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2012 Arbeitskreis/Kontroverse

O  KJG - Gedenksteinkonzept entworfen (Kommunal-Echo, 12.07.2012

O  „Haltlos und grotesk“ Die Granitstele für den Kuppenheimer Synagogenplatz bleibt ein 

     Stein des Anstoßes (BNN, 01.08.2012, Ralf Joachim Kraft)

O   Schreiben sorgt für Aufregung - Stadt gibt Gedenkstein in AuftragKuppenheim

     (Badisches Tagblatt, 04.08.2012)

O   Besonnenheit gefordert - Kommentar von Sabine Wenzke(BT, 04.08.2012)

O   "17 Jahre unbeugsam gekämpft" (Leserbrief Paul Sache, BT, 04.08.2012)

O   Interessante Aspekte jüdischen Lebens dokumentiert

     KJG Kuppenheim-Oberndorf gestaltet Themenbereich im neuen Heimatmuseum /   

     Gedenkveranstaltung am 9. November (BT 12.10.2012)

O   Gedenken an jüdische opfer der nationalsozialistischen Diktatur (BNN, 11.11.2012)

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KJG Kuppenheim-Oberndorf: Gedenksteinkonzept entworfen

 

Ende letzten Jahres erhielt die KJG Kuppenheim-Oberndorf vom Stadtrat die Genehmigung,eine Erweiterung für die Gedenkstätte auf dem Synagogenplatz zu entwerfen. Diese sollte nun, im Gegensatz zu dem Stein, dessen Zwilling auf der Gedenkstätte Neckarzimmern steht, auch die Namen der letzten in Kuppenheim wohnhaften und durch die Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürger beinhalten. Nach mehrmonatiger Recherche- und Planungsarbeit unserer Leiterrunde sowie Absprachen mit dem Steinmetz konnten nun in der letzten Stadtratssitzung von der KJG-Pfarrjugendleitung das entwickelte Konzept und der Entwurf vorgestellt werden.

 

Geplant ist ein Ständer aus heimischem Granit worauf eine buchförmige Bronzeplatte gesetzt werden soll, auf der die Namen der letzten jüdischen Mitbürger stehen werden. Nach dem grundsätzlichen „Ja" des Stadtrates zu dieser Konzeption soll nun eine abschließende Überprüfung der Namen und Daten erfolgen, bevor dann das endgültige „OK" des Gremiums für den KJG-Entwurf die Ausführung der Pläne in Gang setzen wird.

 

Kommunal-Echo, 12.07.2012

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„Haltlos und grotesk“

Die Granitstele für den Kuppenheimer Synagogenplatz bleibt ein Stein des Anstoßes


Kuppenheim. Eigentlich sollte der Kuppenheimer Gemeinderat am Montag nur den mit dem Arbeitskreis „Stolpersteine" abgestimmten Textentwurf für den Gedenkstein der KJG Kuppenheim/ Oberndorf für die jüdischen Mitbürger auf dem Synagogenplatz absegnen. Doch dann war die ein Meter hohe, nach oben verjüngte Stele aus Granit mit dem bronzenen Buch oben drauf plötzlich doch wieder ein Stein des Anstoßes.


Aktuelle Ereignisse veranlassten Bürgermeister Karsten Mußler den Beschlussvorschlag dahingehend zu ändern, dass er selbst vom Gemeinderat ermächtigt wird, die Kuppenheimer Firma Dielmann und Schwörer direkt mit der Erstellung des von der KJG entworfenen Gedenksteins zu beauftragen - was denn auch einstimmig geschah. Als Grund nannte    Mußler „ schwerwiegende Vorwürfe", die ein Kuppenheimer Bürger im Vorfeld der Gemeinderatsitzung bezüglich des Urheberrechts zum geplanten Gedenkstein erhoben habe. Diese seien per E-Mail verschiedenen Stadträten zugegangen und lägen seit Montag auch der Verwaltung vor.


In dem Schreiben mit der Überschrift „Die Bürger der Stadt Kuppenheim" schreibt Paul Sachse: „Die Gespräche mit Heinz Wolf und dessen Appell an die Einsicht der KJG sind offensichtlich gescheitert. Dass eine relativ kleine Gruppe, trotz ihres christlichen Anspruches, den Tod unserer jüdischen Mitbürger benutzen will, um sich eitel vor den übrigen Bürgern als Gutmenschen für die Nachwelt zu produzieren, das ist mehr als beschämend. Sollte die KJG auf ihre peinliche Namensnennung nicht verzichten, wird diese 16-jährige unwürdige Auseinandersetzung um diese Namenstafel eine neue Dimension erfahren." Der Verfasser weist in seiner Mail darauf hin, dass er urkundlich belegen könne, dass es sich bei dem vom Gemeinderat beschlossenen Entwurf des Gedenksteins um den identischen Entwurf handele, nach dem Steinmetz Schwörer vor 14 Jahren im Auftrag seiner Mutter den Grabstein seines Vaters anfertigen ließ.


Sollte die Signatur auf der von allen Bürgern dieser Stadt finanzierten Gedenktafel „Die Bürger der Stadt Kuppenheim" lauten, wolle er auf eine gerichtliche Lösung und die Klärung der Urheberrechte verzichten. Andernfalls sehe er sich gezwungen, den Rechtsweg einzuschlagen. Dabei werde es dann nicht nur um die Urheberfrage gehen. „Als Künstler wäre ich berechtigt, entsprechende, nicht unerhebliche Honorarforderungen bezüglich des Entwurfs an die KJG zu richten", schreibt Sachse.


Mußler betonte nach Überprüfung der Vorwürfe, dass diese „völlig haltlos und geradezu grotesk" seien. „Der Stein stammt von Schwörer, das bronzene Buch wurde gekauft bei der Kunstgießerei Strassacker. Solche Bücher befinden sich auf unzähligen Grabsteinen in ganz Deutschland." Sachse drohe der KJG in völlig inakzeptabler Weise und setze sie unter Druck. Es sei beschämend, wie hier mit jungen Bürgern der Stadt umgegangen werde, verurteilte Mußler Sachses Vorgehen „in schärfster Form", j Gerichtliche Schritte wolle er den jungen Leuten nicht zumuten. Der Verfasser dürfe gerne klagen - aber dann gegen die Stadt. In Abstimmung mit der KJG werde das „Kuppenheimer Buch der Geschichte" ohne den Zusatz „KJG Kuppenheim-Oberndorf" auskommen. Aber als Signet trage die Namenstafel „Im Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger ... und an alle, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden" den Schriftzug „Für die Stadt Kuppenheim". Man lasse sich doch nicht erpressen. Durch die Bank weg lobten die Gemeinderäte das Engagement der KJG. Gerold Wendelgaß (FWG) bedauerte es, „dass sie jetzt nicht mehr erwähnt wird".


Stichwort „Jüdische Gedenktafel“


„Der Text auf der Rückseite des Gedenksteins wurde nicht einvernehmlich abgestimmt zwischen der KJG und dem Arbeitskreis Stolpersteine", betont Stadtrat Heinz Wolf (SPD).

„Als Vertreter des Arbeitskreises war ich - wie auch der nicht akzeptierte Stolperstein-Initiator Paul Sachse - für die Bezeichnung ,Die Bürger von Kuppenheim 2012' und nicht ,Für die Stadt Kuppenheim - KJG Kuppenheim-Oberndorf 2012', wie ursprünglich von KJG und Stadtverwaltung favorisiert." Da die Stadt, in Vertretung aller Bürger, den Auftrag für den Gedenkstein erteilt habe und dessen Finanzierung übernehme, wäre eine Nennung der KJG deplatziert gewesen, so Wolf mit Hinweis darauf, dass die SPD 1986 einen Antrag auf einen 1988 realisierten Gedenksteins am „Synagogenplatz" gestellt habe und dabei nie auf den Gedanken gekommen wäre, als Urheber verewigt zu werden. Der von der Stadtverwaltung im Zusammenwirken mit der KJG vorgesehene Tafeltext „Im Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger ... und alle im Nationalsozialismus umgekommenen Bürger. Kuppenheim, anno 1940" sei untragbar gewesen, „hier hätte man Opfer und Täter gleichgesetzt", so Wolf.


Erfreulich sei, dass der Text „Im Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger ... und an alle, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Die Stadt Kuppenheim" vom Gemeinderat abgesegnet wurde.    

 

BNN, 01_08_2012, Ralf Joachim Kraft

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Schreiben sorgt für Aufregung

Stadt gibt Gedenkstein in Auftrag

 

Kuppenheim (sawe). Der Gedenkstein für die im Jahr 1940 aus Kuppenheim verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger auf dem Synagogenplatz wird in Auftrag gegeben. Der Gemeinderat hat Bürgermeister Karsten Mußler dazu ermächtigt, nachdem das Gremium die Schlussfassung des vorgese¬henen Textes begutachtet hat. Im Vorfeld hatte die KJG Kuppenheim/Oberndorf den Text nochmals mit dem Ar-beitskreis „Stolpersteine" abgestimmt.

Wie berichtet, ist ein aufge¬schlagenes Buch aus Bronze geplant, das auf einer Stele aus Granit ruht. 16 Namen, deren Geburtstage und Sterbedaten, sofern bekannt, sollen auf der Gedenktafel verewigt werden. „Im Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger und an alle, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden", lautet der Text im „Kuppenheimer Buch der Geschichte", wobei nun „Die Stadt Kuppenheim" als Signatur steht. „Wir sind zufrieden mit dieser Lösung und freuen uns, dass die Planung nun umgesetzt werden kann", bekräftigte Philipp Weber für die KJG am Sitzungsabend. In einem früheren Entwurf war als Signatur „Für die Stadt Kuppenheim KJG Kuppenheim-Oberndorf 2012" vorgesehen gewesen.

In Abänderung des ursprünglichen Beschlussvorschlags gibt nun die Stadt Kuppenheim selbst den Gedenkstein in Auftrag, dessen Kosten mit rund 4 600 Euro beziffert sind. Grund: Der Kuppenheimer Paul Sachse, den Mußler in der Sitzung nicht namentlich nannte, hatte in einer E-Mail an einige Räte Vorwürfe bezüglich des Urheberrechts zum geplanten Gedenkstein der KJG erhoben und rechtliche Schritte für den Fall angekündigt, wenn die Signatur nicht in „Die Bürger der Stadt Kuppenheim" geändert werde.

Er lasse sich „nicht erpressen", verdeutlichte Bürgermeister Mußler, der die Vorwürfe als haltlos bezeichnete. Die Art und Weise, wie ein Bürger dieser Stadt einer jungen aktiven Gruppierung drohe, sei inakzeptabel und wurde von ihm „aufs Schärfste verurteilt". Der Verfasser müsse schon gegen die' Stadt klagen, wenn er denn klagen wolle.

Der E-Mail-Schreiber hatte erhebliche Auseinandersetzungen angekündigt, sollte die KJG nicht auf eine Namensnennung verzichten. Die Gedenktafel werde von allen Bürgern der Stadt finanziert, und solle uninterpretierbar das Werk aller Kuppenheimer Bürger in gleichem Maße sein, so seine Begründung.

 

Im Gemeinderat wurde harsche Kritik geübt: FWG-Rat Eberhard Boh sprach von einem „untauglichen Versuch", den Rat umstimmen zu wollen und geißelte das vom Verfasser zum Teil verwendete Vokabu¬lar. Gerold Wendelgaß (FWG) würdigte die Arbeit der KJG und bedauerte, dass sie nicht namentlich auf der Tafel erwähnt werde. Wie Paul Sachse auf BT-Nachfrage mitteilte, sei er mit der Signatur „Die Stadt Kuppenheim" zufrieden.

 

Badisches Tagblatt, 04.08.2012, Sabine Wenzke

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Besonnenheit gefordert

 

Kommentar von Sabine Wenzke, Badisches Tagblatt 04.08.2012

 

In der Auseinandersetzung um die Gedenktafel auf dem Synagogenplatz wurde unnötig Porzellan zerschlagen: Die Androhung eines Kuppenheimer Bürgers, den Rechtsweg zu beschreiten, sollte die Katholische Junge Gemeinde (KJG) nicht auf ihre Namensnennung verzichten und sein Vorschlag „Die Bürger der Stadt Kuppenheim" zum Tragen kommen, ist der Sache keineswegs dienlich. Sie hat nur weitere Fronten aufgebaut, wo gemeinsames Agieren wünschenswert wäre. Auch wenn es dem Bürger darum gegangen ist, dass nicht eine einzige Gruppierung in den Vordergrund gestellt wird, sondern vielmehr durch die Signatur deutlich wird, dass die Tafel das Werk aller Kuppenheimer ist, so heiligt der Zweck noch lange nicht die Mittel, in diesem Fall die Wortwahl. Und bekanntlich macht ja der Ton die Musik. Die zum Teil heftigen Formulierungen des E- Mail-Schreibers, der der KJG vorwirft, „dass eine relativ kleine Gruppe, trotz ihres christlichen Anspruchs, den Tod unserer jüdischen Mitbürger benutzen will, um sich eitel vor den übrigen Bürgern als Gutmenschen für die Nachwelt zu produzieren", sind unangemessen. Der KJG gebührt vielmehr Anerkennung und Respekt: Die jungen Leute haben sich dieses hochsensiblen und schwierigen Themas angenommen - und sich dabei am Ende selbst zurückgenommen. Sie können sehr wohl mit der Signatur „Die Stadt Kuppenheim" leben, ohne dass die KJG explizit erwähnt wird. Das zeigt, mir was es den jungen Leuten wirklich geht: Um die Sache selbst und nicht um sich. Die Stadt hat richtig gehandelt, indem sie nun selbst als Auftraggeber für den Gedenkstein auftritt, um die KJG aus der Schusslinie zu nehmen und diese nicht einem möglichen juristischen Streit auszusetzen. Bleibt nur zu wünschen, dass sich die Wogen schnell wieder glätten und Besonnenheit m Kuppenheim einkehrt. Denn letztendlich haben alle Parteier das Gleiche gewollt: Eine Gedenktafel für die deportierten jüdischen Mitbürger. Mit der nun gefundenen Formulierung sollten alle zufrieden sein können.

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„17 Jahre lang unbeugsam gekämpft"

 

Der Bericht über die Entscheidung des Kuppenheimer Gemeinderats, einen Gedenkstein für die verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger in Auftrag zu geben („Schreiben sorgt für Aufregung", BT vom 1. August), hat Paul Sachse, Wilhelmstraße 25, Kuppenheim, zu folgender Äußerung veranlasst:

Einen Menschen in einer öffentlichen Sitzung und in Anwesenheit der Presse haarsträubend zu diffamieren, in der Gewissheit, dass dieser nicht das demokratische Recht hat, sich an Ort und Stelle zu verteidigen, ist der feige Schachzug eines Mannes, der Widerspruch stets als persönlichen Angriff wertet.


Wenn mein Hinweis, dass ich unter Umständen die Rechte wahrnehme, die mir dieser Rechtsstaat zur Verfügung stellt, im Kuppenheimer Rathaus als Erpressungsversuch ausgelegt wird, dann bestätigt mir das nur, dass dort das Rechts- und Demokratieverständnis erhebliche Lücken aufweist.

Wenn Ihre 'Redakteurin dieser Argumentation derart unkritisch folgt, dann ist das für eine Zeitung, deren Wurzel ganz unmittelbar mit dem Kampf für diese bürgerlichen Rechte verbunden ist, sehr beschämend.

Wenn ich nicht 17 Jahre lang unbeugsam dafür gekämpft hätte, stünde am Synagogenplatz weder eine ausführlichere Texttafel noch würde dort eine Namenstafel aufgestellt werden. Dass nun auf der Gedenktafel im Namen aller Bürger nicht nur der ermordeten jüdischen Mitbürger, sondern neben den Euthanasieopfern auch der Zigeuner, Schwulen, Lesben, Sozialdemokraten und Kommunisten gedacht wird, ist ein Umstand, den ich nie zu hoffen gewagt hätte.

Der Bürgermeister kann sich nun zu einem „Enthüllungsfoto" ablichten und ein weiteres Mal als tatkräftiger Kommunalpolitiker darstellen lassen. Mir scheint es ein Zeichen des Himmels zu sein, dass sich die Gestaltung der Tafel unübersehbar an meinem Entwurf orientiert und bin sehr zufrieden.

Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln, gleichwohl übernimmt diese die presserechtiiche Verantwortung. Die Redaktion behält sich sinnerhaltende Kürzungen oder eine Ablehnung vor. Zuschriften müssen die komplette Adresse und Telefonnummer des Verfassers beinhalten.

 

Badisches Tagblatt, Leserbrief Paul Sachse, 04.08.2012

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Interessante Aspekte jüdischen Lebens dokumentiert

 

KJG Kuppenheim-Oberndorf gestaltet Themenbereich im neuen Heimatmuseum / Gedenkveranstaltung am 9. November

 

Kuppenheim - „Es ist toll, dass die Sachen jetzt gezeigt werden und nicht mehr im Schrank liegen", freut sich Monika Schindler, die geistliche Leiterin der KJG Kuppenheim-Oberndorf. Die KJG- Leiterrunde, die 1995 anlässlich der 900-Jahr-Feier der Stadt eine Ausstellung zum jüdischen Leben erstellt hat, richtet den entsprechenden Themenbereich im neuen Heimatmuseum ein. Am Mittwoch stellte das Team nun abschließend die Schautafeln fertig.

 

Etwa die Hälfte der damaligen Ausstellung, die im Jahr 2010 komplett überarbeitet worden war, hat Eingang in den Bereich über jüdisches Leben gefunden, wie Monika Schindler erläutert. So galt es im Vorfeld, das Material zu sichten, auszuwählen und aufeinander abzustimmen.

Ein Blickfang sind die jüdischen Kultgegenstände in den Vitrinen, die dank der finanziellen Unterstützung des Historischen Vereins von einem Fachvertrieb erworben werden konnten. Der siebenarmige Leuchter (Menora) darf ebenso wenig fehlen wie ein aufwendig bestickter Tallit, ein viereckiges Tuch mit Quasten, das beim Gottesdienst und bei der Andacht getragen wird, wie Schindler erläutert.


Heimatmuseum Kuppenheim


Ein beklemmendes Zeugnis der Gewalt gegenüber jüdischen Kuppenheimern ist eine hebräische Bibel, deren Seiten von einem Messer stark beschädigt sind. „Die Bibel sollte wohl zerstört werden, konnte jedoch irgendwie gerettet werden", berichtet das Mitglied der KJG-Leiterrunde.

Die Ausstellungstafeln sind übersichtlich gegliedert, ein Schwerpunkt bildet dabei der jüdische Friedhof, der über Kuppenheim hinaus von Bedeutung war. KJG-Vorsitzender Phillipp Weber hat aus der Platznot eine Tugend gemacht und einen digitalen Bilderrahmen installiert, der mehr als hundert Motive präsentiert.

Ein historischer Aufriss fasst die Zeiträume 1570 bis 1800, 1801 bis 1931 und 1932 bis 1940 zusammen. Eine Schautafel widmet sich der Verfolgung der Juden und zeigt Aufnahmen des Synagogenbrands. Eine kolorierte Luftaufnahme zeigt zudem, welchen Akzent die Synagoge einst im Stadtbild gesetzt hat. Ausgewähltes Fotomaterial, das mit Kurzbiografien versehen ist, macht deutlich, wie integriert die sehen Familien in Kuppenheim waren. So wird ein Brief von Karl Lehmann präsentiert, den er 1995 aus Boston geschrieben hat. Sein Vater Salomon war Metzger gewesen und hatte sein Geschäft in der Friedrichstraße, wo sich heute ebenfalls eine Metzgerei befindet. Interessant ist auch die Biografie von Julius Kahn, der Anfang des 20. Jahrhunderts Kongressabgeordneter von Kalifornien war.


Die KJG Kuppenheim- Oberndorf lädt am Freitag, 9. November, um 18.30 Uhr zu einem Gedenkgottesdienst in die St.-Sebastian-Kirche ein. „Im Anschluss gehen wir schweigend zum Synagogenplatz und verlesen die Namen der getöteten jüdischen Mitbürger", erläutert Monilea Schindler den Ablauf der Veranstaltung, die im zweijährigen Turnus stattfindet. Sollte der Gedenkstein für die im Jahr 1940 verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger bis dahin fertig sein, werde er an diesem Abend enthüllt, so Weber. Falls nicht, werde man ihn dann am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar enthüllen. „Wir sind dankbar für die Unterstützung der Stadtverwaltung und des Gemeinderats, die immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen hatten", betont er.

 

Badisches Tagblatt, 12.10.2012, Von Markus Koch

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Gedenken an jüdische Opfer der nationalsozialistischen Diktatur

 

Einen Stein für jedes der jüdischen Kuppenheimer Opfer der Nazi-Diktatur legten Mitglieder der Kuppenheimer Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) am Synagogenplatz ab. Mit diesem symbolischen Akt endete die Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestags der Reichspogromnacht am 9. November 1938. Etwa 30 Kuppenheimer waren zuvor auf Einladung der KJG in die Stadtkirche gekommen. Dort wurde mit Liedern und eindringlichen Texten an die Zeit der Judenverfolgung erinnert; aber auch daran, dass es nach wie vor Verfolgung wegen des Glaubens gebe. Von der Kirche aus führte ein Schweigemarsch zu dem Platz, an dem die Kuppenheimer Synagoge stand. Dort wurden die Namen der 33 jüdischen Kuppenheimer Mitbürger verlesen, die der Verfolgung zum Opfer gefallen sind.

 

In Rastatt legten Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch und Bürgermeister Wolfgang Hartweg einen Kranz auf dem jüdischen Friedhof nieder. Der SPD-Ortsverein Rastatt lud am Abend zu einer Gedenkstunde auf den Marktplatz, in deren Verlauf Klaus Winterhoff Texte zu den Abläufen der „Reichskristallnacht" in Mittelbaden vorlas.

 

BNN, 111.11.2012, Frank Vetter

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