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Friedhof 06 09 2020 klein

Friedrichstraße 75 - sieben Stolpersteine für die Familie Lehmann/Löb

 

  • Stolpersteine 2017 und 2013
  • Vier Metzger-Generationene in der Friedrichstraße 75
  • Sarah und Jakob Lehmann hatten sechs Kinder
  • Mina und Salomon Lehmann hatten vier Kinder
  • Die Odysee der der Familie Löb  (Kuppenheim/Malsch)
  • Das Schiff der Verdammten (MS Saint Louis) 

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Vier Stolpersteine für Familie Lehmann/Löb am 29. April 2017

 

Florentine Lehmann, verh.  Löb

Marie Lehmann, verh. Löb

Karl Lehmann

Erna Mina Lehmann

Im September 2013)verlegte Stolpersteine für:

 

Salomon Lehmann

Mina Lehmann, geb. Lion

Amalie Herz 

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Vier Metzger-Generationen in der Friedrichstraße 75 

 

1. Metzger-Generation:

 

David Herz wurde am 14.06.1819 in Kuppenheim geboren. Am 31.12.1856 heiratete er Sara Geismar, geboren am 22.01.1832, aus Bretten. David verstarb am 13.09.1859 (ein halbes Jahr nach der Geburt seiner Tochter Amalie Herz). David war Bürger der Stadt Kuppenheim (Schutzbürger), Vorstand des Synagogenrates (18.11.1874) und Metzgermeister.      

                                                                                                                   

Das Ehepaar hatte eine Tochter Amalie Herz, geboren am 05.01.1859 in Kuppenheim. Die gehörlose Amalie lebte bei ihrem Halbbruder Salomon Lehmann in Kuppenheim. Am 04.03.1938 zog sie mit Salomon Lehmann und dessen Ehefrau Mina(geb. Lion) nach Malsch. Amalie wollte mit der Salomon und dessen Ehefrau mit der MS Saint-Louis nach Kuba reisen, um von dort in die USA auswandern zu können. Kuba und die USA verweigerten jedoch die Einreise trotz gültiger Papiere. So kam Amalie mit dem Schiff zurück nach Europa, und zwar nach Antwerpen. In Brüssel verstarb sie 1941.

Stolperstein 2013 Nr. 1

 

2. Metzger-Generation

 

Die verwitwete Sarah Herz, geb. Geismar, heiratete am 16.10.1860 in Rastatt ihren zweiten Eheman Jakob Lehmann, geboren  am 08.09.1832 in Kuppenheim, Metzgermeister und Kuppenheimer Bürger. 

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Sara und Jakob Lehmann hatten sechs Kinder:                     

 

1 Mädchen, Name unbekannt, am 28.10.1863 geboren und am selben Tag verstorben

 

2 Marie Lehmann, geb. 01.10.1865, lebte nach ihrer Auswanderung mit Isidor Kroner in Brooklyn, New York. In den Akten ist das Jahr 1909 erwähnt. Emigration

 

3 Salomon Lehmann, geb.  02.01.1868, siehe unten, Stolperstein Nr. 2

4 Florentine Lehmann, geb. 17.10.1870, heiratete am 03.06.1894 den Malscher Bäcker Ferdinand Löb. 1939 floh Florentine nach Belgien. Am 13.05.1939 gelang es ihr in die USA zu emigrieren. Stolperstein 2017 Nr. 4

 

5 Anna Lehmann, geb. 27.12.1872, lebte nach ihrer Auswanderung mit Moritz Bickart in Brooklyn, New York. In den Akten ist das Jahr 1909 erwähnt. Emigration

 

 

6 Julie Julchen Lehmann, geb. 01.07.1874, heiratete am 23.05.1899 Emil Kaufmann aus Kuppenheim, Friedrichstraße 91. Emil verstarb am 05.02.1870. Julie Kaufmann emigrierte am 12.10.1936 zu ihren Söhnen Max und Frieder in die USA. In Erinnerung an ihre Entrechtung und Flucht wurde für sie in der Friedrichstraße 91 im Jahr 2016 ein Stolperstein (Kaufmann) gelegt. 

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3. Metzger-Generation

Salomon Lehmann, geb. 02.01.1868, geachteter Metzgermeister in Kuppenheim, Friedrichstraße 75. Nach der von den Nationalsozialisten erzwungenen Geschäftsaufgabe zogen er und seine Familie am 04.03.1938 zu Verwandten (Isidor Löb) nach Malsch (bei Rastatt). Von dort besorgte er sich für die Familie Einreiseerlaubnisse für die USA, Touristenvisa für den Aufenthalt auf Kuba (Übergangslösung bis zur Gültigkeit der USA-Einreisevisa) und Fahrkarten auf dem Hapag-Lloyd-Dampfer „MS Saint-Louis“ (mit erzwungenen Rückfahrkarten). Kuba verweigerte jedoch die Aufnahme. Auch die USA erlaubte der Familie nicht, vorzeitig in die USA einreisen zu dürfen.

 

Die Familie kam mit der „Saint Louis“ nach Antwerpen (Belgien), wo wenige Tage zuvor die deutsche Armee einmarschierte. Während Salomons Ehefrau Mina Lehmann (tot am 26.08.1941) und seine Halbschwester Amalie Herz (tot 1941) in Brüssel verstarben, wurde Salomon am 21.09.1942 vom NS-Lager Mechelen nach Auschwitz deportiert und dort vergast. Salomon wurde am 08.05.1945 für tot erklärt. Stolperstein 2013 Nr. 2

Mina Lehmann, geb. Lion, geboren am 10.09.1871 in Ettenheim, heiratete am 18.11.1898 in Ettenheim Salomon Lehmann.. Die Entrechtung in der alten Heimat Kuppenheim und kurzfristig in Malsch, die Irrfahrt auf der „Saint-Louis“ und die anschließende Ungewissheit im von deutschen Truppen besetzten Belgien haben Minas Gesundheit und Überlebenswille ruiniert. Am 26.08.1941 starb sie in Brüssel. 

Stolperstein 2013 Nr. 3 

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Mina und Salomon Lehmann hatten vier Kinder:

 

1 Marie Lehmann, verh. Löb, geboren am 25.09.1899 in Kuppenheim. Am 07.11.1922 heiratete sie den Malscher Kaufmann Arthur Löb. Am 20.12.1938 befand sich Marie noch in Malsch (laut Angaben in Malscher Akten). 1939 floh Marie nach Belgien. Am 13.05.1939 gelang ihr die Ausreise in die USA. Stolperstein 2017 Nr. 5 

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Die Odyssee der Familien Löb (Kuppenheim/Malsch)

 

Marie, ihre Tochter Anneliese und weitere fünf Malscher Verwandten (die Schwiegereltern Isidor und Karolina Löb, sowie die Schwägerin Bella Löb mit den Kindern Armin und Ruth) fuhren am 13.05.19,9 mit dem Hapag-Dampfer „St. Louis“ von Hamburg in Richtung Kuba. Von Havanna aus wollten sie dann mit den entsprechenden Einreisevisa in die USA zu gelangen. Vor der Abfahrt musste die drei Familien Löb zwei Tage und zwei Nächte in der Ballinstadt Hamburg (Ausreiszentrum) zubringen. Im, Vorfeld wurde von der Spedition Stemmer aus Karlsruhe ein großer Teil des Hausinventars (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Eisschrank, Schränke und Kommoden sowie eine Vielzahl Geschirr) mit zwei Holz-Containern nach Hamburg gefahren und auf das Schiff gebracht. Dafür waren 3.000 Reichsmark zu zahlen und für die Schiffspassage der Güter weitere 1.800 Reichsmark fällig.

 

Nach der Irrfahrt der St. Louis gingen auch die Familien Löb am 17. Juni 1939 in Antwerpen von Bord. Sie blieben zunächst in Belgien und wohnten in beengten Verhältnissen in Brüssel. Am 1. September begann der zweite Weltkrieg. Mit großem Nachdruck versuchten die Löbs Ende 1939, Anfang 1940 in die USA zu ihren Männern zu gelangen, nachdem es  diesen (auch Arthur Löb, Marias Ehemann, und Leopold Löb, Bellas Ehemann) gelungen war, im Dezember 1939 von Kuba in die USA weiter zu kommen.

 

Im April/Mai 1940 durften Maria mit ihrer Tochter Anneliese sowie Bella Löb mit den beiden Kindern im Rahmen der Familienzusammenführung zu ihren Männern in die USA ausreisen. Ein separates Visum war dafür nicht erforderlich. Das Geld für die Reise in die USA bekamen die Löbs von ihren Verwandten Lippmann Maier (einem der reichsten Malscher Juden, dessen Ehe kinderlos blieb), der es geschafft hatte, bei seiner Ausreise mit dem Hapag-Dampfschiff  „Orinoco“ am 25.01.1939 einen Teil seines Vermögens mitzunehmen und über Kuba in die USA zu gelangen.

 

Die Ausreise der beiden Löb-Familien geschah einige Tage vor der Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen mit dem Dampfer „Pennland“ ab Antwerpen. Es war die letzte Möglichkeit, Belgien zu verlassen.

 

Die Schwiegereltern Isidor und Karolina Löb wurden von Brüssel ins Sammellager Mechelen eingeliefert. Von dort gelangten sie am 26.09.1942 mit dem Transport XI/2155 und XI/2156  in das Konzentrationslager Auschwitz. Mit ihnen kamen 1.745 Juden in Auschwitz an. 286 Männer wurden zur „Vernichtung durch Arbeit“ selektiert. Isidor, Karolina und deren Schwiegersohn Salomon Lehmann (Maria Löbs Bruder) wurden sofort vergast. 

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2 Max Lehmann, geb. am 03.11.1902 verstarb fünf Wochen nach der Geburt am12.02.1902. Sein Kindergrab liegt etwas abseits (wie bei Juden üblich) auf dem süd-östlichen Randbereich des jüdischen Friedhofs Kuppenheim und hat die Grabnummer K 33. Die Grabinschrift in Deutsch und Hebräisch:

 

 „Hier ruht Max Lehmann, geb. 3. Nov. 1902, gest. 12. Dez. 1902 –  Hier liegt begraben ein zarter Knabe, Mosche, Sohn des Bezalet, Kuppenheim. Er starb am 13. Kislew 663 nach der kleinen Zählung.“ 

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4. Metzger-Generation

 

3 Karl Lehmann, geboren am  04.06.1907 in Kuppenheim, Metzgermeister in der vierten Generation der Familie Lehmann. Er emigrierte am 03.05.1937 in die USA  (erst nach Washington Heights und dann Kew Gardens, New York). Während des 2. Weltkrieges diente Karl in der US-Armee und setzte sich nach Kriegsende für deutsche Kriegsgefangene ein. Karl und seine Familie hatten nach 1945 regen Kontakt zum Metzgermeister Otto Becker (der Salomons Geschäft 1938 in der Friedrichstraße 1938 übernahm) und zu dessen Sohn Paul Becker (Metzgerei Paul Becker).  Stolperstein 2017 Nr. 6  

 

Karl Lehmann heiratete (am 28.01.1939 in New York) Lisa Lehmann, geb. Frank (geb. am 15.11.1912) aus Würzburg (Lisas Onkel war Samuel Schlorch).

 

Eltern von Lisa Lehmann waren Ida Frank, geb. Schlorch (geb. am 7.11.1883) und Willi Frank (geb. am 24.12.1883), Teilnehmer (und gestorben waehrend) des Ersten Weltkrieges (am 07.09.1918). Am 25.04.1942 wurde Ida  deportiert nach Izbica in Osten und verstarb dort.

 

Karl und Lisa Lehmann haben einen Sohn, Prof. William Lehman (Biologie-Chemiker), geboren am 20.06.1945. Aus der Ehe von William Lehman (mit Diana Carol Lehman (geb. Martin) stammen zwei Soehne, Prof. Frank Martin Lehman (geb. 19.03.1984) (Musiktheorie) und John Marshall Lisle Lehman (geb. 14.09.1988) (Künstler-Linguist). Bill hat ein Enkel, Margaret Ruth Lehman (geb. 21.01.2016) aus der Ehe Frank mit Kassandra Leighann Conley.

 

4 Erna Mina Lehmann, geboren am 23.06.1912 in Kuppenheim. Erna heiratete am 23.10.1935 den Kaufmann Alfred Forsch aus Ettenheim. Bis zur Auswanderung lebte die Familie in Ettenheim. Alfred emigrierte am 23.01.1939 in die USA. Seine Ehefrau Erna Mina folgt ihm mit dem gemeinsamen Sohn zwei Monate später (am 28.03.1939), um zunächst über Havanna (Kuba) in die USA einreisen zu können.  Stolperstein 2017 Nr. 7 

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Das Schiff der Verdammten

 

Irrfahrt eines Schiffes für:

 

- Salomon Lehmann und

- Mina Lehmann (geb. Lion), sowie für dessen Halbschwester

- Amalie Herz

- Marie Lehmann (verh. Löb, Tochter von Sara und Salomon Lehmann),

 

sowie weitere 17 Juden aus Malsch :

 

7 Verwandte von Fritz Löb

Joseph, Betty und Hannelore Kaufherr

Ludwig, Freya und Sonja Maier

Josef und Fanny Stein

Helene Maier

Vortrag von Winfried Futter vomn AK Stolpersteine Kuppenheim anlässlich der ersten Stolpersteinlegung am 5. Septembert 2013 (Gedenkveranstaltung im Foyer des neuen Rathauses)

 

Am 30.01.1933 wurde Adolf Hitler von dem damaligen Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Es war also keine „Machtergreifung“, wie es die NS-Propaganda immer wieder darstellte

.

Seit 1935 ff. galten die „Arier-Paragraphen“, die die jüdische Bevölkerung in Deutschland unter Sonderrecht stellten. Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens wurden dadurch zu Staatsbürgern 2. Klasse.

 

Spätestens mit dem 09./10. November 1938, dem Reichspogrom, begann die gezielte Vernichtung der Juden in Deutschland und später in fast ganz Europa.

 

Wie war das Verhalten der Juden in Deutschland? Viele betrachteten Hitler und die Nazi-Herrschaft als vorübergehendes Phänomen und warteten (leider vergeblich) auf eine Veränderung der Lage. Ein anderer Teil versuchte durch illegalen Grenzübertritt andere europäische Staaten zu erreichen. Nur wenigen gelang die Einreise nach Großbritannien und den USA. Ein Weg, aus Deutschland auszureisen war der, an Bord eines Dampfers mit einem Touristenvisum zu versuchen, in Übersee an Land gehen zu können.

 

Auf diese Art wurde mit dem Segen der NS-Führung veranlasst, dass mehr als 900 Juden an Bord des deutschen Luxusschiffs „St. Louis“ im Frühjahr 1939 das Reich verlassen konnten. Am 13. Mai 1939 stach der Luxusdampfer von Hamburg aus in See. An Bord befanden sich 899 Passagiere. In Cherbourg stiegen 38 weitere Reisende –hauptsächlich Juden- zu, so dass insgesamt 937 Passagiere die Reise mit dem Zielhafen Havanna auf Kuba mitmachten. Nach welchen Kriterien die Reisenden die Erlaubnis der deutschen Behörden zur Fahrt bekamen, ist weiterhin unbekannt. Mit an Bord war noch die Besatzung von 373 Mann mit ihrem Kapitän Gustav Schröder an der Spitze. Die „St. Louis“ war eines der modernsten Schiffe der HAPAG-Reederei, fast 18000 BRT groß und ausgerüstet mit dem zeitgemäßen Luxus für Vergnügungsreisen, Kreuzfahrten und KdF-Fahrten. Da das Schiff Platz für 973 Passagiere bot, kann man feststellen, dass es nicht ausgebucht war. Die Passage selbst kostete 800 RM in der 1. Klasse und 600 RM in der Touristenklasse. 230 RM mussten für eine eventuelle Rückreise deponiert werden, sofern eine Landung in Kuba nicht möglich sein sollte.

 

Die NS-Führung benutzte die Fahrt der „St. Louis“ für ihre Propaganda. Der Weltöffentlichkeit wurde suggeriert, dass jeder Jude aus freien Stücken Deutschland verlassen. konnte. Der eigenen Bevölkerung konnte man berichten, dass sich dadurch über 900 Juden weniger in Deutschland befinden. Beim Auslaufen des Dampfers spielte dann auch eine Musikkapelle zynischerweise: “Muss i denn, muss i denn...“. Der „Stürmer“, das hervorstechende Hetzblatt der NS-Propaganda untertitelte Fotos des auslaufenden Schiffes. „Grinsende jüdische Emigranten an Bord eines Schiffes, das sie über den Ozean bringt. Es geht ihnen ausgezeichnet. Im Ausland aber markieren sie die armen, unschuldig verfolgten Juden“. Oder: „Das Gesicht dieses Juden verrät die teuflischen Hassgefühle, die er gegen Deutschland empfindet“. Auf vier Seiten wurde über das Auslaufen des Schiffes berichtet. Der Artikel gipfelte in einer Prophezeiung: „Eines Tages werden sich alle Völker gegen den Volksfeind erheben. Dann aber kann sich der Jude keine Schiffskarte mehr lösen und in ein anderes Land ziehen. Dann ist der Tag der Abrechnung da! Dann wird das jüdische Verbrechervolk ausgelöscht für immer“.

 

Mit an Bord waren auch vier Bürger aus Kuppenheim. Minna und Salomon Lehmann, die eine beliebte und gutgehende Metzgerei in der Friedrichstr. 75 besaßen. Sie verließen Kuppenheim in Richtung Malsch zu Verwandten, nachdem die „Entjudung“ der Metzgerei durchgeführt worden war. Das heißt, sie mussten ihren Beruf und ihren Besitz in Kuppenheim aufgeben. Die Tochter Maria Loeb, geb. Lehmann und die Haushälterin der Familie Lehmann, Amalie Herz waren ebenfalls auf der Passagierliste zu finden. 16 weitere Passagiere aus der näheren (Rastatt/Malsch) und aus der weiteren Umgebung (Ettenheim/Kippenheim) waren dort verzeichnet.

 

Das Leben an Bord der „St. Louis“ gestaltete sich sehr angenehm. Die Küche konnte die Speisen nach jüdischen Vorschriften zubereiten, der Festsaal wurde zur Synagoge umfunktioniert, nachdem das Hitler-Bild entfernt worden war. Sprachkurse in Englisch und Spanisch wurden angeboten, die Kinder konnten im Pool toben. Unter diesen Vorzeichen stieg die Spannung und die Erwartung, wie es in der Neuen Welt weitergehen sollte. Kuba betrachtete man eigentlich nur als Zwischenstation vor allem auf dem Weg in die USA. Dort allerdings galt eine strenge Quotierung für die Einwanderung. Außerdem war damals in den USA eine starke antisemitische Strömung zu spüren und vor den neuen Wahlen 1940 wollte Präsident Roosevelt an der Einwanderungspolitik nichts ändern.

 

So waren die Passagiere sehr erstaunt, dass ihnen die Anlandung am 27. Mai 1939 in Havanna durch die kubanische Regierung verweigert wurde. Die Passagiere erfuhren durch die Polizei, die an Bord gekommen war, dass sämtliche Touristenvisa , die nach dem 04.05.1939 ausgestellt worden waren, für ungültig erklärt worden sind. Weiterhin hätten das Schiff und die Passagiere sofort kubanisches Staatsgebiet zu verlassen. Auch die Bemühungen der jüdischen Hilfsorganisation JOINT, die in Washington und in Havanna zu vermitteln versuchte, hatten geringen Erfolg. Lediglich 23 Passagieren wurde erlaubt, in Havanna an Land zu gehen, Am 02.06.1939 verließ die „St. Louis“ Havanna und kreuzte vor der kubanischen Küste.

 

An Bord war die Stimmung erregt bis verzweifelt. Auf der einen Seite versuchte der Sprecher des Bordkomitees weiter mit Kuba und den USA zu verhandeln, auf der anderen Seite kamen Gedanken an Selbstmord auf. Am 09.06. kreuzte die „St. Louis“ zwischen Kuba und Florida. Kapitän Schröder versuchte einige Passagiere über Rettungsboote an die US-Küste abzusetzen, scheiterte aber an der amerikanischen Küstenwache. Auch Bittbriefe an Präsident Roosevelt hatten keinen Erfolg. Die „St. Louis“ drehte wieder auf Südkus, wo sie dann den Befehl aus Deutschland zur sofortigen Rückkehr empfing. Angst und Panik beherrschte nun die Passagiere, denn sie konnten ahnen, was sie in Deutschland erwarten würde. Kapitän Schröder und JOINT hatten indessen Verhandlungen mit westeuropäischen Staaten geführt mit dem Ziel, dass die Passagiere dort Aufenthaltsgenehmigungen bekommen konnten.

 

Großbritannien war bereit,      280 Personen,
Frankreich                             224 Personen,
Belgien                                  214 Personen und
Niederlande                           181 Personsen aufzunehmen.

 

Am 17. Juni 1939 legte die „St. Louis“ in Antwerpen an und die Passagiere konnten von Bord gehen. Die Horrorfahrt war zu Ende.

 

Wie sah nun das weitere Schicksal der so Geretteten aus? Durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges und die spätere Besetzung Belgiens schlug die Rettung in neue Bedrohung um. Zwei Drittel gerieten wieder in die Gewalt der Nazi-Herrschaft und wurden zu Hunderten ermordet. Der Kuppenheimer Salomon Lehmann wurde am 21.09.1942 nach Auschwitz deportiert und ist dort verschollen. Ihm wird ein Stolperstein gewidmet sein. Seine Frau  Minna, geb. Loeb verstarb in Belgien. Auch für sie wird ein Stolperstein verlegt wie auch für ihre Haushälterin Amalie Herz, die ebenfalls in Belgien verstorben ist. Ein Leerstein wird für Maria Loeb bereitgehalten, der es gelungen war, in die USA zu gehen.

 


Es bleibt zum Abschluss noch zu erwähnen, dass der Kapitän Schröder das Schiff nach New York überführte, wo es für schon geplante Vergnügungsreisen zur Verfügung stand. Zurück in Hamburg quittierte er den Dienst. Er verstarb 1959 in Hamburg. Auf Betreiben der ehemaligen Passagiere der „St. Louis“ wurde er vom Staat Israel als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. 1957 wird er in der Bundesrepublik mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Hansestadt Hamburg benannte eine Straße nach ihm. Bei den Landungsbrücken erinnert eine ausführliche Gedenktafel an das „Schiff der Verdammten“.

                     
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