der dortige Machthaber (wegen antisemitischer Hetze auf der Insel) die bereits bezahlte Einreise der Touristen. Lediglich 23 Juden durften von Bord. Daraufhin versuchte Kapitän Schröder die Juden an Land zu bringen. Präsident Rossevelt weigerte sich, die Flüchtenden aus Deutschland aufzunehmen und ließ zu, dass  das Schiff mit Flugzeugen und Schiffen des Küstenschutzes bedroht wurde.

Kapitä Schröder war nun gezwungen, das Schiff bis zum 18. Juni 1939 nach Deutschland zurück zu bringen. Da allen 937 verbliebenen Passagieren (8 Juden wählten auf dem Schiff den Freitod, 23 blieben auf Kuba) das Konzentrationslager und die Vernichtung drohte, gelang es der jüdischen Hilfsorganisation JOINT, dass verschiedene Länder bereit waren, Juden aufzunehmen: England (287), Frankreich (224), Niederlande (181), Belgien (214). Die Reise der "St. Louis" endete am 17. Juni 1939 im Hafen von antwerpen.

Während die nach England gekommenen Flüchtlinge überlebten, gerieten die meisten anderen in die Fänge der Nazis und wurden ermordet.

So wurde Salomon Lehmann ins Lager Mechelen gesteckt und am 21.09.1942 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Am 08.05.1945 wurde er für tot erklärt.

Mina Lehmann und Amalie Herz verstarben 1941 in Brüssel nach all den Monaten der Erniedrigung, Entrechtung, Hoffnungslosigkeit und gesundheitlicher Bedrohung.

Für seinen menschenfreundlichen Einsatz wurde Kapitän Gustav Schröder 1957 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Israel hat ihn in Yad Vashem uin den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen. An der Landungsbrücke un Hamburg steht eine Gedenktafel.

Mina Lehmann , geb. Leon/Lion 10.09.1871 in Ettenheim,

verheiratet mit Salomon Lehmann; Wegzug von K.heim nach Malsch am 04.03.1938,

13.05.1939 Wegzug von Malsch nach Hanburg;

Irrfahrt mit der „St. Louis nach Havanna (Kuba, Abweisung) und Florida (USA, Abweisung), 1939 in Antwerpen (Belgien) ausgeschifft (s. Anmerkungen zur Irrfahrt der "St. Louis" unter Salomon Lehmann);

Mina Lehmann verstirbt am 26.08.1941 in Brüssel kurz vor der Evakuierung nach Auschwitz.

Amalie Herz, geb. 05.01.1859 in Malsch,

gehörlos, Tochter von Jakob Lehmann, Stiefschwester von Salomon, ledig, lebt im Haushalt ihres Halbbruders Salomon Lehmann;
Wegzug von Kuppenheim nach Malsch am 04.03.1938, 13.05.1939 Wegzug von Malsch, Irrfahrt mit der „St. Louis nach Havanna (Kuba, Abweisung) und Florida (USA, Abweisung), 1939 in Antwerpen (Belgien) ausgeschifft (siehe Anmerkungen zur Irrfahrt der  "St. Louis" unter Salomon Lehmann);

Amalie Herz verstirbt in Brüssel kurz vor Evakuierung nach Auschwitz.

Obwohl für Salomon + Mina Lehmann und Amalie Herz bereits in Malsch in der Kreuzstraße 10 jeweils ein Stolperstein verlegt wurde, befürwortet Gunter Deming eine weitere Legung in Kuppenheim, da die Familie Jahrzehnte in Kuppenheim lebte und dort angesehener Teil der Gesellschaft war.
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Friedrichstraße 90/94

Mina Maier geb. 23.03.1873 in Malsch

Mina Maier wurde am 22.10.1940 von Kuppenheim in das Lager Gurs in den Pyrenäen deportiert. Mina Maier verstirbt am 08.09.1941.
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Friedrichstraße 98

Kahn Ludwig, geb. 26.12.1873 in Kuppenheim,

Viehhändler, verh. (07.05.1901) Amalie (Malchen) Kahn geb. Bodenheimer (16.10.1887) aus Bretten, Eheleute am 22.10.1940 nach Gurs und in verschiedene Lager interniert, Ludwig Kahn lebte 1946 in Lacaune (Frankreich), will zunächst nach Kuppenheim zurück, 1949 in Santiago de Chile, später in Buffalo (USA)

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Friedrichstraße 98

Isidor Meier, geb. 11.05.1883 in Nonnenweie, heiratete am 22.12.1908 Karoline Kahn aus Kuppenheim.

Der Viehhändler Isidor Maier zog am 14.09.1939 mit Ehefrau und der Witwe Berta Sara (zusätzlicher Vorname am 14.09.1939) Baum (geb. 05.06.1878) von Nonnenweier nach Kuppenheim in die Friedrichstraße 98. Die Tochter Blanka (Blanche9 Meier wanderte bereits am 07.06.1937 nach New York, USA, aus.

Vom 10.11. bis 15.12.1938 wurde Isidor M. nach der Reichs-pogromnacht (in Kuppenheim am 10.11.1938) ins KZ Dachau in Schutzhaft genommen. In dieser Nacht haben SA-Schergen die Synagoge niedergebbrannt, den Friedhof geschändet, jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet und die jüdische Bevölkerung gedemütigt. Dazu mussten die Juden auch noch für die von den Nazis verursachten Schäden (weil Volkseigentum zerstört wurde) an ihrem Eigentum aufkommen. In diesen fünf Wochen wurde Isidor M. wohl äußerst schlecht behandelt. Nach der Haftentlassung hat er (wie auch die anderen Kuppenheimer Inhaftierten) kein einziges Wort über die Haftbedingungen verlauten lassen. Es ist davon auszugehen, dass er und all die anderen in erheblichem Maße von den Nazis eingeschüchtert, ja sogar epresst wurde, um kein Sterbenswort über Dachau zu erzählen.

Am 08.07.1940 war Isidor Kahn in Kuppenheim polizeilich gemeldet. Ein viertel Jahr danach deportierten die National- sozialisten ihn und seine Ehefrau Karoline am 22.10.1940 nach Gurs. Nach dreieinhalb Monaten im eiskalten Winter wurde er am 11.02.1942 in das Gurs-Nebenlager Noé, ein halbes Jahr später (am 22.08.1642) nach Récébédou velegt.

Am 28.08.1942 gelangte er mit Transport Nr. 25 von Drancy nach Auschwitz, wo er wahrscheinlich im August 1942 vergast wurde.

 

Am 08.05.1945 hat man ihn für tot erklär.

 

1.000 Juden waren in Viehwaggons, davon 28 Kinder unter 17 Jahren (8 zweijährige, 14 dreijährige, 21 vierjährige, 23 fünfjährige Kinder). Vor der Ankunft in Auschwitz am 31.08.2042 wurden etwa 250 arbeitsfähige Männer in Kosel aus dem Zug geholtund auf verschiedene Lager in Schlesien verteilt. Nur 71 Frauen wurden in Auschwitz zur Arbeit selektiert. Der Rest des Transports (etwa 680 Personen) wurde sofort vergast. Im Jahr 1945 gab es noch acht Überklebende von ehemals 1.0000 Deportierten.

Isodor und Karoline Meier hatten eine gemeinsame Tochter Blanka, geb. am 17.11.1900 in Nonnenweier.

 

Karoline Meier geb. Kahn, geb. 19.11.1885 in Kuppenheim, Tochter des David und Sara Kahn aus Kuppenheim.

Am 22.12.1908 heiratete sie Isidor Meier aus Nonnenweier.  Nach Kuppenheim kommt Karoline zusammen mit ihrem Ehemann am 14.09.1939. Nachdem beide am 25.09.1939 nach unbekannt verzogen sind,melden sie sich am 08.07.1940 polizeilich in Kuppenheim.

Am 22.10.1940 wird das Ehepaar mt anderen mehr als 6.000 Juden im Rahmen der Aktion "Baden wird judenfrei" nach Gurs deportiert.

Am 11.02.1942 gelangt sie ins Nebenlager Noé und am 22.08.1942 ins Lager Récébédou.

Von Gurs wird sie nach Drancy bei Paris verfrachtet und von dort am 28.08.1942 mit dem Transport Nr. 25 im Viehwaggon nach Auschwitz zur endgültigen. Wahrscheinich wurd sie sofort nach der Ankunf am 31. August 1942 vergast.
Die Behörden erklären sie m 08.05.1945 für tot.

 

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