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Friedhof 06 09 2020 klein

Murgtalstraße 17

Für Heinrich Dreyfuß wurde am 5. September 2013 ein Stolperstein gelelgt.

Der Arbeitskreis beabsichtigt, den Stein von Heinrich Dreyfuß von der Murgtalstraße 17 (Judenhaus) in die Friedrichstraße 72 zu verlegen und mit zwei weiteren Steinen (Ehefrau + Tochter) zu ergänzen. Heinrich Dreyfuß musste seinerzeit das Wohn- und Geschäftshaus in der Friedrichstraße 72 verkaufen und wurde dann (zumeist mittellos) in das stadteigene „Judenhaus“ eingewiesen.

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 In der Friedrichstraße 72 lebte die Familie Heinrich Dreyfuß

 

Heinrich Dreyfuß, geboren am 16.10.1883 in Kuppenheim

 

Heinrich Dreyfuß und seine Familie mussten das Textilgeschäft in der Friedrichstraße 72 am 02.04.1927 verkaufen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren bis zu diesem Zeitpunkt geordnet.  Das Ehepaar Heinrich und Erna Dreyfuß zogen nun in das städtische "Judenhaus" in die Murgtalstraße 17.  Am 17.10.1938 stellten sie beim Bezirksamt Rastatt den Antrag auf Reisepass und Auswanderung nach England. Knapp vier Wochen später wurde Kuppenheim jedoch von den Nazi-Schergen heimgesucht (Reichspogromnacht am 10. November 2038).                             

 

Heinrich Dreyfuß wurde in Dachau (bei Prittelbach) ermordet. Vielleicht wurde ihm seine politische Einstellung zum Verhängnis, wie Kuppenheimer Zeitzeugen (die ihn gut kannten) verlauten ließen. Heinrich war gewerkschaftlich positioniert und politisch links (vielleicht sogar kommunistisch) eingestellt. Heinrich sagte auch seine Meinung, auch wenn es für ihn gefährlich werden konnte.                                                    

 

Heinrich war Mitglied im Arbeitergesangverein und in der Freiwilligen Feuerwehr. Deshalb hat sich die Freiwillige Feuerwehr Kuppenheim entschlossen, in Gedenken an den durch die Nationalsozialisten ermordeten ehemaligen Feuerwehrkameraden den ihm gewidmeten Stolperstein in der Murgtalstraße 17 im Jahr 2015 zu finanzieren und diesen zu gegebener Zeit auch zu reinigen.

 

Für Heinrich Dreyfuß legte der Arbeitskreis Stolpersteine bereits 2013 einen Stein in den Gehweg vor seinem letzten Zwangs-Zuhause (städtisches Judenhaus) in der Murgtalstraße 17. Der Arbeitskreis Stolpersteine Kuppenheim möchte diesen Stein in die Friedrichstraße 72 verlegen, dort wo die Familie ihren ursprünglichen Lebensmittelpunkt hatte. Zwei weitere Steine für die Ehefrau  (Juliane Dreyfuß) und die Tochter (Erna Dreyfuß) sollen ebenfalls in das öffentliche Trottoir eingelassen werden.

 

Juliane Dreyfuß, geb. Löb, wurde am 18.01.1879 in Philippsburg geboren. Am 07.08.1910 heiratete sie Heinrich Dreyfuß aus Kuppenheim. Juliane konnte am 06.03.1939, etwa drei Monate nach der Ermordung ihres Ehemannes Heinrich, nach London und später (1945) nach San Francisco (Kalifornien, USA) auswandern und sich vor den Nazi-Schergen in Sicherheit bringen.

 

Das Ehepaar hatte lediglich zwei Kinder:                                                                 

 

Kurt Eugen Dreyfuß, geboren am 09.08.1911, verstarb vier Tage nach der Geburt

 

Erna Dreyfuß, geb. 27.09.1913. Sie konnte 1933 nach den USA auswandern.

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Schutzhaft in Dachau für 6 K.heimer Juden -                                      Heinrich Dreyfuß erschossen

 

Die Juden aus dem Rastatter Bezirk wurden nach Josef Werner dem Karlsruher Transport nach Dachau angeschlossen. Was die 400 bis 500 Juden dieses Karlsruher Transportes erlitten, die sich in der Nacht vom 10. zum 11. November 1938 auf dem Weg nach dem Konzentrationslager Dachau befanden, wo sie gegen neun Uhr vormittags eintrafen, schilderte der Jude Prof. Dr. Ludwig Marx:

 

Diese Nacht fuhren wir, ohne dass jemand ein Auge schloss. Unsere Gedanken weilten bei unseren Lieben, beim Abschied von ihnen, von unserer Arbeit, vielleicht sogar vom Leben. Sowie der Zug (in Dachau) hielt, sahen wir sofort, was los war. An den Gleisen standen SS-Posten mit aufgepflanzten Bajonetten.

 

...Wir mussten in den Abteilen bleiben, und dann kamen diese Henkersknechte herein, um uns zu begrüßen mit ihren Gewehrkolben, ihren Helmen und ihren Fäusten ", so schilderte Ludwig Marx, der beim Aufstellen vor dem Zug sofort eine heftige Ohrfeige erhielt, die Ankunft.

 

Auf die Frage: »Wo ist der Rabbiner?« trat Dr. Schiff, der Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft in : Karlsruhe, bedenkenlos nach vorn. »Also, Du bist das Schwein!« war die Antwort. Dann wurde Dr. Schiff zu Boden geschlagen. »Bleich und mit Schreck«, so berichtet Sigmund Roiss, hätten die den Transport begleitenden badischen Polizisten beobachtet, wie die SS-Leute den Häftlingen Faustschläge versetzten, auf die Füße traten und in die Kniekehlen »kickten«. »Sie« (die badischen Polizisten) »machten ganz lange Gesichter, als sie sahen, wie ihre deutschen Genossen auf die Gefangenen loshauten«.

 

Dachau war eines der drei Konzentrationslager, nach denen die während des Novemberpogroms 1938 festgenommenen über 26 000 deutschen Juden verbracht wurden. In Dachau wurden vornehmlich Juden aus Süddeutschland, dem Rheinland und Österreich sistiert, 10911 an der Zahl....

 

Die Karlsruher Juden wurden nach ihrer Ankunft auf dem Bahnhof Dachau zu 50 bis 60 Mann in Viehwagen hineingetrieben und dann ins Lager geschafft. Dort warteten in einer riesigen Schlange schon tausende von Schicksalsgenossen aus anderen Städten auf ihre Registrierung und »Einkleidung«, eine unendliche, düstere Reihe armer Menschen, die den ganzen Tag ohne Essen und Trinken stehen mussten. Dabei bewegte sich die Schlange alle Viertelstunde um etwa zehn Meter weiter.

 

Als das Ziel am Abend noch lange nicht erreicht war, wurden die noch immer in der Menschenschlange Wartenden in die Baracken hinein-, wieder heraus- und wieder hineingetrieben, jeweils ca. 300 Mann in Unterkünfte, die etwa 40 Menschen beherbergen sollten. »In dieser leeren Baracke mussten wir auf dem Boden sitzen, jeder den Vordermann zwischen den Beinen, so dass man sich nicht hinlegen konnte. ... Die Luft wurde schlecht, man konnte kaum atmen oder sich bewegen«, berichtet Prof. Marx und fügt hinzu:

 

»Unglücklicherweise saß ich in der letzten Reihe gegen die Wand, die Tür war gegenüber. Schließlich konnte ich es nicht mehr aushalten; mein Gesicht war schweißüberströmt; ich musste hinaus, sonst wäre ich ohnmächtig geworden. Es war schwierig über meine armen Kameraden zu klettern, aber am Ende erreichte ich die Tür und den Gang. Ich hatte schrecklichen Durst, aber während der Nacht durften wir die Baracke nicht verlassen, sonst wären wir erschossen worden ".

In Dachau mussten die Juden Wochen und zum Teil Monate unter menschen- unwürdigen Bedingungen verbringen. Es wurde ihnen der Kopf kahlgeschoren, sie wurden in Häftlingskleidung gesteckt und in viel zu kleine Baracken gepfercht, sie mussten bei Kälte stundenlang auf dem Exerzierplatz stehen und waren der Willkür der SS-Wachmannschaften ausgeliefert. Mindestens 40 der etwa 2.000 Häftlinge aus Baden und Württemberg fanden den Tod. Einige starben an Entbehrungen und Misshandlungen, andere wurden aus ungeklärten Gründen erschossen.

 

Mit Erschießen wurde den Schutzhäftlingen bei jeder Gelegenheit gedroht. Erschießungen fanden auf dem nahegelegenen SS-Schießplatz Prittlbach statt.

 

Der Kuppenheimer Heinrich Dreyfuß starb am 24. November 1938 an eben diesem Ort Prittlbach, auf dessen Gemarkung das KZ Dachau zum Teil lag. Josef Werner berichtet von zwei ähnlich gelagerten Karlsruher Fällen, bei denen am gleichen Tag, dem 24. November, der Karlsruher Hautarzt Dr. Leopold Liebmann in Dachau starb, und am 30. November drei Juden auf dem SS-Schießplatz Prittlbach erschossen wurden. Wie Oskar Stiefvater schilderte, fand die SA am 10. November 1938 in der Wohnung des Heinrich Dreyfuß einen alten Kavalleriesäbel. Möglicherweise war dieser Waffenfund für Heinrich Dreyfuß das Todesurteil.

 

Noch im November 1938 wurden die ersten Häftlinge aus Dachau entlassen. Frei kamen zunächst Gefangene, bei denen zu erwarten stand, dass sie in kurzer Zeit auswandern würden. Fast einen vollen Tag dauerte das Entlassungsverfahren. Jeder musste eine Erklärung unterschreiben, dass er das Lager bei voller Gesundheit verlasse und keine Ansprüche an das Deutsche Reich stelle. Den Häftlingen wurden die eigenen Kleider und Habseligkeiten ausgehändigt, dann mussten die vor ihrer Entlassung stehenden Gefangenen zum letzten Mal in Reih und Glied antreten. Dabei belehrte ein SS-Offizier die Männer so:

 

Ich würde Euch raten, Deutschland so schnell als möglich zu verlassen. Ihr wisst, wir können Euch nicht ausstehen, also hinaus mit Euch, so schnell ihr könnt! Aber eines will ich Euch sagen: Was Ihr hier gesehen habt, müsst ihr verschweigen, sonst holen wir Euch wieder, und dann kommt Ihr nie mehr aus Dachau heraus.

 

Oskar Stiefvater berichtet, die verhafteten Juden seien drei Wochen nach der Reichskristallnacht schweigend zurückgekehrt. Die Angst schloss ihnen den Mund.

Nach einer Mitteilung des Bürgermeisteramts Kuppenheim an die Gestapo in Baden-Baden kamen Berthold Herz, Hermann Kahn und Semi Schlorch am 6. Dezember 1938 nach Kuppenheim zurück.

 

Nach anderen Unterlagen gelangten Max Dreyfuß und Hermann Heinrich Valfer ebenfalls wieder nach Kuppenheim zurück. Zusammen mit seiner Frau wurde Max Dreyfuß am 22. Oktober 1940 nach Gurs in Südfrankreich deportiert.

 

Das weitere Schicksal Hermann Heinrich Yalfers ist nicht bekannt.

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